OBSCURA: Die Magie zwischen Publikum und Musikern

 

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OBSCURA: Steffen Kummerer (Gitarre, Gesang), Linus Klausenitzer (Bass), Sebastian Lanser (Schlagzeug), Rafael Trujillo (Gitarre) (Foto: Chriatian Martin Weiss)

OBSCURA hält nichts auf – Hitze, Line-Up-Wechsel, Tourstress – alles stecken die deutschen Ausnahmen Tech-Death-Metaller weg und kredenzen lieber ein vielschichtiges, eigenständiges Album wie „Diluvium“. Dafür haben sich OBSCURA gerade mal zwei Jahre Zeit gelassen nach „Akroasis“. Ein Grund mehr, um Fretless-Bassist Linus zum Bandleben bei OBSCURA zu befragen…

Wie zufrieden bist Du mit dem bisherigen Feedback zu eurem aktuellen Album «Diluvium»?

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Das neue OBSCURA-Album „Diluvium“ erscheint am 13. Juli 2018

Das Album ist noch nicht veröffentlicht – somit bekommen wir bisher nur Feedback von Label, Magazinen und unserer persönlichen Umgebung. Noch nie war das Feedback so gut wie dieses Mal. Das ist natürlich noch keine Garantie, dass das Album einschlägt, aber es ist schön, dass unser persönliches Bild über der Besonderheit und Qualität des Albums bestätigt wird.

«Akroasis» ist gerade zwei Jahre her und ihr seid ja auch immer fleissig live unterwegs. Irgendwie schwer vorstellbar, dass ihr da Zeit findet, um «klassisch» im Übungsraum Songs zu komponieren. Wo findet das OBSCURA-Songwriting statt?

Das stimmt. Es ist schön, dass es derart voran geht. Vor kurzem haben wir ein Akroasis World Tour-Shirt anfertigen lassen mit allen Tourdaten für unser letztes Album und wir hatten große Schwierigkeiten, alle Termine unterzukriegen. Das Album haben wir vor allem im Sommer letzten Jahres geschrieben. Nach einer Produktion dauert es erfahrungsgemäß sehr lange bis das Album tatsächlich veröffentlicht wird. Deshalb haben wir die Chance genutzt und sind in dieser Zeit einfach wieder auf Tour und waren neben der SEPULTURA– EU-Tour in Regionen wie Japan und Nordamerika, die wir mit „Akroasis“ vorher noch nicht bespielen konnten.

Wir wohnen leider sehr weit voneinander entfernt. Die Fahrt von Erlangen zu unserem Proberaum in der Nähe von Salzburg dauert je nach Stausituation etwas vier Stunden für mich. Spontane Songwriting-Sessions sind deshalb unmöglich. Wir machen tatsächlich das meiste über das Netz. Unzählige Skype-Sessions, ausnotierte Songs in Guitar Pro und eine Vorproduktion, die wir auf unserem Server hin und her geschickt haben, haben das Album entstehen lassen.

Trotz massiver Line Up-Wechsel hat sich eure Eigenständigkeit nicht verändert. Warum ist das so? Haben alle Bandmitglieder das gleiche Mitspracherecht beim Songwriting?

Das höre ich gerne. Egal ob es um Songwriting, Equipment oder Produktion geht: In einer Technical Death Metal Band ist der Aufwand höher als in den meisten anderen Genres. Man muss viel Herzblut und Zeit investieren. Deshalb ist die Fluktuation in diesem Genre in nahezu allen Bands sehr hoch. Genauso schwierig ist es, neue Bandmitglieder zu finden, die entsprechenden Willen mitbringen, den gleichen Stil mögen und musikalischen Charakter haben. Wir haben glücklicherweise immer solche Mitmusiker gefunden, die unseren Stil mit ihrem Spiel bereichert haben. Bei uns schreibt jeder Musiker mehr oder weniger zu gleichen Anteilen. Den gemeinsamen Sound, der sich über alle Platten hinweg zieht, entsteht vor allem durch das viele Touren. So geht der Stil, ob man will oder nicht, in den eigenen Stil über.

Das ist eine schöne Entwicklung. Was fasziniert Dich am Universum und der Astronomie? Hast Du einen Lieblingshimmelskörper? Wenn ja, welcher ist es und warum?

Astronomie ist für mich eine der interessantesten Wissenschaften. All diese Extreme sind kaum fassbar und ändern die Sicht auf unser Leben – Zeit als Variable zu begreifen, beispielsweise. Die Erde ist in ihrer Vielfältigkeit und Zerbrechlichkeit vermutlich mein Lieblingshimmelskörper.

Gibt es bei so viel Erfahrung und so viel OBSCURA noch Zeit, um neue Bands zu entdecken? Welche haben Dich im letzten Jahr überzeugt und warum?

Na klar. Es wäre traurig, wenn wir nichts Neues mehr hören wollten. Auf dem Vienna Metal Meeting habe ich dieses Jahr das erste Mal DOOL gesehen. All den Dreck und die rohe Intensität des Metal, die kaum noch zu finden ist, ist bei dieser Band voll da. Auch Bands der älteren Generation hauen mich mit neuem Material noch vom Hocker. Das neue JUDAS PRIEST-Album ist ein Meisterwerk.

Bezüglich des neuen JUDAS PRIEST-Albums bin ich ähnlicher Meinung. Nun ist «Diluvium» ja schon euer fünftes Full Length-Album. Gab es etwas, was Dich in der Kreation von «Diluvium» überrascht hat?

OBSCURA_logoNoch nie hatten wir ein Album so detailreich vorproduziert wie dieses Mal. Als ich dann das erste Mal das fertig gemixte Album gehört habe, hat es mich umso mehr umgehauen wie sehr die Produktion den Charakter der Komposition noch verbessert hat. Ich kann nur jeder Band raten, sich einen guten Produzenten zu suchen. Man unterschätzt die Wirkung einer guten Produktion schnell.

Euer Werk erscheint ja auch in verschiedenfarbigen Vinylversionen. Welche ist Deine Lieblingsvariante? Sind Re-Releases älterer Alben als farbiges Vinyl geplant?

Die Version mit den Farbspritzern und der roten Fläche in der Mitte, die sofort ausverkauft war, hat auch mir am besten gefallen. Die Variante mit dem Artwork auf der LP gefällt mir aber auch sehr. Unser Label trifft in solchen Beziehungen immer unseren Geschmack.
Erst dieses Jahr haben wir die LP-Version unseres Albums „Cosmogenesis“ neu aufgelegt, die man bei RELAPSE RECORDS oder in unserem offiziellen Online Shop auf unserer Webseite bekommen kann.

Was ist das Wichtigste für Dich – neben den Instrumenten – wenn Du auf Tour bist?

Haha, die guten Shows natürlich. Auch wenn es tierisch Spaß macht mit guten Freunden von Stadt zu Stadt zu ziehen, sieht man seine Familie für längere Zeit nicht und muss sich eine Toilette mit 30 stinkenden Kerlen teilen.
Der Hauptgrund, warum wir so viel touren, sind die Shows. Die Magie, die zwischen Publikum und Musikern besteht, ist unvergleichlich.

Wie sehen OBSCURAs Pläne für 2018 aus?

Wir haben dieses Jahr bereits in Europa mit SEPULTURA gespielt und auch eine Japan-Tour haben wir schon hinter uns. Deshalb haben wir beschlossen, nach den Sommerfestivals den Tour Zyklus dieses Mal in den USA zu starten. Eine Europa-Tour planen wir gerade für Februar nächsten Jahres.

Foto: Christian Martin Weiss