INTO ETERNITY: Beständigkeit zahlt sich aus

INTO ETERNITY: Beständigkeit zahlt sich aus

Eine Lobeshymne jagt die andere – mit ihrem dritten Album “Buried in Oblivion” haben die Kanadier INTO ETERNITY zumindest die Kritiker überzeugt, ob die einzigartige Mischung aus Prog- und Death Metal aber auch die Herzen der Käuferschar trifft, bleibt abzuwarten. Bei einer Steigerung rein im musikalischen Bereich dürfte es aber auf jeden Fall nicht bleiben, der Name ist in der Szene spätestens jetzt geläufig und die Vorasusetzungen für einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter sind vorhanden. Kein Wunder also, dass Gitarrist, Sänger und Bandkopf Tim Roth bester Dinge ist, auch wenn ihm zum Zeitpunkt unserers Interview vermutlich bereits bewusst war, dass Gründungsmitglied Scott Krall in Kürze seinen Ausstieg offiziell bekannt geben wird….

Das neue Album ist wirklich großartig geworden und kann den Vorgänger sogar noch toppen. Anders als es der Albumtitel prophezeit, könnte Buried in Oblivion der große Durchbruch für die Band bedeuten, wobei ich das ja eigentlich schon eurem letzten Album zugetraut hätte. Dieses Mal erscheinen die Voraussetzungen aber besser, ihr habt ein größeres Label, einen weltweiten Vertrieb, usw. Wie sieht es mit Erwartungshaltungen aus?

Ja, das Album läuft bisher wirklich großartig. Das mit dem Label ist natürlich die große Sache momentan. Bei Dead or Dreaming waren wir bei DVS Records und hatten lediglich einen Europadeal – ich denke es hätte ein größeres Album werden können. Glücklicherweise haben wir nun einen weltweiten Vertrag, wobei wir derzeit noch an einem Japandeal arbeiten. Das Ziel ist tatsächlich in jedem Land Alben verkaufen zu können….

In der Vergangenheit hattet ihr ja bereits einige Angebote von größeren Labels, die euch allerdings sagten, dass ihr auch euren Stil etwas ändern müsstet, was ihr aber nicht wolltet. Nun könntet ihr größere Erfolge feiern, ohne euch geändert zu haben…ihr scheint also das richtige Label gefunden zu haben?

Ja, ich denke da hatten wir auch Glück. Ich denke Beständigkeit zahlt sich aus und wenn man sein Ding über Jahre durchzieht, dann bekommt man vermutlich auch die Anerkennung der Leute. Aber ja, es gibt Labels, die einen auf einfache Weise vermarkten wollen, um Geld zu scheffeln, aber wir als Hybridband sind nicht einfach zu verkaufen. Century Media haben da bislang aber einen großartigen Job gemacht und versuchen das Album auch entsprechend zu pushen.

Was waren denn nun für euch die Hauptgründe, DVS zu verlassen? DVS ist ein großartiges Label, das aber leider nicht die Vermarktungsmöglichkeiten hat – gab das letztendlich den Ausschlag?

Ja, es war keine persönliche Geschichte, denn wir lieben René (Janssen – Chef des DVS-Labels – Anm. d. Verf.). Wenn er uns nicht die Gelegenheit gegeben hätte, bei ihm zu unterschreiben, dann wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. Er hat uns den Fuß in die Tür gestellt, als alle anderen Labels uns sagten, dass wir unseren Stil ändern und uns entscheiden sollten, ob wir eine Progressive oder Death Metal Band sein wollen. Er hat so was nie verlangt, er meinte nur, dass er unseren Sound mag. Es war ganz einfach eine Business-Entscheidung, wir brauchten einen größeren und internationaleren Vertrieb, um weiter zu kommen.

Als ihr euer neues Line-Up offiziell verkündet habt, hatten wir ein kleines E-Mail-Interview und zu dem Zeitpunkt hast du mir erzählt, dass der Großteil des Materials bereits geschrieben ist und ihr auch schon einige Demoaufnahmen gemacht habt. Das war im Juni 2002. Warum hat es noch so lange gedauert, bis das Album heraus kam.

