WARBRINGER: Der ultimative Heavy Metal-Hybrid

Nachdem WARBRINGER sich mit ihrem neuen Album „Woe To The Vanquished“ wieder mal selbst übertroffen haben, mussten wir Frontsau John Kevill zum Email-Interview antreten lassen. Lest selbst, was John zu so unterschiedlichen Themen wie den Line Up-Problemen, dem neuen Album oder der aktuellen US-Führung zu sagen hatte.

Hey John, wie geht es dir?
Mir geht es super. Wir haben gerade eine großartige Europatour mit HAVOK, EXMORTUS und GOROD abgeschlossen.

Glückwunsch zum neuen Album. Ich halte “Woe To The Vanquished” für euer bisher dunkelstes und intensivstes Album. Und für euer bisher bestes. Ich mag es wirklich sehr und trotz des ebenfalls starken neuen KREATOR-Albums „Gods Of Violence„, wird ”Woe To The Vanquished” wohl mein Thrash-Album des Jahres werden. Ich schätze mal, ihr seid mit dem Album zufrieden?

Danke dir! Ich liebe das Album, es fühlt sich fast wie ein neuer Anfang für die Band an. Für mich ist es ganz ehrlich unser bestes Album und das, auf welches ich am meisten stolz bin.

Viele Bands behaupten, dass ihr aktuelles Album das Beste ist, was sie jemals veröffentlicht haben. Aber ihr werdet wirklich mit jedem verdammten Album besser und besser.

Nochmals danke! Wir sehen das so: Wenn wir nicht mehr in der Lage sind uns zu verbessern, sollte die Band nicht länger existieren. Kreativität steht an erster Stelle und für WARBRINGER hat dies immer Entwicklung bedeutet sowie Verbesserung beim Songwriting, Spielen, bei der Produktion und der Performance. Wir haben diese Erwartung an uns selbst.

Vier Jahre sind eine eher lange Zeitspanne zwischen zwei Alben, speziell für euch. Was hat diesmal so lange gedauert?

Die Band ist nach “Empires Collapse” implodiert und es hat den Großteil der folgenden vier Jahre gebraucht um sie wieder aufzubauen, und das gleich zweimal. Wir hatten Anfang 2014 kein Line Up, kein Label – gar nichts. Es war, als würden wir wieder ganz von vorne beginnen. Erst als Carlos Cruz Ende 2015 wieder einstieg, waren wir in der Lage, die Musik für “Woe To The Vanquished” zu erschaffen.

Es gab drei Line Up-Wechsel zwischen den beiden letzten Alben. Das ist so ein Dauerproblem bei WARBRINGER. Hat das mit eurem Status als Band zu tun? Zu groß, um es als Hobby zu betreiben, zu klein um zu sagen “Scheiss auf alles andere, ich brauche keinen normalen Job, ich bin ein Rock Star!”?

Ja, das ist tatsächlich eine ziemlich gute Diagnose. Wir steckten in diesem Bereich fest, in dem wir als Band bekannt und gefordert genug waren, um die Band als Vollzeit-Job zu betreiben und international zu touren – aber gleichzeitig nicht genug damit  verdienen, um einen ordentlichen Lebensunterhalt zu haben. Paradoxerweise war das größte Problem, das uns davon abhielt, den nächsten Schritt zu machen genau dieses konstante Problem mit dem Line Up. Das war für mich persönlich sehr frustrierend, da ich manchmal das Gefühl hatte, zu verdammt lang für zu wenig gearbeitet zu haben. Nichtsdestotrotz glaube ich an die Musik und muss weitermachen.

Immerhin ist die Position des Schlagzeugers nun schon seit einer Weile recht stabil. Carloz Cruz hat auf den drei letzten Alben gespielt. Ich schätze mal, mit ihm habt ihr den richtigen Mann für WARBRINGER gefunden.

Er war nach “Empires Collapse” zwei Jahre lang nicht in der Band aber ja, er ist der definitive WARBRINGER-Schlagzeuger. Einer der absolut besten im Geschäft  und ein großartiger Arrangeur und Komponist neben seinen Fähigkeiten als Schlagzeuger. Zusammen mit mir und Adam Carroll war er der Haupt-Songwriter auf “Woe To The Vanquished”.

Adam Carroll ist zurück in der Band. Wie kommts?

