Alt 23.12.2001   #1 (permalink)
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Kommentar zum vampster-Artikel EMPYRIUM: VÖ-Datum der Single verschoben

Hallo,


Prophecy seien größenwahnsinnig "geworden"?


Die sind schon seit geraumer Zeit komplett durchgedreht. Ich meine, nichts gegen deren Bands, es ist immer noch mein Lieblingslabel, aber dieses Gerede von "Kunst" und "Elite" und diese pseudo-intellektuelle Sprachvergewaltigung in deren Katalogen werden wirklich bald unheimlich. Dokumentiert wird das nun anschaulich durch diese völlig überflüssige Veröffentlichung einer 7". Lustigerweise boykottiertr der große Künstler "Schwadorf" dadurch ja selbst seine Kunst - es wird wohl kaum in seinem Interesse liegen, ein so ambitioniertes Projekt wie ein Album auf 3 CDs durch diese Single zu verstümmeln. Ich jedenfalls werde sie mir schon deshalb nicht kaufen.


Gruß,


Andi
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Alt 21.01.2002   #2 (permalink)
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...wenigstens findet sich auf der Künstler-Seite mitlerweile kein Ernst Jünger-Link mehr (dafür kommt man über den Umweg zu den "Kulturadvangardisten" Eis&Licht immer noch dorthin, da gehts dann gleich zu Evola...). Aufpassen Prophecy, bitte!


Gruß,

Tim
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Alt 22.01.2002   #3 (permalink)
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Btw; ich las kürzlich das Buch, "Thule. Vom völkischen Okkultismus bis zur Neuen Rechten" von Friedrich Paul Heller, Anton Maegerle. Danach war mir erst einmal einige Tage innerlich kotzübel... Das Buch handelt zwischen Verbindungen der Neuen Rechten, Neuheidnischen Gruppierungen, Okkultistischer Esoterik... ich habe hier irgendwo einen Prospekt vom Arun Verlag herumliegen, und es ist, mit dem durch dieses Buch erworbenen Hintergrundwissen über die Personalen Zusammenhänge dieser Szene, beängstigend zu sehen wie viele Autoren mit eindeutig oder auch bemüht versteckten rechtem Hintergrund sich in den Publikationen dieses Verlages scheinbar unpolitsch über heidnisch-esoterische Themen auslassen. Andererseits scheinen auch wirklich unpolitsch oder sogar linksorientierte Autoren vertreten zu sein. Die Grenzen verwischen. Auch in neuheidnischen Zirkeln besteht leider wenig Klarheit. Beispiel: Der noch von Alt-Nazis (wieder-)gegründete Armanenorden bemüht sich um Kontakte in die New-Age und Wicca Szene... Wie gesagt, nach der Lektüre war mir erst einmal richtig schlecht und ich war fast Dankbar das die Autoren ihr Augenmerk nicht auch auf die Neofolk-Szene richteten. Das Problem der Autoren ist allerdings auch ihr linksorthodoxer politischer Hintergrund, durch den sie die zweifellos horvorragend recherchierten Fakten interetieren. Die Mühe zu differenzieren machen sich die Autoren nur selten. Am Ende steht fast die unausgeschriebene Gleichung Heidentum = FASCHISMUS. Auch esoterische Denkansätze sind grundsätzlich etwas bösartiges. In diesem Zusammenhang fällt oft das Wort "Ökofaschismus". Das macht die Lektüre nicht gerade leicht verdaulich, aber der aufklärerische Wert ist immernoch immens.


Gruß,

Tim
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Alt 22.01.2002   #4 (permalink)
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Hallo,


in der Tat... ich möchte Prophecy zwar wirklich keinen rechten Hintergrund bescheinigen, aber Vertreter der "Neuen Rechten", die auch viel mit dem Neuheidentum kooperieren, gibt es natürlich in der Szene, in der Prophecy sich bewegt, darüber kann kein Zweifel bestehen. Hier wäre eine stärkere Abgrenzung in der Tat wünschenswert, immerhin werden ja auch Gruppen mit einem ganz klar rechten Ruf wie Blood Axis oder Burzum in dem Katalog verkauft, ohne sich von deren Gedankengut zu distanzieren. Das ist schon merkwürdig...


Andi
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Alt 24.01.2002   #5 (permalink)
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Antworten bitte in neuem Thread, damit das ganze nicht so mit Empyrium vermischt wird.
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Alt 24.01.2002   #6 (permalink)
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Standard Neue Rechte/Neuheidentum

Hallo Tim,


ich hatte mich bisher auch nicht sonderlich mit dem Problem Neofolk und Neue Rechte befaßt, wußte aber, daß es da einiges Bedenkliches gibt. Vor einigen Jahren habe ich mal ein Exemplar des „Moondance“-Magazins über Prophecy erstanden und war davon eigentlich sehr begeistert aufgrund der liebevollen Gestaltung und der tiefgehenden Interviews. Nun befindet sich darin aber auch noch ein Interview mit dem Gründer eines neuheidnischen Zirkels namens „Circle of Jormungandr“... das dazugehörige Photo zeigt einen jungen Mann, der in übertrieben „stolzer“ Pose vor einem Hakenkreuz-ähnlichen Symbol posiert und dessen Frisur an frühere Obersturmführer erinnert. In dem Interview gibt es dann in der Tat einige wirre und größenwahnsinnige Aussagen über den „Verfall der westlichen Zivilisation“, über irgendwelche „europäischen Werte“ und vor allem eine perverse und geradezu widerliche Verherrlichung des Krieges. In diesen Aussagen findet sich ein durch nichts als durch „das Blut“ begründete Denken von Elite, das so dermaßen großkotzig ist, daß einem selbst das Kotzen kommt.

