WARBRINGER: Der Mensch, das grausame Tier!

WARBRINGER: Der Mensch, das grausame Tier!

WARBRINGER haben mit Worlds Torn Asunder gerade ihr drittes Album veröffentlicht und sich noch einmal gesteigert. Also wurde es mal Zeit, der Band – in Person von Gitarrist John Laux – per Email auf den Zahn zu fühlen.

Hey John! Danke und herzlichen Glückwunsch zu eurem dritten Album  Worlds Torn Asunder. Das dritte Album ist häufig etwas Besonderes, hat euch das beeinflusst als ihr die Songs für Worlds Torn Asunder geschrieben habt?

Danke dir. Wir wollten einfach nur ein Kick Ass Heavy Metal-Album abliefern. Die Chemie im neuen Line Up ist die stärkste, die die Band bisher hatte. Wir hatten alle ein paar Asse im Ärmel und haben ein halbes Jahr an dem Album gearbeitet, bevor wir ins Studio gegangen sind. Die Umstände waren insgesamt viel besser als bisher und wir sind sehr stolz auf “Worlds Torn Asunder”.

Es ist auch euer drittes Album für Century Media. Wie lange seid ihr an sie gebunden und wie zufrieden seid ihr mit der Arbeit, die sie für WARBRINGER machen?

Wir fühlen uns geehrt ein Teil der Century Media-Familie zu sein. CM haben ein großartige Reputation, ein Killer-Portfolio was ihre aktuellen Bands angeht und einen Backkatalog vollgeladen mit Meisterwerken. Wir kennen viele coole Leute die mit der Firma arbeiten, auch die kleineren Büros auf der ganzen Welt haben einen tollen Job mit der Promotion für unsere Band gemacht. Century Media nehmen sich Zeit und kümmern sich darum, ihre Bands zu entwickeln. Verglichen mit der Schmeiß sie an die Wand und schau mal ob sie kleben bleiben-Mentalität das so vielen talentierten Bands Kopfschmerzen bereitet. Wir haben einen Vertrag über ein weiteres Album, der nächste Schritt liegt also ein paar Jahre in der Zukunft. Ich kann keine Vorhersagen machen. Aber was die Stärke unserer Partnerschaft sowie den Wirkungsbereich und Einfluss von Century Media angeht, kann ich mir kein anderes Label vorstellen, mit dem ich momentan arbeiten wollen würde.

Laut Presseinfo spielt ihr etwa dreihundert Konzerte im Jahr. Trotzdem habt ihr es geschafft drei Alben in vier Jahren zu veröffentlichen. Ich gehe also mal davon aus, dass ihr viele Songs auf Tour schreibt.

Ja und nein. WARBRINGER waren um die Zeit unseres Debüt War Without End eine ziemlich unerfahrene Truppe mit ein paar Demos und zwei Jahren voller Wochenende-Shows. Eine handvoll Songs für das Album wurden schon Jahre bevor wir einen Vertrag bekommen haben geschrieben. Sobald wir im Studio fertig waren, sind wir auf Tour gegangen und haben uns mit großartigen Bands wie EXODUS, NILE, NAPALM DEATH, SUFFOCATION, FINNTROLL und OVERKILL die Leiter hochgearbeitet. Es hat nicht lange gedauert bis wir eine Menge gelernt hatten. Leider hat uns das dauernde touren und die die Line Up-Wechsel keine Zeit gelassen um vollständige Songs für Waking Into Nightmares auf Tour auszuarbeiten. Wir haben die Songs für dieses Album in zwei Monaten geschrieben und im Studio mit Gary Holt in zwölf Tagen eingespielt.

Klar, das war eine Erfahrung aber wir haben sichergestellt, dass wir nie wieder unter solchen Deadlines arbeiten würden. Wir haben zwei Jahre für Waking Into Nightmares getourt und zu diesem Zeitpunkt hatten wir in Laptops und Probe-Verstärker investiert, was grobes Komponieren und Brainstormen auf Tour möglich gemacht hat. Songwriting ist ein Gruppenprozess und die Songs sind erst fertig, wenn wir die Musik mit allen in der Band ausgearbeitet und arrangiert haben.

