THE CROWN: „Dieses Album hätten wir nie aufnehmen sollen“

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Die THE CROWN-Besetzung beim Album „Death Is Not Dead“: Robin Sörqvist (Gitarre), Johan Lindstrand (Gesang), Marko Tervonen (Gitarre, Schlagzeug), Magnus Olsfelt (Bass)

Auf das aktuelle Album „Death Is Not Dead“ musste man fünf Jahre warten, auf Konzerte von THE CROWN noch länger – doch im Mai 2016 waren die Schweden für insgesamt drei Gigs in der Schweiz und Italien unterwegs – eine gute Gelegenheit, bei THE CROWN Mal nachzuhorchen, warum das alles so lange dauert. Wir trafen THE CROWN vor dem Konzert in Winterthur zum Interview, bei dem es nicht nur um die aktuellen Songs ging, sondern auch um die bewegte Geschichte der Band – und um ein Album, von dem THE CROWN heute bitter bereuen, dass sie ein veröffentlicht haben.

„Es fühlt sich gut an, ein paar kleine Shows zu spielen“, sagt Bassist Magnus Olsfelt. „Wir sind ja nicht mehr die jüngsten und können nicht so lange am Stück auf Tour gehen, wir haben Familien und Jobs.“ Dazu kommen fiese Rückenschmerzen, während er das Interview im Stehen hinter sich bringt, hat es sich der Rest der Band auf zwei Sofas im Backstage-Bereich gemütlich gemacht. Sehr viele Live-Aktivitäten gab es nicht in den letzten Jahren, doch bei der Release-Show zu „Death Is Not Dead“ im Sticky Fingers im schwedischen Göteborg zeigten THE CROWN, dass sie es noch können. Bei YouTube gibt es einen Mitschnitt des THE CROWN-Konzerts vom 10. Januar 2015 – dabei wäre das Material auch gut für eine Live-DVD geeignet gewesen. „Ideen in diese Richtung hatten wir genug,“ erzählt Gitarrist Marko Tervonen, „wir feierten ja auch unser 25jähriges Jubiläum als Band. Am Ende wurde es eine Jubiläumshow, deren Mitschnitt wir selbst selbst finanziert und auf YouTube zur Verfügung gestellt haben. Unser damaliges Label Century Media meinte zwar, wir hätten es aufheben sollen, aber so haben jetzt alle etwas davon. Ich habe es selbst abgemischt – man kann sich heute ja auch Videos in guter Qualität ohne viel Aufwand und Kosten live ansehen, von daher ist es eine gute Lösung, von der alle Fans etwas haben.“

Es dauerte Jahre, bis „Death Is Not Dead“ fertig wurde

Es war längere Zeit ruhig um die Band, zwischen „Doomsday King“ und „Death Is Not Dead“ , das Anfang 2015 rauskam, lagen immerhin fünf Jahre. „Als ich 2011 wieder zur Band kam, meinte Marko zu mir, dass wir gleich ins Studio gehen können – denn es gab schon genug neue Songs“, berichtet Sänger Johann Lindstrand. „Das geschah aber lange Zeit nicht – wir hatten alle Songs, haben sie geprobt. Es kam halt immer was dazwischen.“

THE CROWN Gitarrist und Songschreiber Marko Tervonen und der neue Gitarrist Robin Sörqvist im Interview

Marko Tervonen ergänzt: „Wir sind bei ‚Death Is Not Dead‘ einfach nicht dazu gekommen, die Songs aufzunehmen. Unser Drummer Janne Saarenpää hat die Band verlassen, er ging für einen neuen Job nach Kalifornien. Wir haben dann entschieden, dass ich die Drums einspiele – das bedeutete auch, dass ich erstmals drei, vier Monate üben musste! Janne und ich mögen dieselben Bands und dieselben Drummer – aber ich habe mit voller Absicht gar nicht erst versucht, wie Janne zu spielen – das kann ich eh nicht! Ich bin an den Drums eher der simple, straighte Typ. Letztendlich haben wir das Album in vielen verschiedenen Studios und in vielen verschiedenen Sessions eingespielt.“

Das Cover zu „Death Is Not Dead“ mit einer kleinen Anspielung auf VENOM

Auf „Death Is Not Dead“ ist mit „Eternal“ von PARADISE LOST zum ersten Mal eine Coverversion auf einem THE CROWN-Album zu hören. Bislang haben die Schweden nur für Sampler Songs anderer Bands eingespielt, etwa „Mandatory Suicide“ auf dem Sampler „Slatanic Slaughter – a tribute to SLAYER„, „Arise“ von SEPULTURA für das Tributealbum „Sepultural Feast“ oder NAPALM DEATHs „Unfit Earth“ als Single B-Seite – sowie ein BATHORY-Cover auf dem zweiten Demo „Forget The Light“. „Eigentlich sollte ‚Eternal‘ auch nur ein Bonustrack sein – wir fanden die Version aber so toll, dass wir sie auf das Album genommen haben,“ erklärt Marko Tervonen. „Der Bonustrack wurde dann „We Come In Peace (Piece By Piece)“, außerdem gibt’s eine Coverversion von SODOMs „Agent Orange“ auf dem Digipack von Death Is Not Dead.“

Was verbindet THE CROWN eigentlich mit VENOM?

