DOOM METAL LEXICANUM: Aleksey Evdokimov hat alles gegeben

DOOM METAL LEXICANUM: Aleksey Evdokimov hat alles gegeben

Die Doom-Szene ist besonders, das habe ich nicht erst in vielen Jahren DOOM SHALL RISE gelernt. Wenn sich dann jemand in Russland aufmacht und mit DOOM METAL LEXICANUM ein Buch über unsere Szene schreibt, verdient das große Aufmerksamkeit. Und wenn man ihn dann schon einige Zeit begleitet und sieht, wie viel Mühe und Energie er in dieses Projekt steckt, sieht wie cool der Herausgeber drauf ist, und überzeugt ist, dass es ein richtig gutes Buch wird … Nun ja, dann muss man einfach mal genauer Nachfragen bei Autor Aleksey Evdokimov!

Hi Aleksej, schon frostige Zeiten bei dir in St.Petersburg? Hier zieht auch langsam doomiges Winterwetter ein.

Hi Frank! Nee, es ist nur Dawn Of Winter bei uns, gerade mal minus ein Grad. Das ist zu warm für diese Jahreszeit, aber schon die letzten fünf oder sechs Jahre.

Für dich sind es eh eher heiße Tage! Dein Buch DOOM METAL LEXICANUM wird am 1. Dezember veröffentlicht. Fühlt sich gut an, oder?

Ja, aber ich bin echt entspannt, seit das Buch in der Druckerei ist und wir gut im Zeitrahmen liegen für eine pünktliche Veröffentlichung. Eigentlich wollte ich dann erst mal in Ruhe ein paar Filme anschauen und mir Bücher von meiner „muss ich lesen“-Liste vornehmen. Aber es gab bereits einige Interviews und Promotionarbeit, da bleibt noch keine Zeit zum Rumhängen.

„So there´s no rest for the wicked“ – Zeit zum selber Lesen und Filme schauen gibt es noch nicht.

Du hast lange und intensiv am Material gearbeitet. 3oo Seiten mit 300.000 Worten klingt nach vielen Schlaflosen Nächten!

Oh ja, und eigentlich gab es noch viel mehr Text. Mein Englisch ist nicht perfekt und meine Freunde Mike Liassides (Editor bei doom-metal.com) und Tana Haugo Kawahara (Bassist bei ETERNAL ELYDSIUM) haben mir da sehr geholfen, und auch einen Blick auf die Grammatik geworfen. Letztendlich hat aber Dayal Patterson, Chef bei CULT NEVER DIES, noch einiges überarbeitet und zum Abschluss gebracht. Wir brauchten aber keine Band rausnehmen, alles hat gepasst.
Oh ja … schlaflose Nächte. Mate-Drink hat mir oft geholfen!

Es gibt viele Bücher über Metal, seine Musiker und seinen Livestyle. Aber nicht wirklich viel über Doom. Warum hast du dich für dieses Genre entschieden?

Eben weil es seit 2003 kein Buch mehr gab über Doom-Metal! Ich wusste das Genre hat sowas verdient … ehrlich! Ich wusste (oder dachte zu wissen) was zu tun war. Und es war genau zur richtigen Zeit.

Doom ist nicht gerade Everybodys Darling. Ich weiß es war nicht leicht, einen Publisher zu finden.

Bull´s Eye! Anfangs dachte ich, das wäre die leichteste meiner Aufgaben. Ich begann mit dem Buch im Herbst 2015 und begann im Herbst 2016, nach einem Herausgeber zu suchen. Zwei oder drei hatten bereits ihre Produktionen für 2017 geplant. Ein anderer Herausgeber hatte Interesse, aber ich hätte mich um den Vertrieb selbst kümmern müssen. Sie mochten die Idee, wussten aber nicht, wie sie das Buch verkaufen können.

Ich hab auch verschiedene Labels gefragt, ob sie 15-20 Exemplare vom Buch ins Programm nehmen würden. Sie wollten Preise, ich hatte keine Antwort… Ein Label hatte ernsthaftes Interesse. Aber ich hätte das Buch in der vorgegebenen Zeit nicht fertig kriegen können und sie hätten einiges ändern wollen. Ohne mein Zustimmen. Ein weiteres Label schlug vor, das Buch zu vertreiben. Aber ich selbst hätte dort mein eigenes Buch kaufen müssen! Ich hab eine Menge Zeit, Energie und auch einiges Geld damit verschwendet.