Ihr habt mit einer Menge Bands getourt in den letzten Jahren. Welche Tour war bisher die beste?

Ich persönlich denke, dass die KREATOR/EXODUS-Tour in Nord Amerika, einer der größten und besten Thrash-Touren war, die wir je gemacht haben. Unser letzter Schlagzeuger Nic Ritter hatte sich einen Tag vor der Tour den Arm gebrochen und wir hatten echt Glück, einen Ersatzmann zu bekommen. Wir haben uns dann mit einer kürzeren Setlist durch die Tour durchgebissen. Glücklicherweise waren alle beteiligten Leute echt großartig. Das war eine gute Zeit. Eine andere großartige Tour war die mit MEGADETH, bei der wir eine Dreiviertelstunde spielen konnten und in Las Vegas ihr direkter Support waren. Unglücklicherweise war das mitten im Winter und wir haben in den kältesten Städten im Nordwesten gespielt.

Welche Geschichten würdet ihr euren Kindern erzählen, wenn sie nach euren frühen Tour-Jahren fragen und welche würdet ihr Ihnen nicht erzählen?

Persönliche Erfahrungen von Reisen durch Länder wie Japan, Thailand, Malaysia oder die Ukraine. Ich habe einige echt wilde Sachen gegessen und einige meiner schönsten Konzerte gespielt. Die Woche in München nach dem SUMMERBREEZE mit der Stormbringer-Crew war unser einziger echter Urlaub. Horror-Filme schauen, bayrisches Bier trinken, im Park kochen und noch mehr Bier trinken. Das war echt super. Ich werde nicht über blöde Faustkämpfe reden und die Sachen über weibliche Genitalien aufsparen bis ich geschieden bin.

Plant ihr eigentlich von der Band leben zu können oder wie sehen eure Zukunftspläne für
WARBRINGER und euch selbst aus? Ich denke mal, ihr könnt dieses Tempo, mit so vielen Konzerten nicht weiter machen, wenn ihr nebenher arbeiten müsst.

Bisher waren WARBRINGER seit ich siebzehn bin der Fokus in meinem Leben. Niemand von uns kann zwischen den ganzen Touren einen vernünftigen Job halten, Geld ist also knapp. Wie auch immer, das sind die besten Jahre unseres Lebens, Konzerte zu spielen ohne drauf zu zahlen und aus dem Rucksack zu leben. Wir haben keine Ehen, Schulden oder Kinder. Die Band wächst immer noch, wir fahren jedes Jahr größere und bessere Touren. Für Worlds Torn Asunder werden wir wohl nicht so exzessiv touren wie für das letzte Album, auch wenn sich das, wenn ich mir die bisher so besprochenen Tourpläne ansehe auch noch ändern könnte. Ich denke, wir werden in jedem Land etwas weniger touren da wir weiterhin versuchen neue Märkte wie Süd- und Mittelamerika und mehr in Asien für uns zu erschließen. Es ist ein harter Lebensstil, ich denke, dass nicht viele Leute verstehen, wie schwer es ist, eine Tour kostendeckend zu fahren und Geld nach Hause zu bringen. Ich habe Pläne für meine Zukunft und ich denke, jeder andere in der Band auch. Aber momentan geben wir alle hundertzehn Prozent für WARBRINGER und schauen mal wohin die Reise geht.

WARBRINGER:

Eure Riffs sind stark von EXODUS beeinflusst und Gary Holt hat euer zweites Album produziert. Würdest du sagen, dass EXODUS euer größter Einfluss sind?

