WHITESNAKE: The Purple Tour [CD/Bluray]

WHITESNAKE: The Purple Tour [CD/Bluray]

Was soll man über DAVID COVERDALE schon groß sagen. Rockgeschichte mit DEEP PURPLE und WHITESNAKE hat er geschrieben, die letzten Jahre gab es nicht sooo viel Prickelndes zu entdecken. Ein Live-Album von WHITESNAKE vor wenigen Jahren hat durchaus gezeigt, dass die ganz großen Zeiten seiner Stimme vorbei sind. Unabhängig davon bleibt er natürlich gerade live ein charismatischer Frontmann. Nach dem 2015er „The Purple Album“ mit neu aufgelegten DEEP PURPLE-Klassikern folgte die entsprechende Purple-Tour mit Klassikern von eben DEEP PURPLE und einigen WHITESNAKE-Hits. Einen Mitschnitt kann man sich nun nachhause holen, auf CD, Doppel-Vinyl und wahlweise auch zum Anschauen.

COVERDALE präsentiert starke Mitmusiker

Natürlich wird hier fett aufgefahren, der Sound ist voll und differenziert, vielleicht etwas mumpfig. Ganz klar, die Herren Musiker liefern einen starken Job. Ein DAVID COVERDALE weiß schon, wen er sich an die Seite stellt. An den Gitarren Reb Beach (WINGER, DOKKEN, THE MOB) und Joel Hoekstra (TRANS SIBERIAN ORCHESTRA, NIGHT RANGER, CHER, FOREIGNER), an den Keys den Italiener Michele Luppi (VISION DIVINE, SECRET SPHERE). Die Gitarristen geben den Songs durchaus ihren eigenen Stempel und lassen immer wieder aufhorchen. Nötig wenn man sich mit den Gitarrengöttern der Originale messen lassen will. Die Rhythmsection ist ebenso stark besetzt mit Michael Devin (LYNCH MOB, JASON BONHAM´S LED ZEPPELIN EXPERIENCE) und an den Drums Tommy Aldridge (OZZY, GARY MOORE, MARS, PAT TRAVERS, MANIC EDEN). Gerade letzterer liefert einen wirklich fantastischen Job ab, da schaut und hört man auch als Gitarrist gern zu!

Starke Songs, die den Charme des Originals etwas verlieren

Über die Setlist gibt es nicht viel zu sagen. Halt Hits von DEEP PURPLE und WHITESNAKE, die für sich zeigen, an welch großen Songs er beteiligt war. Hier sollen sie modern und zeitgemäß dargeboten werden. Ein sehr dehnbarer Begriff. Soll das nun modern sein, die Songs oft diesen Tick zu schnell zu spielen, dass sie sowohl den Charme als auch den Groove der Originale verlieren? Einige der Songs gehen auf der Audio-Scheibe etwas an mir vorbei, wo ist da die Seele des Songs geblieben? „Ain´t No Love In The Heart Of The City“, nett, aber wo ist da der bluesy Touch des Originals? Der Übersong „Mistreated“ kriegt da zum Glück doch die Kurve. „You Fool No One“ kommt viel zu schnell und zappelig, auch das abschließende „Still Of The Night“. Tolle Songs, die auch hier Spaß machen, aber an die Originale für mich nicht herankommen.

Da kommt man dann auch direkt zu Herrn Coverdale. Natürlich hat er Musikgeschichte geschrieben, natürlich hat er eine starke Bühnenpräsenz und eine eigene Stimme. Die ist jedoch deutlich an ihrer Grenze angelangt. Oft genug wirkt alles sehr gepresst und überfordert. Er verdankt seinen Kollegen auf der Bühne sehr viel, die jeder für sich ein ordentliches Feuerwerk abliefern. Auch ist nicht immer klar, ob doch hier und da nachbearbeitet wurde. Aber wie gesagt, die Songs machen so Spaß, aber wirklich begeistern können sie rein beim Anhören nicht.