Das „Crenom“-Logo von „Crowned In Terror“

THE CROWN haben immer gerne andere Bands zitiert, musikalisch mit kleinen Anspielungen oder mit  Gimmicks wie dem „Crenom“-Logo, für das das VENOM-Logo mit the Buchstaben THE CROWN gestaltet wurde. VENOM tauchen auch auf „Death Is Not Dead“ auf – auf dem Coverartwork, das einen Flipper zeigt, ist der Satz „Insert Your Soul To The Gods Of Rock ’n‘ Roll“ zu lesen. Dabei sind die Jungs mit einer Ausnahme gar keine Die Hard-VENOM-Fans, wie Magnus Olfeld berichtet: „Ich bin tatsächlich der einzige VENOM-Fan in dieser Band! Dabei sind sie die Väter der extremen Musik. Die Idee zum dem Spruch kam aber von Marko.“ Und der fällt ihm auch gleich ins Wort: „Ich mag VENOM gar nicht. Ich weiß um ihre Bedeutung, aber ich höre sie selten.“
Magnus führt weiter aus: „VENOM sind eigentlich Punks, was das Spielen angeht. Da geht’s nicht um Tightness, sondern um das Feeling, den Flow. Am besten hört man das bei ‚Welcome To Hell‘ und sie haben Spaß auf der Bühne! Und sie sind evil, aber halt ohne Gothic-Quatsch – das mag ich.“

„Death Is Not Dead“ war kein einfaches Album

Drummer Janne Saarenpää verließ die Band, als sie mitten in den Proben zu „Death Is Not Dead“ steckte. „Ihm wurde ein Wahnsinnsjob in den USA angeboten“, erzählt Marko Tervonen. „Die Band war da nicht sein größtes Problem, seine Familie musste in die USA übersiedeln, er hat in Schweden alles aufgegeben. Wir wollten trotzdem zuerst das Album mit ihm aufnehmen, wir hatten die Songs ja schon zusammen geprobt und Soundfiles kann man auch per Mail austauschen. Es stellte sich aber heraus, dass wir so nicht arbeiten können. Es war Jannes Idee, dass ich die Drums einspiele. Es war sehr schwer für mich, glaube mir. Die schnellen Parts musste ich wirklich sehr üben. Und jetzt haben wir ja Henrik (er deutet auf den neuen Schlagzeuger, der auf dem Sofa lümmelt). Für ihn ist ‚Dead Is Not Dead‘ ein Picknick, er ist verdammt gut.“

Henrik Andersson grinst und sagt: „Nun, bislang spiele ich ja nur nach, was sich ein anderer vor mir überlegt hat – ich hoffe, dass ich mich beim nächsten Album richtig einbringen kann. Ich freu mich drauf, auch wenn das ein großer Schritt für mich werden wird!“ Henrik Axelsson kommt von IMPLODE, deren Alben unter anderem von Marko Tervonen produziert wurden – beworben hat er sich bei THE CROWN mit einem Video, auf dem er „Crowned In Terror“ nachspielt.

Seit 2013 gehört außerdem Gitarrist Robin Sörqvist zu THE CROWN – seine Band IMPIOUS liegt seit geraumer Zeit auf Eis. „Es ist eine super Gelegenheit für mich, wieder in einer tollen Band zu spielen“, sagt er, „ich komme ja von IMPIOUS, die nicht ganz erfolglos waren – allerdings pausieren wir gerade. Ich hatte also nichts zu tun. Und als Marko angerufen hatte, war ich zurück im Geschäft. Wir kennen uns schon ewig, leben in der selben Stadt, haben dieselben Freunde. Ich freu mich, dazuzugehören.