Nicht wirklich, das hängt davon ab, welcher Gitarrist den Song geschrieben hat. Und selbst dann, Adam hat nur eine handvoll Songs geschrieben, bei denen die Riffs von EXODUS beeinflusst wurden. Ich denke, du siehst da eine zu starke Verbindung. EXODUS sind ganz klar eine der aggressivsten Bay Area-Bands, sie sind ein großer Einfluss und Gary Holt ist dafür verantwortlich, dass unser Gitarrensound auf dem zweiten Album eine deutliche EXODUS-Schlagseite hat. Davon abgesehen gibt es nicht eine einzige Band die wir bewusst oder unbewusst zu kopieren versucht haben, weil wir unsere liebsten Elemente aus Tonnen von Bands verarbeiten. Alle die hochtalentierten Bands der NWOBHM, des Death und Black Metal und des Punk haben unseren Sound auf die eine oder andere Weise geformt und beeinflusst.

Wer hat das Piano auf Behind The Veils Of Night eingespielt? Ich mag den Song wirklich sehrt gerne, er ist sehr atmosphärisch und gibt dem Hörer eine Verschnaufpause.

Adam Carrol. Für die unter euch, die nicht mit unserer Geschichte und unserem Line Up vertraut sind: Adam war der ursprüngliche Schlagzeuger, hat für ein Jahr pausiert und ist dann 2008 als zweiter Gitarrist wieder eingestiegen, als wir bei Century Media unterschrieben haben. Er ist ein talentierter Musiker und kann mehrere Instrumente mit Leichtigkeit spielen. Dasselbe kann man über unseren neuen Schlagzeuger Carlos Cruz sagen. Er hat den Song zusammen mit Adam geschrieben und spielt die Gitarre auf dem Track.

Ich würde sagen, dass ihr bisher mit jedem Album besser geworden seid. War Without End war okay, Waking Into Nightmares richtig gut und das neue Album ist – zumindest meiner Meinung nach – euer bisher Bestes.

Da stimme ich dir zu. Unsere ganze Karriere war ein Lernprozess. Wie ich schon vorher erklärt habe, haben wir diese Band in der High School gegründet. Wir hatten keine Ahnung, welchen Sound wir von einem Produzenten oder Studio haben wollten, bis wir einfach mal losgegangen sind, ein paar Aufnahmen gemacht und über diesen Prozess gelernt haben. Als ich realisiert habe, dass wir die Chance hatten uns einen Namen zu machen, haben sich die Dinge geändert. Wir haben die Latte mit jeder Platte höher gehängt. Es gibt immer wieder mal Dinge die falsch laufen und im Nachhinein stellen wir sicher, dass es beim nächsten Mal richtig läuft. Es ist wichtig zu wissen, dass es, wenn wir Songs schreiben, in erster Line für uns selbst kreativ befriedigend sein muss. Wie könnten wir sonst auch von anderen erwarten, unsere Musik zu genießen?

Living Weapon handelt vom modernen Soldaten. Amerika hat die am besten ausgerüstete High Tech-Armee der Welt und hat immer noch große Probleme im Irak und vor allem in Afghanistan. Wie berichten die Medien in den USA über die dortige Situation, speziell über die Verbrechen, die dort von jungen, amerikanischen Soldaten begangen werden?

Wir führen die Kriege in diesen Ländern jetzt seit fast einem Jahrzehnt, die Berichterstattung über den tatsächlichen Krieg ist minimal und die Probleme in diesem Krieg werden vom Großteil der TV-schauenden Bevölkerung kaum verstanden. Momentan konzentrieren sich unsere Medien auf interne Angelegenheiten die wie kommenden Wahlen und die Wirtschaftskrise.

Ironischweise ist das Thema Afghanistan und Irak in jeder politischen Debatte und Rede quasi nichtexistent. Wir bekommen mit, dass die Truppen abgezogen werden und ich denke, dass die meisten Amerikaner vom Krieg die Schnauze voll haben und diese Sache begrüßen. Die Verbrechen wurden großflächig veröffentlicht, zum einen durch unorthodoxe Kanäle wie Wikileaks aber sogar durch große, den Krieg befürwortende Sender wie Fox. Ich persönlich schenke den Medien nicht all zu viel Beachtung. Die westlichen Ökonomien versagen unter Druck, China ist bereit, die nächste dominante Supermacht zu werden, Revolutionen verändern das Gesicht des mittleren Westen und wir haben ein riesiges Problem mit Arbeitslosigkeit. Es ist immer ein Fiasko.

