VERMIN: Illumination [Eigenproduktion]

VERMIN: Illumination [Eigenproduktion]

Kinogänger, die regelmäßig so genannte Sneak Previews besuchen, werden sicherlich schon festgestellt haben, dass es in solchen Vorstellungen meist grottenschlechte, überraschend gute oder auch völlig außergewöhnliche Filme zu entdecken gibt, die man sich sonst nie im Leben angesehen hätte. So sammelt man praktischerweise des Öfteren völlig neue Eindrücke und es kann unter Umständen sogar dazu kommen, dass sich der geneigte Rambo-Freak oder Hobby-Freddy plötzlich mitten in einer Liebeskomödie wiederfindet und sich völlig erschrocken die Tränen aus dem Gesicht wischt, während der Alien-Fanatiker beim neuen Pixar-Film völlig begeistert im eigenen Sitz auf- und abspringt. Im Grunde verhält es sich beim so genannten Zwangsverteilen von Promo-CDs, die – aus welchem Grund auch immer – über einen längeren Zeitraum keinen Rezensenten ihres Vertrauens gefunden haben, recht ähnlich, jedenfalls wäre mir VERMINs Illumination ohne diesen schmerzfreien Tritt in den Hintern mit großer Bestimmtheit auch an selbigem vorbei gegangen.

Müsste ich das Album in eine der eingangs erwähnten Kategorien einordnen, so wäre das Prädikat völlig außergewöhnlich wohl am treffendsten, denn die Stuttgarter haben auf ihrer aktuellen Eigenproduktion so ziemlich alles zu bieten, was man sich als Fan von Hardrock, Melodic Rock oder, wie es die Band selbst formuliert: Party/sad(new/evtl.hard)classicgloomrock/punk/metal(teilweise)mitkeyboardmitballadrelaxelements+gothic nur so ausmalen kann. Selten haben Songtitel wie Insane, Blues´N´Roll oder Hit den Grundsonor der jeweiligen Songs derartig plakativ und gleichzeitig treffend beschrieben. So steckt hinter dem Opener ein völlig abgedrehtes Hirngespinst, das zunächst recht melodisch und entspannt anmutet, plötzlich in eine aberwitzige Basslinie mündet und schließlich wieder mit einem catchy Refrain aufwartet. Beim Mainstream-lastigen Hit stellt sich die Bindung des Titels zur Musik sogar als noch enger heraus, denn tatsächlich ist dieser Song unweigerlich der herausstechende Song von Illumination geworden. Anfangs noch hin und wieder an MARYLIN MANSONs Version von Sweet Dreams erinnernd, rockt sich besonders der Refrain (mit großartigen Backingvocals) schnell ins Rezensentenherz und es fallen besonders die charakteristischen Stimmen von Sängerbassist Sascha Kurz und Frontklampfer Dieter Pikulski auf. Doch nicht nur oberflächlich kann der Gesang glänzen, bei ausgetüftelten Genre-Mixern wie Another 1000 Years erschafft das Sängerduo eine herrliche Symbiose aus eigener Vielseitigkeit und technischer Präzision und hätte ich die Möglichkeit, würde ich diese Männer zweifelsohne mit sofortiger Wirkung in die deutsche Allstar-Riege befördern. Schade ist nur, dass der Gesang durch die häufig banalen Texte nicht selten ins Lächerliche gezogen wird. Eine augenzwinkernde Ballade wie Get Drunk ist zwar lieb gemeint, kann aber spätestens beim Refrain ein skeptisches Stirnrunzeln nicht so recht vermeiden. Nein, in puncto textlicher Umsetzung hapert es bei den rein technisch durchaus akzeptablen Musikern – die übrigens nebenbei noch als Eventmanager bei VERMINROCK tätig sind – noch gewaltig und ich kann lediglich beim obercoolen Hassbrocken Closed Eyes nicht über den Text selbst, sondern tatsächlich über seinen gewollten Sarkasmus schmunzeln.

Unterm Strich ist Illumination also recht differenziert zu betrachten. Klar, eine musikalische Meisterleistung ist der überaus sympathischen Band auf ihrem Debütalbum nicht gelungen. Doch zumindest kann man den satten 14-Tracker als ersten Gehversuch einer überaus viel versprechenden Kapelle betrachten, die schon jetzt durch ihre äußerst hohe musikalische Bandbreite sowie durch unbändige Kreativität überzeugt und möglicherweise noch zu großen Leistungen imstande ist. Ich bin jedenfalls einmal gespannt, wie sich die Band, der ich live einen hohen Spaßfaktor zutraue, auf dem BANGING THE X-MAS TREE 2005 schlagen wird. Interessierte sollten schon einmal die offizielle Homepage der Truppe anklicken und sich die schick aufgemachte Eigenproduktion nach Hause holen… Bleibt zu hoffen, dass die nächste VERMIN CD nicht zwangsverteilt werden muss!

Veröffentlichungstermin: 2004

Spielzeit: 52:06 Min.

Line-Up:
Sascha Kurz – vocals, bass

Severin Bathelt – drums

Dieter Pikulski – vocals guitar

Produziert von Vermin und Decode Music
Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.verminrock.com

Tracklist:
01. Insane

02. Reflection

03. Times

04. Big Deal

05. Hit

06. Another 1000 Years

07. Get Drunk

08. Demon in You

09. Scare for Free

10. Creeping Madness

11. Bondage

12. Closed Eyes

13. B.D.T.D.

14. Blues´N´Roll

Teilen macht Freude: