HEADBANGERS OPEN AIR 2007: Party im Metalgarten

HEADBANGERS OPEN AIR 2007: Party im Metalgarten

Freitag, 13. Juli 2007
ETERNAL LEGACY | KAOS | BLACK RAVEN NIGHT | KALEDON | PARAGON | WARNING SF | VENGEANCE | SINNER

Samstag, 14. Juli 2007
KNIGHT ERRANT | THE BLACK | TAUNTED | AVENGER | BULLET | WRETCH | MOONSORROW | CANDLEMASS

Das HEADBANGERS OPEN AIR ist immer schon im Vorfeld eine coole Sache, hängt man doch tagelang auf MySpace, um sich mit den unbekannten Bands etwas vertraut zu machen und vor allem macht es immer Spaß, im LP-Schrank zu wühlen, um wieder mal die alten Scheiben rauszukramen und die ganzen alten Bands neu zu entdecken, die man bei der größten Metal-Gartenparty sehen wird. Das war zum Jubiläumsfest im nordischen Brande-Hörnerkirchen dieses Jahr leider nicht drin, da PC und Platten noch in Stapeln von Umzugskartons vergraben waren. Da konnte/musste ich das HOA diesmal etwas lockerer angehen…

Als erstes fällt natürlich die Umgestaltung des Festivalgeländes rund um Haus und Hof von Veranstalter Thomas auf. Wie schon auf der Festivalwebsite angekündigt gibt es endlich eine neue, größere Bühne, die auch noch ein ganzes Stück nach hinten ins Grundstück gerückt ist und somit mehr Raum fürs Publikum lässt. Zudem ist sie etwas höher und man sieht auch von weiter hinten alles, braucht sich auch nicht mehr an den alten Stützpfeilern den Hals verrenken.

Das freut den Soundfetischisten: Nun ist auch der Mischer nicht mehr so in die Ecke gedrückt und hat es deutlich einfacher, einen angemessenen Sound zusammenzubauen. Ebenfalls ins Auge fallen sofort die Türmchen für das Videoteam – hier wird es offensichtlich zum Jubiläumsfestival erstmals auch ein professionelles Video vom HOA geben.
Zudem zieht sich die Partymeile nun nicht mehr rund um das Haus, sondern ist konzentriert auf ein großes Areal und man hat Futterbuden, Verkaufsstände, Bierzelt und Wanderweg zum Zeltplatz gleich beieinander. Wie viel besser diese Lösung ist, zeigt sich im Verlaufe des Wochenendes deutlich: Das Wiederfinden seiner Leute oder auch das Kennen lernen neuer Menschen ist hier viel einfacher, da alle Leute vor der Bühne oder eben auf diesem Platz zu finden sind.

 

Die

Auch wenn das Festivalgelände nun deutlich weitläufiger ist kann man sich glücklich schätzen, dass die Verantwortlichen die Bremse ziehen und man die Menge an Zuschauern grob auf dem alten Level lässt. Den Veranstaltern erspart das sicher, reichlich neue Auflagen zu erfüllen, und das HOA behält seine familiäre Atmosphäre. In diesem Rahmen hat man immer noch das Gefühl, überall alte Bekannte zu treffen, die man hier jedes Jahr sieht und nicht einer von vielen auf einem der Megafestivals zu sein. Die Preise für Getränke und das diesmal abwechslungsreichere Futter sind sehr human, der einsame kleine Klowagen muss weiterhin seine Dienste verrichten, wird aber von ein paar Dixies in Laufnähe unterstützt, die allerdings spätestens Samstag reichlich überladen sind.

Der Donnerstag bot zur Warm Up-Show neben den ersten fünf Bands einen vom tagelangen Regen arg matschigen Zeltplatz, der so manchem anreisenden Auto Schwierigkeiten bescherte. Aber man ist hier auf dem Lande und hatte das mit Füllmaterial und fleißigen Landmaschinen laut Erfahrungberichten schnell im Griff. Dafür ist das HOA-Team ja bekannt, wo sonst wird man bei Unklarheiten schon mal eben vom Veranstalter angerufen und ratzfatz sind alle Probleme beseitig…

Freitag

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ETERNAL LEGACY

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ETERNAL
Klasse Opener: ETERNAL LEGACY

