SAXORIOR: Eine Reise in eine vergangene Zeit

SAXORIOR: Eine Reise in eine vergangene Zeit
 
 
SAXORIOR aus dem sächsischen Pirna haben sich seit 1994 dem Pagan Metal verschrieben. Auch auf Saksen widmen sie sich wieder der sächsischen Geschichte und dem historischen Kriegertum. Zeit also, bei den zwei Sachsenkriegern Kai und Frank virtuell vorstellig zu werden, um mehr über SAXORIOR und Saksen in Erfahrung zu bringen.

Danke für euer neues Album Saksen, euer nunmehr siebtes Full Length-Album. Was war für euch bei der Kreation dieses Albums anders als bei den Vorgängern?
Das letzte Album erschien ja schon 2007. Seither hatten wir eine Menge Zeit. Kai hatte schon lange die Idee, ein Album über die Zeit der Völkerwanderung zu machen, also sammelte er seine ganzen Ideen und schrieb die meisten Lieder. Auch haben wir diesmal noch mehr Wert auf die Texte gelegt, eine Art Konzeptalbum, eine Reise in eine vergangene Zeit.

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In Sachen Coverartwork seid ihr eine Band, die man nicht leicht einreihen kann, da ihr immer etwas anderes macht vom Visuellen her. Das Saksen-Cover tanzt sozusagen – wie gewohnt – aus der Reihe. Wie seid ihr gerade auf dieses Bild gekommen?
Unser guter Freund Alti hat das Cover gezeichnet. Der gleiche Künstler von unserer ersten CD Return from the dark side. Also der Kreis schließt sich immer irgendwann.
Auf dem Cover sind Krieger und Schiffe zu sehen. Die Schiffe erinnern mich stark an Wikingerschiffe, was mich dann jedoch verwirrt wegen dem Albumtitel Saksen. Auf welches Volk und welche Epoche zielt das Cover ab? Hat es eine spezifische Verbindung zu einem Song auf dem Album?
Das Cover passt genau zum Titelsong, da die Sachsen in der Zeit der großen Völkerwanderung auszogen, um neue Siedlungsgebiete zu erkunden bzw. zu erobern. So fuhren sie dann übers Meer und bis nach Britannien und Gallien.
 
Akustisch fällt vor allem auf, dass Saksen mit deutschen Texten aufwartet. Warum die Abkehr vom Englischen, das zuvor bei euch dominiert hat?
Eigentlich hatten wir beim letzten Album auch schon die Idee, es auf Deutsch zu machen, sind dann wieder davon abgekommen! Warum auch immer. Bei Saksen passt das mit den deutschen Texten wie die Faust aufs Auge.  So kommt das ganze Thema irgendwie besser zum Tragen, weil alles noch epischer klingt und jeder versteht gleich, was los ist.   
Der sächsische Dialekt ist m.E. einer der eigenständigsten und am leichtesten erkennbaren deutschen Dialekte. Welches ist dein Lieblingswort auf Sächsisch und warum?
 isch währ bläedä!…         warum: das gansch ni orglährn! 
(…nur zur allgemeinen Belustigung, da wir keine Spaßverderber sein wollen, doch eigentlich nicht so reden, haha)
In Blutbad von Verden widmet ihr euch einem umstrittenen Thema der sächsischen Geschichte. Während einige Quellen besagen, dass dort anno 782 rund 4500 Sachsen auf Geheiß Karls des Großen hingerichtet worden seien, sprechen andere Quellen von einer Umsiedlung (bzw. Verbannung) eben dieser 4500 Sachsen.
Es ist einfach ein gewaltiges Thema, und die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen, was aber niemand mehr feststellen wird. Fakt ist, daß die Sachsen bis zuletzt erbitterten Widerstand gegen Karl und der damit verbundenen Christianisierung leisteten. Nachdem das fränkische Heer bei Sünteln von Widukinds Mannen besiegt worden war, wollte Karl sich rächen und ein Exempel statuieren. Die beteiligten Sachsen wurden vom eigenen Adel verraten und ausgeliefert und wurden gerichtet. Wieviele geköpft und wieviele deportiert wurden, das kann man wie gesagt nicht genau feststellen, aber es war mit Sicherheit ein extremes Beispiel des Grauens! Die Tyrannisierung und das Leid der Sachsen hörte erst auf, als sich der Sachsenführer Widukind 785 ergab und sich taufen ließ. Frankenkönig Karl vernahm es mit höchstem Respekt und soll sogar Taufpate gewesen sein!
 
