MY COLD EMBRACE: Ein kleines bisschen Provokation

MY COLD EMBRACE: Ein kleines bisschen Provokation

In Kassel geht die Post ab: MY COLD EMBRACE, Deutschlands beste DIY-Band, veröffentlichte bereits im Februar nach einiger Verzögerung das neue Album Hausgeist, ein abwechslungsreiches, kreatives und originelles Death Metal-Kleinod, dass die schönsten Zutaten des Undergrounds vermengt. Doch warum noch kein Deal? Wie diese professionelle Aufmachung? Warum dieser ungewöhnliche Weg? Gitarrist Dirk stand an einem schönen Sonntag Abend im Sommer geduldig anderthalb Stunden Rede und Antwort und bot interessante Einblicke in das Musikbusiness jenseits von Plattenfirmen und Trends.

Kürzlich habe ich Hausgeist zum ersten Mal mit Kopfhörern gehört und mir ist aufgefallen, was sich da alles im Hintergrund verbirgt. Wie beim Titelsong, mit den schizophrenen Stimmen im Hintergrund. Darum geht es ja in diesem Stück, richtig?

Ganz genau. Beim Aufnehmen hat es so viel Spaß gemacht, dass wir uns da Einiges einfallen ließen. Mit Kopfhörern kommt es sehr gut raus, wie da diese ganzen Stimmen, witzigerweise alle im Takt, herumwuseln. Es war aber auch eine große Herausforderung das so zu gestalten, dass es eben nicht nur Stimmen sind.

Jedes Mal, wenn ich diesen Song höre, bin ich der Meinung, ihr solltet nur deutsche Texte verwenden, das passt perfekt zu euch.

Wäre Ernie (Ex-Sänger, Anm. d. Verf.) weiter dabei geblieben, wären bestimmt mehr deutsche Texte herausgesprungen, aber Dennis Hirth, unser neuer Mann am Mikro, ist der englischen Sprache wirklich mächtig und kann sich darin bestens auszudrücken. Deshalb lassen wir ihm bei den Texten natürlich freie Hand. Wir setzen uns keine Grenzen, wenn deutsche Texte kommen, dann kommen sie eben, wenn nicht, dann nicht. Eben so, wie es sich am besten ausdrücken lässt. Und bei Hausgeister hat es eben wunderbar zu dem Song und dem Album gepasst und speziell im Lied passen die Stimmen auf Deutsch natürlich besser.

Das Artwork visualisiert den Titel und den Song wunderbar, mit dem Haus auf dem Kopf von Eva Pechmarie und euch darin.

Wir haben Eva Pechmarie, so ihr Künstlername, über unseren Gitarristen Marco (Reidelbach – Anm. d. Verf.) kennen gelernt. Sie macht eine ganze Menge, ist in Tattoo-Kalendern abgebildet, ist im Rockabilly-Bereich aktiv, arbeitet als Gothic-Model, und so weiter. Marco kannte auch die Arbeiten, die sie mit dem Stuttgarter Fotografen Stefan Heilemann gemacht hat. Der hat auch schon viele Bandfotos und für viele schräge Platten die Artworks gemacht und so haben wir ihn gefragt, ob er ein Konzept, das zu Hausgeist passt mit uns und Eva erarbeiten möchte. Wir haben dann ein Haus geschreinert, ein Loch reingeschnitten und Eva auf den Kopf gesetzt. Schließlich wurden wir reingebastelt, um die Stimmen schön visuell umsetzen zu können. Das ist sicherlich kein typisches Death Metal-Cover, aber sowas war uns noch nie wichtig.

Eben, ihr hattet immer eher Artworks, die von Cartoons und Comics inspiriert sind, da reiht sich das Cover bestens ein, obwohl es eine Fotomontage ist.

Das setzt eben den Stil, den wir bisher auch hatten, gut fort, das Augenzwinkern ist nach wie vor enthalten. Es ist auf jeden Fall ein Cover, bei dem die Leute etwas verwirrt zweimal hinschauen und nicht zwangsläufig Death Metal erwarten.

Eigentlich finde ich Bandfotos auf Artworks scheiße, aber hier ist ein selbstironisches Element enthalten, eure Köpfe sind überdimensional groß, das gefällt auf jeden Fall.

Normalerweise sind wir in der Hinsicht auch dezenter, wir hatten niemals auf T-Shirts Bandfotos, auch bei den Fotos in den Booklets waren wir da eher zurückhaltend, aber dass wir uns als Hausgeister in ihrem Kopf verewigt haben passt schlicht und ergreifend wirklich gut.

