PYRAMAZE: Von der Musik zu den Musikern zur Band

PYRAMAZE: Von der Musik zu den Musikern zur Band

Zack, da waren sie plötzlich – quasi aus dem Nichts tauchte die dänisch-amerikanische Freundschaft PYRAMAZE vor einigen Tagen mit einem Debütalbum auf, das klingt, als hätte man es mit einer Band zu tun, die schon seit Jahren im Geschäft ist. Dabei leben die Musiker auf mehreren Kontinenten verteilt und bis zum Abschluss der Aufnahmen der Instrumente ging man eigentlich noch davon aus, dass Gitarrist und Bandkopf Michael Kammeyer den Gesang auf dem Debütalbum Melancholy Beast übernehmen würde, stattdessen ist nun allerdings Ex-BALANCE OF POWER-Stimme Lance King zu hören. Irgendwie ist bei dieser Band nichts wie bei anderen. Schaut man sich den musikalischen Background der Truppe an, so scheinen die späten Neunziger Hauptinspirationsquelle für die (größtenteils) junge Truppe gewesen zu sein, die Musik klingt hingegen, als hätte man schon viel früher den Metal für sich entdeckt. Dabei macht der 24-jährige Bandkopf klar, dass er den Metal mit 14-15 Jahren für sich entdeckte und frühere Einflüsse gar nicht großartig geltend machen kann. Genausowenig würde man die eigene Musik unbedingt gerne in die Power Metal-Richtung stecken wollen, da man dafür eigentlich zu heftig agiert, wobei die Musik von PYRAMAZE doch weit mehr mit den Bands zu tun hat, die den Begriff des Power Metal ursprünglich Ende der Achtziger belegten und diesem auch in seinem Wortsinn gerecht wurden (im Gegensatz zu den Acts, die heute gern mit diesem Begriff umschrieben werden). Doch damit der Überraschungen nicht genug: Michael Kammeyer spricht auch noch ein perfektes Deutsch, womit er dem schwäbischen Verfasser dieser Zeilen eine ganze Menge voraus hat…

Kann ich dich zu Beginn des Interviews einfach mal mit den Bands konfrontieren, die ich bei euch als Einflüsse herauszuhören geglaubt habe?

Ja klar doch…

JUDAS PRIEST

Das hab ich schon mehrmals gehört, dass wir ein bisschen danach klingen. Ich schäme mich fast das zu sagen, aber ich habe nie JUDAS PRIEST gehört, ich habe von den Jungs keine einzige CD. Deshalb fällt es mir auch ein bisschen schwer, etwas dazu zu sagen. Vielleicht vom Shouting her, wenn man es mit Ripper Owens vergleicht. Den kenn ich ja inzwischen von ICED EARTH.

QUEENSRYCHE

Ja, noch mal so eine Band, die ich eigentlich nicht kenne, aber auch das hören wir öfter.

DREAM THEATER

Tja….da sehe ich eigentlich keine großen Parallelen, von der Stimme mal abgesehen, da Lance schon ein bisschen nach LaBrie klingt. DREAM THEATER sind halt schon sehr progressiv…

Ich muss auch sagen, dass der Vergleich bei mir in erster Linie in den Momenten zu Stande kommt, wenn die Keyboard-Solos einsetzen und man teilweise wie beim DREAM THEATER-Debüt im ersten Moment gar nicht sicher ist, ob das nun die Gitarre, oder das Keyboard ist.

Ah, okay. Ich glaub aber eigentlich nicht, dass Jonah besonders von DREAM THEATER beeinflusst ist. Er kennt schon die Band, aber er ist eigentlich in erster Linie von Acts wie SOILWORK, IN FLAMES oder CHILDREN OF BODOM beeinflusst. Damit ist er aufgewachsen, schließlich ist er auch noch nicht so alt….

ONWARD

Die kenn ich gar nicht. Leider nein.

Und dann natürlich ICED EARTH

Die kenn ich (lacht). Ja, da sind schon ein paar Parallelen da, zumal ich viel ICED EARTH höre, und da bleibt automatisch was hängen. Da hast du sicher recht.