Das zehnte Jubiläum der Anschläge vom 11. September war an diesem Sonntag. Wie hast du diesen Tag erlebt und wie siehst du die letzten zehn Jahre im Rückblick?
 
Nun, unser Land möchte gerne glauben, dass es irgendwie sicherer als der Rest der Welt ist. Viele Leute denken, dass wir besser dran sind, als wir es vor zweitausend Jahren waren. Unglücklicherweise hat die Technologie nur grausamere Tiere aus uns gemacht. So lange Mensche nach Macht streben, werden weiterhin unaussprechliche Grausamkeiten rund um die Uhr, überall auf der Welt geschehen.
9/11 ist eine Tragödie, ein schrecklicher Verlust unschuldiger Leben und ich würde gerne hoffen, dass es nie wieder passiert. Ich verabscheue die schamlose, immer wiederkehrende Berichterstattung, die Angst-Taktik bezüglich Nachahmern dieser Anschläge. Der Ausdruck zehnjähriges Jubiläum ist ein widerlicher Ausdruck, Gedächtnis oder Gedenken sind deutlich bessere Ausdrücke. (Anmerkung des Verfassers: Da hat der Mann recht, Jubiläum war wohl wirklich etwas unglücklich gewählt, ob er jetzt meine Wortwahl meinte oder die der Medien.)

Was denkst du über die Entscheidungen, die nach dem 11. September 2001 von der Regierung getroffen wurden? Wie haben die Anschläge die Gesellschaft geändert?
 
9/11 gab Bush die Lizenz Diktator für einen Tag zu sein. Ich stimme nicht mit den Änderungen unserer Regierung in der letzten Dekade überein, was die interne und internationale Politik angeht. Verdammt, unsere Regierung hat keine reine Weste. Wir haben Tausende mit unseren eigenen Händen getötet. Alles, von Hiroshima bis zu den unbemannten Jagddrohnen, die taktische Bomben auf die Zivilbevölkerung in Afghanistan werfen, ist nicht zu rechtfertigen. Es ist fast so, als ob unsere Wirtschaft und unsere Führung einen Krieg brauchen, um zu funktionieren. Ich kann mich an kein einziges Jahrzehnt seit dem zweiten Weltkrieg erinnern, in dem wir nicht im Krieg waren. Unsere Regierung hat 9/11 auch dazu benutzt, die Bevölkerung dazu zu bringen, aus Angst viel persönliche Freiheit aufzugeben, um die Demokratie gegen den Terrorismus zu verteidigen. Ugh. Der Patriot Act zum Beispiel ist unfassbar. Das wäre unter keinen anderen Umständen durchgegangen. Davon abgesehen bin ich patriotisch. Ich bin hier geboren und mag die Freiheit, die Möglichkeiten und die Sonne von Süd-Kalifornien. Ich stimme unserer Regierung in den meisten Dingen nicht zu, aber wer tut das schon?

Abgesehen vom Krieg, welche anderen Themen haben die Texte für Worlds Torn Asunder inspiriert?
 
Persönliche Probleme, Shattered Like Glass beschreibt eine Reihe fataler Situationen die wiedergeben wie fragil das menschliche Leben ist und spielt mit unserer eigenen Angst vor dem Tod. Nach dem ersten Album haben wir sofort begriffen, dass wir unser Spektrum erweitern und verschiedene Themen abdecken müssen. Ich bin sehr stolz auf John Kevills Arbeit auf diesem Album. Jeder Song hat ein anders Thema und erzählt eine andere Geschichte. Future Ages Gone zum Beispiel handelt von der Singularitäts-Theorie, einer interessanten, gut dokumentierten Theorie über das Wachstum der Technologie, welches die Entwicklung der Menschheit übertrifft. Das Konzept hinter den Texten und Themen auf Worlds Torn Asunder ist der Niedergang unserer Welt durch die Hand des Menschen.

