THE CROWN: Alles wie früher, nur besser

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THE CROWN 2018: Robin Sörqvist, Henrik Axelsson, Marko Tervonen (vorne unten), Magnus Olsfelt, Johan Lindstrand (Foto: Roger Dunder)

Mit ihrem neuen Album “Cobra Speed Venom” melden sich THE CROWN zurück – zurück als eine der eigenständigsten und besten Death Metal Bands. Ja, sie können es noch – und Gitarrist Marko Tervonen erklärt, warum es  besser läuft denn je.

Marko, dir geht wahrscheinlich gerade ziemlicht gut – “Cobra Speed Venom” wird fast überall gefeiert.

Ja, die Reaktionen sind großartig, was mich natürlich freut. Wir können mit diesem Album wieder zeigen, was wir können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wir sind superzufrieden mit den Songs und freuen uns wahnsinnig darauf, sie live zu spielen.

In unserem Interview vor zwei Jahren hast du gesagt, dass ihr liebend gerne wieder im Studio Fredman aufnehmen wollt – kurz darauf habt ihr dort Demosongs aufgenommen und nun auch “Cobra Speed Venom” dort eingespielt. Wie kam es dazu?

Ich habe die beiden vorherigen THE CROWN-Alben “Death Is Not Dead” und “Doomsday King” selbst produziert. Das wollte ich mir wirklich nicht nochmal antun (lacht). Besonders “Death Is Not Dead” war eine echte Herausforderung: Ich war Songwriter, Gitarrist, und auch Drummer – unser Drummer Janne Saarenpää hatte THE CROWN ja verlassen, als wir mitten in den Proben für die Aufnahmen steckten – er hatte einen Job in den USA angeboten bekommen, den er nicht ablehnen konnte.
Ich habe mich außerdem um die Produktion und dem Mix und all das gekümmert – das ist ganz schön viel Druck. Ich wollte vermeiden, dass das wieder passiert. Für “Cobra Speed Venom” haben wir als Band wieder zusammengefunden, wir haben die Songs gemeinsam geschrieben und geprobt – da wollten wir auch wie früher zusammen ins Studio gehen und gemeinsam die Songs aufnehmen. Zusammen abhängen, dort übernachten und konzentriert über einen gewissen Zeitraum die Songs einspielen – das ist eine andere, viel produktivere Atmosphäre. Mit dem Demo haben wir getestet, ob das Fredman tatsächlich das richtige Studio ist – wir waren ja seit “Possesssed 13“, das wir 2002 dort aufgenommen haben, nicht mehr dort. Fredrik Nordström ist mit dem Studio in der Zwischenzeit ein paar Mal umgezogen – und zum Glück ist es jetzt ganz in unserer Nähe. Ich fahre nur 40 Minuten dorthin. Und natürlich ist er einer der besten Produzenten! Es hat so gut funktioniert, wir hatten dieselbe Vision für “Cobra Speed Venom”, deshalb war er unsere erste Wahl. Also sind wir rein und haben die Songs eingeprügelt.

Zu “Cobra Speed Venom” hat jeder in der Band etwas beigetragen

Die “Royal Five” sind wieder da – das hat schon fast etwas Magisches. Mit “Cobra Speed Venom” knüpft ihr an eure besten Alben “Deathrace King” und “Possesssed 13” an.

Dieses Gefühl hatten wir schon bei den ersten Songs, die für das Album entstanden sind – es war einfach alles richtig und gut. Und es macht natürlich einen großen Unterschied, ob du einen Schlagzeuger hast oder nicht. Mit Drummer kannst du anders proben – und dabei entstehen die ganzen Details. Darum geht es bei THE CROWN: Wir müssen zusammen jammen. “Death Is Not Dead” entstand anders, da haben wir Soundfiles ausgetauscht – ein heute durchaus legitimer und vielleicht auch praktischer Weg, Songs zu schreiben. Nur funktioniert er bei uns eben nicht so gut! Wir müssen über Riffs streiten – nur so kommen richtig gute Songs rum!

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THE CROWN live 2016: Marko Tervonen, Robin Sörqvist, Magnus Olsfelt, Johan Lindstrand

Welchen Einfluss hatten Schlagzeuger Henrik Axelsson, der seit 2016 dabei ist, und Gitarrist Robin Sörqvist, der 2013 zur Band kam?

Oh, die Gruppendynamik ist jetzt wieder ähnlich wie früher. Magnus und ich sind die Haupt-Songwriter, aber wir sind immer aufgeschlossen gegenüber Ideen von anderen! Robin kann viel beitragen, er hat mit “World War Machine” und “Rise In Blood” zwei Songs zu “Cobra Speed Venom”  beigesteuert. Henrik ist ein sehr kreativer Drummer mit vielen Ideen – und deshalb passen die beiden perfekt zu THE CROWN. Wir werfen uns im Proberaum die Ideen gegenseitig an den Kopf, es geht ständig hin und her. Irgendwann kommt dann ein Punkt, an dem wir uns einig sind: So können wir den Song lassen, so ist er gut. Da gibt es dann keine Unstimmigkeiten mehr – und es hat auch keiner ein zu großes Ego und muss seine Ideen durchboxen.

“Rise In Blood” ist der Beweis, dass ihr auch kurze Songs schreiben könnt. Aber von wem sind die Backingvocals?

Das ist Robin, er kann sehr hoch schreien – und tief growlen, aber das ist Johans Job. Robin hört man auch am Ende von “World War Machine”.

Beim ersten Hören dachte ich, ihr hättet wieder Mika Luttinen (IMPALED NAZARENE) ins Studio gezerrt – er war ja auf “Total Satan” von der “Deathrace King” zu hören …

(lacht) Nee, das ist wirklich Robin. Er kann das ziemlich gut.

“World War Machine” hat eine kleine Bass-Line, die fast schon nach ATHEIST oder alten PESTILENCE klingt…

Wenn du dir die beiden Songs von Robin genau anhörst, merkst du, dass die Songs ein bisschen anders sind – Robin benutzt ein anderes Riffing. Das Bass-Ding hat auch Robin geschrieben – für Magnus. So viel zum Ideen-Austausch! Für mich braucht ein guter Song einen Flow, die Ideen müssen stimmig arrangiert sein. Und das funktioniert gut, wenn alle mitreden dürfen. Robin hat auch ein paar unglaubliche Gitarren-Leads eingespielt – ich bin kein Leadgitarrist, deshalb bin ich total dankbar, dass er das übernimmt!

Mehr Blastbeats, mehr Hardrock-Gitarrensoli & ein recyceltes Riff

The Crown-Gitarrist Marko Tervonen beim Konzert in Winterthur im Mai 2016

Ihr hattet schon früher immer wieder Parts in euren Songs, die strenggenommen eher aus anderen Genres kommen – aus so manchem Riff von “Deathrace King” oder “Possessed 13” könnte man auch einen Rocksong machen. Solche Ideen gibt’s auf “Cobra Speed Venom” wieder mehr als auf den letzten Alben “Death Is Not Dead” und “Doomsday King”. Auf der anderen Seite gibt’s auch wieder viel mehr Blastbeats zu hören, sogar mehr als auf “Crowned in Terror“.

Stimmt. Die Blastbeats kommen daher, dass Henrik ein verdammt schneller Drummer ist. Es ist einfach für ihn, etwas schnell oder noch schneller zu spielen – das eröffnet auch neue Möglichkeiten fürs Songwriting. Rockige Riffs gab es schon immer bei uns – und jetzt kommt Robin ins Spiel: Er liebt diese typischen Hardrock-Gitarriensoli. Guitar Hero ist sein Ding – das gibt unserem Sound nochmal eine neue Richtung.

In “Destoyed By Madness” taucht plötzlich ein ganz altes Riff von euch auf – da sind ein paar Sekunden aus “Electric Night” von der 1999er Platte “Hell Is Here” zu hören.

Stimmt. Ja, ich habe von mir selber geklaut. Am Ende klingt der Song recht düster – das hat mich an “Electric Night” erinnert – und außerdem habe ich noch einen Schluss für den Song gesucht. Aber es sind nur zwei Sekunden – man muss schon sehr genau hinhören, um das zu merken (lacht).

Ansonsten ist der Song ja eine KREATOR-Hommage, “Storming With Menace” von der “Terrible Certainty” klingt da schon ein bisschen durch, oder? Ihr macht sowas ja gerne, ich denke da an “Kill Em All” von “Possessed 13”

Ja, auch da stimme ich zu. Es ist wohl der Refrain mit den Extra-Vocals. Mich erinnert das auch an KREATOR – und ich liebe es!

“Cobra Speed Venom” hat ein kurzes Cello-Intro, das klingt ziemlich apokalyptisch und auch ein bisschen nach alten APOCALYPTICA.

Das war meine Idee, “Destroyed By Madness” ist einer der Songs, die ich mit Magnus zusammen geschrieben habe. Der schwere, Heavy-Part am Anfang, der sich im Song dann wiederholt, die “Electric Night”-Anklänge und die Übergänge sind von mir, Magnus hat Refrain und Vers beigesteuert. Als ich den Song geschrieben habe, hatte ich schon im Ohr, dass der Song mit einem ganz kurzen Cellointro beginnen sollte und er dann ohne Umwege direkt losballern muss. Ein Freund von uns spielt Cello, den haben wir dann einfach gefragt. Ich bin dazu von “Enigma”, dem alten Song von EDGE OF SANITY inspiriert worden. Die Idee trage ich seit 15 Jahren mit mir rum. Cello und Violine haben einfach einen tollen Klang, und wenn man sie dann auch noch runterstimmt, wird’s dramatisch.

The-Crown-Iron-Crown 7" Single CoverWarum habt ihr ausgerechnet “Iron Crown” als Single ausgesucht? Den Song gibt’s seit Januar als Vinyl-Single.

Für uns ist es immer verdammt schwer, einen Vorab-Song auszusuchen – die brauchst du heute aber. Zum einen als Vorgeschmack auf das neue Album, um die Fans neugierig zu machen – und Metal Blade machen ja auch noch Vinyl-Singles.
Also haben wir es so gemacht wie bei “Death Is Not Dead”: Wir haben uns für den ersten Song entschieden, den wir für das Album geschrieben haben – also “Headhunter” bei “Death Is Not Dead” und “Iron Crown” für “Cobra Speed Venom“. Der zweite Song, den wir fertig hatten, war übrigens “Ride The Fire” – er ist auf der B-Seite der “Iron Crown”-Single.
“Iron Crown” ist aber auch ein guter Vorgeschmack auf das ganze Album, er zeigt, die Intensität und Brutalität, die wir mit dem Album einfangen konnten. Und er verbindet alles, was wir gemacht haben: Er hat was von “Total Satan”, hat aber auch einen punkigen Beat – vielleicht sogar einen D-Beat. Das bringt einfach heftig viel Energie rüber!

Death Metal, D-Beat, Punk, Rock’n’Roll – Hauptsache, es groovt!

D-Beat ist ein gutes Stichwort: Euer Bassist Magnus trägt gerne ANTI-CIMEX-Shirts – wie zum Beispiel im Video zu “Iron Crown”.

ANTI CIMEX sind eine seiner absoluten Lieblingsbands. Ich habe die gar nicht so auf dem Schirm, muss mir das aber immer anhören, wenn wir zusammen unterwegs sind. Dabei ist mir aufgefallen, dass er schon sehr auf sie steht – hier und da kann man das an unseren Songs hören! Und außerdem ist der D-Beat oft energiegeladener als ein Blastbeat – es geht nicht nur darum schnell zu sein. Das haben wir bei “1999 – Revolution 666” gemacht, aber Groove kann halt auch Power haben. Es gibt da tolle Bands, wie zum Beispiel die schwedischen Crustpunks MARTYRDÖD – die mag ich sehr und ich freue mich sehr für sie, dass sie jetzt einen Plattenvertrag bei Century Media haben.

“In The Name Of Death” hat für mich genau diesen aggressiven Groove, vielleicht ist der Song fast so gut wie “Blitzkrieg Witchcraft”. Death Metal meets Motörhead meets Punk.

Ich war so glücklich, als Magnus mit der Idee zu diesem Song ankam. Er kann solche Nummern schreiben. Es hat so viel Spaß gemacht, das zu proben – denn der Song hat in der ersten Sekunde gezündet. Wir haben den Track übrigens in letzter Minute beim Mix nochmal gekürzt – er hatte eigentlich eine Art Intro, ohne das er aber wesentlich intensiver ist. Ich bin sehr stolz auf dieses Stück.