Der Vergleich kommt natürlich in erster Linie durch deine Art des Riffings. Für mich ist das eigentlich eindeutig, aber du siehst das vielleicht gar nicht so?

Bei ein paar Songs ist das Riffing schon ähnlich wie bei ICED EARTH. Nehmen wir z.B. Melancholy Beast. Als ich mir das Album nach den Aufnahmen angehört habe, bin ich schon da gesessen und hab gedacht oh mann, das klingt schon ganz schön nach ICED EARTH.

Ist es nicht ne witzige Geschichte, dass der dänische Gitarrist seinen Haupteinfluss aus dem Amerikanischen bezieht, während sich der amerikanische Keyboarder eher von europäischen Bands inspiriert sieht?

Doch, das ist eigentlich sehr komisch, hab ich aber noch gar nie so drüber nachgedacht. (lacht) Bei Jonah hat das glaub ich sehr viel damit zu tun, dass in Amerika gerade Nu-Metal ziemlich angesagt ist, Bands wie LINKIN PARK, KORN usw. Er mag das Zeug nicht, er hasst es. Als er dann zum ersten Mal Bands wie CHILDREN OF BODOM hörte, wurde er einfach weggeblasen. Ab dem Zeitpunkt hat er in erster Linie europäische Bands gehört und sich natürlich auch beeinflussen lassen.

Wie war es für ihn dann, auf Musiker aus Europa zu treffen, die Interesse daran hatten, mit ihm gemeinsam eine Band zu formieren?

Für ihn war das wirklich ein Traum, das hat er mir sehr oft gesagt. Es gibt da aber auch eine kleine Geschichte dazu. Bevor ich mit Jonah in Kontakt gekommen bin, hat er bereits in einer australischen Band gespielt. Die haben ihn aber total verarscht. Er ist den weiten Weg nach Australien geflogen, nachdem sie ihm erzählt hatten, dass sie eine Platte aufnehmen wollen, dass das alles sehr ernst gemeint ist, usw. Als er dann da war, haben ihm zwei andere Typen aus der Band gesagt, dass das ganze eigentlich nur eine Spaßsache ist, was natürlich für ihn hart war. Er war dann zirka einen Monat in Australien und musste sogar seine Gitarre, die er mitgenommen hatte, verkaufen, damit er wieder zurück fliegen konnte. Das war eine echte Scheißtour. Ein paar Wochen danach hat er einen Gästebucheintrag auf der Wacken Homepage hinterlassen, in dem er schrieb, dass er eine internationale Band sucht. Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich schon an PYRAMAZE. Ich hab ihn kontaktiert und er war eigentlich gleich voll dabei, nur konnte man auch heraushören, dass er etwas nervös war, weil er eben auch schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. Er kam dann nach Dänemark, als wir so weit alles fertig hatten und ich hab dann auch wirklich dafür gesorgt, dass es für ihn eine großartige Erfahrung sein würde. Wir waren im Studio, ich habe alles bezahlt, er hat bei mir gewöhnt und danach ist eigentlich alles ganz schnell passiert. Wir haben einen Plattenvertrag bekommen, plötzlich war ein bisschen Geld im Spiel, usw. Er hätte das alles nie für möglich gehalten. Dafür ist er so dankbar, das glaubt man gar nicht. Wir haben in den USA zwei Konzerte gespielt und da hat er mich mit einer neuen Gitarre überrascht. Okay, in den USA sind die Gitarren billiger, aber dennoch war das schon eine wirklich schöne Gitarre, eine Jackson KE-3 Kelly – und so was haut einen einfach vom Hocker.

Denkt er darüber nach, nach Dänemark zu ziehen?

Das würde er gerne, nur gibt es das Problem mit der GreenCard. Ohne die muss er so weit ich weiß nach einem Monat wieder zurück, also wenn er keine Arbeitserlaubnis bekommt, usw. Deswegen geht das momentan leider nicht.