Er hat auf jedem Album außer “Empires Collapse” gespielt, für das er aber auf Tour gespielt hat. Er war nur für kurze Zeit wegen eines familiären Notfalls nicht in der Band. Davon abgesehen ist Adam so lange in der Band wie ich. Das gibt unserem Sound so einen hohen Wiedererkennungswert.

Ihr habt die Plattenfirma gewechselt, was mich ein wenig überrascht hat. Als ich 2011 mit John Laux über die Zusammenarbeit mit Century Media gesprochen habe, war er voll des Lobes und konnte sich nicht vorstellen, mit einer anderen Plattenfirma zu arbeiten. Was hat sich geändert?

Du wirst bemerkt haben, dass John Laux die Band verlassen hat –  er ist der Hauptgrund, weshalb wir nicht mehr mit Century Media weitergemacht haben. Er hat vor der Veröffentlichung des Albums verkündet, dass er die Band nach der ersten Tour zu “Empires Collapse” verlassen würde. Das hat die komplette Band zusammenbrechen lassen. Wir hatten einen Vertrag über vier Alben und Century Media boten an, ihn zu verlängern. Aber wir waren nicht dazu in der Lage, denn es gab zu diesem Zeitpunkt kein Lin-Up außer mir. Hätten wir damals weitermachen können, wären wir vermutlich noch bei derselben Plattenfirma. In der Zwischenzeit gab es bei Century Media zumindest in den USA eine Menge Änderungen, was die  Mitarbeiter und die Ausrichtung des Labels angeht und daher hatten wir das Gefühl, dass Napalm Records die bessere Wahl waren um die Band voran zu bringen.

Im selben Interview haben wir auch darüber gesprochen, dass Ihr eine der wenigen Bands aus der Welle neuer Thrash Bands, die vor zehn bis zwölf Jahren aufkam, zu sein scheint, die es geschafft haben, zu wachsen und ein gewisses Level zu halten. Das scheint heute umso mehr zutreffend zu sein. Viele Bands von damals sind weg vom Fenster oder backen deutlich kleinere Brötchen, Ihr marschiert immer weiter vorwärts. Was würdest du sagen, unterscheidet euch vom Rest?

Hauptsächlich absolute Beharrlichkeit. Ich hab alles verloren und hätte aufhören können, wollte aber nicht. Ich muss das machen, das ist, was ich bin und aus diesem Grund mache ich weiter. Außerdem denke ich, dass WARBRINGER mehr musikalischer Ambition haben als der Großteil unserer Kollegen. Deshalb sind wir in der Lage, uns von Album zu Album weiterzuentwickeln und uns nicht zu widerholen, während wir trotzdem eine bösartige und extreme Thrash Metal-Band bleiben.

Eure musikalische Entwicklung ist recht interessant. Auf euren ersten Alben habt ihr mehr oder weniger reinen Thrash Metal gespielt aber mit der Zeit habt ihr Death Metal und andere Dinge in euren Sound integriert. War das eine geplante und gesteuerte Modifizierung oder eher natürliche Entwicklung, vielleicht auch durch einen sich ändernden Musikgeschmack?

Eigentlich ist nur das erste Album „War Without End“ purer Thrash und selbst dort gibt es Kram wie “At The Crack Of Doom” mit Blastbeats und einem Hauptriff, das nach Black Metal klingt. Ich denke, wir wurden unfairerweise als reine Old school Thrash-Band gesehen, obwohl wir tatsächlich unsere sehr eigene Version von Thrash Metal spielen, die auf der einen Seite Elemente aus dem Death und Black Metal, auf der anderen Seite aber auch aus dem melodischen Heavy Metal enthält, speziell in Teilen des Lead-Gitarrenspiels.

Wir versuchen eine Art ultimativen Hybrid-Heavy Metal zu erschaffen und dies ist das Ergebnis. Wir versuchen niemals bewusst zu verändern, was wir sind, eher zu verfeinern. Ich denke die Leute bemerken endlich, dass schon seit einer ganzen Weile sehr viel mehr als nur typischer Thrash Metal auf den WARBRINGER-Alben stattfindet. Selbst die reinen Thrash-Songs, die wir haben, sind strukturell häufig unkonventionell. Es gibt nicht viele WARBRINGER-Songs, bei denen zum dritten Mal dieselbe Strophe und der gleiche Refrain kommen. Meistens biegen wir irgendwo ab und machen etwas völlig anderes an dem Punkt, wo andere Bands noch mal dieselbe Strophe und den Refrain wiederholt hätten.

