Jahrespoll 2010: Captain Chaos
Veröffentlicht: 08.01.2011 um 14:46 von CaptainChaos
Aktualisiert: 09.01.2011 um 12:38 von CaptainChaos
Aktualisiert: 09.01.2011 um 12:38 von CaptainChaos
Stichworte 2010, jahrespoll

Eine um mehr als die Hälfte gekürzte Auswahl dessen, was 2010 hörenswert war. Wer noch mehr entdecken will, wühlt sich bitte durch unser Archiv.

DEATHSPELL OMEGA: Paracletus
Zurecht begeistern DEATHSPELL OMEGA die gesamte Welt der extremen Musik mit dem Abschluss ihres vor sieben Jahren begonnen Zyklus. Besser und mit größerer Weitsicht kann man Black Metal nicht spielen.

THE SECRET: Solve Et Coagula
Fasst in seiner Schwärze, in seinem Pessimismus, seinem Zynismus und seinem kalten Realismus das Jahr als solches bestens zusammen. Unfassbar intensiv. Zurecht ganz weit oben.

HER NAME IS CALLA: The Quiet Lamb
Das Licht am Ende des Tunnels. Für die schönsten, aber auch dramatischsten Stunden des Jahres mit. Und die Bedeutung von "Pour More Oil" geht weit über diesen Poll hinaus. Außerdem ist Tom Morris ein absoluter Ausnahmesänger.

CELESTE: Morte(s) Nee(s)
Pessimismus die Nächste. CELESTE heben all ihre Elemente auf das nächste Level und werden immer intensiver und schmerzlicher.

RORCAL: Heliogabalus
Krasser als alle Genrekollegen, mit sagenhaft dichter Atmosphäre und purer Negativität ausgestattet. Ultrabrutal und überschwarz - die Zukunft des Doom.

THE OCEAN: Heliocentric
Teil eins des neuen THE OCEAN-Zweiteilers, stärker als "Anthropocentric" und nach kurzer Eingewöhungsphase offensichtlich das bisher stärkste Material der Berliner/Schweizer-Band.

DARK FORTRESS: Ylem
Ein zunächst spröde und kompliziert wirkendes Album, das sich, entgegen des Textkonzeptes, immer mehr ausweitet und ein eigenes, schwarzes Universum offenbart. Höchst beeindruckend.

MOUSE ON THE KEYS: An Anxious Object
Als wäre es das Natürlichste der Welt, spielen MOUSE ON THE KEYS Jazz, der durchzogen ist von Trip Hop, Post-Rock und Elektro und wirken so natürlich, dass mir die Superlative ausgehen.

SWANS: My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky
Wer weiß, hätte ich dieses Album etwas eher entdeckt, wäre es noch weiter oben gelandet. Denn leicht ist es nicht, in "My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky" hinein zu finden. Das Zeugnis eines ruhelosen, zerbrochenen Geistes. Atemberaubend.

US CHRISTMAS: Run Thick In The Night
Eine fabelhafte Mischung aus HAWKWIND, NEUROSIS, EARTH und 16 HORSEPOWER, die ebenso anstrengend wie bereichernd ist.

WITHERED: Dualitas
Eine sagenhaft animalische, aber hochintelligente Mischung aus allem, was brachial und brutal ist. Black und Death Metal gehen mit Post Hardcore und Sludge Hand in Hand. Wirklich erstklassig.

EARTHBEND: AttackAttackAttack
Die Rockplatte des Jahres mit der Textzeile des Jahres. Ein sympathisches, lockeres Album, das vor Hits und Ohrwürmern nur so strotzt.

ISLAND: Island
Überraschend ruhig, schwer kategorisierbar, tief und unberechenbar wie ein Ozean. Die lange Wartezeit auf dieses Debütalbum hat sich mehr als gelohnt.

NACHTMYSTIUM: Addicts (Black Meddle Pt. 2)
Blake Judd goes Wave. Ein nicht immer treffsicheres Album, das aber umso stärkere Hits parat hat. Allein schon wegen "No Funeral" und der wundervollen Produktion eine Erwähnung wert.

TRIPTYKON: Eparistera Daimones
Ultraheavy und enorm bösartig. "Eparistera Daimones" lässt CELTIC FROST überhaupt nicht vermissen.

Jenseits des Mülls, mit dem man sich rumschlagen muss, hier die Enttäuschungen des Jahres 2010:

OCEANSIZE: Self Preserved While The Bodies Float Up
Starke erste Hälfte, danach belangloses Progrock-Gedudel.

LENG TCH´E: Hypomanic
Das war gar nix.

Doch, 2010 war ein super Live-Jahr:
ULVER am 8. Februar in Berlin und am 23. Februar in Wien
Als hätte sich die Himmelskuppel geöffnet und das Universum mich verschluckt.
MOUSE ON THE KEYS auf dem DENOVALI SWINGFEST
Als hätte ich Beine gehabt, die niemals still stehen wollten oder konnten, Augen und Ohren, die niemals satt würden.
BARONESS am 28. Januar in München
Als hätte ich keinen Tropfen Flüssigkeit mehr im Körper gehabt, da alles ausgeschwitzt wurde.
MONARCH und TRIPTYKON auf dem ROADBURN FESTIVAL
Als hätte ich das Gewicht der Welt auf meinen Schultern gehabt.
WOLVES IN THE THRONE ROOM auf der Neudegg-Alm, Abtenau
Als wäre ich ein Teil der Erde geworden.
BLUENECK am 31. August in Freising
Als wäre ich einen Meter über dem Boden geschwebt.