Für uns beginnt das HOA 2007 erst am Freitag, wie immer vorbei an den beiden zwischen griesgrämig und knuddelig anmutenden Opas am Einlass. Als erstes müssen die Amis ETERNAL LEGACY ran, die über ihre Kumpels WRETCH noch mit aufs Billing gerutscht sind. Und das ist gut so, die Band liefert einen klasse Auftakt. Zwar ging es hier und da mal etwas unsauber zur Sache, aber mit ihrem recht episch ausgelegten US-Metal im 80er-Stil konnte man die bereits anwesenden Gartengäste schnell vor die Bühne locken. Bei Songs wie Time out of mind mit coolen Twinguitars, der Melodieführung und dem angenehmen Gesang muss ich immer wieder an eine Lightversion von LEATHERWOLF denken. Natürlich ohne deren Klasse, aber ETERNAL LEGACY sind ja noch sehr jung. Vor allem der Keyboarder passt auf den ersten Blick eher in eine Schülerband als auf die Bühne eines internationalen Festivals weit weg von Mami. Erstaunlich auch die unbegründete Schüchternheit vom Sänger, die Ansagen wurden weitestgehend vom Gitarristen gemacht. Oder wollte hier nur wer den Bandkopf raushängen lassen? Egal, die Musik kann absolut überzeugen und macht viel Spaß. Einen Moment wendet man sich zum Smalltalk von der Bühne ab, und plötzlich stehen die Leute neu sortiert auf der Bühne, der Keyboarder bangt am Bass und der Basser spielt ebenfalls sehr ordentlich Gitarre, sodass Sänger Jason sich frei bewegen könnte. Tut er aber nicht, der Respekt vor den Metalheads vor der Bühne aus ganz Europa ist ihm deutlich anzusehen. Rundum ein toller Auftakt für den ersten Festivaltag.

KAOS

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KAOS
Etwas zu viel Hardcore: KAOS

KAOS hatte ich von Platte eher als na ja in Erinnerung, und sie brauchten auch nicht lange, um mich zur ersten Kontaktpflege in die Partymeile zu treiben. Die anfängliche Neugier, Keven Albert an der Gitarre zu sehen, der bereits im letzten Jahr mit ULYSSES SIREN hier zu sehen war, hatte sich schnell erledigt. Was so toll an ihm ist? Der junge Mann ist der Sohn von Übersänger Carl Albert (VICIOUS RUMORS, RUFFIANS, VILLIAN), der 1995 bei einem Autounfall ums Leben kam. So lasse ich mich trotz sympathischer Stimmung auf der Bühne vom recht Hardcore-lastigen Thrash der Amis vertreiben, um lieber Erinnerungen an die unvergesslichen VICIOUS RUMORS-Shows mit Carl wach werden zu lassen. Aus sicherer Entfernung kann man sich dann Kracher wie Paralyzed by fire oder Die young gut anhören, während zu gleichförmigem Geballere vor der Bühne ordentlich die Post abgeht.

BLACK RAVEN NIGHT

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BLACK
Wenig Doom, viel Seventies: BLACK RAVEN NIGHT

Dann ist es Zeit für die erste Portion Doom, die Australier RAVEN BLACK NIGHT stehen auf der Bühne. Was auf CD recht doomig rüberkommt, hat hier einen Touch von Retro-Rock. Mit teils nervig Flanger-überladenem Gitarrensound gibt es rockige, teils auch etwas schnellere Songs mit ausufernden Soloeinlagen von Bandkopf Jimi. Basser Paul lässt optisch eher den bösen Blackmetaller raushängen, bietet dafür als einziger etwas Bewegung und Show auf der Bühne. Macht man die eigene Doom-Schublade wieder zu und nimmt die Songs ohne Erwartungshaltung, dann machen sie doch recht schnell Spaß. Jimi spielt seine Gitarre in bester 70er-Manier und sein Gesang kann mit seiner hohen Ausrichtung und den schrillen Screams so manches Mal etwas an Ian Gillan (DEEP PURPLE) erinnern. In diesen Momenten, zusammen mit weniger verspielten, groovenden Riffs, kann man schon mal an BLACK SABBATH zu Born again-Zeiten denken. Härter wird es dann noch mal bei Barbarian winter, wo Basser und Drummer die Vocals übernehmen. Letztendlich eine nette Show der Australier, die mich aber nicht wirklich vom Hocker gehauen hat.

