BLOOD WORSHIP: Solange man einen grossartigen Drummer hat, funktioniert der Rest

BLOOD WORSHIP liefern mit ihrer ersten EP gepflegtes neues Black Metal-Futter aus Stockholm. Kitsch und Krimskrams sucht man auf „Death`s Omnipotence“ vergebens, stattdessen gibt es authentischen Sound und gute Songs. Zeit also, BLOOD WORSHIP-Erschaffer Martin Andersson ein paar Fragen zu den Hintergründen von „Death`s Omnipotence“ zu stellen.

 Ihr habt soeben eure erste EP „Death`s Omnipotence“ veröffentlicht. Wie seid ihr mit den bisherigen Reaktionen zufrieden?

Bis jetzt ist das Feedback wirklich gut. Ich bin positiv davon überrascht, wie die Rezensenten die Scheibe aufgenommen haben und dass unsere EP soviel Aufmerksamkeit erhält.

Mir gefällt am Artwork, dass es zwar schwarz-weiss gehalten ist, aber nicht klischeemässig ausfällt. Was habt ihr eurem Cover-Artwork-Künstler Nate Burns über eure Musik erzählt, bevor er sich an die Arbeit gemacht hat?

Ich verfolge Nates Kunst schon seit ein paar Jahren und bin ein grosser Fan seines Stils. Wir haben uns sehr gefreut, als er sich bereit dazu erklärte, das Cover für „Death`s Omnipotence“ zu gestalten. Ich habe ihm also einig Demoversionen der Songs geschickt plus die Texte – er schuf aus diesen Informationen dann sein visuelles Konzept. Das Resultat könnte nicht besser sein und das Artwork passt genau zu unserer Musik und zum Gesamtthema der EP.

Die Produktion von „Death`s Omnipotence“ klingt authentisch und transparent, was nicht selbstverständlich ist. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit eurem Produzenten Marco Mastrobuono?

 

Ich hatte Marco zuvor mehrere Male getroffen, da wir gemeinsame Freunde haben. Zusammengearbeitet haben wir allerdings zum ersten Mal für „Death`s Omnipotence“. Er ist ein fantastischer Produzent und hat es geschafft, genau die Atmosphäre zu kreieren, die mir für die EP vorschwebte. Da er in Rom wohnt und ich in Stockholm, war es mehrheitlich eine Online-Kooperation. Ich nahm Parts für BLOOD WORSHIP in Stockholm auf und schickte ihm die Tracks, er „leimte“ es alles zusammen. Ich bin davon überzeugt, dass wir in Zukunft wieder miteinander arbeiten werden.

Das ist eine tolle Idee – vor allem, wenn ich an den Drumsound von „Death`s Omnipotence“ denke. Wie kam denn die Zusammenarbeit mit David Folchitto zustande?

David ist ein Freund von Marco, so wurde er sozusagen für dieses Projekt als Session Drummer “eingefangen”. Die Drums wurden in Rom aufgenommen und ich habe David währenddessen gar nie getroffen. Er hat die Pre-Production-Variante der Tracks gehört und hat dann den Aufnahmen seine eigene Handschrift verpasst mit seinem Drumming. Das Resultat hat uns voll überzeugt. Dieses Jahr habe ich David dann am INFERNO FESTIVAL in Oslo getroffen (er spielt live für FLESHGOD APOCALYPSE) und konnte ihm endlich persönlich für seine tollen Drumlines danken.

Kommen wir zu den einzelnen Songs auf „Death`s Omnipotence“. Die Texte von „A Dirge for the Damned“ erinnern mich an Dantes „Divina Commedia“. Was hat Dich zu diesen Lyrics inspiriert?

Mein letzter Versuch, Dante zu lesen, war noch zu meiner Zeit im Gymnasium – von dem her gibt es wohl keinen direkten Einfluss. Aber es gibt ein Thema, welches die Songs verbindet: das Fegefeuer; sprich der Ort, an welchem die Seelen der Toten in einer endlosen Reise gefangen sind. Sie wollen frei sein, doch diese Freiheit werden sie nie finden.