Das Cover-Artwork wurde wieder von Dan Seagrave erstellt. Es unterscheidet sich ein wenig von dem, was er sonst so in den letzten Jahren gemacht hat. Ich habe einige Cover gesehen, die er für verschiedene Bands gemacht hat, inklusive dem für Waking Into Nightmares, die sich alle recht ähnlich sahen.
 
Ja, Wir haben ihn ausgewählt weil wir Fans seiner Arbeit sind und seine Sachen aus den letzten Jahren waren ziemlich cool. Als wir das Konzept für das ikonenhafte Bild, welches wir haben wollten begonnen haben, war er einfach die offensichtlichste Wahl. Er hat ein gutes Auge für Surrealistisches und Abstraktes und seine Umsetzung ist sehr geschmackvoll. Mit Dan kann man sehr gut arbeiten. Wir sind mindestens dreißig Entwürfe durchgegangen um nach den richtigen Figuren, Auftritt und Dimensionen zu schauen. Es ist sehr inspirierend zu sehen, wie Entwürfe Form annehmen und lebendig werden. Das Bild ist unsere Welt, die wortwörtlich auseinander gerissen wird. Die astrale, an Atlas erinnernde Präsenz hilft der Erde nicht, stattdessen wird er dargestellt, wie er der Erde Leben und Ihre Essenz entzieht. Das war ein schwieriges Konzept, denn wir wollten, dass das Cover einzigartig, geschmackvoll und originell aussieht.
 

WARBRINGER:

Ihr habt das Album mit Steve Evetts aufgenommen, der mit so unterschiedlichen Bands wie THE DILLINGER ESCAPE PLAN, SYMPHONY X oder SEPULTURA gearbeitet hat. Wie war die Arbeit mit ihm und wie hat sie sich von der mit Gary Holt oder Bill Metoyer, die eure ersten beiden Alben produziert haben unterschieden?
 
Ich hab ja schon gesagt, dass die beiden ersten Alben sich wie ein Lernprozess angefühlt haben. An diesem Punkt wussten wir, was wir wollten – einen natürlichen, organischen Sound mit dem richtigen, modernen Touch, um dieses Album groß klingen zu lassen. Wir haben Probleme mit den vielen üblichen Produktionsmethoden, die man bei so vielen modernen Metal-Alben hört. Das Schlagzeug ist komprimiert und bis zur Perfektion gesampled, die Gitarren werden kopiert und eingefügt und der Ton ist komplett re-amped. Alles klingt steril und wie von Robotern eingespielt. Steve war perfekt für den Job. Seine Jahrzehnte an Erfahrung durch die Arbeit mit verschiedenen Bands und Musikern hat ihn an die Spitze unserer Liste gesetzt. Wir wissen, dass die Wahl ein paar Fans verwirrt hat. Die Qualität seiner Arbeit war für uns wichtiger, als die Namen der die Art der Bands mit denen er gearbeitet hat.

Du musst wissen, dass Gary Holt kein komplettes Paket anbietet. Er macht keinen Mix, Waking Into Nightmares wurde an einen Mixer – Zach Ochren – geschickt, der es einen Tag später an uns zurück geschickt hat. Steve hat uns den ganzen Weg begleitet. Er hat daran geglaubt, die Magie komplett festzuhalten. Er hat zum Beispiel nach der Performance kaum Plugins oder Effekte benutzt. Er hat Reverb und Delay während wir aufgenommen haben zugefügt. Was wir im Studio gehört haben, ist exakt das, was du auf dem Album hörst. Er hat uns hart ran genommen. Ich dachte ein Monat wäre zu viel gebuchte Zeit im Studio gewesen. Ich hatte nicht damit gerechnet Riffs doppelt aufzunehmen und ein einzelnes Riff stundenlang zu spielen bis Steve mit der Performance zufrieden war. Als es an den Mix ging, wusste er genau, womit er arbeiten würde, was er hörte und wie es aufgenommen wurde. Wir sind sehr stolz auf das Ergebnis, es war den ganzen Aufwand wert.

Ich habe mit Waking Into Nightmares gerade noch mal angehört und muss sagen, dass besonders das Schlagzeug auf Worlds Torn Asunder deutlich besser klingt.
 