KALEDON

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KALEDON
Eher belanglos: KALEDON

Mit KALEDON ist dann leider erst mal ein kleiner Tiefpunkt angesagt: Sie bringen alles mit, was die Leute immer am typisch italienischen Melodic-Power-Metal zu nörgeln haben. Mit eher zuviel Selbstbewusstsein entern sie die Bühne und haben zumindest anfangs viel Spaß. Der tritt vor der Bühne hingegen nur temporär auf, denn trotz handwerklich guter Arbeit können KALEDON absolut keine Akzente setzen. Die Songs sind zu gleichförmig, um sich an einzelne Höhepunkte zu erinnern. Songs wie Eyes of fire oder Holy water sind gut, aber zu austauschbar, und werden gekrönt von einem Gesang, der zwar in sehr angenehmer Tonlage unterwegs ist, diese aber viel zu oft ignoriert. Gerade der schiefe Gesang sorgt leider doch recht schnell dafür, dass es vor der Bühne merklich leerer wird; die unspannende Musik allein hätte man zur Not noch mitnehmen können.

PARAGON

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PARAGON
PARAGON in klasse Form

Nachdem ich die Pennsylvanier BEYOND FALLEN nur aus der Ferne mitbekomme, ist es Zeit für das erneute Heimspiel von PARAGON, die bereits zum dritten (?) Mal auf dem HOA spielen. Da wird dann auch nicht die neue Scheibe Forgotten prophecies promotet, heute gibt es eine Reise durch die komplette PARAGON-History. Mit klassischem Teutonenstahl der Marke Army of the dead, Warriors of ice oder Breaking glass und reichlich Oldies wie Legions of metal oder dem schwerfälligen Across the wastelands haben die Hamburger die Leute voll auf ihrer Seite. Andreas Babuschkin zeigt sich wieder als gereifter Frontman und geht gut auf die Meute vor der Bühne ein. Das gewohnte prollige Gesamtbild der Band ist durch den neuen Drummer und dem noch etwas unsicheren Neu-Basser Dirk Seifert dem einer herzlich aufrockenden Band gewichen. PARAGON kommen locker und sympathisch rüber, selbst Bandkopf Martin strahlt über alle Backen und lässt seine grimmigen Mimiken fast komplett zuhause. Sicher natürlich auch, weil er heute Geburtstag hat und diesen wie üblich beim HOA feiert, heute halt auch auf der Bühne. Da ist die Stimmung auf und vor der Bühne spürbar am Kochen. Nur wenige finden die Show und Mucke der Hanseaten uninteressant und verweilen fernab der Bühne. Dahin hätte sich sicher auch der Fotograf gewünscht, der zum MANOWAR-Cover The gods made heavy metal auf die Bühne geholt wurde und sichtlich überfordert war, die Hymne mitzuträllern. Na ja, des einen Freud, des anderen Leid, so hatten alle Spaß daran.

 

WARNING SF

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WARNING
Servieren ein Riffgewitter: WARNING SF

Dann ist es abermals Zeit für alte Bekannte, Gitarrist Jon Torres (LAAZ ROCKIT, ANGEL WITCH, THE LORD WEIRD SLOUGH FEG) steht nach den Shows mit HEATHEN 2005 und ULYSSES SIREN 2006 dieses Jahr mit WARNING SF auf der HOA-Bühne. Wie zu erwarten steigt hier das Level nochmals merklich, es gibt musikalisch eine absolute Vollbedienung. Zwar startet die Band recht gemächlich mit eher schleppenden Songs, zieht die Schraube aber immer mehr an und bringt ab dem sehr doomigen Aftermath mit gnadenlosen Riffgewittern das Tempo in beachtliche Höhe. Spätestens jetzt hat man auch tiefes Mitgefühl für das Drumkit, das von Will Carrol mit beeindruckender Energie verprügelt wird. Mit dem klaren, bissigen Riffing und der hämmernden, arschtighten Rhythmsection fällt es kaum ins Gewicht, dass Torre Carstensen nicht der größte Sänger dieses Festivals ist. Er passt aber trotzdem perfekt zum Sound von WARNING SF und bringt eine absolut knuffige Ausstrahlung mit sich. Spaßig auch der Keyboarder, der zwar an seinen Tasten kaum aktiv ist, den Gig aber euphorisch abfeiert. Dass da zumindest musikalisch heute nichts mehr drüber gehen kann, war wohl jedem klar, der diese klasse Show gesehen hat, auch wenn die Hammershow von HEATHEN nicht übertroffen werden kann. Mal sehen, welche Band Torres dann nächstes Jahr im Gepäck hat.

