VALLENFYRE: Splinters

VALLENFYRE: Splinters

Zugegeben, meine Zuneigung zu VALLENFYRE hat ein wenig durch den hundsmiserablen Auftritt gelitten, den ich vor zwei Jahren von ihnen gesehen habe. Zu sagen, dass Greg Mackintosch kein guter Frontmann ist, ist noch das Netteste, was mir zu deren Show auf dem SUMMER BREEZE 2012 einfällt. Ja, ich mag das Album A Fragile King, mit seiner ungestümen Herangehensweise an Death Metal, Doom und Crust der frühen Neunziger wirklich, vor allem aber, weil es beinahe komplett aus dem Nichts kam und angenehm überrascht hat. Splinters hat es da weniger leicht: Das Überraschungsmoment ist nicht mehr auf VALLENFYREs Seite, die Briten sind vorhersehbar geworden. Zeit, Greg Mackintosch und seine Kollegen endlich subjektiv zu betrachten.

Es ist natürlich ein schwieriges Album, mit dem VALLENFYRE da zu kämpfen haben. Da ist es besser, ohne Netz und doppelten Boden zu agieren: Splinters bedeutet, dass die Hosen herunter gelassen werden. Wie erwartet wird die Mischung, die schon auf dem Debütalbum so charmant war, fortgeführt, mit derben, krachenden Riffs, modrigen Leadgitarren, Mackintoshs tiefem, aber eintönigen Geröchel, mit schleppend langsamen Momenten, mit Uptempo-Rhythmen und immer wieder eingesetzten Blast Beats. Akzente kann das keine setzen, in einer Zeit wo jede zweite Combo so klingt. Also müssen VALLENFYRE durch das Songwriting aus der Masse hervorstechen. Und tatsächlich, einige der elf Nummern sind kleine, dreckige Hits, vor allem wenn es flott wird: Scabs, Instinct Slaughter, Savages Arise, Aghast, The Wolves Of Sin und Thirst For Extinction sind keine Songs für die Ewigkeit, werden keine künftigen Generationen prägen, gehen aber schnell ins Ohr und machen auf morbide Art und Weise sehr viel Spaß.

Mut beweisen VALLENFYRE dennoch in gewisser Weise: Bereits mit dem zweiten Song Bereft ist ein Stück enthalten, dass wie eine Neuauflage von altem PARADISE LOST-Material klingt und schon zu Beginn Splinters etwas ausbremst – danach wirkt der Vollgassong Instinct Slaughter aber gleich noch brachialer. VALLENFYRE untermauern, dass man wildes Gebolze problemlos mit songschreiberischer Sorgfalt verbinden kann. Durch die Zusammenarbeit mit Produzent Kurt Ballou, der VALLENFYRE seinen typischen Sound verpasst hat, ist Splinters auch klanglich absolut brutal und kompromisslos. Greg Mackintosh und seine illustren Freunde hinterlassen mit ihrem Zweitwerk jede Menge verbrannte Erde, haben ein pechschwarzes, böses Album geschaffen, das allerdings nicht ganz auf einer Ebene mit A Fragile King steht und verglichen mit Blissfucker von TRAP THEM heuer nicht an vorderster Krawallfront steht. Wer einen gelungenen Ausflug in die musikalisch radikalen Frühneunziger machen will, wird von VALLENFYRE hingegen nicht enttäuscht.

Veröffentlichungstermin: 9. Mai 2014

Spielzeit: 43:12 Min.

Line-Up:
Greg Mackintosh – Vocals, Lead Guitars
Hamish Glencross – Rhythm And Lead Guitars
Scoot – Bass
Adrian Erlandsson – Drums

Produziert von Kurt Ballou und VALLENFYRE
Label: Century Media Records

Homepage: http://www.vallenfyre.co.uk

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/vallenfyre

Tracklist:
1. Scabs
2. Bereft
3. Instinct Slaughter
4. Odious Bliss
5. Savages Arise
6. Aghast
7. The Wolves Of Sin
8. Cattle
9. Dragged To Gehenna
10. Thirst For Extinction
11. Splinters

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