WHITESNAKE: Forevermore

WHITESNAKE: Forevermore

Tja, die Rock-Dinos, jeder mag sie, und die Alt- und Wochenendrocker kaufen brav ihre CDs, als würde es keine jungen Bands geben. Wer die Rockmusik damals mitgeprägt hat, der darf auf seine Fans zählen. Dieses Glück hat auch David Coverdale, als Sänger 1973-76 bei DEEP PURPLE mit den Alben Burn und Stormbringer und dann mit  WHITESNAKE  hat der Engländer sein eigenes Stück Rockgeschichte geschrieben. Nun also steht deren elftes Studioalbum Forevermore an, für das Coverdale wieder mal namhafte Kollegen hinter sich hat.

Das magere letzte Album Good To Be Bad gilt es zu toppen, was allerdings nicht wirklich schwer sein sollte mit Leuten wie eben Coverdales langjährigen Songwriting-Partner Doug Aldrich und Reb Beach (WINGER, ALICE COOPER) an den Gitarren, Schlagzeuger Brian Tichy (OZZY OSBOURNE, BILLY IDOL, FOREIGNER) und Michael Devin (LYNCH MOB) am Bass. Klang der Vorgänger noch gezwungen modern und hart, so zieht Forevermore einen schlüssigen Kreis aus der musikalischen Bandgeschichte. Als Opener gibt es gleich einen zündenden bluesigen Rock`n´Roller, der an den früh-80er Boogie-Rock der Band erinnert und schnell gute Laune verbreitet. All Out Of Luck kommt energisch und recht zeitgemäß, ebenso die knackige erste Single Love Will Set You Free. Wer im CD-Markt seines Vertrauens kurz rein hört, der wird also begeistert zugreifen. Zuhause wird er dann feststellen, dass die nette Ballade Easier Said Than Done nun mal kein Here I Go Again, das schunkelige One Of These Days mit SMOKIE-Touch kein The Deeper The Love ist. Oder dass die Rocker durchaus kurzfristig Spaß machen, an die Highlights der bluesigen Zeiten oder des edlen Stadion-Rock von 1987 aber absolut nicht heran reichen. Hier und da gibt es wieder ein LED ZEPPELIN-Zitat, noch einen Schunkelrocker, der auch im Golf-Club niemanden erschrecken wird. So startet man mit den ersten Songs wirklich gut durch, um dann ein ordentliches, aber unspektakuläres Standardprogramm zu bieten, das die Fans weitestgehend zufrieden stellen wird. Wirklich aufhorchen wird man erst zum Schluss, der episch-balladeske Titelsong erweist sich als wirklich starke Nummer mit reichlich LED ZEPPELIN-Feeling.

Neben ein paar starken Soli zeigen sich die Gitarren recht zurückhaltend und songdienlich, auch die anderen Kollegen beschränken sich auf solide Qualitätsarbeit, sie wissen halt, wie so was gemacht wird. So steht wieder mal Herr Coverdale im Rampenlicht, der klingt durchaus mal recht gut, aber sorry, seine Stimme hat die besten Tage leider hinter sich. Vieles klingt gepresst und angesträngt, so manchen gequälten Schrei möchte man live dann doch nicht hören müssen, das Album wird ja mit einer ausgedehnten Welttournee gefeiert. Natürlich hat er das nötige Charisma, um seine Fans trotzdem glücklich zu machen. Aber seine großen Tage sind unüberhörbar vorbei, mir persönlich macht es mehr Spaß, seinen Musikern bei ihrer coolen Arbeit zuzuhören.

Als echter Fan kann man zugreifen und wird zufrieden sein, vor allem im Vergleich zum 2008er Good To Be Bad. Wer sich (noch) nicht dazu zählt, der sollte lieber zum edlen 1987 und/oder bluesigen Oldie-Scheiben wie Come An´ Get It greifen oder noch besser bei den jungen Bands stöbern, die mit Leidenschaft und Energie ihren Hard- und Melodic-Rock spielen und nicht auf gute, aber letztendlich gewohnte Routine setzen.

Veröffentlichungstermin: 25.03.2011

Spielzeit: 63:13 Min.

Line-Up:
David Coverdale – Vocals
Doug Aldrich – Guitars
Reb Beach – Guitars
Michael Devin – Bass
Brian Tichy – Drums
Timothy Drury – Keyboards

Produziert von David Coverdale, Doug Aldrich, Michael McIntyre
Label: Frontiers Records

Homepage: http://www.whitesnake.com

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/whitesnake

Tracklist:
1. Steal Your Heart Away
2. All Out Of Luck
3. Love Will Set You Free
4. Easier Said Than Done
5. Tell Me How
6. I Need You (Shine A Light)
7. One Of These Days
8. Love And Treat Me Right
9. Dogs In The Street
10. Fare Thee Well
11. Whipping Boy Blues
12. My Evil Ways
13. Forevermore

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Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!