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vampster-Jahrespoll 2010 von Nihilyt

Veröffentlicht: 11.01.2011 um 19:34 von Nihilyt
Aktualisiert: 22.01.2011 um 16:42 von Nihilyt (Aktualisierung)



PERIPHERY – Periphery

Zu Beginn machten sich Irritation und Enttäuschung breit, war ich PERIPHERY doch als reine Instrumentalband gewohnt und dementsprechend voreingenommen. Aber mit der Zeit fügte sich der
supplementierende Vokalismus hervorragend ins Gesamtbild ein und diesem noch mehr Details hinzu.

Eine Musik wie ein riesiges Gemälde – stundenlang kann man davorstehen, eintauchen, in der Detailflut baden, immerzu Neues entdecken. Am 16.02.2011 überprüfe ich, ob das Zeug auch live den Popo tritt.


SOILWORK - The Panic Broadcast

SOILWORK haben sich nach dem kläglichen und schlappen Vorgänger "Sworn To A Great Divide" wieder
gefangen und ein launiges, spielfreudiges, catchy-as-shit-Album abgeliefert. Melo-Death-Pop von höchster Qualität.


ION DISSONANCE – Cursed


Mit achtsaitigen Gitarren hat man bei mir sowieso ein Stein im Brett. Und wenn dann noch solch ein Höllenritt zelebriert wird, dann liegt mein Brett mitsamt mir unter einem Geröllhaufen. Dann werde ich euphorisch und neige zu Schreierei. "Cursed", ein grandioses superschlechte-Laune-Medikament für superschlechte-Laune-Stunden, gegen diese superschlechte Dreckswelt.

Und live noch die Steigerung: ION DISSONANCE reproduzieren das Zeug mit einer beunruhigenden
Lässigkeit und einem glasklaren Sound, wie man beides so nur von MESHUGGAH kennt. Dreißig Minuten trümmerten die Jungs einem akustische Ziegelsteine in die Magengrube. Geschrieen hab' ich vor Freude. Geschrieen.


RORCAL – Heliogabalus


Wer will sich schon freiwillig in eine kalte, nasse Gruft einmauern lassen – bei lebendigem Leibe? Und wenn auch "nur" für 70 Minuten? RORCAL schaffen es, dass man sich nichts sehnlicher wünscht und sich nichts Schöneres vorstellen kann. Auch und gerade für mich als Nicht-so-sehr-Fan-von-Doom/Drone das wohl unglaublichste Album des Jahres. Pure Grabesschwärze von seiner verlockendsten Seite.





NEVERMORE - The Obsidian Conspiracy

Ich bleibe dabei: Die Herren Dane und Loomis hätten sich ihre Solo-Ausflüge sparen und alle
Energie in ein gemeinsames NEVERMORE-Album investieren sollen. "The Obsidian Conspiracy" zeigt
Seattles Finest als ausgebrannte, zahn- und ideenlose Altherren-Bande, die nur noch B-Seiten-Material produziert. Über den wohl unwiederbringlichen Verlust tröste ich mich dereinst mit den alten Alben hinweg. (Sogar mit dem Wackelkandidaten "This Godless Endeavour"!)



PENDULUM – Immersion

"In Silico" ist ja eine tanzbare Elektro-Rock-Granate vor dem Herrn. Aber mit dem kruden und schwammigen Gewurschtel auf "Immersion" haben sich die Pendler vorerst auf One-Hit-Wonder-Status zurückgestuft.





DYSRHYTHMIA - München, Feierwerk/Sunny Red, 25.06.2010

"No vocals, no breakdowns, no dancing, no fun". Okay, das mit dem "fun" verhielt sich nochmal ganz anders. "One, and two, and – tack tack tack tack" eingezählt und einen leidenschaftlichen, schweißtreibenden Jazz-Metal-Gottesdienst abgerissen. Pfeif' auf die Alben – DYSRHYTHMIA sind eine Live-Band, bei der es fetzt und rockt und groovt. Nerdige Jungs. Uneitle Jungs. Die eine Spannung erzeugen, dass sich Raumzeit und Konzertkeller verbiegen.