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 Wir besingen das soziale nicht nur in unsere Texten, sondern leben es auch Gitarrist Dirk (links) über die Grundeinstellung von MY COLD EMBRACE.

Mein Lieblingssong auf Hausgeist ist übrigens Apollo.

(lacht) Das ist der Track, der es fast nicht aufs Album geschafft hätte. Ich hatte die Grundstrukturen für Apollo fertig und brachte ihn zur Probe mit. Ich bin im übrigen immer für die stumpfen und disharmonischen Sachen zuständig, Dennis (Dörfler – Schlagzeuger, Anm. d. Verf.) spielt immer viel am Keyboard rum und bringt schon recht ausgearbeitete Sachen zur Probe und Marco ist eher der oldschool Death-Thrash Metal-Freak. Im Proberaum läuft dann alles durch die übliche MY COLD EMBRACE-Verkomplizierungsmaschine. Apollo war allen immer zu eingängig und zu offensichtlich, das brutale Element hat Eingangs noch gefehlt. Dann habe ich ein paar Teile verändert, komplizierter und brutaler gemacht und schließlich hat es die Nummer doch aufs Album geschafft. Ich habe es schon immer gesagt, dieses Stück brauchen wir auf der Scheibe. Spätestens als Dennis seine Gesangslinien fertig hatte, waren auch die anderen restlos überzeugt.

Es ist auch sehr schön, wie bei Apollo das Drumming über die langsame Gitarre blastet, das ist schon sehr kreativ. Und catchy ist der Song trotzdem wie Sau.

Das freut mich natürlich. Da ist eben viel drin, was uns ausmacht. Es sind vertrackte Teile drin, rhythmische Wechsel und Tempiwechsel, außerdem Melodie und Brutalität. Das sind eben wir.

Der Text ist über Rebellion, Apollo, der griechische Göttersohn, passenderweise ein Rebell. Korrekt?

Wir haben mit Dennis viele Stunden über die Bedeutung der einzelnen Lyrics geredet, er sagt dennoch, er möchte sich nicht zu tief darüber äußern. Einerseits ist das typisch Sänger, andererseits finde ich es aber gut, dass jeder so die Chance hat, in gewissen Textteilen etwas zu entdecken, bei dem man merkt, das betrifft mich, dass hat auch mit mir zu tun. Ob Apollo von der griechischen Mythologie handelt, kann ich so nicht sagen. Oftmals ist es auch so, dass der Arbeitstitel eines Songs den Text inspiriert. Ob es bei Apollo auch so ist, weiß ich nicht mehr, aber die Nummer hat gewisses Hitpotenzial, der Titel ist griffig, das passt einfach.

Das Grüne führt ins Schwarze ist ebenfalls ein mächtiger Song, sehr Crustcore-lastig und mit verdammt schnellem Gesang. Den Text habt ihr in Zusammenarbeit mit einer gewissen Melanie Genders geschrieben.

Seitdem wir unser Bandforum haben, war Melanie eine der Ersten, die sich aktiv am Geschehen beteiligt hat und sie kommt mit ihrem Freund immer auf unsere Konzerte. Irgendwann erzählte sie uns, dass sie schon einige Gedichte und Texte geschrieben hat und hat uns das Fragment zu diesem Song geschickt. Ich habe ein wenig dran rum geschrieben und wir haben so nach einigen Emails hin und her den Text fertig gestellt. Dennis hat den Text schließlich noch an den Rhythmus des Songs angepasst. Das war eine sehr witzige Geschichte, wir alle haben uns sehr gefreut, dass von außerhalb der Band, mit jemand, mit dem wir schon lange in Kontakt stehen, etwas Kreatives kommt. Und Melanie hat natürlich große Freude dran, dass wir ihren Text vertont haben.

Der Titel Das Grüne führt ins Schwarze klingt eigentlich recht Parteipolitisch…

Der Text handelt aber von Todesstrafe, er basiert ein wenig auf dem Film The Green Mile, bei dem das Grüne eben den Gang symbolisiert und das Schwarze den Tod. Wir haben uns lange Gedanken über die Reihenfolge gemacht, wegen der inhaltlichen Aspekte. An dieser Stelle passt der Song optimal, er macht klar, dass hier jemand für seine Sünden, Morde und Verbrechen büßt. In den Songs zuvor geht es unter anderem auch darum, was Menschen beeinflusst, etwas Unmoralisches zu tun. Letztendlich also ein sehr persönliches Konzept, persönlicher als alles, was wir bis dahin hatten. Wir haben Dennis textlich freie Hand gelassen, er konnte sich optimal ausleben. Übrigens hat er uns damals eh aus den Socken gehauen, er konnte nach drei Tagen alle Songs und hat sich auch sehr mit den Texten befasst. Er versetzte sich da sehr gut hinein und versucht dies auf seine persönliche Art und Weise weiter zu bringen, was man in unserem Alter auch erwachsenerweise sollte und darf. Er setzt das Erbe seiner Vorgänger würdig fort.