Pyramaze
PYRAMAZE – v.l.n.r. Jonah, Michael, Lance, Niels und Morten.

Bei euch scheint ja eh alles anders zu laufen, als bei anderen Bands. Wenn ich das richtig nachvollzogen habe, dann war da ja zuerst die Idee zu PYRAMAZE, dann die Musik, und dann die Band, oder?

Die Reihenfolge stimmt nicht ganz. Erst war die Musik da. Ganz am Anfang wollte ich ein Soloalbum unter meinem Namen machen. Aber dann hat sich alles so gut entwickelt, ich hab die richtigen Musiker gefunden und irgendwann hab ich mich dann dazu entschieden, es zu einer richtigen Band werden zu lassen. Also erst die Musik, dann die Musiker, dann PYRAMAZE (lacht).

Dennoch wirkt die Musik sehr reif und es klingt, als würdet ihr schon viele Jahre zusammen spielen. Was ist euer Geheimnis?

Ich glaube alle Musiker bei PYRAMAZE sind einfach schon einige Jahre dabei. Ich habe viele Monate an der Musik geschustert und habe an einem Song so lange gearbeitet, bis ich wirklich zufrieden war. Ich hatte ja keine Deadline – wie gesagt habe ich alles selbst bezahlt und das Studio erst gebucht, als ich mir sicher war. Deswegen ist das alles sehr durchdacht. Die dänischen Musiker von PYRAMAZE, also Schlagzeuger Morten und Bassist Nils und ich, haben auch sehr viel geübt, bevor wir ins Studio gegangen sind. Jonah hat laufend Demos von uns zugeschickt bekommen, damit er in Amerika arbeiten konnte, bevor er nach Dänemark flog und Lance ist so ein Profi, dass er das eigentlich ohne viel Übung packt. Er hatte ein paar Monate um sich damit zu beschäftigen und wir hatten laufend Telefonkonferenzen , damit ich hören konnte, wie die Arbeit voran schritt. Und so haben wir das einfach gemacht. Dazu hatten wir noch einen guten Produzenten und deshalb klingt das Album vielleicht auch nicht unbedingt nach einer Newcomerband.

Habt ihr da teilweise auch so was wie Neid gespürt von anderen Bands, die vielleicht schon seit Jahren im Proberaum sitzen und keinen Plattenvertrag haben, während euch ja fast schon alles zugeflogen zu sein scheint?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich von meiner alten Band DAMIEN einen sehr krassen Neid gespürt habe. Die haben es einfach nicht geschnallt, warum ich die Band verlassen und mein eigenes Ding gemacht haben. Die waren schon sehr neidisch, vor allem auch, weil es da ein Missverständnis gab. Unser Management hat in der Bio geschrieben, dass wir bei DAMIEN Black Metal gespielt haben, und das stimmt einfach nicht. Es war ebenfalls Power Metal. Die Jungs haben mir das sehr übel genommen. Aber es war wirklich keine Absicht, ich habe die Bandbio nicht geschrieben, sondern Intromental, und als ich es mitbekommen habe, habe ich das sofort korrigieren lassen – so weit das noch möglich war. Es ist da alles so schnell passiert, dass man natürlich nicht von einem Tag auf den anderen eine neue Biografie verschicken kann. Da ging schon auch etwas Zeit vorbei, aber ich habe in allen Interviews gesagt, dass es kein Black Metal war, sondern Power Metal. Das haben die mir aber schon sehr übel genommen – deswegen Neid.

Hat dir das dann in gewisser Weise auch den Spaß an PYRAMAZE kaputt gemacht, oder hast du irgendwann gesagt schaut her, ich habs einfach besser gemacht?

Also am Anfang, wenn ich die Jungs getroffen hab, war es schon auffällig, dass mich nie einer beglückwünscht hat oder derartiges. Irgendwann dachte ich mir na gut, dann spreche ich mal mit den Jungs. Inzwischen ist das aber alles so krass geworden, dass ich irgendwann auch gesagt hab sollen sie doch tun, was sie wollen, ich hab mein bestes gegeben, um die Sache zu bereinigen. Ich bin kein Typ, der zum Snob wird, nur weil er einen Plattenvertrag hat. Nur wenn sie so krass kommen, dann ist halt irgendwann Schluss.