 

VENGEANCE

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VENGEANCE
Neederlandse Spaßvögel: VENGEANCE

Als passende Balance zu diesem Riffgewitter waren die holländischen Spaßvögel VENGEANCE genau richtig platziert, ihr melodischer Party-Heavy-Rock ist eine ganz andere Baustelle. Allein die quäkige Stimme von Sänger Leon bei den Ansagen in Deutsch mit dem typisch lustigen holländischen Akzent sorgt schon für ein Grinsen, die schlüpfrigen Texte und Ansagen tun ihr Übriges, um die lockere Mucke von VENGEANCE abfeiern zu können. Geboten wird ein Best Of-Programm mit reichlich Klassikern wie dem Opener Take it or leave it, She is the woman, dem groovigen May heaven strike me down oder Rock´n´Roll shower, als Rausschmeißer gibt es überraschend das etwas sperrigere Arabia.
Leon bringt seine üblichen Albereien wie Bierbecherbalancieren und Wasserdusche. Ganz so souverän und entspannt wie gewohnt sind die Herren heute aber nicht. Eine unterhaltsame knappe Stunde später hatte man eine Menge Spaß, aber auch die Gewissheit, die Band schon mal besser gesehen zu haben.

 

SINNER

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SINNER
Überraschend starker Co-Headliner: SINNER

SINNER hatte ich überhaupt nicht auf der Liste. Die Schublade Altherrenmetal war schnell auf und die Show als Untermalung für diverse Schwätzchen abgehakt. Allerdings hatte ich diese Rechnung ohne SINNER gemacht. Nicht, weil mir Herr Sinner zweimal ein freundliches Lächeln in der Partymeile zugeworfen hat; man konnte auch auf der Bühne mit Sympathie und starken Songs überzeugen. Klasse Nummern wie der Klassiker Dangerzone, Born to rock you oder Neues wie Diary of evil waren nahezu perfekt für dieses Festival und rockten den Garten mehr als angenehm und spätestens mit dem starken (You don´t keep me) Satisfied von Kollege Hendrik Wolters Ex-Band THUNDERHEAD, deren Scheiben ich zufällig vorher mal wieder gehört hatte, war ich froh, unsere Mitschlafgelegenheit zum Bleiben gedrängt zu haben. Diese wird dann aber doch hartnäckig fordernd, so dass die Gruselshow von HALLOWEEN leider ohne uns auskommen muss. Das unvermeidbare BILLY IDOL-Cover Rebel yell fehlte natürlich auch nicht und begleitet unseren Abgang, beide Daumen hoch für SINNER!

 

Samstag

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Am Samstag verpasse ich dank Einkaufen in Itzehoe usw. leider gleich die erste Band, die Hamburger Doomer DECEPTIVE SILENCE. Die Jungs hatten den Platz auf der HOA-Bühne bei der Bandsbattle im Hamburger Headbangers Ballroom erspielt, wo dem Sieger eben der Platz als Samstagsopener überlassen wird. Klasse, dass diese Ehre auch mal einer Doom-Band zukommt. Weniger klasse, dass ich ausgerechnet diese verpasst habe.

KNIGHT ERRANT

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KNIGHT
KNIGHT ERRANT rocken orientalisch

Aber pünktlich zu KNIGHT ERRANT steht man vor der Bühne. Den Namen dieser Band kennt man schon lange, gehört oder gar gesehen hatte ich von den Türken aber noch nichts. Optisch kamen die Jungs allerdings recht brav rüber, selbst die unmetallische Geigerin wirkte da härter und ging auch im Laufe der Show voll ab. Passend zur Braven Jungs-Optik war auch die Musik ordentlich rockig, aber nicht zu sehr Metal. Dazu trug aber auch der zahme Sound von der Bühne bei, mit etwas mehr Druck kämen die Songs sicher auch härter rüber.
Trotzdem kam ordentlich Power von der Bühne, und die nicht zu prägnant auftauchenden türkischen Melodien verliehen dem Sound der Band einen tollen Exotenbonus. Die Band hatte Spaß, auch vor der Bühne verbreiteten KNIGHT ERRANT eine ausgelassene, fröhliche Stimmung und wurden mit offenen Armen empfangen, vor allen Revolution wurde gut abgefeiert. Bei allem Charme, den die Band ausstrahlte, war zur Hälfte des Gigs aber etwas die Luft raus. Irgendwie hatte man die folgenden Songs ähnlich schon vorher gehört. Trotzdem war es ein überaus netter, unterhaltsamer Auftritt und man konnte sich gut gelaunt vom Acker machen. Von den NWOBHM-Rentnern HOLLOW GROUND hatte ich nur das gut gemeinte Don´t chase the dragon in Erinnerung und das Interesse an der Band war nicht so groß wie am jährlichen Ritual, über den Zeltplatz zu schlendern und hier und da ein Schwätzchen zu halten.