Yeah. Gary hat einen Killer-Job gemacht, was die Gitarren angeht. Allerdings hat er nur zwei Tag mit Nic und den Drums gearbeitet. Nic hatte ein einzigartiges Setup und Kit und es wurde nicht genug Aufmerksam rein gesteckt, dass Ganze auf unseren Sound zuzuschneiden. Wir waren mit SOILWORK und DARKANE auf Tour uns mussten uns den Mix über Laptop-Lautsprecher anhören. Das klang Scheisse. Wir hatten wirklich keinen großen Einfluss auf den Sound der Kick- und Snaredrum auf Waking Into Nightmares. Dieses mal hat Steve über zweiundzwanzig Mikros auf Carlos´ Drumkit verteilt. Steve hat sichergestellt, das Carlos die Scheisse aus seinem Schlagzeug rausgeprügelt hat. Alles, was du auf Worlds Torn Asunder hörst ist echt, da sind keine Trigger oder sonst was. Es ist großartig, das ist der Klang, den wir immer haben wollten.

Ihr habt den dritten Drummer auf dem dritten Album. Wird Carlos Cruz es auf das nächste Album  schaffen?  
 
Ja. Carlos ist ein extrem talentierter und bescheidener Musiker. Wir sind sehr glücklich, ihn in unseren Reihen zu haben. Eigentlich hatten wir vor, ihn nur als Studiomusiker auf dem Album spielen zu lassen. Wir kannten ihn aus der lokalen Thrash-Szene und seiner Arbeit bei der Band HEXEN. Als wir mit dem Songwriting angefangen haben, hat die Chemie sofort gestimmt. Er hat unsere Passion für diesen Musikstil und Sound verstanden. Sein Stil und seine Präsenz hinter dem Schlagzeug sind unaufhaltbar und aggressiv. Unsere beiden vorherigen Drummer hatten diese Einstellung  nicht. Carlos hat die Arrangements auf diesem Album genau so umgesetzt wie ich es mir vorgestellt habe. Sein Beitrag zur Musik ist genau so groß, wie von jedem anderen in der Band.
 
Andy Laux hat die Band vor den Aufnahmen zu eurem zweiten Album verlassen und ist kurz nach der Veröffentlichung von Waking Into Nightmares wieder zur Band zurückgekehrt. Was war der Grund für seinen Ausstieg und wieso ist er zurückgekommen?

Wir haben uns auf unsere erste Tour aufgemacht, sobald ich die Highschool fertig hatte. Andy ist mein jüngerer Bruder und er hatte noch ein Jahr. Es sieht nach einer einfachen Geschichte aus, wurde aber deutlich komplizierter. Ben Bernett war ein enger Freund und wollte ein halbes Jahr für Andy einspringen. Die Band ist deutlich gewachsen und Ben war technisch gesehen für über ein Jahr in der Band. Ben ist ein sehr fähiger Musiker und hat die Basslinien für Waking Into Nightmares komplett selbst geschrieben und aufgenommen. Touren kann ziemlich stressig sein. Bei dem Tempo mit dem wir unterwegs waren, war es manchmal nicht einfach, miteinander klar zu kommen und Ben hatte ein Verhalten entwickelt das hängen blieb, also haben wir Andy gebeten, dass College zu verlassen und der Band wieder beizutreten. Er war glücklich wieder unterwegs zu sein und der Rest ist Geschichte…
 
Ich erinnere mich, dass ich in meiner Besprechung des ersten Albums geschrieben habe, dass besonders im Bereich der Leadgitarren noch Raum für Verbesserung vorhanden ist. Wenn ich das neue Album höre, kann ich diese Verbesserung definitiv erkennen.
 