Sicher….du hast recht, wir haben etwas länger gebraucht. Normalerweise benötigen wir fürs Songwriting auch sehr lange, da wir ziemlich kleinlich sind wenn wir Lieder schreiben und alles perfekt machen wollen, aber zu dem Zeitpunkt war wirklich schon viel geschrieben – 6 oder 7 Songs. Im Januar 2003 gingen wir für 2 ½ Monate auf Tour und danach direkt ins Studio, nahmen dann noch einen Monat Auszeit und haben dann den Rest als Demos aufgenommen. Im April 2003 haben dann die richtige Aufnahmen begonnen. Als wir damals das Interview geführt haben, war das eben genau dieser Stand – komplett fertig waren wir aber erst im September 2003. Wir hätten das Album dann natürlich gern im Oktober 2003 veröffentlicht, auch um den Zwei-Jahres-Rhythmus beizubehalten, aber Century Media meinten, dass das Album etwas besonderes werden sollte und es zu diesem Zeitpunkt zu viele Veröffentlichungen gäbe – sie wollten es richtig promoten und so wurde es Februar 2004. Wir mussten ihnen da dann auch vertrauen, denn sie haben mehr Ahnung von Marketing als wir…

Nun, es scheint ja auch, als ginge diese Rechnung auf. für einige Leute ist Buried in Oblivion ja jetzt schon das Highlight des Jahres.

Ja, es ist schwer zu glauben, aber anscheinend sehen das einige so.

Wenn wir schon beim Thema Produktion sind – auf der Promo konnte ich nirgends die Angaben zum Produzent finden, wer war denn für diesen heftigen Sound verantwortlich?

Nun, Century Media gaben uns eine Liste von Produzenten, aber das Geld entschied letzten Endes. Wir hätten gerne Joey Vera von ARMORED SAINT gehabt oder sprachen auch über Andy Sneap. Am Ende war es aber so, dass wenn wir einen derartigen Produzenten genommen hätten, wir unser gesamtes Budget dafür hätten einsetzen müssen – wir sind eine kleine Band und das ist unser erstes Album bei Century Media. Unser Bassist half bei der Produktion zum Vorgänger und er arbeitete in der Stadt hier in einem Studio und er hat das ganze Album mit etwas Hilfe selbst produziert. Ich denke er hat einen guten Sound für uns rausgeholt…

Auf eurer Homepage kann man aktuell ein Video herunterladen, das so weit ich weiß im kanadischen Fernsehen ausgestrahlt wurde…

Ja richtig. Das war für uns etwas wirklich Großes, das hat uns weggeblasen. Bei uns ist es wie das MTV in Amerika – der Sender heißt Much Music und ist der Haupt-Musiksender in Kanada, so es war im Grunde unsere erste Vorstellung in ganz Kanada, was man in jeder Stadt sehen konnte. Wir sind ziemlich glücklich darüber.

In dem Video kommt es ja schon so rüber, als würdet ihr in Kanada und Amerika richtig Boden gewinnen, ihr scheint ja richtig durchzustarten…

Definitiv! Ich denke die Leute nehmen uns langsam wahr. Es läuft inzwischen richtig gut in den USA und in Kanada, wir werden im Radio gespielt und erhalten gute Presse. Es war aber schon ein jahrelanger Kampf und nun scheinen wir damit etwas zu erreichen.

In diesem Interview hast du gesagt, dass ihr versucht, eine internationale Band zu sein, nicht nur eine Kanadische. Kannst du mir genauer erläutern, was du damit zum Ausdruck bringen wolltest?

“IntoKlar, wenn man in einer Stadt wie in der unseren lebt, dann kämpfen die Bands stets gegenseitig darum, wer nun der große Act der Stadt ist, bei uns will jeder der große Regina-Act sein. So hab ich aber noch nie gedacht, ich wollte immer mit den großen Bands verglichen werden, zu denen wir aufgeschaut haben. Ich wollte immer eine internationale Band sein, es interessiert mich nicht, die große lokale Band zu sein. Wenn du in deiner Heimat ein Konzert spielst, dann spielst du vor einem Publikum, von dem die Hälfte deine Freunde sind. Und die sind nicht immer ganz ehrlich, wie sie dich beurteilen. Bis wir woanders gespielt habe, wo uns die Leute nicht kannten, wusste ich gar nicht, ob uns die Leute wirklich mögen. Ich habe da wirklich immer etwas in größeren Dimensionen gedacht.