 

THE BLACK

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THE
Verzweiflung auf und vor der Bühne: THE BLACK

Diesmal pünktlich im Namen des Doom bei THE BLACK angekommen, wünschte man sich schnell irgendwo bei Rimini an einer Strandbar als vor der Bühne dieser Italiener zu stehen. Abgesehen davon, dass die Band sehr holperig in den ersten Song einstieg, quälte Gitarrist/Sänger Mario Di Donato das Publikum mit einer total verstimmten Gitarre. Dieses Problem bekam er auch nach ewigen Stimmorgien nicht in den Griff; da konnte sich wohl eine Saite nicht entscheiden, ob sie nun reißen soll oder sich einfach nur in viele kleine Stahlseile auflöst. Der Hammer: Als die Stagecrew irgendwann Mitleid mit dem Publikum hat und ungefragt eine gestimmte SG reicht, die zudem den Sound von THE BLACK hörbar aufgewertet hat, braucht Di Donato keine zwei Minuten, um diese ebenfalls in schmerzhafte Grenzen zu verstimmen. Au, was taten mir seine Kollegen auf der Bühne leid, denen deutlich totales Unverständnis über dieses Chaos ins Gesicht stand. Basser Enio gibt irgendwann auf und lässt sich mit lustigem Posen feiern. Zusammen mit wenigen Tapferen vor der Bühne macht er das Beste aus der Situation und sammelt Sympathiepunkte. Ein absoluter Tiefpunkt in der HOA-Geschichte, und das absolut unnötig. Denn lässt man die schmerzlichen Gitarrentunes weg, so bleibt ein überaus cooles Gesamtbild mit starken Doom-Songs! Diese kommen sehr klassisch und angenehm kauzig, an vielen Momenten fühlt man sich sehr an PENRAGRAM erinnert inklusive ähnlicher Uptempo-Schrammel-Nummern. Di Donato hat keine gute, aber eine passende Stimme, sein Gitarrenspiel ist songdienlich, nur heute unmöglich zu ertragen. Diese Songs in einem stickigen Club mit gestimmter Gitarre und die Reaktionen wären sicher sehr positiv. Heute kann sich Di Donato als Erfolg nur ins Tagebuch schreiben, dass noch nie ein Mensch vor ihm den Platz vor der HOA-Bühne so leer gekriegt hat wie er. Schade für den Rest der Band und die Doomer vor der Bühne.

 

TAUNTED

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TAUNTED
TAUNTED überzeugen.

Etwas unmotiviert von dieser Enttäuschung müssen dann TAUNTED mit meiner miesen Laune klar kommen, aber das scheint den Amis egal zu sein. Irgendwo zwischen Bay Area Thrash und klassischem US-Metal bieten die Kalifornier eine angenehm kraftvolle Mischung. Der Sänger trifft nicht ganz meinen Geschmack, aber Songs wie der Opener ATG oder Still beliefe rütteln das Publikum ordentlich durch. Bass und Drums fallen auf mit durchdachtem, immer kraftvollem Spiel, während bei der ebenfalls sehr ordentlich gespielten Gitarre das Fehlen eines zweiten Sechssaiters schnell durchklingt. Wäre hier eine zweite Gitarre an Bord, würden TAUNTED sicher viele der bisher gesehenen Bands an die Wand sägen. So fehlt den Songs trotz aller Klasse etwas die Durchschlagskraft und die Show ist richtig gut, nicht mehr und nicht weniger.