“Rites of the Inner Shrine” fokussiert ja darauf, die „anderen“ herbeizurufen. Welche Rituale sind Deiner Meinung nach in der heutigen Zeit noch wichtig?

Grossartige Frage, aber ich weiss nicht, ob ich darauf eine interessante Antwort habe. Ich würde sagen, diejenigen Rituale, die einem das Gefühl von Sinn und Zweck geben, die helfen, einen durch den Tag zu bringen. Das kann eine Tasse Kaffee sein oder das Beten zu deiner Lieblingsgottheit. Es ist für jeden etwas anderes.

Inwiefern denkst Du, dass Black Metal-Konzerte Rituale sind?

Für mich persönlich sind sie das überhaupt nicht. Ich schätze Bands, die sich voll und ganz einem Konzept verschrieben haben, und die ihre Konzerte als mehr als „nur“ eine musikalische Darbietung behandeln. Wenn es gut gemacht ist, dann ist das Konzert sicherlich eine eindrücklichere Erfahrung. Aber eigentlich bin ich wegen der Musik an einem Konzert.

Ihr benutzt auch lateinische Texte in eurem Titeltrack. Wieso gerade Horaz?

 Ich weiss nicht mehr, wie ich auf dieses Zitat gekommen bin, aber ich hatte es mir vor Jahren mal aufgeschrieben mit dem Gedanken, es irgendwann mal kreativ zu verwenden. Es war inspirierend für alle Lyrics auf dieser EP, da es den Tod als den grossen Gleichmacher zeichnet, sprich, wie uns alle dieselbe Nacht erwartet, egal, was man während seines Lebens geleistet hat.

Du spielst ja auch noch in ASTROPHOBOS. Was kannst Du bei BLOOD WORSHIP tun, was Du bei ASTROPHOBOS nicht tun kannst?

Der Kompositionsprozess bei ASTROPHOBOS ist eine Zusammenarbeit von allen drei Mitgliedern. Alle machen etwas und alle entscheiden mit – bei jedem Song. Ich mag diese Art der Zusammenarbeit in einer Band, aber ich dachte mir, es könnte mal interessant sein, etwas ganz allein zu kreieren und zu schauen, was daraus wird. Es war auf jeden Fall eine Herausforderung, da ich zum Beispiel seit etlichen Jahren keine Lyrics mehr geschrieben hatte.

Welches Album hat Dich denn ursprünglich zum Metal gebracht? Und hörst Du es Dir noch an?

Es ist schwer, nur eines auszuwählen – aber ENTOMBEDs „Wolverine Blues“ öffnete mir wohl damals die Augen (bzw. die Gehörgänge) und zeigte mir, dass es Musik gab, die härter und schneller war als, sagen wir, METALLICA. Von ENTOMBED war es nur ein kleiner Schritt für mich, den Black Metal für mich zu entdecken. Das motivierte mich dazu, mir meine erste Gitarre zu kaufen und selber anfangen zu spielen. Ich höre noch immer viel Metal, aber ich habe meinen Horizont erweitert über die Jahre und mag auch andere Musikgenres.

Sind eigentlich BLOOD WORSHIP-Shows geplant mit Session Musikern?

 Nein, und ich denke auch nicht, dass das in naher Zukunft geschehen wird.

Wenn Du freie Wahl hättest mit Session Musikern für BLOOD WORSHIP – mit wem würdest Du die Bühne teilen wollen? 

Solange man einen grossartigen Drummer hat, funktioniert der Rest. Also vielleicht Frost von SATYRICON? Er könnte es geniessen, mal wieder schnellere Musik zu spielen…

Was sind BLOOD WORSHIPs Pläne für die Zukunft?

 Das werden wir sehen. Momentan konzentriere ich mich auf das nächste ASTROPHOBOS-Album, an welchem wir schon fleissig schreiben. Danach bleibt abzuwarten, wann es mich wieder in den Fingern juckt wegen BLOOD WORSHIP!