Ich denke PYRAMAZE haben einen sehr eigenständigen Sound. Ging DAMIEN da in eine ähnliche Richtung?

Eigentlich nicht. DAMIEN war sehr rock-inspirierter Metal ohne Keyboards. Bei DAMIEN habe ich gesungen und ich habe auch keine so hohe Stimme wie Lance, also auch mehr in die Rock-Richtung. Dass wir bei PYRAMAZE Lance bekommen haben, das hat natürlich viel zur Qualität beigetragen. Und dass bei uns Keyboards dabei sind, das trägt auch viel zur Pfiffigkeit des Sounds bei. Was hat sich noch geändert? Ich habe meine Gitarre auf D gestimmt und spiele härter. Deshalb ist der Sound schon sehr anders.

Für mich ist es erstaunlich, wenn eine Band quasi aus dem Nichts auftaucht und mit einem Sound daher kommt, den man sofort als typisch für die Band bezeichnen kann. Das Coverartwork passt dazu noch wie die Faust aufs Auge. Was ist deiner Meinung nach euer Geheimnis?

Tja, das ist echt schwer zu beantworten… (überlegt) Das kann ich echt nicht beantworten. Die Jungs haben ihren eigenen Stil und den tragen sie zu PYRAMAZE bei. Auch ich hab meinen Stil, trotz dass ich von ICED EARTH usw. beeinflusst bin. Ich denke da haben sich einfach die Richtigen getroffen.

Hat das vielleicht auch damit zu tun, dass ihr gar nicht versucht habt, wie eine bestimmte Band zu klingen, sondern mehr all die Sachen, die ihr am Metal liebt, in einen Sound zu packen?

Ja, also das trifft es eigentlich ziemlich gut. Wobei, wenn ich zu Hause an einem Song arbeite, dann schreibe ich den Gitarrenteil zuerst. Und daran arbeite ich, bis es mir richtig gefällt. Und da kommen verschiedene Stile zusammen und vielleicht trägt das seinen Teil bei.

Wenn du die Songs von Melancholy Beast, wie du sie am Anfang zu Hause geschrieben hast, damit vergleichst, wie sie jetzt auf Platte klingen: sind die Stücke so viel anders?

Ja, schon etwas. Die Songs sind auf jeden Fall melodischer geworden und zum großen Teil dank Jonah und dank Lance. Der Sound der Keyboards und auch die hinzugefügten Chöre, haben viel dazu beigetragen. Wenn ich zu Hause mit der Gitarre übe, dann ist alles eigentlich ziemlich roh. Wenn die anderen Instrumente dazu kommen, dann ändert sich da doch einiges.

Pyramaze
Sänger Lance King stieß erst auf Rat des Labels zur Band, als die Musik schon aufgenommen war.

Wenn man sich das Labelinfo so durchliest, dann wirkt das schon ein bisschen so, als wäre euch Lance mehr aufgedrängt worden und weniger, als ob ihr speziell nach jemandem wie ihm gesucht hättet. Täuscht das ein bisschen oder wie würdest du diese eigentlich seltsame Situation beschreiben?

Also das ist alles so passiert: als wir mit den Instrumenten im Studio fertig waren, sollte ich eigentlich die Vocals einsingen, wir hatten aber keine Studiozeit mehr. Ich musste noch mal eine Woche buchen, bevor das passierte, hatten Intromental allerdings schon die instrumentalen Sachen gehört. Die waren dann ganz wild darauf und meinten das könnte was werden, wie singst du denn? Ich meinte: das ist schwer zu sagen, das müsst ihr hören, wenn die Platte fertig ist. Sie fragten was, wenn das nicht gut genug ist? Das wäre schade! Und von da an haben wir angefangen, über einen Profi-Sänger zu reden. Ich habe dann fünf oder sechs Promo-CDs von Intromental bekommen und Lance war eigentlich der einzige, der wirklich wirklich gut war. Ich habe ihn kontaktiert und da er kurz davor bei BALANCE OF POWER ausgestiegen ist und das Material gut fand, hat er zugesagt.

