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Musikvideo des Monats: März 2010

Veröffentlicht: 31.03.2010 um 16:52 von Schaffi
Aktualisiert: 02.04.2010 um 12:26 von Schaffi

Ende letzten Jahres habe ich mich an dieser Stelle bereits für Kreativität beim Dreh von Musikvideos ausgesprochen. Da ich solche Clips gerne auch als Kunstform betrachten möchte und nicht nur als reines Werbeinstrument, will ich nun an dieser Stelle nicht nur die Neuerscheinungen des zurückliegenden Monats vorstellen, sondern auch die besonders gelungenen Videos der vergangen 31 Tage würdigen. Ob das ab sofort auf regelmäßiger Basis geschehen wird, oder in unregelmäßigeren Abständen, werden wir sehen.

In der Tat hielt der März einige interessante Clips für Musikliebhaber bereit. Natürlich gab es auch eine ganze Menge Durchschnittsware und handwerklich professionell umgesetzten, aber ansonsten völlig uninspirierten Einheitsbrei. Dass davon etablierte Künstler wie TRIVIUM nicht ausgeschlossen sind, zeigen sie mit ihrem Video zu "Shattering The Skies Above", das lieblos zusammengewürfeltes Studiomaterial zeigt und dessen einzige Bereicherung für mich die Erkenntnis darstellte, dass Matthew Heafy darin aussieht wie Rob Schneider. Auch CALIBAN und HIM konnten mich wenig überzeugen. Während erstere mit "No One Is Safe" ein paar Live-Aufnahmen verwursten, zeigt der sommerliche Popsong "Scared To Death" einen Ville Valo, der gut gelaunt durch die Straßen der Großstadt marschiert. Da gab es zwar schon Schlimmeres, allzu innovativ ist das aber auch nicht. Dass BARN BURNERs Live-Clip "Half Past Haggard" ebenso wenig begeistern kann, ist hinsichtlich der offensichtlichen Amateurproduktion und dem fehlenden Budget zu verschmerzen.

Was man indes mit einer Eigenproduktion erreichen kann, zeigt CALLEJÓNs "Sommer, Liebe, Kokain". Im Prinzip handelt es sich dabei zwar um einen gewöhnlichen Performance-Auftritt, dank gutem Schnitt und ausgefallener Farbgebung allerdings trotzdem sehr kurzweilig. Performance-Videos gab es übrigens auch wieder eine ganze Menge. Neben der berüchtigten Fabrikhalle bei "Beloved Vampire" von BLACK THOUGHTS BLEEDING darf man selbstverständlich ebenfalls nicht auf den strahlenden Background-Scheinwerfer verzichten, der die Kulisse von NECROPHOBICs "Revelation 666" darstellt. Eher unfreiwillig komisch sind dort übrigens die Verränkungen des Sängers, der hinter Stacheldraht auf einem Haufen Schrott seinen diabolischen Ausdruckstanz praktiziert und mich an einen gewissen ringaffinen Ex-Hobbit aus "Lord Of The Rings" erinnert. Garstig!

Dass nun auch der unsägliche Autotune-Effekt im Emocore Einzug gefunden hat, beweisen die hippen VAMPIRES EVERYWHERE mit ihrem trendy Video zu "Immortal Love". Einen Mehrwert bietet der Schminkbubi-Emoclip nicht, aber dafür die Erkenntnis, dass die deutlichsten Symptome nach einem Vampirbiss Kajal und "Smokey Eyes" sind. Da spart man sich als Frau zumindest die morgendlichen 10 Minuten vor dem Spiegel. Praktisch. Freunde von Melodic Metal sollten sich hingegen "Dying For An Angel" von AVANTASIA nicht entgehen lassen. Im Grunde keine Revolution, aber Tobias Sammet bemüht sich hier immerhin, eine Geschichte zu erzählen und hat locationtechnisch einige großartige Schauwerte zu bieten. Klaus Meine von den SCORPIONS ist übrigens auch mit dabei. Die aktuelle Top 5-Liste hat das Musikvideo aber knapp verpasst, denn die sieht für den März 2010 folgendermaßen aus:

#5 | TAKIDA - Handlake Village

Eigentlich kein atemberaubend innovativer Clip mag man sich denken. Wieso also der fünfte Platz? Nun, es liegt bestimmt nicht daran, dass der Sänger eine einsame Straße entlang läuft. Was "Handlake Village" auszeichnet, sind die atmosphärischen Aufnahmen der schwedischen Landschaft, gepaart mit dem stimmigen Farbfilter, die dem Song ein schönes Gesicht verpassen.