Lass uns über die Texte auf “Woe To The Vanquished” reden. Der erste Song, “Silhouettes”, scheint von einem Atomschlag zu handeln. Erst scheint es eine Geschichte aus der Vergangenheit zu sein, vielleicht über Hiroshima oder Nagasaki. Aber mit dem letzten Abschnitt wird ein Bezug zur Gegenwart hergestellt. Denkst du wirklich, dass wir an der Schwelle zu einem weiteren Weltkrieg oder etwas ähnlichem stehen?

Es geht tatsächlich um die Zukunft, auch wenn die Bildsprache sehr an Hiroshima und Nagasaki erinnert, da dies das einzige Mal war, dass Nuklearwaffen gegen Menschen eingesetzt wurden. Alles was ich weiß, ist, dass wenn es noch mal einen Krieg im großen Stil gibt, es wahrscheinlich das Ende von allem sein wird. Das Waffenarsenal ist deutlich beängstigender geworden als die allgemeine Öffentlichkeit realisiert und niemand will darüber sprechen.

“Silhouettes” spielt in einer Zukunft, in der alles zerstört, kaum noch jemand am Leben ist und die Seelen von Millionen von Toten gefangen sind im Schatten, der in den Boden gebrannt wurde, wo sie einst standen. Diese Millionen Seelen schauen zurück auf uns in der Gegenwart und verurteilen uns dafür, dass wir nichts getan haben um diese grauenvolle Zukunft zu verhindern, die wir verursacht haben. Dass wir es haben kommen sehen und trotzdem haben geschehen lassen. Erschreckender Stoff, der für mich viel zu nah an der Wirklichkeit ist.

Einige Worte, die du im Titelsong verwendest, verweisen auf das römische Reich. Ist das ein rein historischer Text oder geht es um mehr? Willst du vielleicht das römische Reich mit den USA von heute vergleichen? Immerhin habt ihr ja jetzt auch eine Art von Nero als Staatsoberhaupt 😉

Der Text und das Thema des Songs stammen aus der Zeit des römischen Reiches. Das Zitat “Vae Victis” stammt aus der Geschichte von Brennus dem Gallier und der manipulierten Waage. Die Idee dahinter ist, dass Macht Recht gibt. Dass die Starken alles nehmen, was sie wollen und die Schwachen nichts bekommen. Das ist etwas, was auf Menschen in allen Zeitperioden passt. Ich finde eine Menge Parallelen zwischen dem späten römischen Reich und den heutigen USA. Ich fühle, dass sich unser Land im Niedergang befindet und ja, die aktuelle Führung ist sicherlich keine Hilfe.

Das fundamentale Problem ist der Wille zur Macht, die Suche nach Dominanz über andere, die tief im menschlichen Herzen wohnt. Das Paradoxon der Macht ist, dass jene, die am besten dafür geeignet wären sie auszuüben, nicht nach ihr streben und jenen, die nach ihr streben, üblicherweise nicht gestattet sein sollte, sie auszuüben.

“Remain Violent” ist ein Song über Polizeigewalt, oder speziell über weiße Cops die Afro Amerikaner erschossen und die Aufstände, die darauf folgten. Hast du Verständnis für die Menschen, die diese Aufstände starteten?

Nun, ich habe jeden Verweis auf Rasse außen vor gelassen, um es allgemeiner zu halten. Es geht um die Polizei als Instrument der Unterdrückung anstatt des Schutzes. Das schließt die Aufstände und Vorfälle, die du genannt hast ein, beschränkt sich aber nicht auf diese. Ich weiß nicht, ob ich sagen kann, dass ich genau verstehe, wie diese Menschen fühlen, da ich als weißer Musiker auf Tour aus der anderen Hälfte des Landes eine gewisse Distanz habe.  Aber ich denke nicht, dass die Polizei unbewaffnete Zivilisten erschießen sollte und sie sollte mit Sicherheit nicht von Anschuldigungen freigesprochen werden, wenn es eindeutige Videoaufnahmen gibt. Die Polizei sollte da sein, um die Bevölkerung zu beschützen, nicht um sie zu unterdrücken. Darum geht es in dem Song.

