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Die Idiotie hinter den GeoIP-Sperren

Veröffentlicht: 24.06.2010 um 14:11 von Schaffi

Kaum ein Phänomen strapaziert im gelobten Land namens Web 2.0 so die Nerven wie die mittlerweile allerorts anzutreffenden GeoIP-Sperren. Auf YouTube und MySpace gehören sie ja schon quasi zum guten Ton - man möchte sich ein Musikvideo einer Band ansehen und alles was man bekommt ist der Hinweis, dass man das nicht könne oder dürfe, da man offenbar in Deutschland wohnt. Aber das ist ja nichts Neues mehr und hat bestimmt jeder Internetnutzer schon mehrfach durchlebt. Die Frage nach dem letztendlichen Nutzen für die Initiatoren dieser Sperre bleibt jedoch. Torpediert man sich damit nicht selbst?

Klar, die GEMA will Kohle scheffeln - nicht nur mittels unverschämter Forderungen bei Live-Konzerten, sondern auch im Web 2.0. Es ist ja auch unerhört, dass Millionen Nutzer täglich kostenfrei Musik streamen und dabei keinen Cent an GEMA geschweige denn Labels entrichten. Das ist richtig, verfehlt aber den entscheidenden Punkt:

Was sind Musikvideos für die Plattenfirmen? Nein, keine Kunstform, sondern ein Werbeinstrument. Der Zweck eines Werbeinstruments ist doch eigentlich, den potenziellen Kunden auf das angebotene Produkt aufmerksam zu machen. Die Industrie weiß dies aber nun geschickt zu unterbinden, indem sie ihre eigenen Werbemöglichkeiten unterhöhlt, da sie gerne Geld dafür kassieren möchte, dass sie auf diesen Videoportalen Werbung betreibt.

Die Leute würden sich die Musik nur noch im Netz anhören, oder von dort herunterladen, anstatt sie zu kaufen, heißt es. Die Sperren seien also ein (Druck)mittel, um einen angemessenen Gegenwert zu erhalten. Dann frage ich mich allerdings, wieso ich von betroffenen Künstlern keinen einzigen offiziellen Videoclip mehr ansehen kann, dafür aber bei YouTube das komplette Album als reinen Audiostream aufrufen kann. Die werden von den Sperren nämlich in der Regel nicht erfasst und nur selten entfernt. Der Plan geht also offensichtlich nach hinten los. Zumal man selbst ohne empirische Datengrundlage ernsthaft bezweifeln darf, ob Konsumenten, die sich mit der YouTube-Qualität zufrieden geben, jemals Geld für das eigentliche Produkt ausgeben würden. Dass man besagte IP-Sperren mit wenigen Klicks umgehen kann, tut dabei nichts zur Sache. Es ist die Idiotie dieses Verhaltens an sich, die mir nicht in den Kopf will.

Wenn man mit einem Werbeinstrument wie einem Musikvideo Geld verdienen will, dann soll man es von mir aus in wirklicher HD-Qualität bei den regulären Download-Shops zum Kauf anbieten. Ansonsten bleibe man aber beim natürlichen, indirekten Weg, nämlich der Werbung für das zugehörige Produkt. Das wird nämlich niemand kaufen, wenn sich keiner davor einen entsprechenden Eindruck davon machen konnte. Und Musikvideos sind sicherlich nicht der schlechteste Weg, das zu tun - immerhin präsentiert man sich von audiovisueller Seite. Aber wie man es auch dreht, am Ende sind die Gelackmeierten die Nutzer und der Schuldige das Web 2.0, das man immer noch eisern bekämpft, anstatt es als Möglichkeit zu sehen, die man nutzen sollte. Ich für meinen Teil bin jedenfalls schon einige Male durch einen gut gemachten Musikclip auf eine vielversprechende, mir bis dato noch unbekannte Band gestoßen - und deren Veröffentlichungen im Anschluss wiederum zu meiner Plattensammlung.
Kategorie: Sonstiges, sonstiges
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