WHITESNAKE „The Purple Tour“ anzuschauen macht richtig Spaß

Aber… wir haben ja noch was zum Anschauen, und da liegt alles ganz anders! Schaut man sich entspannt mit Freund Jack No.7 die Show an, dann macht sich doch Freude breit! Das Visuelle überdeckt die teils etwas hektische Präsentation der Songs etwas. Dafür bekommt man eine Band, der es schlichtweg Spaß macht zuzuschauen. DAVID COVERDALE hat immer noch die Ausstrahlung, die man als Rockstar der 70er braucht. Seine Musiker wirken durchweg sympathisch und ihnen bei der Arbeit zuzuschauen macht ebenfalls Spaß. Hier wirken die Songs durchaus stimmiger und es ist ein Vergnügen, die Show anzuschauen. Eben auch weil alle Musiker wirklich gut sind, und wieder allein Drummer Tommy Aldridge zuzuschauen ist ein Fest. Sooo jung ist der Mann auch nicht mehr, wird im Sommer zarte 68. Da merkt man nichts von! Und ja, so verpasst einem dann „Soldiers Of Fortune“ doch die übliche Gänsehaut, geht doch!

Die Bluray enthält zudem vier Audio-Tracks im schicken 5:1 Sound. Dazu gibt es ein Video zur Neuaufnahme von „Burn“, das durchaus mal wieder Lust macht DIABLO zu zocken. Basser Michael Devin interviewt unterhaltsam die Gitarristen Reb und Joel. Das Digipack ist nett aufgemacht, enthält ein kleines Booklet mit Credits und Liner Notes.

Wenn dann mit Blu-ray oder DVD!

Lässt man mal den ersten Eindruck der Livescheibe außen vor, so macht „The Purple Tour“ doch mehr Spaß als anfangs erwartet. Und das anfängliche Genörgel weicht dann doch der Zufriedenheit. Klar, COVERDALE zeigt Schwächen, darf er sicher auch mit 66 Jahren. Aber er hat die passende Band an seiner Seite, er hat die großen Songs, und er hat seine mitgereiften Fans, die ihm eh die Treue halten. Zumindest die sollten auch „The Purple Tour“ mitnehmen. Das dann aber definitiv mit der Show auf dem heimischen Fernseher, da gern laaaaaut! Dann macht es richtig Spaß!

Blu-ray Disc:
Sound:Dolby TrueHD 5.1 Surround/48 kHz-24Bit Linear PCM Stereo (LPCM)
Bild:1080i HD & 1080p HD(Bonus)/NTSC
Ländercode:A,B,C

Veröffentlicht: 19.01.2018

Spielzeit: 74:43 Min., Blu-ray- ca. 1130 Min.

Lineup:
David Coverdale – Vocals
Reb Beach – Guitars (WINGER, DOKKEN, THE MOB)
Joel Hoekstra – Guitars (TRANS SIBERIAN ORCHESTRA, NIGHT RANGER, CHER, FOREIGNER)
Michael Devin – Bass (LYNCH MOB, JASON BONHAM´S LED ZEPPELIN EXPERIENCE)
Michele Luppi – Keyboards (VISION DIVINE, SECRET SPHERE,
Tommy Aldridge – Drums

Label: Rhino Records / Warner

Website: https://whitesnake.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Whitesnake.official

Die Tracklist vom „The Purple Tour“ 2Disc-Set:

Live-CD:
1. Burn
2. Bad Boys
3. Love Ain´t No Stranger
4. The Gypsy
5. Give Me All Your Love
6. Ain´t No Love In The Heart Of The City
7. Mistreated
8. You Fool No One
9. Soldier Of Fortune
10. Is This Love
11. Fool For Your Loving
12. Here I Go Again
13. Still Of The Night

Bluray:
1. Burn
2. Bad Boys
3. Love Ain’t No Stranger
4. The Gypsy
5. Give Me All Your Love
6. Ain’t No Love In The Heart Of The City
7. Mistreated
8. You Fool No One
9. Soldier Of Fortune
10. Is This Love
11. Fool For Your Loving
12. Here I Go Again
13. Still Of The Night
14. Burn (Music Video)
15. On The Hot Seat with Michael Devin (Interview)
16. You Keep On Moving – Live
17. Lay Down Stay Down – Live
18. Lotsanotes – Live
19. Stormbringer – Live

Teilen macht Freude:

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!