VALLENFYRE: Fear Those Who Fear Him

VALLENFYRE: Fear Those Who Fear Him

 Dieses Album geht durch Mark und Bein – doch VALLENFYRE benutzen kein blitzendes Chirurgenskalpell, das mühelos durchs Fleisch gleitet. Nein, in ihrem düsteren, moderndem Kellerverlies gibt es nur alte Sägen, deren rostige Zähne Fetzen aus der Haut reißen, Messer mit stumpfen, schartigen Klingen, Haken und Nadeln, deren Spitzen schon vor langer Zeit abgebrochen sind. Mit dem dritten Album hat die Band um PARADISE LOST-Gitarrist Greg Mackintosh, ex-MY DYING BRIDE-Gitarrist Hamish Glencross und dem neue Drummer Waltteri Väyrynen wieder einen stinkenden, fiesen, absolut gewaltbereiten Bastard aus Old School-Death Metal (die hässliche Sorte von Bands wie AUTOPSY sowie die ganz frühe Schweden-Schule), Crust und Death Doom zusammengeflickt. Und der bahnt sich seinen Weg, unaufhaltsam, mit starrem Blick und Üblem im Sinn.

„Fear Those Who Fear Him“ hat diesen sägenden, knochentrockenen und hypnotischen Klang  des Old School Death Metals

„Messiah“ könnte gut und gerne dreißig Jahre auf dem verkrüppelten Buckel haben, wäre da nicht dieser unfassbar geile Gitarrensound. So klingt ein HM2 im Jahr 2017 – produziert hat das Album wieder Kurt Ballou. Wie bei „A Fragile King“ von 2011 und „Splinters“ von 2014  hat er VALLENFYRE wieder diesen sägenden, knochentrockenen und hypnotischen Klang verschafft, der den Death Metal in den frühen 90ern definierte – und ihm gleichzeitig genug Druck mitgegeben. Das klingt alles quicklebendig und nicht wie eine dreißig Jahre alte Platte, die man eben mal kurz entstaubt und aufgelegt hat.

„Degeneration“ ist der bei VALLENFYRE obligatorische Schlenker in Richtung Crust. Dass Mackintosh großer AMEBIX-Fan ist, hat er nie verleugnet, hier erweist er den Gründervätern des Crustpunks um Rob Miller einmal mehr eine Referenz, das gab’s auf „Splinters“ mit dem grandiosen „Odious Bliss“ schonmal.

VALLENFYRE zitieren auf „Fear Those Who Fear Him“ doe ganz großen Bands

„An Apathetic Grave“ ist zähflüssig, klebrig und stinkend wie heißer Teer – und ebenso hartnäckig und beständig. Dieser Songs hätte auch auf das erste MY DYING BRIDE-Album gepasst. Das nicht mal zwei Minuten lange „Nihilist“ erinnert nicht nur wegen des Titels an die Frühwerke der großen schwedischen Death Metal-Bands, die Briten packen aber noch eine zusätzliche Schippe Kohlen ins Feuer.

Mein Highlight neben „Degeneration“: „Amongst The Filth“ nimmt das Tempo raus und ist dadurch ungleich brutaler also die Uptempo-Nummern. Genauso gut: „The Merciless Tide“, in dem Mackintosh einmal mehr das Kunststück vollbringt, eines seiner frühen PARADISE LOST-Trademarks, also eines dieser schaurig-schönen Gitarrenleads unterzubringen – der Song erinnert nicht nur deshalb an „Cathedrals Of Dread“ vom Debüt. „Cursed From The Womb“ dürfte der düsterste alles VALLENFYRE-Songs sein. Er schleppt sich sechseinhalb Minuten dahin und definiert so die berühmte „gefühle Ewigkeit“.

Greg Mackintosh gibt seiner Vision einer Hölle eine Stimme

Nicht nur das Songwriting der akribisch zusammengesetzten Tracks macht das Album so faszinierend und so zwingend. Mackintosh gibt seiner Vision einer Hölle eine Stimme – und hat dabei durchaus einen eigenen Stil gefunden, von ihm hört man hier keine keine Growls, das sind klar artikulierte Worte und Sätze. Bedrohlich. Und mit hohem Wiedererkennungswert – das muss man in diesem Genre erstmal schaffen.

Spielzeit: 39:00

Tracklist:
    Born To Decay
    Messiah
    Degeneration
    An Apathetic Grave 5. Nihilist
    Amongst The Filth
    Kill All Your Masters
    The Merciless Tide
    Dead World Breathes
    Soldier Of Christ
    Cursed From The Womb 12. Temple Of Rats

Label: Century Media

Besetzung:
Greg Mackintosh – Vocals / Gitarre
Hamish Glencross – Gitarre / Bass
Waltteri Väyrynen – Drums
Sam Kelly-Wallace – Gitarre (live)
Chris Casket – bass (live)

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andrea

Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin…