HELLACOPTERS – Interview mit Robban (Schlagzeug)

HELLACOPTERS – Interview mit Robban (Schlagzeug)


Nachdem unser Interviewtermin irgendwie untergegangen war, waren wir nicht zum Interview angemeldet. Doch der nette Tourmanager (dass es so was gibt?!) verschaffte uns trotzdem die Gelegenheit, uns kurz mit Robban, dem Schlagzeuger der Rock n´ Roller zu unterhalten. Weil das ganze recht chaotisch war, gibt hier nun nur ein Inti in normaler Länge – aber das ist doch besser als gar nichts…

Wie läuft denn die Tour bisher?

Super, es macht wie immer Riesenspaß, wieder on the road zu sein. Im Prinzip sind wir seit Mai auf Achse, im August hatten wir etwas mehr frei, da haben wir Festivals gespielt. Danach waren wir in den Staaten, in Japan und in Skandinavien. Wenn wir hier in Europa durch sind, geht’s wieder ab nach Amerika. Danach machen wir dann eine kleine Pause…

Wie wars denn in Amerika?

Mhm…eigentlich gar nicht so viel anders als in jetzt hier in Deutschland. Der Unterschied zum hiesigem Publikum ist gar nicht so groß. Die Leute innerhalb von Europa unterscheiden sich viel mehr…

So? Wie denn?

Wenn man Spanien und Italien mit Ländern wie Holland, Dänemark oder auch Deutschland vergleicht, sind die Unterscheide viel größer. In Deutschland wird viel mehr gepogt, das Publikum ist viel wilder – die Spanier sind auch ziemlich wild, jedoch auf eine andere Art. In Deutschland sind die Leute aggressiver, was die Bewegung vor der Bühne angeht.

Allgemein ist es wohl so, das in großen Städten wie Stockholm, Amsterdam oder Hamburg die Leute weniger aus sich heraus gehen. Vielleicht liegt das daran, dass man dort öfter die Möglichkeit hat, eine Band live zu sehen, die Leute sind einfach abgeklärter, vielleicht denken sie auch, sie hätten sowieso schon alles gesehen..

Aber ihr spielt doch schon gerne hier?

Natürlich – früher war das anders, da mussten wir hier vor 15 Figuren auftreten, haha.

Eure Musik ist ja wohl auch dafür gemacht, live gespielt zu werden?

Ja, klar. Wir machen nur CDs um hinterher live spielen zu können, haha.

Wie fangt ihr denn die Live-Atmosphäre auf der Konserve ein? Die Platten klingen ja alle ziemlich spontan und straight.

Nun wir brauchen eigentlich nur wenig Zeit im Studio, Grande Rock haben wir in drei Wochen eingespielt – für das erste Album haben wir zwei Tage gebraucht… Wir spielen die Songs live ein, Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug und dann werden eben noch ein paar Gitarren drübergelegt.

Nachdem man meiner Meinung nach das richtige Live-Feeling auf einer Studioplatte nicht hundertprozentig reproduzieren kann, seid ihr recht nahe dran.

Ja, das ist was wir wollen. Natürlich können wir die Songs nicht so aufnehmen wie wir sie hinterher spielen – zumal wir ziemlich viel variieren. Die Songs haben, wenn wir sie live spielen, zwar dieselbe Stuktur, aber Dinge wie Gitarren Soli oder Drum-Fills spielen wir spontan, das klingt eigentlich immer anders. Wenn du jeden Abend die selben Songs spielst, wird es langweilig, wir nehmen uns die Freiheit, manche Dinge zu verändern.

Ihr klingt also jedes Mal anders?

Ja, das versuchen wir. Wir wissen im Voraus auch nicht, wie lange bestimmte Songs sein werden, das ergibt sich dann einfach in dem Moment, in dem wir sie spielen. Es kann schon vorkommen, dass wir eine Weile rumjammen, haha.

