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Alt 05.02.2001, 02:00   #2 (permalink)
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Standard Jon Schaffers Patriotismus

Hi Andi!


>Zusammenfassen kann man diesen Schwachsinn wohl mit den Worten: „Die Idee der Gleichheit aller Menschen ist toll, aber nicht wahr. Das System hier ist das beste, aber eigentlich ist es schlecht, aber eigentlich sollte es ja gut sein. Dafür steht für mich dieses Land.“ Der Mann widerspricht sich viermal in wenigen Sätzen. AUA!, kann man da nur sagen, oder aber auch: „God bless America“. Amen.


*g* Entspricht durchaus einigen der Gedanken, die mir in den Momenten durch den Kopf gingen, als Jon diese Sätze vom Stapel ließ. Es folgten übrigens noch enige andere, die ich bewußt nicht wiedergeben wollte. Ich habe lange hin- und herüberlegt, ob ich diese Passage kommentiere oder nicht und wieviel ich überhaupt davon in den Bericht aufnehme. Ich habe mich aber letztlich für einen Teilinhalt und dessen neutrale Darstellung entschieden, da ich davon ausgehe, daß sich ohnehin jeder selbst seine Gedanken zu Poltik und Weltlage macht (die USA haben sich ja seit dem Amtsantritt ihres neuen Präsidenten schon mit einigen innen- und außenpolitischen Doofhandlungen prächtigst in Szene gesetzt). Und: Mehr wäre meiner Ansicht nach wohl gegenüber Jon nicht fair gewesen. Denn eine sachliche und vor allem ausführliche Diskussion, die die Standpunkte und das Denken, das dahinter steht, voll und ganz klärt, war leider in der kurzen Zeit des Interviews nicht möglich. Und so wäre alles, was ich sonst noch in den Report aufgenommen hätte, ein wenig aus dem Kontext des Menschen gerissen gewesen, von dem die Aussagen stammen. Wie gesagt: Wäre nicht fair gewesen, denn es hätte ihn auf einige strittige Aussagen reduziert. Kommentare wollte ich im Nachhinein auch nicht einfügen, denn dazu könnte er keine Stellung beziehen. Hätte ich das Gefühl mitgenommen, Jon sei einfach nur ein dummer politischer Wirrkopf, hätte ich es wohl dennoch gemacht, aber da steckt schon mehr dahinter.


Unsere Meinungen gingen, und das war offensichtlich, bei einigen typisch amerikanischen Themen weit auseinander, ohne daß wir in unserem Gespräch eben wirklich bis ins Detail gehen konnten. Wir konnten uns aber in der kurzen Zeit immerhin darauf verständigen, daß unser biographischer und kultureller Hintergrund ein gänzlich anderer ist. Glaub` mir, Jon weiß, daß er ein "extremer" Mensch mit extremen Ansichten ist, aber er weiß auch, woher es kommt. Es hängt nicht nur mit seiner Biographie zusammnen, sondern auch mit der Tatsache, daß er sehr früh auf sich alleine gestellt war und begonnen hat, sich als Einzelkämpfer durch`s Leben zu schlagen. Er ist wohl das geworden, was man einen Egoisten nennt: Um klar zu kommen und etwas zu erreichen hat er sich Denk- und Handlungsmuster zugelegt, die sich überwiegend darum drehen, welche Entscheidung zu seinem eigenen Vorteil ist. Und das schließt das engere Umfeld ebenso ein wie das politische System, in dem er lebt. Das geht nach all den Jahren meiner persönlichen Ansicht nach zwar über einen "gesunden" Egoismus hinaus, aber wie gesagt: Er weiß wer und wie er ist und er weiß auch, wieso. Und DAS zumindest respektiere ich, wenn ich seine Meinungen und Ansichten mitunter auch nicht einmal annähernd teilen konnte. Und ich respektiere, daß er meine konträren Ansichten ebenso respektierte und sie später auch mit Humor zu nehmen wußte. Jon Schaffer ist keineswegs dumm, aber sein Lebensweg steht ihm leider hier und da im Wege. Was ich allerdings denke, ist, daß er sich längst nicht so sehr mit anderen politischen Systemen auseinandergesetzt hat, daß ersich eine so unglückliche Aussage wie (frei zitiert und etwas interpretiert) "Jedes system hat Fehler, aber von allen ist das der USA immer noch das, das am besten funktioniert" leisten sollte. Wenn ihm im Vergleich mit Deutschland lediglich die bessere "Verkehrspolitik" und die Quasilegalität von Marihuana einfällt, ist das etwas dürftig. Insofern gebe ich Dir recht: Diese Aussagen sind nicht die wohlüberlegtesten. Aber die Unkentniss bzgl. der politischen Verhältnisse in anderen Ländern (und die Anmaßung, sich dennoch ein Urteil zu erlauben) ist wohl leider etwas recht typisch Amerikanisches.


>Kann man das dann so verstehen, daß er folgendes liebt: soziale Ungerechtigkeit, arroganten Welt-Führungsanspruch, Rassismus und maßlose Dummheit in bezug auf Demokratieverständnis und „demokratische“ Wahlen, bei denen der gewinnt, der die meiste Kohle hat, die beste Show abzieht und am geilsten lügt?


Dazu muß ich allerdings sagen, daß er mich hat wissen lassen, daß er - mit Ausnahme des weltpolitischen Größenwahns der USA - sich dieser Probleme durchaus bewußt ist und sie natürlich nicht liebt.


Grüße

Ilias
 
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