AVENGER

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AVENGER
AVENGER mit WOSFrau

Riesengroß ist die Vorfreude auf die Briten AVENGER, die 2005 bei der Warm up-Show eine absolut liebenswerte und powervolle Show ablieferten. Auch wenn die gesamte Band schlichtweg knuffig ist, so hat man doch definitiv mit Ian Swifter den Mann mit dem ansteckendsten Lächeln der kompletten Metalszene als Fronter. Wie schon zwei Jahre zuvor boten AVENGER eine kurzweilige Show mit reichlich Klassikern wie Run for your life, Revenge attack, You´ll never take me alive oder Shot to hell und vielversprechende neue Songs wie das starke Fate oder der ersten Zugabe Midnight mass. Mit seinem charismatischen Ohr-zu-Ohr-Grinsen im Gesicht hat Swifter die mächtig feiernde Meute vor der Bühne gut im Griff und hüpft auch schon mal Luftgitarre spielend durch das Publikum. Ein paar Singsang-Spielchen hätte man lassen können, aber die Fans machen fleißig mit. In dieser Form können die Herren gern mal wieder vorbei kommen.

 

BULLET

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BULLET
Nightliner sind für Spießer, BULLET reisen im eigenen Partyliner

Nach soviel Spaß noch mehr Spaß? Geht nicht? Geht doch, mit BULLET! Einfach das Hirn abzuschalten und mit den posenden und prollenden jungen Bubis da auf der Bühne eine hemmungslose Party zu feiern. Das gibt diesem Festival definitiv eine neue Würze. Mit ihrem schicken Klischeeoutfit inklusive Nieten und Pudelfrisuren fernab der Realität kann man mit der Mischung von AC/DC-Riffs und ACCEPT/U.D.O.-Melodien eigentlich nicht still stehen. Simple, gut gelaunte Arschtrittsongs wie Midnight riders oder Rambling man kann man nicht ernst nehmen, aber sie feiern kann man wunderbar. Zu niedlich ist es, wenn diese Bübchen in typischer ACCEPT-Pose die Gitarren kreuzen; und wenn mitten im Gig die Sonne aus vollem Herzen lacht, dann fühlt man sich einfach gut mit BULLET vor der Nase. Dass das nicht nur vor der Bühne so ist, beweisen die Schweden dann an ihrem coolen Bandbus, einem 64er Volvo.

Die Kiste ist mit Plüsch, Kitsch und schräger Geschmacklosigkeit komplett zum Partybus hergerichtet und wird entsprechend nach der Show zur Partymeile Nummer eins. Hier tobt der Bär und es klingen aus dem Bus Klassiker von JUDAS PRIEST. Die Leute grölen fleißig KISS-Songs und auch auf dem Dach der Kutsche wird ausgelassen mitgefeiert. Wen interessiert schon das HOA. Ganz besonders sympathisch ist dann auch der Fahrer des Busses, der sich als Papa vom Drummer entpuppt und mindestens genauso stolz auf sein mitgebrachtes schwedisches Fahrrad ist wie auf seinen Junior. Ein wirklich netter Mann, danke für das tolle Gespräch!

 

WRETCH

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WRETCH
Haben ein Knuddelmonster als Sänger: WRETCH

Dann ist es Zeit für eine erneute Vollbedienung mit US-Metal, WRETCH stehen auf der Bühne. Was immer man schreiben mag, Hauptpunkt ist ganz klar die überdimensionale Präsenz von Sänger Colin Watson. Genauso breit wie groß oder eher klein, mit einen Blick gesegnet, bei dem man lieber mit einem Bergtroll kuscheln gehen möchte, als allein mit diesem Mann zu sein, kann man kaum seinen Blick von ihm abwenden. Die coole raue Stimme passt dann auch perfekt zur Optik dieses Monsters, das sich aber doch hier und da ein Lächeln nicht verkneifen kann ob der abgehenden Masse vor der Bühne. Und genau dann wird aus diesem Metalmonster schnell eher ein knuddeliger HDR-Gimli mit leichten Gewichtsproblemen. Ausbreiten kann Watson seine Stimme auf einem starken Sound, der grob zwischen schnellem US-Power-Metal und alten MAIDEN pendelt. Die Band spielt tight und bringt die Energie der Songs klasse rüber. Einen Moment dauert es allerdings bis man weiß, warum die Musiker einem bekannt vorkommen – sie standen am Vortag noch bei ETERNAL LEGACY auf der Bühne, was dann die Verbindung dieser beiden Bands erklärt. WRETCH aber setzen für mich den bisherigen Höhepunkt des Tages. Das WRETCH mit Make this garden burn gleich noch einen Song extra für das HEADBANGERS OPEN AIR geschrieben haben, sichert ihnen bei den Anwesenden natürlich noch extra Pluspunkte.