Umso mehr erstaunt mich nach wie vor das “Doomsday King“-Album von 2010 – dort hat Magnus zwar so gut wie alle Songs geschrieben, man hört aber recht wenig Rock ‘N’ Roll und Punk-Einflüsse darauf. Allerdings hat dieses Album ja auch eine spezielle Geschichte, es sollte ja unter dem Namen DOBERMANN veröffentlicht werden.

Stimmt. Die Punk-Schlagseite fehlt vielleicht auch auf “Death Is Not Dead” ein wenig. “Doomsday King” sollte ursprünglich etwas anderes werden. Es sollte ein Album der Band DOBERMANN werden, zu der ja nach und nach alle THE CROWN-Mitglieder außer unserem Sänger Johan stießen. Es haben also THE CROWN wieder zusammen gefunden und wir haben deshalb so viel THE CROWN in dieses Album reingesteckt, wie es im Nachhinein noch möglich war.
Magnus wollte damals keine THE CROWN-Kopie machen, sondern etwas neues – eben DOBERMANN. Deshalb gibt’s auch eher thrashige Nummern darauf.
Und auch “Death Is Not Dead” entstand unter anderem Umständen – es spiegelt wieder, was damals war. Janne hat die Band verlassen, als ungefähr 60 Prozent des Albums fertig waren. Wir haben also mittendrin abgebrochen. Für “Doomsday King” haben wir gar nicht gemeinsam geprobt, wir haben es einfach aufgenommen. Das hört man am Ende natürlich. Und deshalb klingt “Cobra Speed Venom” wieder so richtig nach THE CROWN – denn wir konnten wieder so arbeiten, wie wir wollten. Ich mag das “Doomsday King”-Album trotzdem sehr und glaube, es wird unterschätzt. Es ist voller Energie!

Aber auf “Doomsday King” ist auch ein typischer THE CROWN-Song wie “The Tempter And The Bible Black”. Euer neuer Song “The Sign Of The Scythe” erinnert mich an diesen Song. Und dann ist da ja noch der Beginn, der so sehr nach PARADISE LOST klingt, dass der Song von dir sein muss – du bist ja großer Fan der Band.

Das habe ich schonmal gehört – aber der Song ist von Magnus. Aber ich bin nach wie vor großer PARADISE LOST Fan. “Medusa” hat mir beim ersten Hören allerdings nicht ganz so gut gefallen. “The Plague Within” und speziell der Opener “No Hope InSide” war so doomy und gleichzeitig catchy. “Medusa” ist überhaupt nicht eingängig. Aber nach 10 Mal halte ich “Medusa” für brillant – dieses Album soll ja auch gar nicht catchy sein.

THE CROWN machen jetzt Death-Metal-Grindcore-Opern

Zurück zu “Cobra Speed Venom”: Der Titelsong ist eine fünfminütige Death-Metal-Grindcore-Oper – das schieb Magnus über den Song auf facebook.

(lacht) Nun, vielleicht ist das Intro ein bisschen opernhaft – das ist wieder so typisches Magnus-Ding: Er provoziert gerne mit Worten.

Nun, es ist ein epischer Song mit Bastbeats und NAPALM DEATH-Gebrettere.

Ja, NAPALM DEATH, TERRORIZER – und schon sind wir wieder beim Thema D-Beat, Grindcore, Death Metal und so weiter. Das ist einfach der Kram, den wir heute noch lieben. Wenn wir uns treffen und ein paar Bier getrunken haben, legt irgendwann einer garantiert die “Live Corruption” von NAPALM DEATH auf – und wir sind uns einig, dass diese Platte einer der besten Dinge auf dieser Welt seit der Erfindung von geschnittenem Brot ist. Es steckt in unserer DNA. Und es macht so viel Spaß, diese Einflüsse zu verarbeiten.

Euer neuer Drummer Henrik Axelsson tritt ja kein einfaches Erbe an, Jannes technisches und versiertes Drumming war immer prägend für den Sound von THE CROWN. Henrik ist ihm ebenbürtig – und hat gleichzeitig einen eigenen Stil: Er spiel viel auf den Toms – das finde ich einigermaßen untypisch für euch und das ganze Genre.