Spontan fällt mir nur ein:
AUGUST BURNS RED am 27. Februar 2010 in München
Nicht nur wegen der Band, auch wegen dem Publikum
Außerdem enttäuschend:
EYEHATEGOD auf dem ROADBURN FESTIVAL
Ich will, dass es klebt und stinkt und mich runterzieht, und keine Show von besoffenen Wracks, die einen auf gute Laune machen.
SHRINEBUILDER am 15. November in München
Eine überforderte Band, deren Anblick irgendwie geschmerzt hat. Ein unsicherer Scott Kelly, ein unsympathischer Al Cisneros und die wenigstens routinierten Dale Crover und Wino sind nicht das, was man von einer Supergroup erwarten darf.

DENOVALI SWINGFEST
Gut, die Running Order wurde etwas nach hinten verschoben. Aber ansonsten ein wundervoll familiäres, stressfreies, gemütliches Festival mit fast ausschließlich tollen Bands. Daumen hoch!


CELESTE: Morte(s) Nee(s)
Ein Bild, das alles aussagt.

DRAGGED INTO SUNLIGHT: Hatred For Mankind
Justin Bartlett, der Picasso des hässlichen Undergrounds.

KVELERTAK: Kvelertak
Abermals eine faszinierende Arbeit von John Dyer Baizley.


DISBELIEF: Heal
Schöne Jubiläumsplatte, vom Artwork her leider ein Totalausfall.

VALKYRIE: Man Of Two Visions
Super retro Album, aber das Artwork...

THE ROAD
Die bleischwere Romanvorlage von Cormac McCarthy wird durch "The Road" natürlich nicht übertroffen, aber die gewaltigen Bilder und die unwahrscheinlich traurige Geschichte erzeugen das mit Abstand intensivste Kinoerlebnis des Jahres.
DER FANTASTISCHE MR. FOX
Ich mag keine Animationsfilme. Aber dank der liebevollen und detaillierten Machart, zusammen mit einer erfreulich unkitschigen Story, ist "Der fantastische Mr. Fox" in diesem eher enttäuschenden Kinojahr ein echter Segen.
LEBANON
Ein enorm klaustrophobischer Antikriegsfilm, in dem gezeigt wird, dass es keine Gerechtigkeit gibt, sondern nur Grausamkeit. Der Horror spielt sich im Panzer ab - und im Kopf. Beeindruckend und extrem traurig.
INCEPTION
Endlich mal ein Sommerblockbuster, der auch das Hirn ein wenig anspricht und daneben visuell beeindruckt. Außerdem der erste Film, in dem Leonardo DiCaprio spielt wie ein Mann, und nicht wie ein spätreifer Teenager.

VERLOBUNG AUF UMWEGEN
Ach, mal wieder Pech in der Sneak.


CULT OF LUNA: Eviga Riket
Buch, Illustrationen und Soundtrack in einem – so etwas gab es bisher noch nicht. Dazu die gelungene Novelle und die schönen Bilder, und fertig ist das einzige aus diesem Bereich, was 2010 einer Erwähnung gebührt.

DER WEG EINER FREIHEIT: Black Metal, der sich nicht an die Credos des Undergrounds halten will und gerade deswegen ganz eigene, begeisternde Wege geht.
HORSEBACK: Ein noch nie dagewesener Mix aus Folk und Drone mit Black Metal-Vocals.
KVELERTAK: Veni, vidi, vici.

PATH OF SAMSARA
ANDROID EMPIRE
BALE
SWANUSURPATION
PICTURA

Es ist immer wieder ein Vergnügen mit Robin Staps (THE OCEAN), Johannes Persson (CULT OF LUNA/KHOMA) und STEVE VON TILL aka HARVESTMAN zu sprechen. Das Kaffeekränzchen mit V. Santura von DARK FORTRESS war auch sehr angenehm.

ISIS: So traurig ich über ihren Split bin, so viel Respekt gebührt ihnen dafür, selbst zu wissen, wann der perfekte Zeitpunkt ist, Lebewohl zu sagen.
ZEITGEISTER MUSIC: Es geht auch ohne großen Vertrieb, ohne große Maschinerie im Hintergrund oder Sonstiges. Ein kleines Label von einem festen Kern, einer Handvoll visionärer Menschen.
DENOVALI RECORDS: Unglaublich, wie viele herausragende Bands dank einem Label neu und fest in meinem Herzen verankert sind. Und wie sehr die Qualität von Musik und Optik miteinander Hand in Hand gehen.

Metal. Viel zu oft kommerzialisert, harmlos, herzlos, BURZUM-sympathisierend ("schließlich muss man ja den Menschen und seine Kunst voneinander trennen" - alle anderen Bands wären von dieser dämliche Phrasen kotzende, Pharisäerpresse schlicht nicht beachtet worden) und neuerdings ohne Ronnie James Dio und Pete Steele.
Dass ein Land, in dem Religionsfreiheit und persönliche Selbstentfaltung wegen einem Einzeller wie Sarrazin eine Debatte über Überfremdung und Integration losbricht sorgt dafür, dass ich gar nicht so viel essen kann, wie ich kotzen müsste. Naja, andere Länder, wie Frankreich und die Schweiz, sind auch nicht viel besser.

Erwachsen werden, in gewisser Hinsicht. Und den Arsch hochkriegen.

HER NAME IS CALLA: Pour More Oil

Immer noch genügend Zeit für alles zu haben.

ULVER, EARTH, BLUENECK, TRAP THEM, CULT OF LUNA, BERSARIN QUARTETT, THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE. Vom Rest lasse ich mich überraschen.
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Veröffentlicht: 13.01.2011 um 20:22 von adognamedfish
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