DOOM METAL LEXICANUM wird nun über CULT NEVER DIES und CRYPT PUBLICATIONS veröffentlicht. Dayal Patterson ist eher ein Black Metal-Freak. Wo hast Du ihn aufgetrieben? War es schwer, einen Blackie zu überzeugen, ein Doom-Buch herauszubringen?

Es war ein glücklicher Zufall. Ich habe ein paar der Musiker, die du auch im Buch findest, gefragt ob sie vielleicht einen passenden Publisher kennen. Einer von ihnen (danke an diesen Kumpel!!!) verwies mich auf Dayal. Wir haben uns recht überraschend sofort verstanden und geeinigt. In den letzten Monaten hab ich gesehen, dass er genau die richtige Wahl war. Ich schätze seine professionelle Arbeit und wie schnell das alles bei ihm geht. Auch gerade die letzte Zeit, wo wir mit dem Layout beschäftigt waren. Es war anstrengend für uns beide, eine auch Zeitaufwendige Aufgabe. Aber ich mag, wie es gelaufen ist und was dabei heraus kam.

Das Buch zu vertreiben wird aus UK, wo CULT NEVER DIES sitzt, auch einfacher sein als aus Russland!

Ich bin sicher, dass es einfacher ist als von Russland aus! Genau, es hätte auch keinen Sinn gemacht, dies Buch für Russland zu schreiben. Es haben bisher gerade mal drei Leute Interesse gezeigt. Dazu war das Projekt viel zu ambitioniert. Ein russischer Elektro Ingenieur schreibt ein Buch über die internationale Doom Szene in Englisch! Nochmals: ich kann Mike und Tana nicht genug danken für ihre Hilfe!

Aleksey ist eindeutig mehr Fan als Besserwisser!

Du wolltest auch nicht irgendein schlaues Blabla über diese so spezielle Szene schreiben. Du wolltest eine Enzyklopädie über diese verfassen. Um die Bands zu zeigen, vorzustellen, ihre Arbeit zu unterstützen.

Das Ziel war eben diese Enzyklopadie. Ich begann mit einer Liste von 550-600 Bands, aber soweit ich weiß werden selbst in UK die Bücher auf Papier gedruckt und nicht auf endlos dehnbarem Gummi. Kannst du dir vorstellen, jemand würde so ein fettes Monsterwerk kaufen, wenn ich nicht irgendwann die Bremse gezogen hätte? So sehe ich das Buch als einen runden, sehr guten Wegweiser durch die traditionelle Doom Szene und einige angelehnten Genres wie Stoner-Doom, Psychedelic Doom oder Doom Rock.

Es sollte ein Nachschlagwerk sein. Ich würde zu gern mehr auf Genre-Klischees eingehen und diese untersuchen. Du wirst dies vermerkt im Anhang finden. Aber das hätte zu viel weitere Zeit und Energie gefordert. Beides hatte ich nicht mehr.

Wir finden die Geschichte, die Diskographie und Interviews zu den Bands. Ich schätze du hast mit den üblichen bekannteren Bands angefangen. Und dann kam die klassische Roll Up-Situation, wo immer neue Bands in den Fokus kommen. Die Doom Szene ist weitaus größer als viele Metalheads denken. Wo war der Punkt, wo du aufhören musstest?

Ich würde sagen, dass gerade neuere Bands tatsächlich sehr motiviert waren. Viele verdienen weitaus mehr Aufmerksamkeit. Ich mag diese Musik und möchte das Wort des Doom weitertragen. Daneben gibt es viele Bands, die gar keine Chance haben,n bekannter zu werden. Ohne Promoter oder großes Label hinter sich. Wer kennt denn heute die Band DREAMING? Das ist nicht fair! Neue Bands wie CROSS VAULT, LORD VIGO, VAMPYROMORPHA inspirieren mich genauso wie DAWN OF WINTER, NAEVUS, MIRROR OF DECEPTION oder deine WELL OF SOULS. Es gibt viele coole Bands zum Beispiel in Süd Amerika. Eine echte, ehrliche Szene wie in Peru oder Chile.

Aufzuhören war nicht einfach für Aleksey

Es war wirklich ein Problem, dass ich nicht aufhören konnte. Letztendlich hat Dayal mich gewähren lassen und die Liste mit den Bands geführt. Immer wieder fragte ich, ob wir noch diese oder jene Band hinzunehmen können. Es war wirklich schwer, irgendwann aufzuhören.