Einerseits wirken die Texte sehr persönlich, andererseits durchaus sozialkritisch. Eine spannende Gratwanderung.

Das ist auch etwas, dass uns schon immer geprägt hat. Wir haben nie Schwertergeschichten geschrieben, viel mehr ging es immer um das einzelne Individuum, was unsere Nähe zum Hardcore und Crustcore unterstreicht. Typische Death Metal-Texte hatten wir nie, und das deckt sich damit, dass wir stets versucht haben immer ein wenig über die Grenzen zu gehen. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass wir auf Festivals gegen Rechts spielen, dass wir einfach das Soziale nicht nur in den Texten besingen, sondern auch leben. Eine Grundeinstellung von MY COLD EMBRACE.

Auch sehr nah am Hardcore ist eure Politik des Value for Money: Ein sehr ordentlich augemachtes Album

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Kein typisches Death Metal-Cover, aber sowas war uns noch nie wichtig. Dirk über das Artwork zu Hausgeist.

mit einer ganzen Multimedia-Abteilung für 8 € und günstige Shirts sind in der Metal-Szene nicht wirklich Standard.

Das ist auch ein Stück Provokation. Wir bewerben auch das Album damit, dass wir bisher alle Angebote von Plattenfirmen abgelehnt haben. In einem Angebot stand, wie viel wir wann verdienen würden und haben angefangen zu rechnen: Bei 5000 verkauften CDs auf einem Label verdienen wir so viel, wie bei 500 Stück im Eigenvertrieb abgesetzter CDs bei 8 €. Da kann doch irgendwas nicht stimmen. Wer verkauft heutzutage schon 5000 Alben? Ich habe mich kürzlich mit LAY DOWN ROTTEN unterhalten, die liegen momentan bei 1500 verkaufter CDs und das bei einem Label wie Metal Blade. Wir machen es lieber fair und verkaufen Hausgeist zu einem Preis, den sich jeder leisten kann. Diese Preispolitik ist zu Zeiten, da der Markt heillos von überteuerten CDs überschwemmt ist, auch eine gute Alternative um allen zu zeigen, wie man es auch seine Sachen veröffentlichen kann, ohne dabei drauf zu zahlen.

Hinten ist auch ein Statement gegen Pay to Play drauf gedruckt, denn das ist etwas, das uns nie einfallen würde – zahlen, damit wir bei irgend einer Band im Vorprogramm auftreten? Als Band muss man fair behandelt werden, also Spritkohle, Essen und Schlafplätze muss drin sein. Manche Bands laufen dem Irrglauben hinterher, dass sich Chancen eröffnen, weil sie schon mit diesem oder jenen Headliner aufgetreten sind und sich überall anbiedern. Da zeigen wir lieber, was eine Underground-Band auf die Beine stellen kann: Wir haben ein tolles Artwork und eine mächtige Aufnahme zu bieten. Der einzige Nachteil an der momentanen Situation ist, dass man bei den Bookern von Festivals durchfällt, die ja doch stets eher Labelbands bevorzugen.

Seid ihr zu wählerisch um einen Deal anzunehmen, oder zeugt gerade das von echter Professionalität?

Wir sagen bei einem Vertragsangebot nicht prinzipiell nein. Man muss uns nur Freiheiten lassen, wie dass wir Splitsingles mit anderen Bands machen, dass wir die Covers so gestalten wie wir wollen, dass uns keiner vorschreibt, ob wir deutsche oder englische Texte verwenden. Bei der extrem bunten Mischung, die wir vertreten, ist es für einige Labels sehr schwer uns zu vermarkten. Ein paar Plattenfirmen haben uns mitgeteilt, dass sie uns gerne unter Vertrag genommen hätten, aber weil wir aus Deutschland und nicht aus den USA oder Schweden sind, ginge das nicht. Ein anderes Label wollte uns mit einem andreren Cover nehmen und wenn wir die deutschen Texte durch englische ersetzen würden. Wir spielen natürlich auch mit den Medien und den Kontakten, die wir haben. Wir versuchen das so professionell wie möglich aufzuziehen und ich glaube schon, dass wir das gut machen. Unsere CD steht in großen Mailordern, wir haben einen weltweiten Vertrieb, eine gute Vertriebsmöglichkeit in den USA und sind in großen Metalmagazinen mit Interviews vertreten. Ohne hochnäsig klingen zu wollen, das müssen andere erstmal schaffen. Manche Plattenfirma kann uns das nicht bieten.