Danke. Ich schreibe nicht viel darüber, aber das aktuelle Album war eine echt harte Aufnahme für mich. Als wir mit dem Songwriting begonnen haben, hatte ich mit einem mittelschweren RSI-Syndrom zu kämpfen und hatte das letzte Jahr lang Probleme mit dem Gitarrespielen. Trotzdem habe ich meine ganze Freizeit auf Tour damit verbracht zu üben und Songs zu schreiben. Das ist eine natürliche Entwicklung, als Musiker erweitern wir unseren Geschmack immer weiter und arbeiten fortlaufend an unserem technischen Können.

Der Gesang hat sich ebenfalls verbessert. Auf den ersten beiden Alben fand ich es etwas anstrengend, mir Johns Geschrei über eine ganze Albumlänge anzuhören.  

Sein Timing war auf den früheren Aufnahmen ein bisschen holprig. Ich denke seine größten Verbesserungen hat er in Sachen Syntax, Ausführung und Texten gemacht. Das touren war nicht einfach für ihn. Seine Stimme hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert und manche Schreie und Tricks sind deutlich anstrengender für ihn. Er musste lernen, wann er sich zurückhalten muss und wann er Gas geben konnte, um seine Stimmbänder zu schonen. Ich würde nicht sagen, dass sein Gesang weniger aggressiv geworden ist. Steves Tricks haben vielleicht auch etwas mit der Bandbreite des Gesangs zu tun. Die Schreie in Echoes From The Void wurden durch meinen Mesa Boogie-Verstärker aufgenommen.
    

 WARBRINGER:

Euer neues Album kommt auf CD, Vinyl und als Download auf den Markt. Was bevorzugst du, wenn du Musik kaufst?
 
Ich liebe meinen Plattenspieler. Mit einer guten Aufnahme und guten Boxen kannst du wirklich die volle Bandbreite des Basses und die ganzen Nuancen einer Band hören. Das trifft aber so richtig nur auf ältere Platten zu, die meisten modernen Vinyl-Platten haben eine schlechte Umwandlung von digital auf analog, die einen schlechteren Klang als die CD bietet.

Ich könnte trotzdem nicht ohne meinen MP3-Player leben. Ich habe meine komplette Sammlung in den Fingern, im Bus, im Flugzeug, auf einer Party, überall. Ich kaufe meine Musik gerne in Plattenläden weil ich mit dem physischen Produkt immer Erinnerungen verbinden werde. Es ist eine Schande, dass die Piraterie den Wert von Musik geschmälert hat. Als wir dieses Album gemacht haben, haben wir uns auf das gesamte Paket konzentriert, auf das Artwork, Layout, die Bildern, die Geschichten und die Musik. Viele Leute werden die Detailarbeit, die wir in dieses Album gesteckt haben aufgrund Rips in schlechter Soundqualität niemals komplett erleben, sie werden nie den vollen Umfang und die Qualität des Mix hören.

Der ganze Thrash Metal-Boom hat sich ein bisschen beruhigt. Eine Bands sind irgendwie verschwunden, zum Beispiel FUELED BY FIRE, die ebenfalls aus L.A. kommen. Die haben ein echt gutes Debüt veröffentlicht und seitdem ist nichts mehr passiert. Ihr seid einer der Bands, die es durch den Hype geschafft haben und noch da sind. Macht euch das stolz?  
 
Ja, wir haben alles dafür aufgegeben, auf Tour gehen zu können. Es gibt viele gute Bands aus unserer Szene, die ein paar Alben veröffentlicht haben und dann unter Line Up-Problemen und mangelnden Möglichkeiten zu leiden hatten. Die Szene ist nicht so schnell in die Luft gegangen wie viele Leute es erwartet haben. Ich bin nicht völlig überrascht davon. Viele unserer Kollegen haben sich geweigert zu klingen, als ob sie nach 1984 gelebt hätten. Der Wettbewerb war groß und gut. FUELED BY FIRE sind noch zusammen und ich denke ihre neuen Songs gehören zu ihrer bisher besten Arbeit. WITCHHAVEN sind im Underground geblieben und ihr Thrash/Black/D-Beat-Sound ist auf jeden Fall hörenswert. Die Szene ist immer noch lebendig, ich kann bei den ganzen neuen Thrash und Death Metal-Bands gar nicht mehr den Überblick behalten aber ich habe einige großartige Demos gehört und sehe immer noch neue Gesichter und jüngere Zuschauer bei den Konzerten.