SAXORIOR_live_(c)robertkuehn 
 
 
Welche historische Stätte in Sachsen ist deiner Meinung nach die beeindruckendste?
Im heutigen Sachsen bei uns in der Nähe sicherlich die Festung Königstein, die mit 9,5 ha eine der größten Bergfestungen Europas ist und nie erobert wurde. Oder das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. 
Gibt es etwas, was du aus der DDR-Zeit vermisst?
Eigentlich nicht, nur der Zusammenhalt untereinander war viel größer. Heute sieht nur jeder zu, wie er selbst mit dem Arsch an die Wand kommt. Na gut, das Schulsystem war besser und einheitlicher.
Kommen wir zu etwas jüngerer Geschichte: SAXORIOR gibt es seit 1994. Was vermisst du am meisten aus den 90ern?
Ich vermisse eigentlich nichts, es war halt eine andere Zeit mit seinen Vor-und Nachteilen. Natürlich könnte man sagen, daß das enthusiastische, naive Gefühl, mit dem man die Band gründete bzw. die Einfachheit vieler Dinge etwas sehr schönes hatte. Nach 21 Jahren SAXORIOR kennt man doch die vielen Gesichter der Realität.
SAXORIOR_live_(c)robertkuehn 
 
 
Und was ist 2015 das Beste für SAXORIOR?
Natürlich das neue Album, da es unserer Meinung nach das Beste ist, musikalisch als auch soundtechnisch, das wir je gemacht haben (ich weiß, das sagt jeder;). Das professionelle Arbeiten mit unserem neuen Label EINHEIT PRODUKTIONEN ist natürlich auch eine tolle Sache, weil die (vor allem Olaf) einen sehr guten Job machen. Es nützt das beste Album der Welt nix, wenn sich keiner richtig um die ganze Promo-Geschichte kümmert!
Ihr habt in eurer Bandgeschichte schon mit zahlreichen Bands die Bühne geteilt. Welches waren die interessantesten Bühnenpartner und warum?
Es fallen mir einige ein und ich muß sagen, daß wir mit fast allen Bands gut ausgekommen sind, denn die kochen alle nur mit Wasser. Interessant war immer bei Bands, die uns nicht kannten, daß wir spätestens nach dem Konzert uns dann die Anerkennung verdient hatten. Ob es ICED EARTHBENEDICTIONBEHEMOTH oder EMINENZ waren, sie haben auch unseren höchsten Respekt!
Welches wäre deine Traumband, mit der du unbedingt mal die Bühne teilen möchtest?
Das ist eine sehr schwierige Frage, denn es gibt so viele Bands, die uns gefallen! Egal, wichtig ist der Spaßfaktor, dass man sich wohlfühlt bei der ganzen Sache und man respektvoll miteinander umgeht. Ich bin zwar großer KISS-Fan und liebe auch MIKE OLDFIELD, aber das würde bei beiden nicht so recht passen!
Wie sieht es aus mit Live-Plänen, um Saksen zu promoten? Kannst du da schon etwas verraten? 
Also an 21.11.2015 gibt es erst mal die Releaseparty in Dresden im Club Puschkin, und dann sind wir mit Einheit Produktionen in der Planung für das nächste Jahr. Auf jeden Fall werden wir uns ab Ende dieses Jahres den Live-Auftritten widmen.
Danke für das Interview!
Metal rules, Cheers!
 
Fotos: Plattenfirma / Robert Kühn
Layout: Dr. Arlette Huguenin Dumittan 

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