“Shellfire” handelt von Veteranen, richtig? Der Umgang mit Veteranen ist ein sehr langlebiges Thema in den USA. Bruce Springsteen hat immerhin schon vor über dreißig Jahren darüber gesungen.  

Nun, die letzte Strophe handelt davon. Es geht spezifisch um das Grauen der Schlachten an der Westfront des ersten Weltkrieges wie an der Somme, in Verdun oder Paschendale und vielen, vielen anderen Orten. Oftmals waren die Menschen dort tage- oder sogar wochenlang andauerndem, pausenlosen Artilleriefeuer ausgesetzt ohne etwas tun zu können, außer in Deckung zu bleiben und zu hoffen, nicht von einem Geschoss zerfetzt zu werden. Es geht um den Gegensatz von Ehre und Ruhm und der furchtbaren Realität, der die Soldaten ausgesetzt waren, in der sie auf dem Boden eines Kraters lagen, umgeben von verrottenden Toten und beteten, nicht vernichtet zu werden.

Die letzte Strophe handelt davon, wie diese Soldaten, nachdem Sie diesen Horror durchlebt hatten, von ihren Heimatländern, für die sie gekämpft hatten, im Stich gelassen wurden. Die physischen und psychischen Wunden dieser Männer waren unbegreiflich für die Welt, in die sie zurück kehrten, einer Welt, die einfach nur weitermachen wollte, weg vom Horror des großen Kriegs. Daher ist diese Generation als die verlorene Generation bekannt geworden. Der Song handelt von einem historischen Thema, aber wie immer, wenn ich das tue, gibt es auch eine Parallele zur Moderne. Ich sehe in Los Angeles fast jeden Tag obdachlose Veteranen und unser Land sollte sich dafür schämen.

„Spectral Asylum“ handelt wohl von einer geistig gestörten Person. Der Song beginnt mit den Worten “waking into nightmares”, was auch der Titel eures zweiten Albums war. Gibt es eine Verbindung zum Album „Waking Into Nightmares“ , auf dem es ebenfalls Texte über geistig gestörte Personen gab? Ein faszinierendes Hobby von dir?

Dieser Song ist eigentlich nur dunkle Fantasy über ein düsteres Traum-Reich, vielleicht darüber, was nach dem Tod geschieht. Ich wollte dem Text einen dunklen, unheimlichen und psychotischen Anstrich geben. Der Albumtitel “Waking Into Nightmares” wurde erst festgelegt als die komplette Musik und die Texte schon standen, diese Worte tauchen also auf dem Album überhaupt nicht auf. Ich finde, es ist eine coole Anspielung und passt aber auch zum Thema und der Musik des Songs.  

Ich mag den Text von  “Divinity of flesh”, obwohl ich nicht sicher bin, wovon er handelt…

Es geht um wissenschaftliche, humanistische Philosophie und einige meiner persönlichen Überzeugungen. Die grundsätzliche Aussage des Songs ist, dass auch, wenn bestimmte Menschen sterben, ihr Schaffen weiterlebt und wir vom Wissen und der Ideen der Menschen vor uns profitieren können. Ich glaube nicht, dass es einen Gott gibt, schon gar nicht in dem Sinne, wie es den Menschen erzählt wird. Aber ich denke, dass unsere Fähigkeit Dinge wie Musik, Texte, Kunst oder Technologie zu erschaffen auf gewisse Weise göttlich ist. Die Stelle am Ende, an der ich “my words will live on” sage ist eine meiner liebsten Stellen, denn diese Worte und dieses Album werden in der Tat noch existieren, wenn ich nur noch ein Haufen Knochen bin. Göttlichkeit!

“When The Guns Fell Silents” handelt vom ersten Weltkrieg. Der Text ist – zumindest stellenweise – aus verschiedenen Gedichten entnommen, die von Menschen verfasst wurden, die im Krieg gedient haben. Ich mag den Text wirklich sehr. Hast du dich extra für diesen Song mit dem ersten Weltkrieg beschäftigt oder ist das ein Thema, welches dich generell interessiert?

Oh, ich habe diesen Zeitraum ziemlich obsessiv studiert und es geht bei zwei Songs auf dem Album darum. Auch das Albumcover ist davon beeinflusst. Dieser Song im speziellen ist durch meine Studien entstanden und ich habe wirklich versucht die Seele einiger Werke, die ich gelesen habe in der Musik und den Texten zu kanalisieren. Diese Dualität zwischen Mut, Ehre und Pflicht sowie dem herzzerreissenden Gefühl des Verlustes über das endlose und scheinbar sinnlose Schlachten an den Frontlinien. Ich studiere, um Geschichts-Professor zu werden und ich denke, dass diese Zeitperiode sehr wichtig und bei der Mehrheit der Menschen viel zu wenig bekannt ist.

Hast du Orte wie Verdun besucht oder hast du entsprechende Pläne? Es ist eine Sache, über den Krieg zu lesen aber historische Plätze zu besuchen ist etwas völlig anderes. Ich war vor kurzem im früheren Konzentrationslager in Dachau und das war eine wirklich sehr intensive Erfahrung, auch wenn ich natürlich vorher wusste, was alles während Hitlers Herrschaft geschehen ist.

Ich bin noch nicht dorthin gereist. Der Großteil meiner Reisen führt mich wohl oder übel nur zum nächsten Konzertsaal. Ich will Verdun und andere Schauplätze der Westfront aber sehen. Zu wissen was dort geschehen ist, während man auf diesem Grund steht wäre eine erschütternde und kraftvolle Erfahrung. Die Frage, auf welche der erste Weltkrieg die Antwort gibt, und die so viele Menschen nicht kennen oder verstehen ist: Wie kamen Hitler und Stalin an die Macht? Wie kamen zivilisierte, europäische Länder an diesen Punkt? All diese Antworten finden sich in den Ereignissen von 1914 bis 1918.

Die ganze Band hat sich von euren ersten Schritten bis zum Punkt, an dem ihr jetzt seid deutlich gesteigert. Was mich aber am meisten beeindruckt ist deine Steigerung als shouter. Auf den ersten beiden Alben fand ich deinen Gesang über die Dauer eines kompletten Albums etwas anstrengend. Jetzt halte ich dich für einen großartigen Shouter, immer noch verdammt aggressiv aber weniger monoton. Hast du jemals Gesangsunterricht genommen?

Ja, seit “Empires Collapse”. Unser erstes Album waren meine ersten musikalischen Schritte und einige der ersten Songs, die wir überhaupt geschrieben haben. Ich denke, dass ich meinen Stil deutlich verfeinert habe und einfach generell viel besser geworden bin.

Ihr wart mit so unterschiedlichen Bands wie MEGADETH, OVERKILL, KREATOR, EXODUS, ICED EARTH, SYMPHONY X, SUFFOCATION, ARCH ENEMY, HATEBREED oder OBITUARY auf Tour. Welche Tour war bislang die beste und gab es eine Tour, bei der ihr das Publikum nicht so richtig überzeugen konntet?

Jede dieser Touren war eine ganz eigene Odyssee, es ist also schwer zu sagen, welche “die beste” war. Unser Ziel ist es, unsere Musik vor so vielen Leuten wie möglich zu spielen, also ist jedes Mal, wenn das passiert ein Erfolg. Wir hatten eigentlich noch nie Probleme, das Publikum zu überzeugen, da wir eine verdammt gute Live-Band sind und so manche Band nach unserem Auftritt eher leblos haben aussehen lassen.

Und nun zu etwas völlig anderem. Da ihr eine amerikanische Band seid, bin ich wirklich sehr daran interessiert, wie du über Donald Trump als Präsidenten denkst. Kannst du verstehen, dass die Menschen ihn als Statement gegen das politische Establishment gewählt haben?

Ja, und das bestehende Establishment ist gespickt mit Problemen. Aber Trump ist ein Hochstapler, nicht mehr und nicht weniger. Die Menschen, die ihn gewählt haben waren einfach nur dumm und das Ergebnis war völlig vorhersehbar. Er nutzt die Situation und sein Amt für persönliche Bereicherung und bricht nahezu jedes Versprechen, welches er gegeben hat. Es ist ihm egal, ob er lügt – es ist einfach eine Angewohnheit. Es wäre besser für die Menschheit, wenn ihn jemand erschießen oder aus dem Amt entfernen würde. Er gehört dort nicht hin und er begreift das enorme Gefahrenpotential nicht, welches von seiner Macht ausgeht. Siehe dazu auch “Silhouettes”. Abgesehen davon würde der Kerl selbst in einer Debatte mit dem Kapitän des High School Debattier-Teams den Arsch versohlt bekommen. Das ist für ein Staatsoberhaupt dieser Größe einfach inakzeptabel. Es ist eine vollkommene Schande und ein Fleck auf der Glaubwürdigkeit und der Ehre Amerikas.