Laß uns noch mal auf die Studioplatten zurückkommen, Grande Rock klingt wie eine Zeitreise zurück zu den Ursprüngen. Auf Payin´ The Dues oder Disappointment Blues klang das Ganze eine Ecke rauer und dreckiger als beim aktuellen Album, das sich wohl mehr an den Stones orientiert.

Nun gut, Disappointment Blues war ja auch eine Zusammenstallung von B-Seiten und anderem Zeug. Die Songs sind aus verschiedenen Jahren und wurden in verschiedenen Studios aufgenommen. Eigentlich sollte das Album nur in Australien rauskommen … nun gibt es das Teil auch hier.

Ihr habt recht viel Erfolg dort, oder?

Jaja, stimmt. Es gibt dort ein paar gute Bands, mit denen wir viel touren und die einfach gut drauf sind. Wir werden dort auch wieder im Januar oder Februar unterwegs sein, mit ein paar anderen Bands. Das ist eine Art Lolapalooza – nur eben kleiner …

Gibt es denn so eine richtige, weltweite Szene von jungen Rock n´ Roll Bands?

Eine Szene an sich gibt es nicht. Man trifft sich eben gelegentlich mit verschiedenen Bands aus unterschiedlichen Ländern, um ein paar Gigs zusammen zu spielen. Aber man hat die selbe Wellenlänge.

Was ist denn die Faszination am Rock n´ Roll? Ist diese Musik nicht irgendwie altmodisch?

Keine Ahnung, ich liebe diese Musik. Wir haben in so gut wie jedem Land ein paar Fans, die Bands kommen gut miteinander aus… es ist fast wie eine große Familie, in der die Mitglieder in verschiedenen Ländern leben – es gibt also genügend, die diese Musik lieben.

Obwohl, irgendwie ist es immer noch Underground – allerdings ist das nicht beabsichtigt. Es wäre mir egal, eine Million Platten zu verkaufen, wir würden dann immer noch dieselbe Musik machen.

Das neue Album klingt doch mehr nach den Stones als die früheren, insofern habt ihr euren Stil schon ein wenig verändert, oder?

Ja, ich bin ein riesen Stones-Fan. Es war einfach eine natürliche Entwicklung. Die erste Platte war viel rotziger und schneller als die neue. Auf dem neuen Album haben wir natürlich auch noch schnelle Songs, aber wenn du nur losprügelst und den Verzerrer aufdrehst, gehen eben viele Ideen verloren. Wir wollten, dass das neue Album besser klingt und auch besser produziert ist. Im Studio haben wir einfach weniger Punk und mehr Rock gespielt.

Mixt ihr selbst?

Ja, wir machen viel selbst. Wir haben das Album selbst aufgenommen, es war nur ein Typ für den technischen Kram da. Wir haben keinen Produzenten, der uns sagt, so und so muss der Song klingen. Wir erzählten dem Techniker wie die Platte klingen soll und er hat dann die technische Seite übernommen.

Kann es sein, dass ihr ungern die Fäden aus der Hand gebt? Schließlich habt ihr auch mit vielen Labels Verträge statt nur mit einem?

Ja, wir machen eine Menge selbst. Die Cover, die Videos, und wir verteilen auch die Lizenzen für die Songs. Alle unsere Stücke gehören uns – abgesehen von den aller ersten, die White Jazz gehören.

Warum gibt es überhaupt dutzende von Singles und Maxis von den HELLACOPTERS? Kein Mensch kann da den Überblick bewahren, geschweige denn alles kaufen..

Ja, ich weiß. Ehrlich gesagt, ich kann euch gar nicht genau sagen, was wir wo mit welchen Cover veröffentlicht haben. Es war einfach zu viel!

Ja, aber warum denn dan dieser Vinyl-Tick? Eigentlich sind Platten doch schon seit einer Weile nicht mehr aktuell.

Nun, Vinyl klingt einfach besser. Der Sound ist wärmer. Außerdem wollen wir den Fans etwas bieten das sie sammeln können. Wir nehmen ein Platte in San Diego und eine in Spanien bei einem Label auf, das ist doch ein tolle Sache. Ich sehe selber, dass es schwer ist, alles von uns zu bekommen, aber das ist ja der Reiz am Sammeln. Wir werden uns aber zusammensetzten und die ganzen B-Sides und Coverversionen, die wir in Laufe der Jahre gemacht haben, auf eine LP packen. Ich weiß noch nicht, wann die rauskommen wird, geplant ist dies aber auf jeden Fall.

Noch mal zurück zu den bisherigen Veröffentlichungen. Spershitty to the Max gibt es zum Beispiel mit zwei verschiedenen Covern. Wird euch nicht manchmal der Vorwurf gemacht, dass ihr an euren vielen Veröffentlichungen ganz gut verdient?

Nein, eigentlich nicht. Wir haben in letzter Zeit auch weniger Maxis rausgebracht. Ich denke, dass es letztendlich doch ein wenig zu unübersichtlich wurde. Im Moment sind nur drei oder vier 7 (Singles) aktuell, ich weiß aber nicht, wann die veröffentlicht werden. Wir schicken die Tapes an die verschiedenen Labels, und besonders bei kleinen Labels kann man nie sicher sein, wann das Teil denn nun rauskommen wird.

Wer führt denn all die Verhandlungen? Wäre es nicht viel einfacher, alles bei einem Label rauszubringen?

Verhandlungen in dem Sinne gibt es für uns nicht, im Prinzip wird alles per Handschlag besiegelt. So nach dem Motto: Ihr verkauft die Platte und bekommt dafür einen bestimmten Prozentsatz des Erlöses. Schriftlich wird bei uns nur selten etwas festgehalten. Dass wir so nicht reich werden, wissen wir, das war aber auch nie unser Ziel.

Aber ihr könnt von der Musik leben?

Nun, wir leben momentan von der Musik – was aber ein ständiges Auf und Ab ist. Manchmal ist Geld zum Ausgeben da, manchmal muss ich mir von irgendjemanden das Geld für die Miete leihen. Auf Tour brauchst Du auch gar nicht so viel Geld, du bekommst etwas zu essen, ein Bett und Bier, haha. Nein reich sind wir bestimmt nicht, aber das ist egal. Außerdem könnten wir sowieso keine Tagesjobs annehmen, da wir ja ständig auf Tour sind.

Mal eine ganz andere Frage, ihr sprecht ein ziemlich gemischtes Publikum an, Metaller genauso wie Hippies. Interessiertst Du dich eigentlich für die heutige Metal-Szene?

Nein, dazu kann ich dir nicht allzu viel sagen. Ich mag die Musik der 70er, alte Bands wie Black Sabbath – oder aktuelle Sachen wie Monster Magnet oder Queens of the Stone Age, Entombed, Cathedral. Irgedwie verändert sich auch der Musikgeschmack mit den Jahren. Als die drei ersten Metallica-Alben herauskamen, fand ich sie fantastisch. Heute interessieren mich diese Platten überhaupt nicht mehr. Aber auch in der Band sind die Vorlieben ziemlich unterschiedlich. Kenny zum Beispiel hört am liebsten Jazz, oder die Rolling Stones, ich persönlich liebe die Beatles. Dann gibt es noch eine Menge englischer Bands, die uns beeinflusst haben: The Who oder The Small Faces und AC/DC. Jazz mag exotisch klingen, ist meiner Meinung aber gar nicht so weit hergeholt. Auch Jazzer jammen, so manches Jazz Stück ist über 30 Minuten lang, davon besteht ein großer Teil aus Improvisation. In gewisser Weise machen wir live etwas ähnliches.

Kannst du erklären, warum du so auf die Musik der siebziger stehst – du bist nicht so alt, das du diese Zeit miterlebt hast, oder?

Ich bin 72 geboren. Mein erstes musikalischer Vorbild wart Elvis, ohnehin einer der besten Musiker aller Zeiten, und der ist noch älter, haha. Dann kamen irgendwann Motörhead, Sex Pistols, The Clash, Saxon, Iron Maiden, Ramones. All diese Bands hatten etwas besonderes, genauso wie eben Black Sabbath, was vielen jungen Gruppen fehlt. Es gibt in den Neunzigern nur wenig, das mich richtig von Hocker reißt. Das alte war immer einen Tick besser – ich kann euch aber nicht genau sagen warum….