Es war seine Idee, er nennt es “Roto-Toms”. Auf alten KREATOR-Platten hört man das viel, dieses drumdrumdrumdrumdrum – eine Art Rauf- und Runterrollen auf den Toms. Als er das bei der Probe zum ersten Mal gemacht hat, waren wir völlig geflasht – wir wollten es am liebsten in jedem Song verwenden. Und es ist das Erste, was du auf dem Album nach dem Intro hörst: drumdrumdrumdrumdrum! Das ist ziemlich retro – wie auf der “Pleasure To Kill”.

Bloß keine Krümelmonster-Vocals!

The Crown-Sänger Johan Lindstrand

Johan hat aber auch viel geübt, oder? Man hat schon immer viel von euren Texten verstanden – aber diesmal sind seine Vocals nochmal extremer – und gleichzeitig immer verständlich.

Ich sagt dir was: Johan ist faul, der übt nicht viel. Wir proben sonntags, Johann ist aber nur alle 14 Tage dabei – anders geht das wegen seines Jobs nicht. Er probt zu Hause, alleine. Er legt Platten auf und screamt und growlt einfach mit. Er muss damit eine Woche vorher beginnen, bevor wir ins Studio oder auf Tour gehen, um die Stimme aufzuwärmen. Ansonsten haben wir einfach dieselbe Vision und mögen die selben Sänger. Johan ist ein Naturtalent, er ist einfach verdammt gut. Und stimmt, man versteht ihn. Manchmal spielt man ja seine eigene Musik Leuten vor, die mit Metal nichts am Hut haben – und die meisten sind überrascht, dass man die Texte zum Teil ganz gut raushören kann. Ich mag diese Krümelmonster-Vocals, bei denen man gar nichts mitbekommt, überhaupt nicht. Johan, David Vincent von MORBID ANGEL oder Jörgen Sandström, der früher bei GRAVE war – das sind für mich die guten Sänger.

Magnus Texte erzählen aber keine Geschichten, sondern sind meist recht verschlüsselt und metaphorisch – da steckt einiges hinter so manch plakativem Titel.

Ja, Magnus ist kein Geschichtenerzähler, es geht eher um Gedanken, Stimmungen – er verwendet Allegorien. Er ist ein ziemlich schlauer Kerl – genaugenommen einer der schlausten, die ich kenne. Und wenn man dann einen Songtitel wie “Blitzkrieg Witchcraft” anschaut, fragt man sich: Was soll das? Soll das witzig sein? Man muss eintauchen, um die Bedeutung zu erkennen – Wörter und Sätze auseinanderschälen. Es steckt viel mehr dahinter als ein cooler Titel.
Bei “Cobra Speed Venom” spielt vieles zusammen, auch das Artwork – er hat sich da viele Gedanken gemacht. Die Welle steht für etwas, das wir alle im Moment erleben – überall: Eine hässliche, hasserfüllte und giftige Welle, die gerade die ganze Welt überrollt. Und das in einer Riesengeschwindigkeit – du kannst dich nicht schützen. Diese Welle saugt Menschen ein und wirft sie in einen Strudel. Das ist auf vielen Ebenen so – Hasspropaganda in den Medien zum Beispiel wird für Menschen zur Wahrheit.

Das Cover von “Cobra Speed Venom” ist für eine LP gemacht

The-Crown-Cobra-Speed-venomIch kann ja heute noch Stunden damit zubringen, mit ENTOMBEDs “Left Hand Path” oder andere Cover von Dan Seagrave anzusehen. “Cobra Speed Venom” gefällt mir deshalb sehr.

Ja, es erinnert an früher – mein Favorit ist das “Altars Of Madness”-Artwork von MORBID ANGEL, das ist ja auch von Dan Seagrave. Die erste Idee war, eine Welle auf dem Cover abzubilden – das war die Grundidee. Schließlich kam Christian Sloane Hall, er hat unser Cover gestaltet, mit den Gesichtern und Grimassen an – und hat denn beschlossen, dass er es richtig macht: Er hat alles von Hand mit einem Stift gezeichnet, das hat drei Tage gedauert. Tja, leider wird das Cover bei manchen als Thumbnail in Briefmarkengröße auf dem Smartphone enden – wir gehen mal wieder nicht mit der Zeit. Aber Metal Blade machen ja eine Vinyl-Edition, es gibt auch ein limitiertes Box-Set Box, das unter anderem auch ein Poster und eine Flagge enthält. Die letzte Idee von Christian war, dass im Hintergrund ein Sonnenuntergang zu sehen ist – vielleicht der letzte Sonnenuntergang jemals. Ich mag die Idee, denn es wäre so einfach gewesen, es schwarz und dunkelblau zu halten. Und: Es gibt nicht viele Bands, die ein gutes purpurfarbenes Cover haben!