Wenn wir aber gerade über kanadische Bands reden: als ich den Titelsong zum neuen Album gehört habe, ist mir eine Parallele zu einer anderen kanadischen Band aufgefallen, die mir davor nie so bewusst war…kannst du dir vorstellen, wen ich meine?

Oh, ich vermute mal ANNIHILATOR? (Lacht) Nun, ein paar Leute haben mich inzwischen darauf angehauen, aber wenn ich mir den Song jetzt anhöre, dann erkenne ich die Parallelen schon. Es war aber eine rein unterbewusste Sache. Anfang der 90-er war das eine meiner Lieblingsband und ich mag sie noch immer. Es ist eine der Acts, von denen ich jede CD zu Hause hab, auch die, die eher schwierig zu bekommen sind. Die CDs von ANNIHILATOR werden teilweise in Kanada gar nicht mehr vertrieben, ich musste sie mir also aus Europa bestellen.

Als ich den Vergleich erstmal im Kopf hatte, musste ich dann aber doch noch mehr Parallelen zwischen den beiden Bands erkennen….wie würdest du es denn finden, wenn euch die Leute die Next-Generation-ANNIHILATOR nennen würden?

Oh, mir würde das gefallen! Ich liebe ANNIHILATOR. Aber die meisten Kids, die zu unseren Shows kommen, haben keine Ahnung, wer ANNIHILATOR sind. Das letzte Mal, als ANNIHILATOR in Kanada auf Tour waren, war 1992 – das ist elf Jahre her! Das Witzigste, was uns in dem Zusammenhang aber passiert ist, war, als wir letztes Jahr auf US-Tour waren und ich irgendwo in Kalifornien unterwegs war und in einem Internet-Café nach dem Gästebuch unserer Homepage schaute. Ein Typ schrieb, er würde die Band lieben, wir wären wirklich klasse und ich musste feststellen, dass es Jeff Waters war! Ich dachte natürlich es wäre ein Joke, aber ich habe ihm ge-emailt und tatsächlich: Jeff Waters hat in unser Gästebuch geschrieben! Wir haben noch ein bisschen geschrieben und er meinte, er würde uns wirklich sehr mögen und vielleicht gern ein Album von uns produzieren. Das war für mich persönlich eine ganz große Sache, ein paar andere in der Band meinten nur oh, Annihilator – aber für mich war das großartig.

Ihr ward in den USA zusammen mit NEVERMORE auf Tour?

Nun, wir haben in Kanada einige Shows mit NEVERMORE gespielt, in den Staaten waren wir mit einigen Death-Metal-Bands unterwegs…das war eine wirklich große Tour mit 20 Shows am Stück oder so. Es begann in New Orleans, was ca. sechs Stunden von uns entfernt ist und wir gingen nach Graceland um das Grab von Elvis zu sehen – wir waren eher wie Touristen, haha. Wir waren mit HATE ETERNAL unterwegs, mit KATAKLYSM und DYING FETUS und ja, es war wirklich die beste Zeit, die wir je hatten. Wir schliefen in einem Van, hatten eine Show und mussten in dem Van dann teilweise zwölf Stunden bis zur nächsten Show über Nacht fahren. Aber es hat sich gelohnt, es hat viel Spaß gemacht!

In Europa habt ihr ja auch einige Shows gespielt – habt ihr da einen besonderen Unterschied zwischen den Märkten in den USA und in Europa gespürt?

Ich denke wir verkaufen in Europa mehr Alben. Die USA scheinen mir momentan mehr vom Death Metal geprägt und cleane Vocals sind in Europa eher akzeptiert. Die Leute sind offener gegenüber Gitarrensoli und Gitarrenharmonien. Das Publikum unterscheidet sich aber definitiv! In den USA ist alles viel gewalttätiger. Wir waren an der East-coast und die Leute bringen sich da echt um! Sie schlagen mit den Armen und Beinen um sich und ich hab so was echt noch nie gesehen.

Was ganz witzig war, als ich das Video auf eurer Homepage angeschaut hab – wenn ich europaische Bands in Interviews erlebe, bei denen die Leute einen besonders amerikanischen Slang haben, dann wirkt das auf mich irgendwie immer etwas daneben, man hat das Gefühl, die Leute würden sich wie was ganz besonderes vorkommen – große Rockstars. Als ich mir das Video angeschaut habe, musste ich mir erst mal bewusst machen, dass ihr bei euch daheim genauso redet, aus irgend einem Grund rechnetet ich mit einem europäischen Akzent…weißt du, auf was ich hinaus will?