Ein Deal nur um des Deals willen ist am Ziel vorbei geschossen.

Das hat alles keinen Wert. Davon leben kann man sowieso nicht. Das einzige Ziel ist, mit den Kumpels noch ein paar Jahre lang Spaß zu haben und unterwegs zu sein. Was ist schon kommerzieller Erfolg? Wir sind auch froh, dass der Metalcore-Trend langsam versiegt. Wir haben ja auch schon immer Metal, Hardcore und Crustcore vermischt, aber stehen auch nicht Breakdowns oder das Popelement mit den ganzen Modeklischees. Wie heißt es so schön, Hardcore means protest, not posing. Auch in Kassel gibt es irre viele Hardcore-Konzerte, aber leider hauptsächlich im stumpfen Bollo-Bereich. Dann lieber altmodischer Hardcore mit Inhalt, Sinn und Verstand. Die Musiker aus solchen jungen Bands sind eben auch alle sehr unerfahren, die trauen sich noch nicht bewusst dagegen zu sein und machen bei den Trends mit. Sag mir eine Formation, die mit 20 alle Plattenverträge abgelehnt hat. Wir sind alle über 30 und ich denke, man nimmt uns ab, was wir sagen.

Und ihr seid dennoch keine verbohrten Underground-Prediger.

Ganz im Gegenteil, wir spielen mit allen möglichen anderen Bands, egal ob Punk oder Black Metal. Die meisten nehmen sich viel zu ernst, gerade des möglichen Erfolges wegen. Da bewusst entgegen zu steuern und andere zu provozieren, dass macht schon auch Spaß.

Kommen wir wieder zurück zu Hausgeist. Das Interlude No More Headtrips erinnert ziemlich an das Interlude von TRAGEDYs Nerve Damage, so wie es klingt und platziert ist.

Die Keyboards hat Drummer Dennis eingespielt, der auch eine klassische Klavierausbildung hat und eigentlich unser einziger wirklicher Musiker ist. Ich jedenfalls kapiere nicht, was er mit seinen ganzen Fachbegriffen meint. Oft ist es so, dass er Songs auf dem Keyboard schreibt, welche dann von uns in MY COLD EMBRACE-Songs umgeschrieben werden. Das Ding hat jedenfalls so für sich allein gestanden, dass wir es so auf die Scheibe gepackt haben. Ich kann dir aber tausendprozentig versichern, dass Dennis TRAGEDY nicht kennt. Nils Wiere, der das Album aufgenommen hat, machte außerdem aus Maschinengeräuschen von diverseren Industriefirmen Samples und daraus einen Rhythmus, der dann darunter gelegt wurde.

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Wir zeigen, was eine Underground-Band auf die Beine stellen kann. MY COLD EMBRACE brauchen keinen Deal um glücklich zu sein.

Es gibt in Everything You´ve Wronged in Hintergrund auch ziemlich coolen klaren Gesang zu hören. War das Dennis und kommt so was in Zukunft öfter vor?

Ja, Dennis hat es eingesungen und es hat halt einfach zu dem Song gepasst. Everything You´ve Wronged ist ein Überbleibsel von unserem ehemaligem Gitarrist Timo. Als wir Hausgeist zur Hälfte, grob strukturiert, fertig gestellt hatten, verließ er die Band. Wir sprachen mit ihm darüber, dass wir die Nummer gerne behalten würden. Nachdem wir den Song fertig arrangiert hatten kam Dennis mit cleanen Vocals an und es hat uns allen gefallen. Wir sind eh grenzenlos, also wenn sich solcher Gesang nochmals anbietet, werden wir ihn bestimmt wieder einbauen. Die neuen Songs, die schon stehen sind jedoch ziemlich heftig, da wird vermutlich nichts dergleichen einfließen, wir haben viel mehr noch eine Schippe Schnelligkeit und Härte draufgelegt.

Dann stehen bald wieder Aufnahmen an?

Wir werden bald den Song Silent Sanguinary Soil für eine NASUM-Tribute-Scheibe aufnehmen, die über POWER IT UP rauskommen wird, mit beteiligt sein werden MUMAKIL, MISERY INDEX und noch viele andere. Momentan überlegen wir dennoch von der Plattenfirmen-Strategie Album weg zu kommen und vermehrt Splits oder Mini-CDs zu veröffentlichen. Vielleicht mehrere kleine Sachen und dafür häufiger was.

