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Musikvideo des Monats: Mai 2010

Veröffentlicht: 03.06.2010 um 14:52 von Schaffi
Aktualisiert: 15.06.2010 um 14:29 von Schaffi
Stichworte clip, mai, musikvideo, video, videoclip



Nach dem hochkarätigen April fiel der Mai im Vergleich insgesamt etwas enttäuschend aus. Langweilige Standardvideos wohin man schaut und lange war ich mir nicht einmal sicher, ob ich aus den letztlich 44 Videos, die der Monat mit sich gebracht hatte, überhaupt fünf würdige Vertreter herauspicken könnte. Gerade in der zweiten Monatshälfte gab es dann allerdings doch noch ein paar Überraschungen, weshalb sich die finale Entscheidung doch schwieriger gestaltete als zunächst angenommen. Vorweg erst mal der Hinweis, dass die Clips von SILVERSTEIN, HELLYEAH und THE ROLLING STONES keine Beachtung gefunden haben. Der Grund natürlich die Geo-IP-Sperren - mir ist es mittlerweile auch einfach zu blöd, ewig nach einem funktionierenden Video zu suchen, das nicht nach zwölf Stunden wieder offline ist.

Wenn ich von Stangenware spreche, dann meine ich natürlich meistens diese uninspirierten Langweiler-Videos, die nichts anderes zeigen als die Band, die vor irgendeinem noch langweiligeren Hintergrund musiziert. RHAPSODY OF FIREs "Sea Of Fate" ist so ein Fall, genauso wie "White Washed" von AUGUST BURNS RED. Beide spielen vor komplett weißer Kulisse und machen es nicht gerade schwer, auf den Stop-Knopf zu drücken. Dass dann bei ersteren nach fünf Minuten weißer Farbe auch noch der Schriftzug "to be continued" auftaucht, gleicht einem schlechten Witz. Was will man denn fortsetzen? Eine Handlung gab es ja nicht. Oder ist der nächste Teil in Schwarz gehalten? So wie bei MINDSPLIT und "nME – Myself & I" eben. Spektakulärer ist das auch nicht. Die Auszeichnung für Langweiler des Monats bekommt dieses Mal im Übrigen Patric Ullaeus, der schon für viele namhafte Bands gearbeitet hat (u.a. IN FLAMES, EUROPE), in letzter Zeit aber ständig dasselbe macht. MNEMICs "Diesel Uterus" ist beispielsweise eine gewöhnliche Performance, die mit visueller Nachbearbeitung besonders hip wirken soll, in Sachen Kameraführung jedoch so ungeschickt vorgeht, dass man ständig die anderen Kameras im Bild hat. Unterboten wird er von sich selbst bei "Revolution, Baby" (SONIC SYNDICATE). Wieder ein lahmer Performance-Clip, bei dem mehr Budget in Styling und Make-Up der Band geflossen ist als in ein ordentliches Drehbuch. Auch erschließt sich mir nicht so ganz, warum die Schweden zwei Sänger haben. Der Emo im Hintergrund ist vollkommen überflüssig. Aber das nur am Rande. Ähnlich ernüchternd das Ergebnis von ACCEPT, die mit "Teutonic Terror" ein Set der Superlative aufgebaut haben. Das Resultat ist schlussendlich leider nicht mehr als heiße Luft. Man hat ein Riesenset mit Panzern und Metallschrott zugestellt, ein paar Feuer gelegt und dann dort die abgedroschensten Posen hingelegt, die der Metal zu bieten hat – inklusive dem Trommeln auf einem Metallfass. Chance vertan. Doch halten wir uns nicht zu lange mit den immer gleichen Filmen auf.
Wirkliche Akzente setzten nämlich die wenigsten, selbst wenn SCAR SYMMETRY bei "The Iconoclast" neben einer steifen Performance auch endlich mal eine rudimentäre Handlung beigesteuert haben. Ausdrücklich erwähnenswert ist das auch nicht unbedingt.