Um ehrlich zu sein, viele meiner Freunde, die eher dem liberalen oder linken Lager angehören sind wirklich verängstigt und fragen sich “Was zum Teufel tut er als nächstes?”.

Ja, große Macht muss vorsichtig genutzt werden. Ich bin eher kein Linker aber ich stimme nichts von dem zu, was er tut. Es gibt momentan leider keinen zurechnungsfähigen rechten Flügel in Amerika und die Linken sind ebenfalls häufig fehlgeleitet. Beide Seiten hängen auf diesen festgefahrenen Partei-Punkten und vorgefertigten Sichtweisen fest, die am Hauptproblem vorbeigehen – nämlich der immer größer werdenden wirtschaftlichen Ungleichheit.

Ich begreife immer noch nicht, wie so viele Leute einen Milliardär wählen konnten, in der Hoffnung, dass er die Dinge für die Arbeiterklasse zum Besseren wendet. Der Kerl hat davon gesprochen die Wall Street zu bekämpfen und hat nun einen ganzen Haufen ehemaliger Goldman Sachs-Banker in seinem Kabinett. Held der Arbeiterklasse am Arsch…

Jeder hätte das vorhersagen können, viele Leute haben es auch getan – aber die Leute haben trotzdem für ihn gestimmt. Die Sache ist, dass Politik relativ schwer zu verstehen ist, wir aber in einer Welt leben, in der viele an einer Überzeugung festhalten, ungeachtet der Masse an Beweisen für das Gegenteil. Um jemanden von etwas zu überzeugen, muss derjenige sich auch überzeugen lassen wollen. Ohne dies ist all die Wahrheit und jeder faktische Beweis der Welt bedeutungslos.

Glaubst du, dass er in vier Jahren erneut gewählt werden wird? Und wie wird seine Zeit im Weißen Haus das Gesicht Amerikas verändern?

Ich hoffe nicht. Wahrscheinlich nicht. Ich denke, die Realität wird uns irgendwann einholen. Aber bis dahin denke ich, dass es in Sachen Einkommensgleichheit schlechter werden wird. Ich bin kein Linker und kein Sozialist aber für ein gesundes, demokratisches, kapitalistisches System brauchst du einen angemessenen Anteil an wirtschaftlicher Gleichheit. Diese Verteilung, die wir haben, macht einfach keinen Sinn und es führt nur zu Korruption, wenn man all diesen überschüssigen Wohlstand auf einen geringen Teil der Bevölkerung konzentriert hat, während ein großer Teil der Menschen nur von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck lebt. Der Wirtschaft als Ganzes geht es besser, wenn alle Menschen mehr Kaufkraft haben und auch Arbeitsplätze am unteren Ende des Lohnspektrums – die ja auch jemand machen muss – gut genug bezahlt werden, um davon leben zu können.

Du hast es bis zum Ende des Interviews geschafft. Danke für deine Zeit und Geduld. Irgendwelche letzten Worte an unsere Leser? Was steht als nächstes bei euch an?

Nun, davon ausgehend, dass die Zivilisation die nächsten paar Jahre überlebt, werden wir weiter für diese verdammt bösartige Platte, die wird gerade gemacht haben touren und dann am Nachfolger arbeiten. Danke fürs Lesen und denkt daran  – egal in welche Richtung die Welt sich dreht – zu den Dingen zu stehen, die wirklich einen Wert haben, idiotische Ideen ohne Gültigkeit abzulehnen, weiter kritisch zu denken und euch nicht von irgendwelchen Leuten Unsinn in den Kopf setzen zu lassen. Auch wenn das bedeutet, auf einsamem Posten zu stehen, wie es häufig ist. Für mich ist Heavy Metal ein Teil davon, etwas echtes, reines und ehrliches in einer Welt voller Korruption und Fehlinformation. Hört euch das neue Album an und hört es laut! Passt auf euch auf, wir sehen uns auf Tour!

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