PSYCROPTIC - München, Feierwerk, Hansa 39, 11.09.2010

Frickel, frackel, zitzeldiflitz. Quietsch-schepper-uurghs. Technisch perfekt, aber spaßarm und unsympathisch. Zudem mit einem abgerissenen Sangeshuber, der immerzu im Kreis rumrumpelstilzte.





EVERYTHING EVERYTHING – Man Alive

Ich musste sehr lachen.







DEATHSPELL OMEGA – Paracletus

"Meine Tochter Lilith-Chantal malt so schöne Wachsmalkreidebilder. Wollen wir eines davon nicht als Covermotiv verwenden?



TOBY KNAPP - The Campaign

"Auf unseren Pflegesohn Yngwie-Kevin sind wir besonders stolz! Nun gut, besonders ästhetisch ist
es nicht, wie er als Künstler seine Vergangheit verarbeitet, allem voran das elterliche Wohnzimmer mit dem Fliesentisch und den heulender-Polarwolf-Postern. Aber er verdient gutes Geld damit. Er steht gerade mit STRATOVARIUS in Verhandlung. Das ist die Gelegenheit, auch die springender-Delfin-vor-tropischem-Sonnenuntergang-Poster-Eindrücke zu sublimieren."







3. An dritter Position eine Serie: THE WALKING DEAD, Staffel 1. Zumindest die ersten vier der sechs Episoden. Der gefühlt klimpfhundertdrölfte Aufguss der Zombie-Thematik macht nix Neues – aber alles richtig.

2. Gaspar Noés ENTER THE VOID. Was viele als anstößig, verstörend und kalkulierten Tabubruch
empfinden, ist schlichtweg ein konsequenter Film, mutig, und letzten Endes versöhnlich. Quasi der Videoclip zum Tibetischen Totenbuch. Featuring die ekligste Toilette seit TRAINSPOTTING.

1. THE ROAD, mit Viggo Mortensen. Der verdammt nochmal hoffnungsloseste und deprimierendste Film. Ever. Der "Englische Patient" unter den Postapokalypse-Szenarien. Hier scheint keine Sonne, hier wärmt kein Feuer. Der größte Liebesbeweis in dieser Ödnis ist es, seinem Kind die letzte Pistolenkugel in den Kopf zu schießen, anstatt es dem Verhungern preiszugeben. Oder gar dem Hunger marodierender Kannibalen.





DIE KOMMENDEN TAGE (Regie und leider auch Buch: Lars Kraume, der einige Episoden des tighten KDD - KRIMINALDAUERDIENSTes zu verantworten hat)

"Weltuntergang" scheint mein heimliches Lieblingsthema zu sein. Umso enttäuschender ist es da, wenn der deutsche Versuch einer filmischen Umsetzung sich am Thema verhebt. An sich selbst
scheitert. Und so entsetzlich "deutscher Film" ist. Daniel Brühl, August Diehl, Musik von WIR SIND HELDEN. Und Texte wie zum Beispiel "Lass mich los, Du verdammtes Bullenschwein!"

Dabei weiß man doch, es heißt "Sie verdammtes Bullenschwein".

Und nächsten Kinosommer: MAD MAX 3. Mit Til Schweiger.





"Ich sah auf einer Bank an der Alster eine alte, abgerissene Frau. Ich war versucht, ihr im Vorübergehen Geld zu geben. Da rief sie mir nach 'Fritz, Fritz'. Ich drehte mich um: Es war Rudolf Augstein. Eine herzzerreissende Szene."

Fritz J. Raddatz, Berliner Zeitung, 13.10.2010

* * *

SZ: [Bundespräsident Christian] Wulff scheint Ihnen als Nachfolger gut zu taugen, Herr Priol. Sie knöpfen sich gern die etwas Blässeren vor.

Priol: Ja. Das ist die große Herausforderung: einem Nichts Kontur zu geben.

Urban Priol und Erwin Pelzig, Süddeutsche Zeitung, 24.09.2010





... das Übliche: Blackjack & Nutten. Darüber hinaus: eine Kreuzfahrt auf der Gorch Fock.
Kategorie: musik
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