#4 | COHEED AND CAMBRIA - The Broken

Ganz ehrlich, eine gigantomanische Science-Fiction Schlacht habe ich bei diesem Song nicht erwartet. Umso überraschender, dass das Endergebnis, ein relativ monochrom gehaltener Renderfilm, eine ausgesprochen gute Figur macht und sogar in Verbindung mit dem Song "The Broken" funktioniert. Das Szenario und die alleinige Herkunft aus dem Computer mag nicht jedermanns Sache sein. Künstlerisch ist das Experiment aus meiner Sicht jedoch gelungen.


#3 | EX DEO - The Final War (Battle Of Actium)

Okay, jetzt wird's witzig. Im Grunde ist der Clip zu "The Final War (Battle Of Actium)" Trash pur: CGI-Hintergründe und Schiffsflotten, blutige Schlachten, die optisch und choreografisch Zack Snyders Blockbuster "300" zitieren bis kopieren, und natürlich KATAKLYSM-Frontmann Mauricio in altrömischer Kriegskluft. Allein letzteres ist ja schon zum Schießen; der Helm wohl eine Nummer zu groß. Genau deshalb hat es EX DEO aber auf das Treppchen geschafft. Man muss dieses Trash-Fest nicht mögen, aber allein mit den spaßigen Schlachtszenen und dem absolut frischen Ansatz zeigt das Video mehr Innovation als die Ergebnisse von A HERO A FAKE, CANNIBAL CORPSE und NEVERLAND in diesem Monat zusammen.


#2 | KATATONIA - The Longest Year

Der Beweis, dass wundervolle Musikvideos kein Riesenbudget brauchen. Was hier zählt, ist einzig und allein die Atmosphäre. Die Melancholie des Songs wird perfekt eingefangen und visuell umgesetzt - das alles ohne jegliche Effekthascherei, sondern mithilfe von Leidenschaft und Hingabe. In der Nachbearbeitung entstand so aus für sich genommen eher willkürlichen Bildern ein bedrückendes und doch faszinierendes Gemälde. Beeindruckend!


#1 | MADDER MORTEM - Where Dream & Day Collide

Ein wunderbares Filmchen, das Christian Ruud und sein Team da gezaubert haben. Komplett am Computer entstanden erzählt "Where Dream & Day Collide" eine abstrakte, fantasievolle Geschichte in einer eigens erschaffenen, nicht minder fantasievollen Welt. Die Qualität der Animation ist für einen solchen Musikclip erstaunlich, die Schauwerte zahlreich und enorm, das Gesamtbild absolut stimmig. Der Animationsclip mag künstlich geschaffen sein und trotzdem fühlt er sich ungemein natürlich an. Aufgrund der Liebe zum Detail und der perfekten Umsetzung ist "Where Dream & Day Collide" der rechtmäßige Sieger des Monats März.


Hättet ihr lieber ein anderes Video ganz oben gesehen? Habt ihr einen ganz besonderen Clip schmerzlich vermisst? Diskutiert doch per Kommentarfunktion einfach mit oder stöbert in unserem Videoportal nach weiteren Perlen.
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Kommentare 1

Kommentare

  1. Alter Kommentar
    Toll geschriegener Artikel!
    ich habe mir natürlich nicht alle videos angeschaut, aber 2 Sachen muss ich loswerden:
    1. Bei CALLEJÓN rockt nicht nur die Musik
    2. Beim NECROPHOBIC-Sänger fehlt wirklich nur noch ein geröcheltes "Mein Schatz", dann passt es ganz!
    permalink
    Veröffentlicht: 11.04.2010 um 18:58 von creeping death creeping death ist offline
 
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