VALKYRIE: Shadows

VALKYRIE: Shadows

Es wäre ein Jammer gewesen, wenn VALKYRIE es nicht noch einmal versucht hätten. Die Heavy Metal-Band der Gebrüder Adams legte vor fünf Jahren ein schönes Album vor, das THIN LIZZY-Fans begeistern konnte, auch trotz kleiner Schwächen. Ob es an der momentanen BARONESS-Kreativpause liegt, dass VALKYRIE nun den Nachfolger zu Man Of Two Visions realisieren, das sei dahin gestellt. Fakt ist jedoch, dass Shadows ein wunderbares Album geworden ist, das zeitlosen Heavy Metal bietet, wie frisch aus den 1970ern in die Jetztzeit transportiert. Und alles ist dabei, was 2010 schon den Ohren geschmeichelt hat: Die schweren Riffs, die unglaublich guten zweistimmigen Gitarrenläufe, der etwas schiefe, aber leidenschaftliche Gesang, die groovige Rhythmuseinheit – und natürlich das Gespür für packendes Songwriting.

Sieben Songs lang beweisen VALKYRIE, dass sie zu den richtig guten Bands im Genre gehören, und dass auch nach so vielen Jahren der Hochphase dieser Musik immer noch neues, Relevantes geboten werden kann. Weniger wegen der Originalität oder der Eigenständigkeit, viel mehr wegen seiner Epik, die nie ins Pathos abdriftet. Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen Man Of Two Visions und Shadows: Im Jahr 2015 sind VALKYRIE viel doomiger und weniger flott unterwegs. Mountain Stomp ist zu Beginn zwar noch mit einigen Uptempo-Stellen ausgestattet, doch danach gibt es viele atmosphärische Songs zu hören, wie das schöne Temple mit seinem fantastischen Intro, Wintry Plains mit seinem atemberaubenden Mittelteil inklusive erstklassiger Basslinie, und das zwischen Melancholie und Power pendelnde Echoes (Of The Way We Lived) eindrucksvoll belegen. Besonders gelungen ist aber vor allem ein Stück: Das abschließende Carry On endet mit einem derart epischen Finale, dass VALKYRIE sich hiermit ein kleines Denkmal setzen.

Instrumental gesehen ist Shadows ebenso gut wie sein Vorgänger, doch in Sachen Songwriting haben VALKYRIE noch eine Menge dazu gelernt. Wo bei anderen Bands kleinere Längen entstehen könnten, reißen die vier Musiker aus Virginia gekonnt das Ruder herum und geben dem Song eine neue Richtung, ohne dabei gekünstelt zu wirken. Dabei spielen die Gitarren eine absolut tragende Rolle, der Gesang verkommt oft zum Beiwerk, außer in manchen Refrains, wie bei Wintry Plains. Bei Shadow Of Reality wird deutlich, dass dies nicht zwingend ein Nachteil ist. Die zweite, rein instrumentale Hälfte des Stücks gehört zu den am stärksten mitreißenden Momenten des Albums. Da VALKYRIE ihre Songs derart gut im Griff haben, sind auch die Längen von bis zu sieben Minuten pro Song absolut unproblematisch, mehr noch: Sie geben ihrer Musik den nötigen Raum zur Entfaltung.

Shadows ist ein herausragendes Heavy Metal-Album, das sich weder an die Momentane Psychedelic-Welle anbiedert, noch stumpf die Heldentaten von PENTAGRAM und Konsorten kopiert. Mit einer großen Menge Leidenschaft und Liebe zum Detail haben VALKYRIE ein beeindruckendes Album erschaffen, das für eine Dreiviertelstunde zur Realitätsflucht einlädt und dank seiner rauen und authentischen, aber dennoch druckvollen Produktion von Sanford Parker und dem schönen Artwork zu einem großen Ganzen wird. Shadows ist ein großer Schritt nach vorne für VALKYRIE und für Freunde von Heavy Metal der Siebziger und Doom der Achziger absolut zu empfehlen.

Veröffentlichungstermin: 15. Mai 2015

Spielzeit: 42:37 Min.

Line-Up:
Jake Adams – Guitars, Vocals
Pete Adams – Guitars, Vocals
Alan Fary – Bass
Warren Hawkins – Drums

Produziert von Sanford Parker und VALKYRIE
Label: Relapse Records

Homepage: http://valkyrieband.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/thevalkyrierides

Tracklist:
1. Mountain Stomp
2. Golden Age
3. Temple
4. Shadow Of Reality
5. Wintry Plains
6. Echoes (Of The Way We Lived)
7. Carry On