 

MOONSORROW

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MOONSORROW
Anders und richtig gut: MOONSORROW

Sehr mutig ist vom HOA-Team, eine komplett aus dem sich in 10 Jahren selbst gesteckten Rahmen fallende Band wie MOONSORROW aufs Billing zu packen. Aber dass Abenteuer dieser Art durchaus funktionieren können, hat man ja bereits im letzten Jahr bei KORPIKLAANIs wilder Humppa-Party gesehen. Auffällig ist aber sofort, dass vor der Bühne die Altersgrenze nach unten geht und die 80er Metalheads vorerst das Feld räumen, welches von den jüngeren Festivalbesuchern schnell wieder gefüllt wird. Laut Mitveranstalter Jürgen waren wohl viele Leute gezielt wegen den Finnen zum HOA gekommen, was man bei den vielen unbekannten Gesichtern vor der Bühne gern glauben mag. Allein optisch wird natürlich schon viel geboten, wild bemalt und mit Kunstblut verschmiert macht man einen auf ganz böse. Ihren atmosphärischen Pagan-Metal bringen MOONSORROW überraschend souverän rüber, die Liveerfahrung der doch eher jungen Band macht sich deutlich bemerkbar. Auch wenn Musik mit finnischen Vocals immer etwas lustig bis sonderbar klingt, verbreitet die Band eine angenehm unangenehme Stimmung, die immer mal mit lockeren Folkeinlagen oder derben Blastparts aufgemischt wird. Klasse gespielte, unaussprechliche Songs der bisherigen Scheiben und auch neuer Stoff ziehen dann verdient überraschend viele der geflüchteten Altrocker zurück in die Nähe der Bühne. Das Songmaterial ist sicher nicht jedermanns Sache, aber die Qualität der Musik und die energische Show sind erstklassig.

 

CANDLEMASS

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CANDLEMASS
Genießen das Gartenfest: CANDLEMASS

Wenn man auf dem HOA so viele bekannte Leute trifft, die eigentlich mit dem klassischen Metal weniger am Hut haben, dann erklärt das ein Name auf dem Billing: CANDLEMASS! Nachdem es im letzten Jahr nicht geklappt hat mit der geplanten Show, weil man sich kurzfristig endgültig vom Doomdancemönch Messiah getrennt hatte, wird diese heute nachgeholt unter ganz neuen Voraussetzungen. Heute präsentieren sich die schwedischen Epic-Doom-Pioniere mit Neu-Sänger Robert Lowe, der mit seiner Überstimme auch die Texas-Doom-Kollegen von SOLITUDE AETURNUS in den Doom-Olymp gesungen hat. Ungeachtet seiner Leistung auf der neuen CANDLEMASS-Scheibe King of the grey island muss er nun live seinem Mann stehen. Bei der Distanz Texas/Schweden kann man wohl kaum von ausufernden Probewochen ausgehen. Die Band selbst hat da keinerlei Bedenken, entert nach zu langer Umbaupause auffallend selbstbewusst die Bühne und beglückt gleich zu Anfang mit dem geliebten Well of souls, vielen Dank dafür! Als Lowe dann die Bühne betritt, wird er jubelnd in Empfang genommen und das Publikum macht es ihm erfreulich leicht. In den ersten Reihen ist kaum zu vermuten, dass hier jemand Messiah vermissen könnte. Zum einen hat Lowe eine komplett andere Ausstrahlung als Messiah, der jeden Platz und jeden Blick für sich beanspruchte und sich gern mal zum Clownmönch machte, um in den Instrumentalpassagen dann hinter der Bühne auf seinem Chair of Doom wieder etwas zu Atem zu kommen. Lowe hingegen hat es nicht nötig, sich in den Vordergrund zu stellen und schleicht langsam mit bedrohlicher Nosferatu/Dracula-Haltung über die Bühne, verdreht wie gewohnt seine Augen in bester Gruselmanier bis zum Anschlag und fügt sich mit dieser introvertierten Haltung perfekt in die Show ein. Die neuen Songs Emperor of the void, Devil seed und Clearsight singt er beängstigend perfekt, aber auch Klassikern wie Solitude, Mirror mirror, The bells of Acheron oder Black dwarf vom letzten Album mit Messiah verleiht sein Gesang eine ganz neue, noch erhabenere Atmosphäre – sofern er nicht vom gelegentlichen Schauen aufs Textblatt abgelenkt wird; da hat wohl jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht. Ob Rob Lowe nun der bessere Frontmann und/oder Sänger ist im Vergleich zu Messiah, da werden sich die CANDLEMASS-Verehrer sicher ausgiebig streiten können. Hier und heute hat er klar gezeigt, dass er der einzig mögliche Nachfolger für den Doommönch ist. Die Auswahl dürften die Kollegen auf der Bühne nicht bereuen.