Das Release von Hausgeist jedenfalls hat sich enorm verzögert, mehr als ein Jahr. Im Booklet steht: The release of the album was terribly delayed by German government. Thanks to Staatsanwaltschaft Göttingen.

Aufgrund des laufenden Verfahrens geben wir dazu aus Rücksichtnahme auf die Person, die uns darum gebeten hat keinen Kommentar ab. Auf jeden Fall war das alles eine Zerreißprobe für die Band, es hätte sein können, dass wir das Album erst in zwei bis drei Jahren wieder bekommen hätten. Was willst du dann noch mit so einem veralteten Album? Das war wirklich eine sehr schlimme Zeit für uns, so dass ich manchmal gedacht habe, wir stünden vor der Auflösung. Wenigstens konnten wir in dieser Zeit den Multimedia-Teil der CD ausarbeiten.

Dann lassen wir das so stehen. Gemischt hat Hausgeist Jonas Kjellgren, der auch schon Katharsis gemastert hat. Woher kennt ihr ihn?

Jonas war früher Gitarrist von CENTINEX, wir haben mir ihnen 1999 in Kassel gespielt. Damals waren nicht viele Leute da, aber wir haben Backstage stundenlang Tränen gelacht, weil es einfach riesige Kasperköpfe sind. Ich habe Jonas dann ganz häufig auf Festivals getroffen, daraus ist dann eine richtige Freundschaft entstanden und immer wenn er mit einer Seiner Bands in der Nähe spielt, statte ich ihnen einen Besuch ab. Er hatte zunächst leider keine Zeit Hausgeist zu mischen, nachdem sich aber die gesamte Planung durch die Staatsanwaltschaft verschob, hatte er schließlich doch freie Kapazitäten. Er hat unglaubliche Arbeit geleistet, das Endergebnis ist mit den ursprünglichen Aufnahmen überhaupt nicht mehr vergleichbar.

Ziemlich einschneidend war der Weggang von Sänger Ernie Anfang 2006, der ja fünf Jahre lang euer Aushängeschild war.

Das hat uns damals ziemlich vor den Kopf gestoßen. Es ging den Aufnahmen entgegen, sein Engagement ließ aber gerade in dieser Zeit nach, da er zu dieser Zeit eine Firma gegründet hatte und seine Freundin schwanger wurde. Schließlich gestand er sich ein, dass es sinnvoller sei, zurückzutreten und jemand anderen die Scheiben einsingen zu lassen. Langfristig wurde es schwierig und somit kam es zum gänzlichen Ausstieg. Dennis hat schon mal als Aushilfssänger mit uns ein Festival gegen Rechts bestritten und als wir ihn dann fragten, ob er nach seiner großartigen Leistung nicht Lust hätte, ganz bei uns einzusteigen, sagte er nach kurzer Bedenkzeit zu, unter der Prämisse allerdings, dass er noch bei DOWNTIME aktiv ist. Er trug durch seine Erfahrung, auch am Bass, noch einiges zur Scheibe bei. Mit Ernie habe ich inzwischen wieder Kontakt, die Streitereien sind beseitigt und wir sind wieder so gute Freunde wie früher.

Happy Ends sind machmal richtig schön. Bevor wir zum Schluss kommen: Eure Bandhymne wurde geschändet. Statt My Cold Embrace gibt es auf Hausgeist My Surf Embrace zu hören. Sollte diese olle Kamelle aktuell bleiben, oder war das schlicht und ergreifend eine Gaudi?

Einerseits war das sicherlich eine Gaudiaktion, andererseits ist es gerade in Kassel und Umgebung so, dass bei My Cold Embrace immer die Post abgeht, wir trauen uns gar nicht den Song aus der Setlist zu streichen, weil alle drauf warten und mitgrölen wollen. Es ist schon ein kleines bisschen Provokation den Song zu mal anders zu spielen, aber wir mögen Tarantino-Filme, ich sehe mir auch gerne mal eine Surfband an und die Musik ist sowieso witzig. Irgendwann kam im Proberaum einer von uns mit der Idee an und fanden es großartig. My Surf Embrace wurde auch ganz brutal mit einem Raummikro im Proberaum aufgenommen und von Marco gemischt. Das ist einfach trashiger Tarantino-Stil. Das sind Sachen, die sich eine normale Death Metal-Band nicht traut, aber bei uns ist sowieso nichts normal. Auch nicht die Haarlängen und die Plattencover.