Kritiker könnten jetzt natürlich sagen na ja, so ne richtige Band ist das ja nicht. Die haben sich aus allen möglichen Erdteilen zusammengestückelt und kennen sich eigentlich überhaupt nicht. Was entgegnest du dem?

Richtig ist das ja schon. Wir haben ja nicht wie andere Bands jahrelang irgendwo geprobt, aber als wir das Line-Up zusammen hatten, wurden wir zu einer richtigen Band. Das ist kein Projekt mehr. Wir sind eine Band, wir spielen live und das Line-Up bleibt so wie es ist. Also hoffentlich bleibt es so, man kann ja nie wissen, auch Bands, die von Anfang an zusammen geprobt haben, haben von Zeit zu Zeit einen Wechsel. Aber so wie es jetzt ist, könnte es von mir aus gerne bleiben.

Aber in der Zwischenzeit habt ihr auch schon wieder ein neues Bandmitglied. Was kannst du mir über ihn erzählen?

Das ist der Toke. Den haben wir gebraucht, weil wir auch live spielen und eine Gitarre allein ist da nicht so cool. PYRAMAZE ist sehr stark auf den Gitarrensound aufgebaut und auf der Platte hört man die Rhythmusgitarre, eine Harmonie und dann auch noch ein Gitarrensolo drüber. Das kann man alleine live nicht bewältigen. Deshalb habe ich Toke angeheuert, ein Freund von meinem Bassisten. Wir haben die Shows in den Staaten gespielt und waren einfach alle auf derselben Wellenlänge. Ich hab ihn also gefragt, ob er ein festes Bandmitglied werden möchte und er sagte zu.

Pyramaze
PYRAMAZE – jedes Treffen ist wie eine kleine Reunion.

Kannst du mir überhaupt ein bisschen mehr sagen, wie bei euch in der Band die Kommunikation funktioniert?

Wir machen sehr viel über E-Mail, Instant Messenger oder Telefon. Wir kommunizieren viel, nur sehen wir uns nicht so viel. Der Vorteil dessen ist für mich, dass Bands, die sich drei Mal die Woche sehen, auch schneller müde voneinander werden können. Bei uns besteht die Gefahr weniger, wir sehen uns eine halbe Woche, bevor wir spielen, und dann ist das jedes Mal wie eine kleine Reunion.

Seit ihr euch denn da auch immer einig, wie das ganze klingen und in welche Richtung es gehen soll?

Also bis jetzt schon, aber das ist auch nicht schwierig, weil die Richtung eigentlich von mir angegeben wird. Man könnte ganz grob sagen, dass die anderen meine Angestellten sind, nur behandle ich sie nicht so. Vertragsmäßig sind sind angestellt, bandmäßig sind wir aber alle gleich. Von daher ist diese Frage auch noch gar nie aufgekommen, ob die oder die Idee gut oder blöd ist. Wenn ich mit meinen ganzen Songs ankomme, dann können die anderen sehr wohl auch ihren Teil beitragen, das ist keine Diktatur.

Die Situation, in der du Melancholy Beast geschrieben hast, dürfte aber dennoch eine ganz andere sein, als es jetzt bei neuen Songs mit einer Band im Rücken der Fall ist. Spürst du da schon einen Unterschied was die Entstehung der Songs angeht? Was für einen Effekt hat die jetzige Situation auf die Musik?

Also in erster Linie denke ich sehr viel über die Songs nach, da Melancholy Beast sehr gute Reviews bekommen hat. Es gibt da einen gewissen Druck, da ich etwas machen will, was mindestens genau so gut ist. Ich denke das zweite Album könnte noch besser durchgearbeitet werden.