THE CROWN wollen ein neues Album aufnehmen

Es geht also weiter im Lager von THE CROWN, die Band will ein neues Album aufnehmen – und zwar in einem ganz bestimmten Studio: „Ich träume davon, wieder ins Studio Fredman zu gehen, wo wir ‚Hell Is Here‘ und ‚Possessed 13‚ aufgenommen haben“, sagt Marko Tervonen und seine Augen leuchten. „Alle Alben bis auf ‚Doomsday King‘ und ‚Death Is Not Dead‘ wurden auf sehr altmodische Weise aufgenommen. Wir sind für eine Weile abgetaucht und kamen mit einem neuen Album raus – das war perfekt für uns.“

Die beiden letzten Alben entstanden anders: „An den Aufnahmen von ‚Doomsday King‚ haben wir ein Jahr gearbeitet, an ‚Death Is Not Dead‚ sogar noch viel länger. Es ist die guten und schlechten Zeiten unserer technisieren Welt: Du kannst ein Album ohne Studio aufnehmen. Wenn ich mir es aussuchen kann, gehe ich aber ins Studio. Es entsteht dort eine einzigartige Atmosphäre, du kannst dich auf eine Sache konzentrieren.“

Magnus Olsfelt blickt zurück: „‚Hell is Here‘ wurde in drei Wochen in Malmö eingspielt – wir haben jeden Tag einen Song aufgenommen. Acht der 12 Songs sind First Takes. Auch Marko Tervonen hat gute Erinnerungen an die Aufnahmen von „Hell Is Here“: „Wir hatten auch zum ersten Mal das Gefühl, dass wir unsere Instrumente beherrschen. ‚The Burning‚ und ‚Eternal Death‚ war learning by doing – wir hatten da echt Timing Probleme. Janne hat geübt wie ein Besessener. Du denkst, wenn du im Probraum stehst, dass du alles drauf hast. Dann gehst du ins Studio und hörst hinterher auf den Aufnahmen jeden noch so kleinen Fehler!“

Warum „Doomsday King“ eigentlich ein DOBERMANN-Album ist

The-Crown-Doomsday-king-coverDas Comeback-Album „Doomsday King“ erschien nach der Reunion, 2004 wurden THE CROWN auf Eis gelegt. Eigentlich sollte 2008 ein Album unter dem Bandnamen DOBERMANN erscheinen – zur Besetzung dieser Band gehören die THE CROWN-Musiker Marko Tervonen, Magnus Olsfelt, Janne Saarenpää und später auch DEATHSTARS-Frontmann Andreas „Whiplasher“ Bergh. „Nun, DOBERMANN gab’s ja nie so richtig – ich habe dann mehr und mehr THE CROWN-Mitglieder rekrutiert, “ erinnert sich Magnus Olsfelt. „Wir haben lange rumüberlegt, wie wir die Band nennen sollen. THE CROWN, DOBERMANN oder vielleicht ganz anders.“

Marko fügt hinzu: „Eigentlich scheiterte das DOBERMANN-Album daran, dass Andreas Bergh dann doch nicht konnte – er wollte sich auf seine andere Band DEATHSTARS konzentrieren.“ Die Songs für das DOBERMANN-Album waren alle fertig, es sind die Tracks, die auf „Doomsday King“ zu hören sind. „Als schließlich Jonas Stålhammar das Album einsang, hatten wir sogar überlegt, die Band nach einem THE CROWN-Song zu benennen, merkten dann aber schnell, dass es nun wirklich albern wurde.“

Sänger Johan Lindstrand spricht offen über seine Zeit mit und ohne THE CROWN

Sänger Johan Lindstrand meint dazu lachend: „Das war das zweite Mal, dass die Jungs ein THE CROWN-Album ohne mich aufnahmen. Marko hatte mich ja gefragt, ob ich Zeit und Lust habe, aber ich war mit meiner damaligen Band ONE MAN ARMY AND THE UNDEAD QUARTET  beschäftigt. Zwei Band gleichzeitig schaffe ich nicht. Nun, sie haben ein verdammt gutes Album mit Jonas aufgenommen. Als er mich dann 2011 wieder fragte, konnte ich aber nicht mehr widerstehen. Es war schon alles richtig so wie es gelaufen ist  – es gibt für alles einen Grund.“

Nebenprojekte und Elternzeit

Zwischenzeitlich gab es weitere Projekte: Marko Tervonen veröffentlichte Alben mit ANGEL BLAKE, Magnus Olsfelt gründete eine Band namens STOLEN POLICE CAR. „Es gibt ein fertiges Album von STOLEN POLICECAR“, erzählt der Bassist, „aber wir haben es bis heute nicht geschafft, es zu veröffentlichen.“
Irgendwann tauchte auch der Name MY MOURNING LADY auf – Marko Tervonen plante ein Gothic-Metal-Projekt. Heute sagt es dazu nur: „Das war zu viel Rotwein, Recording-Equipment, auf das ich Zugriff habe – und meine Frau kann singen. Aber daraus wurde nichts, wir haben entschieden, es sein zu lassen.“