(Lacht)….ja klar doch….definitiv. Wir sind sehr von europäischen Bands beeinflusst und die meisten meiner Faves kommen aus Europa. Wir haben da ganz klar eine Inspiration – diese ganze Göteborg-Geschichte war meine größte Inspiration, aber genauso auch der Bay Area-Thrash. Ich denke sogar eine kanadische Band wie RUSH hat europäische Bands inspiriert und ich denke jedes Land hat seine Highlights.

”Into

Mit eurer Mischung aus verschiedenen Genres könntet ihr eventuell genau zum richtigen Zeitpunkt kommen. Könntest du dir vorstellen, das nächste Ding nach Acts wie IN FLAMES oder von mir aus auch eher Nu-Metal-Sachen wie EVANESCENCE zu werden?

Oh, das ist schwierig. Ich denke niemand weiß, in welche Richtung die Musikindustrie gehen wird. Wir haben diese Songs für uns geschrieben, einfach weil ich Bands hören möchte, die verschiedene Genres zusammenführen. Aber inzwischen weiß ich auch, warum es so wenige tun, die wenigsten Labels geben Bands die Chance das zu tun. Wir hätten schon vor langem einen Vertrag bekommen können, wenn wir unseren Sound geändert hätten. Ich weiß nicht, vielleicht hat das auch was mit Marketing zu tun. Ich denke wenn Century Media eine Million Dollar für uns ausgeben würden, dann könnten wir auf jeden Fall eine große Band werden. Es spielt eine sehr große Rolle, wie viel Geld ein Label in eine Band stecken kann, es geht darum dass man dich auf die richtige Tour bringen kann, usw. Aber die Überschrift sollte einfach sein, dass wir ein gutes Album veröffentlicht haben und das allein sollte für sich stehen können.

Auf eurem ersten Album warst du alleine ja für den klaren Gesang zuständig….

…und für die Grunts…

auf dem zweiten hattet ihr glaub ich zwei Grunzer und….

…nun, auf dem ersten habe ich die ganzen Gitarren und den gesamten Gesang übernommen. Auf dem zweiten hatten wir Dani in der Band und stellten fest, dass er singen kann, also hatten wir 3-teilige-Vocalharmonies, ich war aber immer noch der Leadsänger. Live hat mich unser Drummer dann noch bei den Death-Parts unterstützt. Auf diesem Album hat Scott´s Bruder Chris den klaren Gesang übernommen. Dani hat die Band verlassen und wir brauchten noch einen Sänger. Da Chris sowohl cleane Vocals als auch Death-Vocals singen kann und Rob ebenfalls, macht jetzt eigentlich jeder in der Band was, echt verrückt…

Angesichts dieser Entwicklung kann man beim nächsten Album also mit einem kompletten Metal-Sänger-Chor rechnen?

(Lacht)….nun, ich denke wir haben für das nächste Album wirklich viele Möglichkeiten…Rob spielt auch schon seit vierzehn Jahren und ist ein guter Songwriter, Rob wird mir da sicher helfen und kann jetzt zeigen, was er drauf hat!

Aber auch wenn ihr mehrstimmige Gesänge und fast schon Kanon-artige Passagen benutzt, klingt das Ergebnis nicht wie beispielsweise SAVATAGE. Was ist in dem Bereich deiner Meinung nach der INTO ETERNITY-Weg?

Oh Mann, ich denke wir machen eh nichts wie andere Bands, wir folgen keinen Regeln. In Kanada ist es einfach so, dass man im Grunde genommen nicht gesagt bekommt, wie man einen bestimmten Sound hin bekommt, einfach auf Grund dieser Isolation. Wir wollten einfach Death Vocals und mehrstimmige Gesangsharmonien, alles auf einmal und das hat sich einfach entwickelt und so wollen wir auch weiter machen.

Eigentlich muss man sich ja auch fragen, warum ihr nicht von Anfang an mit Chris zusammen gearbeitet habt, ich meine ihr kennt euch seit Ewigkeiten und Chris ist Scotts Zwillingsbruder….