Ein totaler Reinfall ist meines Erachtens "Bone Crown" von ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY. Im Prinzip nichts weiter als aneinandergereihte Amateuraufnahmen eines Live-Konzerts, die durch den penetranten Fisheye-Effekt auch nicht besser werden. Die relativ leere Konzerthalle kann man da gut nachvollziehen. Wesentlich hochwertiger wirkt da schon EISBRECHERs "Eiszeit", das eine aufwändige Live-Aufnahme darstellt und dank der passenden blauen Ausleuchtung auch den Songtitel schön einfängt. "Faultline" ist sogar ein waschechter Live-Clip, der von einer richtigen DVD stammt. Leider hatten THE HAUNTED ein nicht gerade glückliches Händchen bei der Wahl der Location gehabt. Die Kameras sind weit vom Geschehen entfernt und durch das lahme Publikum, mag auch kein richtiges Konzertfeeling aufkommen. Da gefällt mir sogar das recht gewöhnliche "From The Basement To The Pit" von THE PROPHECY 23 fast besser. Das hat zwar nicht so schön reduzierte Farben, dafür mehr Dynamik. Das beste Live-Video haben diesen Monat aber eindeutig SOULFLY am Start. "Rise Of The Fallen" ist nicht nur aufwändig produziert und cool geschnitten, sondern hat mit Greg Puciano (THE DILLINGER ESCAPE PLAN) auch noch einen verdammt gelungenen Gastbeitrag in der Hinterhand. Die Energie des Songs kann man zu jeder Sekunde fühlen.

Ganz okay ist außerdem "Awaken" von THOSE WHO LIE BENEATH. Wirklich relevant ist die Performance im Schuppen zwar nicht, aber Schnitt und Beleuchtung lassen das Video zumindest okay erscheinen. Nicht so wie "Hammer Of The North" von GRAND MAGUS, das schlichtweg nur langweilt. Einen gelungenen Schnitt hat ferner ZERAPHINEs "Out Of Sight", das dank schöner Hintergründe sogar darüber hinwegtäuscht, dass bis auf den Sänger keiner der Musiker in eine Gothic Rock-Band zu passen scheint. Eine nette Geschichte mit tragischem Ende erzählen NEGATIVE in ihrem Video "The End Of The Line". Gelungen, aber kein Fall für die Top 5. Gleiches gilt für NICKELBACK und "This Afternoon". Ja, ich weiß, NICKELBACK...aber die Jungs beweisen hier immerhin eine Spur Selbstironie und haben einen kurzweiligen Clip von einer Gartenparty am Start, der einen den kalkulierten "Sommerhit" gern vergessen lässt.

Bevor wir nun zur Top 5 des Mai kommen, noch ein paar Worte zu weiteren gelungenen Videos. Ich spreche nicht von MUSE und ihrem "Neutron Star Collision (Love Is Forever)", das mit seinen "Twilight"-Filmschnipseln eher unfreiwillig komisch ist und mittlerweile der IP-Sperre zum Opfer fiel, sondern von einer netten Performance wie sie CANCER BATS bei "Dead Wrong" hinlegen. Das ist mir dann doch allemal lieber als ein sytlish nachbearbeitetes Video wie "Anti-Hero" von BLEEDING THROUGH, das neben ein paar Bandaufnahmen Frauen zeigt, die mit Waffen posieren. Brauch ich nicht. Da haben sich THE INTERSPHERE deutlich mehr ins Zeug gelegt, wie "Prodigy Composers" beweist. Dort wird der Songtitel schön durch ein Schicksal und die schlussendliche Konsequenz daraus visualisiert. Knapp an den besten Fünf vorbei ist außerdem "Ruination" von JOB FOR A COWBOY. Genau genommen erschien der Clip zwar schon Ende letzten Monats, aber da er mich genau einen Tag zu spät erreichte und mit seinen Filmschnipseln aus dem Atomwaffenschutzprogramm der USA wirklich gut gemacht ist, verdient er hier eine gesonderte Erwähnung.