Ihr seid eine Band, die auch vielen Leuten gefällt, die dem ganzen Old School Thrash-Revival eher skeptisch gegenüberstehen. Was glaubst du ist der Grund dafür? Was ist der Unterschied zwischen WARBRINGER und den anderen Thrash-Bands, die in den letzten Jahren so hoch gekommen sind?
 
Ich denke, wir hatten die richtige Einstellung. Ganz ehrlich, als Erstes wollten wir uns selber zufrieden stellen. Wir waren eine der ersten lokalen Bands die sich von Death/Thrash-Hybriden wie DEMOLITION HAMMER haben beeinflussen lassen und technische Elemente von KREATOR, SACRIFICE und DEATH übernommen haben. Wir haben immer einen großen Schwerpunkt auf unsere Performance gelegt.

Wir haben die Aufmerksamkeit von Century Media erregt, als wir 2005 für TOXIC HOLOCAUST eröffnet haben und wir haben ganz klar einen starken Eindruck hinterlassen, denn das Label hat unsere Karriere zusammen mit der vieler anderer Bands über die Jahre verfolgt, bevor man sich entschied, uns unter Vertrag zu nehmen.

Wenn wir live mit Deathcore-Bands unterwegs waren, haben wir auch ein modernes Publikum mit unserer energiegeladenen Bühnenpräsenz in den Griff bekommen. Ich denke es gibt eine handvoll andere, großartige Bands die die Wichtigkeit von Stil und Originalität begriffen haben. TOXIC HOLOCAUST, SKELETONWITCH, EVILE oder VEKTOR zum Beispiel haben in den letzten Jahren einige großartige Alben veröffentlicht, die meiner Meinung nach den Test Of Time bestehen werden.

Welche sind deine fünf liebsten Thrash Metal-Songs aller Zeiten?

Tornado Of Souls von MEGADETH ist einer der Hauptgründe, aus denen ich angefangen habe, Gitarre zu spielen. Das ist ein sehr wichtiger Song für mich. Das komplette Epidemic Of Violence-Album von DEMOLITION HAMMER ist das gemeinste und brutalste Album, mit dem du deine Ohren erfreuen kannst. People Of The Lie von KREATOR ist eine der großartigsten Mid Tempo Mosh-Nummern, die man zu hören hoffen darf. Nailed To The Cross von DESTRUCTION ist der lebende Beweis dafür, dass man auch im einundzwanzigsten Jahrhundert mit der richtigen Einstellung einen frischen Thrash-Song erschaffen kann, der genau so heavy ist wie alles, was in der letzten Dekade sonst so veröffentlicht wurde.

Ihr geht im Dezember mit ARCH ENEMY auf Europatour. Was steht in den nächsten Monaten sonst noch so bei euch an?

Nachdem unser Album Ende September erscheint, werden wir eine Woche später auf Tour gehen. Wir starten mit unserer ersten Nordamerika-Tour seit November 2010. Wir werden als Headliner unterwegs sein, mit LAZARUS A.D., LANDMINE MARATHON und DIAMOND PLATE als Support. Bevor es mit ARCH ENEMY los geht, werden wir zwei Wochen lang kleine Shows in Europa spielen, danach einige eigene Shows an den freien Tagen auf der ARCH ENEMY-Tour. Wir haben Pläne für eine weitere US-Tour, die Ende Januar losgehen und bis ins Frühjahr gehen soll. Dann sprechen wir darüber, im April zurück nach Asien zu gehen und die europäischen Sommer-Festivals zu spielen. Im Spätsommer bis Frühherbst planen wir in Süd- und Mittelamerika unterwegs zu sein. Ich freue mich wirklich auf die kommenden Tourneen und das neue Jahr.

Das wars. Ich bin mit meinen Fragen durch. Willst du noch was loswerden?

Danke an all unsere Fans für ihre Unterstützung – ihr seid großartig!

 

Bilder (c) Century Media Records

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