Nun, eigentlich war Chris seit 1991 in jeder meiner Bands der Leadsänger. Ich weiß nicht, ich glaube er hat dann etwas das Interesse an der Musik verloren, und ich fing an die Frontmannposition zu übernehmen. Als wir 96 dann INTO ETERNITY gegründet haben, haben wir Chris ebenfalls gefragt, ob er nicht mitmachen wolle und er war auch ein paar Monate in der Band, aber irgendwann fing ich wieder an die Vocals zu übernehmen. Er war also wirklich in jeder meiner Bands, außer in den letzten fünf Jahren oder so und jetzt ist er wieder da. Für uns ist er auch nicht das neue Bandmitglied, aber jeden sieht in als den Neuen an.

“IntoINTO ETERNITY bestand ja eigentlich auch schon immer aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten. Die beiden neuen Bandmitglieder kennt ihr nun schon, seitdem ihr Kinder wart, würdest du sagen, dass das die Sache einfacher für euch macht, oder zu Teilen vielleicht sogar schwieriger?

Ich denke beides ist der Fall. Wir wissen einfach, wo wir beim anderen die Knöpfchen drücken müssen, (lacht)… Ich denke es ist so schon besser, jeder hat Respekt füreinander und wenn du zwölf Stunden mit den anderen in einem Van sitzt, dann muss das auch funktionieren. Das ist wirklich mit das schwerste – nicht so sehr das Schreiben der Musik und das Aufnehmen von Alben. Es ist irgendwie wie eine Ehe…du kannst mit deiner Freundin streiten und es ist Schluss, aber mit einer Band muss es einfach funktionieren, man kann nicht einfach davonlaufen, weil es da auch die Business-Seite gibt. Der Respekt füreinander ist sicher das wichtigste.

Eine ANNIHILATOR-Situation würde bei INTO ETERNITY also nicht funktionieren, oder?

(Lacht) definitiv nicht, nein…

In Vorbereitung auf das Interview habe ich mal wieder euer Debüt angehört, das ich zugegebenermaßen schon lange nicht mehr im Player hatte und ich muss ganz ehrlich sagen: die Keyboards waren eigentlich nicht soo schlecht…

(Lacht)…das Debüt ist inzwischen übrigens wirklich schon ziemlich rar, auch der Re-Release von DVS. Ich habe auch schon mit René darüber gesprochen, ob vielleicht die Möglichkeit bestünde das Debüt und Dead or Dreaming als Doppel-CD über Century Media weltweit zu veröffentlichen.

Wird man dann zusätzlich noch Bonus-Material erwarten können?

Ja, genau, wir wollen noch Bonus-Material drauf packen, einige sehr alte Songs, die wir neu einspielen wollen…

Hört sich prima an….aber zurück zu den Keyboards….

(Lacht)…ja, die Keyboards…eigentlich hatten wir ja für das Debüt einen Keyboarder, der sich dann lieber um sein Privatleben kümmern wollte und dann haben wir es mit einigen Leuten probiert und hatten jemand in der Band, über den es wirklich nicht wert ist zu reden. Ich könnte mir für die Zukunft vorstellen, eine Keyboarderin in die Band mit aufzunehmen, die auch singen kann. Ich bin ein großer Fan von Frauenstimmen.

Keyboards wieder in die Band zu bringen könnte aber auch bedeuten, dass die Aggressivität verloren geht…

Ja sicher, Keyboards können den Sound sanfter machen. In der Beziehung müssen wir uns einfach clever anstellen, ich könnte mir nicht vorstellen, dass die Keyboards permanent zum Einsatz kommen wie auf dem Debüt. Es kann den Sound schon beeinflussen, aber sicher auch positiv.

Sicher, als ich das erste Album jetzt nochmal angehört habe…

(Lacht)…tu es nicht…

Warum? Es ist doch ein wirklich gutes Album! Magst du es nicht mehr?

Es ist schwierig für mich. Es ist, als würde man ein altes Highschool-Jahrbuch anschauen. Es ist einfach das beste, was wir damals zu bieten hatten…

Aber speziell die ersten beiden Songs zum Beispiel sind großartig!

Das ist cool. Wir spielen immer noch „Speak of the Dead“ – erst dieses Wochenende wieder und er hat super funktioniert.