#5 | IWRESTLEDABEARONCE - See You In Shell

IWRESTLEDABEARONCE haben aus ihrem Video zu "See You In Shell" einen kleinen Film samt vieler Einschübe gemacht. Ein High School-Ball, eine vergiftete Bowle und jede Menge Kotze spielen wohl die Hauptrolle in einem skurrilen, witzigen und ekligen Clip, der sich wohltuend von der Masse abhebt.


#4 | CIRCA SURVIVE - Imaginary Enemy

"Imaginary Enemy" ist dank teils ungewöhnlicher Einstellungen schön eingefangen und weiß nicht zuletzt dank der vermittelten Paranoia sowie den kalten Farben den eigentlichen Inhalt überzeugend in ein Musikvideo zu bannen. CIRCA SURVIVE haben sich bei dieser Arbeit definitiv etwas gedacht und das zahlt sich auch aus.


#3 | DANKO JONES - Full Of Regret

Prinzipiell hätte jedes der drei bestplatzierten Videos ganz oben stehen können. Jedes auf seine Weise. "Full Of Regret" ist ein professionell gedrehter Kurzfilm, bei dem sogar prominente Schauspieler wie Elijah Wood ("The Lord Of The Rings", "Hooligans") und Selma Blair ("Hellboy") mitgewirkt haben. Das Ergebnis ist spannend, technisch makellos eingefangen, kurz, nahezu perfekt.


#2 | KILLSWITCH ENGAGE - Save Me

Den Song an sich finde ich ja relativ durchschnittlich, das zugehörige Video "Save Me" im Stop-Motion-Stil ist dafür ungemein erfrischend. Sänger Howard Jones wird von Außerirdischen entführt und die restliche Band macht sich mit ihrem Raumschiff auf, ihren Frontmann zu retten. Humorvoll, originell und unverbraucht.


#1 | HOW TO DESTROY ANGELS - The Space In Between

Kalt, distanziert und kryptisch. Das sind die Adjektive, die "The Space In Between" wohl am besten umschreiben. Durch viele unterkühlte Makroaufnahmen wird eine Distanz zum Betrachter aufgebaut, der recht bald ein Motelzimmer zu sehen bekommt, in dem offensichtlich ein Mord stattgefunden hat. Wie es dazu kam wird in kryptischer Weise nach und nach angedeutet, ohne jedoch eine definitive Lösung zu bieten. Die Musik mutet fast wie der zugehörige Soundtrack an - Trent Reznors Handschrift ist dennoch zu erkennen. Der fast schon minimalistische Stil von "The Space In Between" ist sicherlich nicht jedermanns Sache, mich konnten der durchdachte Ansatz und die konsequente Umsetzung trotzdem diesen Monat am meisten begeistern.


Kommentare, Anmerkungen und die eigenen Favoriten sind natürlich auch diesen Monat wieder gerne gesehen. Viele weitere Videos gibt es in unserem Videoportal. Bis zum nächsten Monat!
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Kommentare

  1. Alter Kommentar
    Benutzerbild von CaptainChaos

    How to destroy angels

    Woah, was für ein großartiges Video, David Lynch würde es lieben. Der Song ist auch ziemlich cool, muss mir dringend die EP ziehen...
    permalink
    Veröffentlicht: 20.06.2010 um 12:50 von CaptainChaos CaptainChaos ist offline
  2. Alter Kommentar
    Benutzerbild von Schaffi

    How to destroy angels

    Zitat:
    Zitat von CaptainChaos Kommentar anzeigen
    Woah, was für ein großartiges Video, David Lynch würde es lieben. Der Song ist auch ziemlich cool, muss mir dringend die EP ziehen...
    An David Lynch hab ich da auch gedacht. Die EP hab ich mir auch schon runtergeladen, aber bin noch nicht zum reinhören gekommen.
    permalink
    Veröffentlicht: 22.06.2010 um 13:42 von Schaffi Schaffi ist offline
    Aktualisiert: 22.06.2010 um 14:23 von Schaffi
 
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