Du hast dich dafür entschieden, nicht nur die üblichen bekannteren Bands vorzustellen. Auch viele Bands aus dem Untergrund unserer Szene sind vertreten. Gerade diese Bands waren sicher sehr dankbar, Teil deines Buches zu sein.

Ich schätze das trifft auf einige zu, ich hab wirklich großartiges Feedback bekommen von vielen Bands. Einige Bands haben nicht mal geantwortet, zwei oder drei wollten dafür die Hand aufhalten. Aber ansonsten haben mich die meisten Bands super unterstützt und tun es heute noch. Ich danke ihnen dafür!

Wie lief das Spiel, mit den Bands in Kontakt zu treten? Wenn ich an den Anfang vom DOOM SHALL RISE-Festival denke vor 15 Jahren, da war das echt ein Kampf. Heute mit Facebook und so ist das sicher etwas einfacher.

Ja, ich hab deinen Kollegen Jochen (Fopp, MIRROR OF DECEPTION) interviewt vor sechs Jahren. Er erzählte, wie schwer es damals für euch war. Facebook und Co. machen es da wirklich einfach, in Kontakt zu treten. Aber es gab alles Mögliche, Mails die im Spamfilter landen, manche wurden ignoriert, teilweise waren die Bands nur über Manager erreichbar. Manchmal hat es halt dann nicht geklappt.

Mit wem war letztendlich der Umgang leichter? Mit den bekannten Bands mit ihrer Erfahrung mit Interviews und so oder mit den kleineren Bands mit ihrer Euphorie, dass du ihnen die Möglichkeit gibst, ihre Band vorzustellen?

Üblicherweise haben halt die großen Bands Labels und Manager dazwischen. Es gab Versuche mit Skype Interviews, und immer wenn sich Manager dazwischen steckten wurde es nichts. Manchmal lief es auch … keine Ahnung … zum Beispiel hatte ich vor sechs Jahren ein Interview mit einem bekannten Gitarristen einer bekannten US-Band zu seinem Soloalbum. Nun ist er wieder live unterwegs mit seiner großen alten Band … und interessiert sich nicht mehr für meine Fragen. Bei anderen Bands hat doch das Label geholfen, bei manchen muss man die Musiker auf Gigs erwischen, weil das mit Mails bei ihnen nie klappt. Es gibt viele Gründe warum es hier und da nicht geklappt hat, Namen will ich da nicht nennen. Andere haben es mir da sehr leicht gemacht, wie zum Beispiel Geof O´Keefe von BEDEMON oder Ron Holzner von TROUBLE. Durch das Buch hab ich viele tolle Menschen kennengelernt!

Dein Fokus lag ja eher auf traditionellem Doom und Epic Doom. Ist das dein favorisierter Stil?

Nein, das ist nicht das einzige und letzte was ich höre. Irgendwie hab ich halt viel davon gehört. Aber ich mag vieles aus anderen Richtungen. Hah… außer zu schnelles Zeug und brutale Genres. Es ist tatsächlich einfach so passiert, dass ich mich für diese Art von Musik entschieden hab, ich fing einfach an diese besser zu verstehen. So bin ich da reingerutscht.

David Thiérrée hat ein sehr cooles Cover zum Buch gezeichnet. Wer ist er und wo hast Du ihn gefunden?

Nun, Dayal Patterson, der Chef von CULT NEVER DIES, arbeitet mit David Thiérrée schon länger zusammen. Gerade vor einigen Monaten wurde dort David´s Buch „Owls, Trolls & Dead King´s Skulls“ veröffentlicht. Daher noch ein paar Worte zu David. Er trat zuerst Anfang der 90er ins Blickfeld mit Grafiken für den Metal-Underground. Dann lieferte er erste Artworks für größeree Bands wie GORGOROTH, STRID und BEHEMOTH. in den folgenden zwei Jahrzehnten wurde er bekannter als einer der besten Zeichner für feinste Folk/Fantasy-Kunst.