Für mich gibt es aber einfach auch Unterschiede, wie man Keyboards verwenden kann. Auf eurem Debüt z.B. haben sie meiner Meinung nach einfach die Stimmung sehr gut unterstrichen…

Ja, ich denke das war auch das, was uns damals von allen anderen lokalen Bands unterschieden hat….europäische Bands haben Keyboards, aber anscheinend ist das nichts was man in Amerika oder Kanada verwendet…

Ich meine, die Verwendung von Keyboards ist letztendlich der uralte Metal-Diskussionspunkt…

Sicher, aber ich mag Keyboards. Ich denke Keyboards können den Sound wirklich aufwerten, aber es ist schwierig jemanden zu finden, der Metal liebt und gut Keyboards spielt…

“IntoKommen wir zu den Texten….ich hasse es eigentlich, diese allgemeine Frage nach Texten zu stellen, aber leider habe ich sie trotz Nachfrage bei Century Media nicht erhalten, also könntest du mir vielleicht sagen, welches nun eigentlich der Song über holländische Mädels auf Motorrädern ist?

(lacht) Nun, sie hängen alle damit zusammen. Unsere Musik ist so düster, weil wir so deprimiert sind, dass wir mit diesen Mädels keine Dates bekommen….oh Gott….

Okay, ernsthaft….die Texte sind erneut sehr düster ausgefallen. Wie siehst du selbst deine Texte – möchtest du mehr eine Art Erzähler sein, der den Leuten düstere Geschichten vermittelt, oder ist es für dich wichtig, eine Message rüber zu bringen?

Oh, ich will keine Message rüber bringen. Es ist eigentlich eine ganz egoistische Angelegenheit. Wir hatten einige sehr persönliche Probleme, als dieses Album entstand – Rob´s Vater und meine Mutter starben innerhalb von drei Monaten an Krebs und wenn du jemanden immer mehr vor dir wegsterben siehst und du jeden Tag vom Hospital heim kommst, dann ist meine Art damit umzugehen, die Gitarre oder einen Stift zu nehmen und das zu verarbeiten, was aus einem heraus kommt. Für mich ist es im Grunde eine Befreiung, wenn ich Texte schreibe. Ich schreibe nicht über Fantasy, wie Drachen und Zauberer oder so etwas. Ich lasse einfach die Emotionen heraus.

Du benutzt auch spezielle Bilder, um diese Emotionen zu transportieren…

Ja, sehr viel. Ich weiß nicht so recht, wie die Lyrics entstehen, ich schreibe die Texte zu meinem eigenen Nutzen nieder. Das bringt aber auch der Band etwas und deshalb hab ich nie damit aufgehört – ich hindere niemand in der Band daran, ebenfalls Texte zu schreiben. Ich denke jeder hat seine Art mit seinen Problemen umzugehen – bei mir ist es die Musik.

Wie gesagt habe ich leider die Texte nicht erhalten, weshalb ich nicht zu sehr in die Tiefe gehen kann…

(sprudelt los) Im Grunde sind die Themen „Dunkelheit“, „Verzweiflung“ und „Leid“. Der erste Track „Splintered Visions“ handelt von Pillenmissbrauch. In „Isolation“ geht es um einen Kumpel von mir, der sich in sein Appartement zurückzog und es nicht verließ, außer um vielleicht Lebensmittel zu kaufen. Sein Appartement war wie eine Gefängniszelle. „Three Dimensional Aperture“ ist ein Song, für den Rob die Lyrics schrieb. Das ist das erste Album, für das jemand anderer als ich Lyrics beisteuerte, für die ersten beiden hab alles ich gemacht. Sogar Chris, unser neuer Sänger, half bei einigen Songs. Das war für mich schon eine ziemliche Veränderung, es hat einige Last weggenommen.

Das interessante bei euch ist ja, dass es relativ leicht fällt, den Titel des Songs herzunehmen, einige Zeilen aus den Lyrics herauszupicken und die Musik zu hören, und man hat das Gefühl, als wüsste man, um was es in etwa gehen muss….

Wenn das so ist, dann ist es perfekt…

Aber eigentlich kommt bei INTO ETERNITY doch die Musik zuerst, die Texte erst nachdem die Kompositionen stehen…

Beides entsteht tatsächlich komplett separat. Ich kann dir gar nicht erklären, warum es dann zusammen passt. Wenn wir alles arrangiert haben und alles so haben, wie wir es wollen – den Gesang, die Chöre usw. – kommen erst die Texte, bzw. ist es so, dass ich die Texte zum Teil schon eine ganze Weile irgendwo liegen habe oder sie während dem Entstehungsprozess schreibe. Aber es ist eigentlich immer so, dass ich gleich weiß, welche Lyrics zu welchem Song passen werden.