CANDLEMASS
CANDLEMASS macht die Show sichtlich Spaß.

Diese präsentieren sich dann auch auffallend ausgelassen und in bester Stimmung, Mastermind Leif Edling hat gar ein permanentes Dauergrinsen im Gesicht. Edling, Mats Björkman und Lars Johansson nutzen den Platz vor Jan Lindhs Drumkit und sind aktiv wie nie, spielen die alten Songs passend zu Lowes Gesang deutlich härter, fallen im richtigen Moment aber immer wieder zurück um die tobenden Menschen vor der Bühne herrlich laid back zu Boden zu drücken. Umgefallen ist aber keiner, dafür war vor der Bühne nicht genug Platz. Auch die Herren untereinander zeigen sich wieder als echte Band, gehen auf Kontakt und haben, anders als in den vergangenen Jahren, auffällig oft ein Lächeln über für die Kollegen – schön zu sehen!

Dass man sich bei Devil seed mal verspielt oder sich später kurz aus Timingschwankungen rausspielen muss, das verleiht dieser Show einen zusätzlichen Charme, denn die Band steckt das mit einem lockeren Grinsen weg, was in der Vergangenheit oft nicht der Fall war. Einzig Lasse übertreibt es mit seiner zu locker gespielten Leadgitarre und nimmt mit diesen übertriebenen Spielereien und höhenlastigem Sound etwas den Druck aus den Songs. Aber das tangiert die Leute nur am Rande. Es macht viel mehr Spaß, mit CANDLEMASS zu feiern, als nach Minuspunkten zu suchen. Keine Frage, dass spätestens nach der Zugabe Samarithan zumindest auf und vor der Bühne alle glücklich sind. Später finden sich dann doch hier und da ein paar Nörgler, die Messiah vermissen, mit dem etwas prolligen Stageacting Probleme hatten oder einfach diese Art von Metal nicht mögen, was soll´s…

 

Fire!
Freundliche Einladung zur Feuershow

Nach dieser Reise in die Glückseeligkeit sind mir dann RAGE ziemlich egal, da ich mich noch nie mit Peavys Vocals anfreunden konnte, und ich lasse mich von der netten jungen Dame, die nach CANDLEMASS die Bühne betritt, zur Feuershow in die Partymeile locken.

Dementsprechend lässt man das HEADBANGERS OPEN AIR 2007 ausklingen, indem man noch mal um die Ecken zieht und ein paar nette Gespräche mitnimmt über Bewusstseinsveränderungen, das HOA 2008 und den Sinn des Lebens im Allgemeinen. Mit halbem Ohr war man trotzdem noch etwas bei RAGE, die zwar recht gut gefeiert wurden und auch ein paar ältere Stücke wie Black in mind boten, jedoch nicht verhindern konnten, dass reichlich Leute müde Richtung Zelt, Hotel oder Heimat abwanderten.

Mit dem 10. Festival konnte das HOA-Team wieder mal beweisen, dass man sich auf sie verlassen kann. Die Crew machte einen guten Job, die Bands waren fast ausnahmslos zumindest gut, die Campingsituation war voll ok, das Essen auch, das Wetter hat mitgespielt und einzig der Sound schwächelte hin und wieder sehr. Dass das nicht grundsätzlich an der Soundcrew liegen muss, weil die Musiker auf der Bühne nach jedem Song am Verstärker fummeln und dann jammern, dass sie bei aufgedrehtem Amp nichts mehr vom Monitor hören – da kann man als Mischer wohl auch nicht mehr viel retten.

So gab es also zur Hochzeitsreise statt Romantik und heiße Nächte viel Rock`n´Roll und coolen Metal. Glückwunsch auch dem anderen Paar, das mit Hochzeitsgesellschaft in schicken rosa Shirts auf dem Festival unterwegs war!
Wie üblich steht beim Verlassen des Geländes schon die Vorfreude auf das nächste HEADBANGERS OPEN AIR vom 24. bis 26.7.2008 an, zumal mit THE GATES OF SLUMBER bereits ein absolutes Doom-Highlight angekündigt ist.

Fotos: WOSFrank

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!