Also besser durchgearbeitet im Sinne von an den Details gefeilt oder im Sinne von sich mehr Zeit für die Arbeit an den Songs lassen?

Also mehr Zeit lassen sicher nicht, da wir jetzt schon Druck haben. Aber sicher mehr an den Feinheiten arbeiten und mehr Zeit im Studio verbringen.

Das Album war ja zunächst komplett auf deine Kosten produziert, ihr hattet Auftritte in den USA, vermutlich habt ihr auch recht hohe Telefonrechnungen,… Wie könnt ihr euch das eigentlich alles leisten?

Also ich arbeite ganztags und verdien recht gute Kohle. Lance hat seine eigene Plattenfirma und verdient ebenfalls ganz vernünftig. Morten ist Computeringenieur und eigentlich haben wir alle gute Jobs – PYRAMAZE ist dann eben am Abend dran.

Man muss sich um euch also keine Sorgen machen.

Ganz genau (lacht).

Was ich an eurer Musik sehr mag ist die Traurigkeit und die Melancholie, die stets mitschwebt und das ist eigentlich auch, was guten Power Metal für mich ausmacht – wenn die Musik trotz aller Härte und Power auch diese gewisse Tiefe hat. Der Titel des Albums passt da eigentlich wie die Faust aufs Auge.

Ja, das ist schon richtig. Den Titel habe ich gerade deshalb gewählt, eben weil einige Songs etwas melancholisch ausgefallen sind. Das Beast kommt dann aus der Rohheit, weil es immer noch harter Metal ist. Deshalb Melancholy Beast und das stimmt schon, was du sagst.

Und das Cover spiegelt das im Grunde genau wieder, diese scheinbar gefährliche Wesen, das vollkommen aus Flammen besteht, dem aber vielleicht alles, was im etwas bedeutet in den Händen zu Asche zerfällt.

Ganz genau.

Textlich sind einige Songs sehr offensichtlich von Filmen oder Büchern inspiriert, man denke nur an Sleepy Hollow oder Legend. Bei anderen sieht es anders aus, deshalb erstmal meine Frage: basieren alle Texte auf Filmen oder Bücher?

Nein. Wie du gesagt hast, basiert Sleepy Hollow auf dem Film, aber genauso auch auf der Legende. Es ist eine Mischung. Legend basiert hundertprozent auf dem Film. Dann gibt es aber zum Beispiel auch Sachen wie Forsaken Kingdom…

…übrigens der beste Song auf dem Album!

Findest du?

Absolut, ich liebe diese Melodie.

Pyramaze
Gitarrist, Hauptsongwriter, Texter und Bandkopf Michael Kammeyer

Das ist schön zu hören, aber damit bist du ziemlich allein. Viele Presseleute mögen das Stück nicht besonders…aber Forsaken Kingdom basiert tatsächlich auf einer eigenen Geschichte, genauso auch Melancholy Beast. Wobei es bei dem Titelsong eine gewisse Ähnlichkeit zu Beauty and the Beast gibt. Until we fade away, die Ballade, dreht sich um mich und meine Freundin. Dann haben wir noch The Journey, bei dem es um meine Reise zum Metal geht, was ich dabei erlebe und denke und wie sehr das mein Denken beeinflusst. Mighty Abyss ist ein Tribut an das Meer, das mächtige Tief. The Nature of Times kommt von Jonah – ein Feel Good about Metal-Interlude. Das brauchen wir auch für Power of Imagination, bei dem der Titel eigentlich schon alles sagt: die Macht der Vorstellungskraft.

Der letzte Song beschreibt für mich im Grunde genommen sehr gut eure Herangehensweise an die Musik und die Texte, oder?

Ja, das stimmt absolut.

Kannst du mir noch ein bisschen mehr zur Idee hinter Forsaken Kingdom erzählen?

Das Thema ist der letzte Wächter einer längst verschollenen Zivilisation. Er ist unsterblich und sein Schicksal ist es, diese Ruinen zu bewachen – für immer und ewig. Der Song handelt von seiner Denkweise und seinem Leben.