Und was hast du als alter Maiden-Fan zur Re-Union gesagt?

Ich habe sie leider nicht gesehen, in den 80ern habe ich sie vier oder fünfmal live gesehen, damal fand ich sie großartig. Irgendwann habe ich dann das Interesse an dieser Band verloren, irgendwann Ende der 80er. Ab Somewhere in Time hat diese Band leider ziemlich nachgelassen. Ich bin dann umgeschwenkt, und habe mehr Indie-Sachen wie Sonic Youth oder Mudhoney gehört. Darüber kam ich dann zurück zu Neil Young oder den MC 5.

Euer Sänger und Gitarrist Nicke war ja bekanntlich früher Schlagzeuger bei Entombed. Wie ist es denn, wenn man mit einem Ex-Schlagzeuger in einer Band spielt, weiß der alles besser?

Nein, eigentlich nicht. Er ist nur verrückt, denn er spielt heute abend auch in der ersten Band Schlagzeug, um dann später noch mit den Hellacopters auf der Bühne zu stehen, für mich wäre das nichts, zwei Shows an einem Abend… Aber die Zusammenarbeit klappt hervorragend, machmal ist es sogar ein großer Vorteil, dass er auch ein guter Drummer ist: Wenn er mit einem Riff ankommt, weiß er schon, wie die Drums dazu klingen sollen und weil ich ihn schon seit Entombed-Zeiten kenne und weiß wie er spielen würde, weiß ich was er erwartet, haha.

Ihr habt zum neuen Album auch einen Videoclip gedreht – lohnt sich das denn?

Wir haben schon einige gemacht. Aber das ist eben auch das Problem: Keiner kennt sie, haha.

Ich denke dass der neue Clip ein paar mal auf Viva und auf Mtv lief. Allerdings aber immer erst spät nachts. Wir machen eben keine Hochglanzvideos und haben kein riesiges Label im Rücken, darum wird das auch nicht so häufig gespielt. Eben aus diesem Grund planen wir auch, ein Homevideo zu machen, in dem alle sechs Videoclips und Livemitschnitte und sonstiger Kram zusammengeschnitten werden. Bis das rauskommt, wird aber noch eine Weile vergehen.

Dann noch eine Frage zum Schluss: Ihr wart im Amerika mit Kiss auf Tour, wie wars denn?

Großartig, diese Woche war eine der schönsten in meinem ganzen Leben. Ich habe viel Ehrfurcht vor dieser Band. Vor der ersten Show war ich scheiß-nervös, die riesige Halle und eben Kiss dabei, das machte sich schon bemerkbar.

Waren sie denn nett zu euch?

Ja, Gene Simmons hat angeblich jemandem erzählt, dass wir seine Lieblingsband seinen, das ist natürlich großartig zu hören!

Ok, nun zum vampster-Fragebogen:

Was sind deine drei Lieblingsalben:

Oh, das ist eine schwere Frage. Nur drei… das hängt auch davon ab, wie ich mich an einem Tag fühle. Heute würde ich auf jeden Fall ein Beatles-Album nennen, Revolver, London Calling von The Clash und No Sleep ´til Hammersmith von Mötörhead. Das ist meine heutige Wahl, morgen kann das ganz anders aussehen.

Was bedeutet denn das Internet für dich?

Keine Ahnung, ich habe keinen Computer und interessiere mich gar nicht dafür. Meine Mutter hat mir aber erzählt, dass es ein paar Fan-Pages der Hellacopters im Netz gibt, das finde ich natürlich klasse. Nur angesehen hab ich sie noch nicht.

Eure Pläne für die Zukunft?

Amerika-Tour, ein Monat Pause, Australien-Tour, Aufnahmen zur neuen Platte, Festivals, Homevideo, Singlecompilations… es gibt genug zu tun!

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...