Im Nachhinein sind die Musiker glücklich mit den Unterbrechungen und Pausen in der Bandhistory von THE CROWN – denn inzwischen haben sie Familien: „Es ist ein Segen, dass wir eine Pause gemacht haben“, erklärt Marko Tervonen. „Wir konnten uns ein Leben neben der Musik aufbauen und müssen nicht unablässig touren, um unseren Lebensinterhalt verdienen zu können. Wir müssen nicht jedes Konzert spielen, weil wir die Kohle brauchen. Es ist natürlich sehr schmeichelhaft, dass die Fans trotzdem nach Shows fragen!“

Nach „Possessed 13“ lief vieles schief

the-crown-possessed-13-coverBleibt dennoch die Frage, was 2003, als THE CROWN mit „Possessed 13“ ein so herausragendes Album veröffentlicht hatten und viel auf Tour waren, eigentlich falsch gelaufen ist – THE CROWN hätten mit dieser Platte ganz kurz vor dem ganz großen Durchbruch stehen müssen. Johan erinnert sich: „Einer der Gründe für den Split war, dass die Touren so unglaublich mies liefen. Alle Touren waren ein Fiasko – es gab ein paar Shows, die gut besucht waren, aber der Großteil war es eben nicht. Wir haben kein Geld verdient – und du kannst nicht nach Hause kommen und deine Miete mit einen Erinnerungen an eine Tour bezahlen.“

Marko ergänzt: „Wir waren unglaublich frustriert. Seit 1995 stand die Band für jeden von uns im Mittelpunkt seines Lebens. Sie war das einzige, was zählt, es gab kaum etwas anders. Die Band wurde größer, die Shows und Konzertvenues wurden auch größer – wir waren mit unseren Helden wie MORBID ANGEL auf Tour. Aber: Wir haben immer mehr gegeben, als wir bekommen haben. Nach der ‚Possessed 13‘ sind wir ins Studio und haben mit Johan ‚Crowned Unholy‚, das Remake der ‚Crowned In Terror‚, die ja ursprünglich von Tomas Tompa Lindstrand eingesungen wurde, aufgenommen. Ich meine, es war Magnus, der damals etwas Wichtiges zuerst aussprach.“ Magnus unterbricht ihn: „Ja, meine Frau war schwanger, ich bin zum ersten Mal Vater geworden. Ich musste mich plötzlich auf andere Dinge konzentrieren. Auf das Kind, das Familienleben – ich hatte das Gefühl, ich müsse raus aus dem Musikbusiness.“

Warum es „Crowned Unholy“ nicht geben sollte

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Für „Crowned Unholy“ hat der inzwischen zur Band zurückgekehrte Johan Linstrand die Songs von „Crowned In Terror“ neu eigesungen – die Originale waren von Tomas Lindberg

Im Rückblick ist Johan übrigens alles andere als glücklich mit „Crowned Unholy“: „‚Crowned Unholy‘ war der größte Fehler, der ich begangen habe. Es hat Spaß gemacht, das Album aufzunehmen, aber es wäre einfach nicht nötig gewesen. Und ich hatte noch schlimme Ideen wie den klaren Gesang beim Song ‚Speed Of Darkness‘. Man sollte sowas nicht tun. ‚Crowned in Terror‘ ist so ein verdammt gutes Album. Und es war einfach respektlos gegenüber Tomas, der das Original eingesungen hat. Wir hätten es nicht tun sollen.“
Marko nickt und erklärt, warum es doch dazu kam: „Wir waren naiv: Wir hatten die Möglichkeit, ein neues Studio auszuprobieren und einige Fehler auszubügeln. Auf dem Papier klingt das nach einer guten Idee. Aber in der Realität ist es das nicht – das geht mir auch mit anderen Bands wie TESTAMENT oder ANTHRAX so. Die haben neue Versionen ihrer Songs aufgenommen, aber ob die auch immer besser sind?“

Magnus fügt hinzu: „OK, und wir haben viel Geld dafür bekommen – und konnten neue Instrumente und Amps kaufen. Unser Zeug war nach den ganzen Touren nämlich absolut runtergerockt und quasi unbrauchbar. Wir waren jung und brauchten das Geld. Ich habe mir davon endlich einen richtig guten Verstärker gekauft – den ersten in meiner ganzen Zeit bei THE CROWN. Es war trotz allem überflüssig.“ Von Tomas Lindberg gab es gegenüber THE CROWN nie einen Kommentar zu „Crowned Unholy“ – Johan gibt zu Protokoll: „Tomas hat nie etwas dazu gesagt. Zumindest zu uns nicht.“

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andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...