AHAB, NAILED TO OBSCURITY (Club Cann, Stuttgart, 20. Januar 2018)

AHAB-Konzertfoto_Stuttgart800

 

NAILED TO OBSCURITY haben mit „King Delusion“ nicht nur ein richtig tolles Album veröffentlicht – sie waren auch der perfekte Opener auf einen sehr schönen und ungewöhnlich intensiven Konzertabend.  Mit „King Delusion“, „Protean“, „Memento“ „Uncaged My Sanity“ und „Desolate Ruin“ standen auch fast ausschließlich Songs vom ziemlich genau ein Jahr alten Album „King Delusion“ auf der Setlist.

NAILED TO OBSCURITY-Sänger Raimund Ennenga

NAILED TO OBSCURITY-Sänger Raimund Ennenga

Eine Ausnahme und das einiges ältere Stück war „Sealed“, das durchaus ein bisschen ruppiger als das neue Material klingt.  Besonders gut gefallen hat mir „Desolate Ruin“ mit seinen wunderbaren Gitarrenläufen, die auch von INSOMNIUM sein könnten. Grundsätzlich spielem NAILED TO OBSCURITY Death Doom Metal der anspruchsvollen Sorte, mit vielschichtigen Songs und überraschenden Wendungen, der an frühe NOVERMBERS DOOM, SATURNUS oder auch OPETH erinnert.

NAILED TO OBSCURITY-Gitarristen Jan-Ole Lamberti und Volker Dieken

Und das funktioniert auch live ganz wunderbar: Auch auf der Bühne können die Norddeutschen den Bogen spannen vom bedrohlichen Doublebass-Gewitter bis zur ätherischen Gitarrenmelodie, vom finstersten Grollen bis zum klagenden Klargesang. Dazu kommt ein unglaublich sympathisches und ehrliches Auftreten der Band um Sänger Raimund Ennenga.

Das war ein rundum gelungener Auftritt einer Band, die sich voller Selbstbewusstsein in den Genre-Grenzen bewegt, richtig gute Songs schreibt und diese auch zu 100 Prozent auf die Bühne bringt. Den inzwischen rund 300 Dooomern im Club Cann hat’s gefallen.

Konzertfotos NAILED TO OBSCURITY

AHAB öffneten in Stuttgart ein schwarzes Loch

AHAB hätten meinetwegen auch in einer bestuhlten Halle spielen können – und ich würde nie (NIE!) auch nur in Erwägung ziehen, Sitzplatztickets für ein Konzert zu kaufen. Ein gutes Konzert bedeutet für mich immer auch Bewegung und positive Energie, die man auf und vor der Bühne spürt. Und dann kamen AHAB und öffneten an diesem Abend ein schwarzes Loch, das einfach alles in sich hineinzog – bis nur noch ihre wahnsinnigen Geschichten das Denken und Fühlen beherrschten. Ein wirklich besonderes Konzert, bei dem die Band viele der Zuschauer im wahren Sinne des Wortes einfach in ihren Bann zog – die meisten standen still und genossen.

AHAB-Gitarrist Chris Hector und Sänger/Gitarrist Daniel Droste

„The Boats Of Glen Carrig“, das vierte Album der Nautic Doomer aus Heidelberg, findet ehrlich gesagt, gar nicht so oft den Weg durch meine Boxen – denn man braucht einfach richtig viel Zeit und Muße, um sich auf die komplexen Songs einzulassen, die so unbeständig wie das Wetter an der Küste sind und unerwartete Moment am Ende doch immer zu einem schlüssigen Ganzen verbinden. Dazwischen immer wieder Intros und Klangkollagen, knarrende Bootsplanken, strömender Regen, tosender Sturm – und Daniel Drostes unfassbar wandelbarer Gesang zwischen Klagelied und wüsten Growls.

Kaum Ansagen, stattfdessen ließen AHAB ihre Songs sprechen – was vom Puplikum dankbar aufgenommen wurde. An diesem Abend war eher selbstversunkenes Schwanken wie auf dem Meer statt der üblichen Konzertrituale zu beobachten. Nur am Ende (wie immer megapünktlich im Club Cann) wachte man nach und nach auf und bedankte sich mit langem, warmen Appluas bei dem Quartett für einen ungewöhnlich intensiven Konzertabend.

Konzertfotos AHAB

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andrea
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