Weiter fand ich in diesem Heft einen Nachruf auf Ernst Jünger, der derart pathetisch geschrieben ist, daß man glauben möchte, der Autor besäße einen Altar für diesen Mann. Nun habe ich vorgestern in der taz einen Artikel über eine Schriftensammlung Jüngers gefunden, in dem dieser als das enttarnt wurde, was er war - ein zutiefst konservativer, nationalistischer und antisemitischer Intellektueller, der auch gerne mal in einschlägigen Blättern durch Hetzschriften glänzte. Der Autor des Nachrufs im „Moondance“ nun nahm Jünger gegen jegliche politische Einnahme jedoch in Schutz - und hier sehe ich das große Problem im Umgang mit der sog. „Neuen Rechten“ bzw. dem Neuheidentum, so wie es auch bei Eis & Licht und einigen Neofolk-Gruppen vorkommt: Die wissen gar nicht, daß sie rechtsradikal sind. Man nennt sich in solchen Kreisen gern „unpolitisch“, distanziert sich von Neonazis, aber vertritt nichtsdestoweniger ein Gedankengut, das zutiefst völkisch und latent rassistisch und antisemitisch ist. Begründet wird diese Distanzierung dann damit, daß man „über dem Fußvolk“ sich befinde, daß man „Elite“ sei, daß man es ja gar nicht nötig habe, mit „normalen“, politischen Menschen auf einer Ebene zu leben. Der Kampf für eine „konservative Revolution“ durch „das Blut“ gegen die Verdummung der Menschen durch das Geld wird hier verherrlicht; auszuführen ist das ganze durch einen immerwährenden Krieg für sog. „westliche Werte“ - gegen wen, bleibt ungesagt, aber es liegt auf der Hand, daß hier vor allem das Judentum gemeint sein dürfte, das ja seit jeher als Handlanger des Geldes gilt. Dieser rechtsextreme Antikapitalismus verbindet sich natürlich auch mit der Forderung nach der Erhaltung der Natur - deshalb ist der Begriff „Ökofaschist“ durchaus gerechtfertigt, man schaue sich nur mal die Seiten von www.heathenfront.org an, einer Organisation, die an Widerlichkeit kaum zu überbieten ist, und die so Dinge fordert wie das Leben in Dörfern, streng nach Rassen und Völkern getrennt, als Selbstversorger. Daß diese Leute daran auch noch selbst glauben, läßt sie einen fast bemitleiden.


Wie gesagt, das Bedenkliche an dieser „intellektuellen Rechten“ ist ja wirklich, daß sie nichts mit rechten Skinheads oder alltäglichem Rassismus zu tun haben, sondern ganz klar und deutlich sagen: Wir sind die Elite, wir haben Recht; das Blut und das Volk und die konservative Revolution werden siegen über den „Verfall der Kultur“. Ein Begriff wie „Rechtsextremismus“ ist dabei halt nicht elitär genug, um aufgenommen zu werden, wie der Nachruf auf Jünger im „Moondance“ zeigt: „...Ernst Jünger stand immer weit über irgendeinem Schwarz-Weiß-Denken, weit über ‚Faschismus’ oder ‚Anti-Faschismus’, weit über ‚links’ oder ‚rechts’.“ Indem politische Begriffe hier als „Schwarz-Weiß-Denken“ diffamiert werden, grenzt man sich klar davon ab - man ist einfach elitär und hat das alles nicht nötig. Daß man selbst dabei faschistoid handelt und denkt, kann dann ja auch gar nicht mehr auffallen - diese Begriffe sind durch die Selbstdefintion als „Elite“ ja längst bedeutungslos geworden. Es zeigt sich also, daß das Denken eines solchen „Jünger-Jüngers“ viel kleinkarierter und beschränkter ist als das, was er anprangert, denn er engt es ja durch seine schwachsinnige und durch nichts als „Blut und Boden“ begründbare Ideologie einer völkischen „Elite“ selbst ein!


Wie soll man jetzt als Liebhaber von Neofolk damit umgehen... ich weiß es selbst nicht. Ich habe zunächst beschlossen, daß ich mich anderen Dingen zuwende und alles, was mir irgendwie mit „Elite“ dumm kommt, einfach auszulachen. Prophecy Productions werde ich auch weiterhin als mein Lieblingslabel angeben, weil ich denen nun wirklich nichts als Liebe zur Musik attestieren kann. Ich bin übrigens sehr gespannt auf das neue Empyrium-Album und werde auf jeden Fall ein Interview mit „Schwadorf“ machen. Ihm oben beschriebenes Gedankengut zu unterstellen, wäre übrigens billig und sollte auch unterbleiben, da ich ihn ja nicht kenne und nichts dergleichen gelesen habe. Allerdings kann ich auch bei ihm nur lachen oder betrübt den Kopf schütteln, wenn ich was von „Elite“ lese, denn „Elite“ ist durch nichts als die eigene Meinung definiert, und das sollte ein angeblich „elitärer Mensch“ schon wissen...


Grüße,


Andi

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