Auf “Cobra Speed Venom” ist mit “Where My Grave Shall Stand” wieder ein ruhiges Instrumental zu hören. Du hast schon einige solcher Tracks geschrieben. “Death By My Side” für “Hell Is Here” war noch ein Zwischending zwischen Instrumental und Intro, doch dann kamen “Dream Blood Hell” und “In Memoria” für “Possessed 13” und schließlich “Meduseld” von “Death Is Not Dead”.

Ja, es ist nichts Neues für mich. Meist fallen mit solche Songs ein, wenn ich auf der Akustikklampfe zupfe. So beim Klimpern neben dem Fernsehen. “Where My Grave Shall stand” sollte allerdings ein ganz anderer Song werden: Der Beginn, so wie er heute ist – und dann ein Übergang in ein fiese D-Beat-Nummer. Wir haben einen Monat dran rumprobiert, haben es aber nicht hinbekommen. Jetzt wurde es eher ein PARADISE LOST-Song. Es gibt dem Album nochmals Dynamik, es nimmt das Tempo raus, bevor es mit “Sign Of The Scythe” nochmals in die Vollen geht.
Ein Instrumental zu schreiben oder einen langsamen Song zuschreiben ist schwieriger – man ist immer versucht ihn vollzupacken. Aber solche Tracks brauchen Raum. Wenn ich Songs schreibe, mache ich die Drumpatterns in meinem Kopf und höre in Gedanken den Gesang. Und manchmal höre ich nichts – dann hat es gute Chancen, als Instrumental zu enden (lacht). Meist merkt man schon am Anfang, wohin die Reise geht. Bei “Where my Grave Shall Stand” war es anders, ich bin irgendwann stecken geblieben – aber da Robin ein so guter Lead-Gitarrist ist, bat ich ihn die Lücke mit einem seiner coolen Leads zu füllen.

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THE CROWN: Magnus Olsfelt, Johan Lindstrand, Marko Tervonen, Henrik Axelsson, Robin Sörqvist (Foto: Metal Blade)

Du bist ziemlich aktiv bei facebook – und deine Playthrough-Videos zu Songs von THE CROWN haben ziemlich viele Likes und Kommentare.

Ich war total überrascht, wie gut die Reaktionen auf die Posts sind. Ich hatte mich bei meiner Frau beschwert, dass ich keine Ideen mehr hätte, was ich bei facebook posten könne. Sie schlug vor, ich soll ein Playthrough-Video machen. Das habe ich gemacht – “Death Is The Hunter” war der erste Song und ich war echt noch nervös und habe halt den Song gespielt. Als ich merkte, wie gut das ankommt, wurde ich lockerer und erklärte mehr und redete auch mehr über die Songs. Richtig verrückt war, dass das Video, das mich und meinen Sohn an den Gitarren zeigt, eine viertel Million Views hatte! Es ist wichtig, Fans auf dem Laufenden zu halten – aber manchmal gibt es eben nichts Neues. Und dann sind diese Clips einfach perfekt. Und ich habe kein Problem damit, zu zeigen, dass ich ein ganz normaler Typ bin. Ich schätze das auch an anderen Bands. Für mich ist das – und das klingt jetzt wirklich schräg – eine Metallica-Mentalität: Als ich anfing, Metallica zu hören, fand ich es super, diese Typen in ihren labbrigen T-Shirts und Shorts zu sehen. Die sahen ja ganz normal aus! Und sie hatten keine Angst blöd auszusehen – damals!

Letzte Frage: Wie sieht’s mit Konzerten aus? Bislang sind ein paar Termine in Großbritannien bestätigt. Kommt da noch was?

Wir wollen live spielen! Es sind ein paar Konzerte geplant, England, eventuell Japan. Wir überlegen gerade, wie wir das schaffen. Klar wollen wir gerne wieder in Europa spielen, aber vielleicht auch mal in Ländern, in denen wir schon lange nicht mehr oder sogar noch nie waren. Mal sehen, was draus wird.

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...