Bei Melancholy Beast musste ich ein bisschen an den Film Das Ding aus dem Sumpf denken, und dazu passt das Coverartwork auch irgendwie.

Das ist ein ziemlich alter Film, oder? Ich erinnere mich, den habe ich glaub mal als Kind gesehen. daran hab ich echt noch gar nie gedacht – interessant.

Du bist aber generell ein riesiger Film-Fan, oder?

Absolut, ich glaub ich hab so um die 200 DVDs zu Hause.

Was ist dein Lieblingsgenre?

Fantasy, Adventure, Science Fiction. Die Nummer 1 ist ganz klar Lord of the Rings.

Spielt das bei dir auch eine Rolle, wie du Musik machst? Also klare Bilder im Kopf des Hörers entstehen zu lassen?

Ja, das ist ganz wichtig. Da leg ich ein ziemliches Gewicht darauf: die Vorstellungskraft. Es soll sein, als würde jemand ein gutes Buch lesen oder einen guten Film anschauen. Deshalb gebe ich mir bei den Texten auch sehr viel Mühe.

Wie klar sind deine Vorstellungen von den Inhalten, wenn du deine Musik kreierst?

Meistens kommt erst die Musik und von der lasse ich mich dann leiten um ein Thema zu finden, das zur Musik passen könnte. Ein oder zwei Mal war es anders, da habe ich ein Gedicht geschrieben, das sich zu einem Song entwickelt hat. Wie bei The Wizard zum Beispiel – die Japan-Bonus-Nummer. Meistens kommt aber zuerst die Musik.

Vermutlich wärst du ziemlich heiß darauf, auch entsprechende Videoclips zur Musik zu machen, oder?

Oh ja…

Seht ihr da überhaupt irgendwelche Möglichkeiten?

Pyramaze
Keyboarder Jonah Weingarten sieht sich in erster Linie von europäischen Metalbands beeinflusst.

Das kostet halt sehr viel und mit jedem Album, das wir bei NTS machen, bekommen wir einen Betrag für ein Video. Bis das Geld dann aber richtig zusammen ist, wird es drei oder vier Alben dauern und ich möchte da nichts halbes machen.

Kannst du dir vorstellen, einen Videoclip zu drehen, bei dem nur die Band zu sehen ist, oder müsste da in deiner Vorstellung schon auch eine Geschichte dahinter stecken?

Am liebsten natürlich schon auch mit Geschichte.

Inwiefern würdest du euren Bandnamen als Konzept sehen? PYRAMAZE setzt sich vermutlich aus den Worten Pyramids und Maze (Labyrinth) zusammen, oder? Dieser Name beinhaltet ja schon von Grundauf etwas mystisches.

Hmmm, ein Konzept nicht direkt. Als ich den Bandnamen gesucht habe, habe ich mit jeden Mengen Wörtern gespielt. Ich war schon immer sehr von den Pyramiden fasziniert, ich fand sie immer sehr mystisch und beeindruckend. wie gesagt, ich habe mit Wörtern herum gespielt und da war Pyramid, was ich geteilt und alle möglichen Wörter dahinter gestellt habe und dann war da plötzlich PYRAMAZE. Und das hat sich genau richtig angefühlt.

Für mich kommt das schon aber auch etwas so rüber, als könntet ihr mit der Band das typische Rock´n´Roll-Klischee nicht bedienen, also so was von wegen ich fühl mich super, wo sind die Mädels würde bei PYRAMAZE nicht wirklich funktionieren, oder?

Nee, also wir sind wirklich keine Sex, Drugs & Rock´n´Roll-Band, eher lange Haare, Heavy Metal und Kaffee. (lacht) Nee, also wir sind da alle sehr auf dem Boden und konzentrieren uns mehr darauf, gute Musik und eine gute Show zu machen, anstatt das Sex, Drugs & Rock´n´Roll-Klischee auszuleben.

Was waren die letzten drei Alben, die du dir selbst gekauft hast, oder die dich besonders beeindruckt haben?