Er kam dann doch wieder zurück zur Musik und zeichnete Cover für viele verschiedene Bands der Extreme Metal-Szene, darunter Veteranen wie MORTIIS und abermals BEHEMOTH. Das aktuelle Buch „Owls, Trolls & Dead King´s Skulls“, erschienen 2017, ist eine Zusammenstellung seines beeindruckenden Schaffens der letzten 25 Jahre. Und zeigt wie viel Details und wie viel Leben er in seine Darstellung der Natur und der Nordeuropäischen Folklore bringen kann, die ihn hauptsächlich beeinflusst hat. Wirklich beeindruckend, oder?

Mehr Infos zu David und sein Buch gibt es bei CULT NEVER DIES

Bestellen kann man es im Shop von CULT NEVER DIES

Wenn DOOM METAL LEXICANUM die verdiente Aufmerksamkeit bekommt, wird es dann ein weiteres Buch geben irgendwann? Doom-Death, Funeral, Sludge, es gibt ja noch genug da draussen!

Mit Sludge kann ich nichts anfangen. Ich kenne einige Bands und hatte auch Interviews mit einigen und das war cool. Aber damit etwas machen ist nichts für mich.

Doom Death und Funeral ist eine andere Geschichte. Damit fing alles bei mir an, frühe TIAMAT und PARADISE LOST, CELESTION SEASON, OFFICIUM TRISTE, andere Bands der 90er. Und die komplette russische Doomszene bestand viele Jahree fast nur aus Doom Death-Bands.

Lass es uns so sagen: Nun weiß ich besser, wie man so ein Buch schreibt und wie das ganze Drumherum funktioniert. Wie man effektiver arbeitet und weniger Zeit und Nerven verliert. Ich bin noch am Abwägen, könnte mir aber durchaus vorstellen weiterzumachen.

Nachdem Du so viel Zeit, Nerven und Energie verbraten hast, um dieses Buch zu schreiben, folgt da nun das große Loch wo alles erledigt ist? Wie geht es weiter? Ein neues Hobby? Einfach wieder mehr Zeit für deine Frau und euer Kind?

Ja, meine Frau ist die erste die sich freut, dass das Buch endlich fertig ist! Aber ich verbringe viel Zeit mit ihr und unserer Tochter. Geschrieben hab ich immer erst nach Mitternacht. Ich möchte es aber wirklich jetzt fertig haben, einfach mal Bücher lesen oder Filme schauen. Wieder Sport machen, mein täglicher Job fordert mir einiges ab. Das sieht nach einem echten Blitzkrieg aus, was da jetzt kommt. Ich fühle mich total doomed, ausgebrannt, schwer zu beschreiben. In den letzten zwei Jahren habe ich gerade mal einen Film angeschaut, weil ich jede freie Minute in das Buch gesteckt habe. Und wie du weißt: der Film war „Bone Tomahawk“ von Craig Zahler von der Band REALMBUILDER.

Gibt es noch ein paar Worte zur russischen Doom-Szene? Gibt es eine aktive Szene? Bands die wir im Auge behalten müssen?

Wie schon gesagt gab es hier vor Jahren eine Doom Death-Szene. COMATOSE VIGIL, OTKROVENIYA DOZHYDA (REVELATIONS OF RAIN), WHO DIES IN SIBERIAN SLUSH – es gibt sehr gute Bands hier! Und gerade die Doom Death-Szene ist sehr aktiv. Vor Jahren gab es mal die Epic Doom-Band SCALD, und im traditionellen Doom NOVIY ZAVET (NEW TESTAMENT).

In den 2000ern tauchten ein paar mehr traditionelle Bands auf. WITHOUT GOD, LORD OF DOUBTS (mitlerweile aufgelöst), THE MOON MISTRESS, THE GRAND ASTORIA hatten eine gute Portion Doom in ihrer Musik. Aber ich denke, die Szene ist mehr konzentriert auf Moskau und gemischt mit der Sludge-Szene. Ich kann nicht sage,, ob da gerade Bands im Studio sind, die spielen gern laute und schmutzige Gigs. Etwas, dem ich selbst gern aus dem Weg gehe!

Danke dass du dir die Zeit genommen hast! Spannende Zeiten für dich und für die Doom-Szene! DOOM METAL LEXICANUM ist ein Must Have für alle Doomster, das zeigt ein erster Blick.

Danke für deine Zeit und Interesse Frank! Ich hoffe das Buch wird dir gefallen!

Bestellen kann man DOOM METAL LEXICANUM im Shop von CULT NEVER DIES

Bilder: CULT NEVER DIES, Aleksey Evdokimov

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!