Wir kommen zum Ende des Interviews und auch dir will ich unsere drei Abschlussfragen stellen…was waren die letzten drei Alben, die du dir selbst gekauft hast, oder die dich besonders beeindruckt haben?

Oh, das ist einfach. JOHN ARCH, der Ex-Sänger von FATES WARNING, hat eine EP veröffentlicht. Großartiges Album, ich habe es gekauft und es ist unglaublich. Dann habe ich mir NEVERMORE – „Enemies of Reality“ gekauft. NEVERMORE ist meine Lieblingsband und natürlich habe ich es mir zugelegt. Ich denke die Songs sind gut, wobei ich mir darüber bewusst bin, dass das Album etwas übereilt entstanden ist und die Produktion nicht gut ist, aber es ist eines, das ich immer noch anhören und bei dem ich über die Produktion hinweg sehen kann. Ich glaube manche Leute messen dem zu viel Bedeutung zu…und dann definitiv die neue DREAM THEATER, die bläst dich um…ich weiß, dass sie viele Leute nicht mögen, aber ich mag sie, weil ich ein großer Freund von guitarshredding bin und ich weiß nicht auf was John Petrucci war, aber er geht total ab und die Riffs sind soooo heavy…ich denke auch für sie war es ein ganz anderes Album…

Okay, dann nenn mir doch bitte mal die deiner Meinung nach beste Guitarshredding-Band der Welt…

(lacht) Die beste ist definitiv DEATH – keine Frage. Alben wie „Spiritual Healing“ sind einfach unglaublich! Ich bin ein großer Fan von James Murphy! NEVERMORE´s Jeff Loomis – du kannst dieses geshredde nicht schlagen…er ist ein Gott. Und einer meiner ewigen Lieblingsgitarristen ist Yngwie Malmsteen – ich weiß dass ihn jeder wegen seiner Attitude hasst. Und dann muss ich auch noch ARCH ENEMY nennen – die Amott-Brüder haben echt einige grandiose Leads geschrieben…

Stichwort „Yngwie Malmsteen“ – auf dem neuen Album habt ihr ja auch deutlich mehr Gitarrengefrickel drauf – sein Einfluss?

Ja, das ist definitiv ein Einfluss von Yngwie…i

”Into

Was war das witzigste Erlebnis live auf der Bühne?

Oh Gott, das hatten wir erst dieses Wochenende! Kaum haben wir angefangen, rasteten die Fans derart aus, dass sie all unsere Monitorkabel heraus rissen, ich hatte keinen Monitor…Rob hatte Wasser neben seinen Pedalen stehen und als die Fans den Moshpit starteten, kippte das ganze Wasser über sein Pedalboard…überall lief Wasser raus – es war ein Albtraum, aber wir haben bis zum Ende der Show durchgehalten und die Fans schienen den Unterschied nicht bemerkt zu haben. Wir waren aber ganz schön down nach der Show – die Stimmen waren im Eimer, das Pedalboard war voller Wasser, usw. Man weiß nie, was live auf einen zukommt. Beim Soundcheck kann alles perfekt erscheinen aber dann stopfst du 300 Kids in eine Halle und die Hölle bricht los…

Welche Person würdest du in deinem Leben gerne einmal treffen und warum?

Ich würde gerne mal Chuck Schuldliner von DEATH treffen. Er war ein riesiger Einfluss! Als ich anfing Gitarre zu lernen, nahm ich seine Songs mit zu meinem Lehrer und er lachte nur und meinte „du wirst nie so gut wie er Leadgitarre spielen können – kümmer dich nicht um Leads, konzentrier dich auf die Rhythmus-Gitarre.“ Das gab mir die Inspiration, meinen Arsch abzuüben um so gut wie möglich zu werden.

Okay, eine Frage noch – habt ihr eigentlich vor einen Videoclip zu drehen?

Ja, darüber haben wir bereits gesprochen und ich denke wir werden es über unsere Univerität hier in Regina verwirklichen – wir kennen da ein paar Studenten. Wir werden es für uns selbst machen und dann mal schauen, was uns Century Media dafür geben…es wird wohl eine Mischung aus Livematerial und verschieden Ausschnitten aus den Nachrichten werden…