Das war The Glorious Burden von ICED EARTH, dann Once von NIGHTWISH und davor….(überlegt)…das war die neue Scheibe von ELVENKING. Was mich aber am meisten beeindruckt hat, waren BLIND GUARDIAN, das sind die besten. Ich hab den Hansi auch schon mal getroffen und auch die anderen Bandmitglieder waren dabei und die sind wirklich ganz auf dem Boden. Für mich absolute Superstars, aber wirklich ganz auf dem Boden. Und so muss das sein, das ist, was ich an einer Band mag. Dass sie ganz normal mit den Leuten reden und untereinander gut auskommen. Die machen einfach saugeile Musik und sind live fantastisch.

Ich muss dich jetzt natürlich auch nach ICED EARTH fragen, da du die neue Scheibe genannt hast. Wie verständlich sind für dich die ganzen Diskussionen um die Band oder findest du das alles überzogen?

Was für Diskussionen? (lacht)

Naja, bei uns in Deutschland gab es sehr starke Diskussionen zum Sängerwechsel und genauso ist auch die patriotistische Tendenz bei Jon Schaffer sehr negativ ausgelegt worden.

Tja, der Patriotismus, das ist so eine Sache. Ich kann gut verstehen, dass die Leute verdammt wütend sind, denn was da passiert ist, ist eine absolute Katastrophe. Ich glaube in vielen löst das sehr starke Gefühle aus und Jon Schaffer ist einer davon. Ich versteh sehr gut, woher der Patriotismus kommt, aber vielleicht ist es auch einfach zu viel, darüber ein ganzes Album zu machen. Und der Wechsel zum neuen Sänger: das fand ich zu Anfangs auch nicht besonders, da ich Matthew Barlow immer sehr geil fand. Ripper Owens macht das aber auch sehr gut – ich sah ihn in Minneapolis, wo ICED EARTH einen Abend zuvor im selben Club wie wir spielten. Die haben da eine echt tolle Show abgeliefert und das ist jetzt halt so.

Was waren bislang eure lustigsten Erlebnisse live auf der Bühne?

Nun, unsere erste Show war in so einer Biker-Sports-Bar. ein verdammt großes Ding. Das Publikum war etwas älter, so zwischen 30 und 50. Da waren Leute dabei, die haben total wild herumgetanzt und waren so betrunken, das glaubt man gar nicht. Die haben total getobt und plötzlich lag so ein Typ mitten in unserem Monitor und hat rum geschrieen, was sich vielleicht nicht besonders komisch anhört, aber es sah verdammt komisch aus.

Welche Person würdest du in deinem Leben gerne mal treffen und warum?

Peter Jackson. Weil er mit Lord of the Rings eine derart große Aufgabe auf sich genommen hat, und ich würde gerne mit ihm einfach über das Thema sprechen – da es mich auch ziemlich interessiert.

Hast du seine alten Filme gesehen, bevor Lord of the Rings raus kam?

Ja, schon. Ich kannte die Filme, die man jetzt Kultfilme nennt. Ich fand die verdammt komisch.

Und was war deine erste Reaktion, als du gehört hast, dass dieser Typ Lord of the Rings verfilmen wird?

Zuerst dachte ich mir das kriegt der nie hin. Als ich dann hörte, wie sehr er sich für das Thema interessierte und was für ein Tolkien-Freak er ist, konnte ich mir schon vorstellen, dass das klappen könnte. Als dann die Trailer kamen, dacht ich nur das sieht verdammt toll aus!

Denkst du, dass es ein großer US-Regisseur jemals so hinbekommen hätte?

Glaube ich nicht, weil Peter Jackson auf eine gewisse Weise ein Geek ist. Der dachte nicht groß an Geld, der wollte einfach eine gute Arbeit abliefern. Und das hätte ein großer US-Regisseur in diesem Sinne sicher nicht hinbekommen.

Pyramaze
PYRAMAZE – Haare, Heavy Metal und Kaffee