V.A.: The Reaper Comes IV

V.A.: The Reaper Comes IV

Auch wenn sich bei Bravo-Abonnenten und MTViva-Jüngern nach wie vor bei dem Wort Metal sofort die kurzen Haare sträuben und diese Leute den Schwarzmetall als schlichtes Synomym für Krach und Satanismus abtun, konnten diverse Metalbands in den letzten Jahren erstaunliche kommerzielle Erfolge einräumen. Ob es nun die Melodische Schiene mit Bands wie WITHIN TEMPTATION oder NIGHTWISH, die düstere Fraktion mit CRADLE OF FILTH oder der ohnehin eher massentauglichen Nu-Metal (SLIPKNOT, LOST PROPHETS) war – alle diese Acts haben den Metal jüngst durch ihre Charteinstiege wieder Medienpräsent gemacht und waren in diversen TV-Sendungen zu bestaunen – vielleicht erinnert sich noch jemand an den Auftritt von MANOWAR bei Stefan Raab, der Puristen und Die Hard-Metallern wohl den Magen um mindestens 180 Grad herumgedreht haben dürfte. Zugegeben, es bricht beim treuen Fan schon eine kleine stählerne Welt zusammen, wenn man sich in die glorreichen Zeiten von Tony Iommi und Randy Rhoads zurückversetzt, während man beim Durchzappen plötzlich auf den Madman im Fernsehzirkus The Osbournes stößt – es geht dem Nostalgisten schon ans Herz, wenn er sein Jugendidol Jimmy Page plötzlich neben einem amerikanischen East-Coast Rapper mit Goldkettchen wieder entdecken muss.

Doch sollte man den Kopf nicht in den Treibsand stecken, wenn man vom opportunistischen Verhalten dieser selbstbetitelten Größen die Nase gestrichen voll hat, denn glücklicherweise gibt es neben der viel gescholtenen Kommerzialisierung auch noch einige Lichtblicke in der Szene, insbesondere im dicht besiedelten Underground. Ohne überhaupt die Unterstützung eines Labels zu besitzen, liefern uns selbstlose Kompilatoren mit The Reaper Comes IV einen sympathischen Gegenpol zu METALLICA und Co.: Der wunderschön aufgemachte Sampler bietet einen ausführlichen Einblick in den aktuellen Stand der Szene und fungiert dabei als hervorragende Plattform für herrenlose Bands, die vielleicht in den nächsten Jahren zu festen Größen im Metalbereich zählen dürften. Sehr löblich, dass man trotz der mangelnden finanziellen Hilfe beim Artwork wirklich keine Mühen gescheut hat, der prall gefüllten CD sogar noch ein umfangreiches Booklet mit Infos über sämtliche Bands beilegt und den ganzen Brocken schließlich für spottbillige 6,66 Euro über das Internet verhökert.

Auch in musikalischer Hinsicht ist dieser Tonträger sein Geld absolut wert, denn unter den 14 vertretenen Bands tummeln sich nicht nur sehr viele ungeschliffene Rohdiamanten, sondern es finden sich ebenso diverse Acts, die schon auf dem Sprungbrett zum Plattenvertrag stehen und in ihren Fankreisen schon wie Helden abgefeiert werden. DAVIDIAN, EQUILIBRIUM oder auch ABANDONDED – diese Namen hat man allesamt schon des öfteren gehört und die Musiker vielleicht auch schon live bestaunen dürfen, jedenfalls sind diese Combos in ihren Sparten allesamt Hoffnungsträger und können dies auch auf The Reaper Comes IV einmal mehr untermauern. Neben dem durch die Bank guten bis sehr guten Songmaterial besticht der Sampler insbesondere durch die intelligente Zusammenstellung, denn trotz stilististischer Vielfalt – sämtliche relevante Strömungen sind nämlich auf der CD vertreten – entwickelt der Tonträger mit der Zeit einen ganz eigenen düsteren Flair und man hat zu keiner Sekunde das Gefühl, dass hier irgendetwas nicht zusammenpassen könnte. Es sollte also niemanden stören, dass sich hier sowohl Black Metal-Bands (NORDAFROST) als auch Thrash-Combos (ABANDONED) sowie Power Metal-Kapellen (EDGE OF THORNS) in unregelmäßigen Abständen abwechseln.

Als einzigen Minuspunkt könnte man vielleicht das starke Kontrastprogramm anführen, das auf The Reaper Comes IV in Bezug auf die Produktion der einzelnen Bands gefahren wird – teilweise sind da doch ganz schön ärmliche, ja fast schon lieblose Produktionen (PANTHEION) dabei, während manch andere Band (EQUILIBRIUM) hingegen in einem supertranspranten Soundgewand aufläuft. Da musikalisch aber wirklich nie irgendwelche Gefangenen gemacht werden, kann man darüber getrost hinwegsehen, schließlich reden wir hier ausschließlich von Eigenproduktionen, die dem Hörer ja meist sowieso nur einen komprimierten Eindruck der Schaffenskraft einer Nachwuchsband aufzeigen sollen. Wer also den Underground etwas unterstützen und sich diese Scheiblette zulegen möchte, der sollte einfach mal auf der unten angegeben Homepage nachsehen und die Compilation über den dort vorhandenen Mailorder bestellen.

Veröffentlichungstermin: 18. Juni 2004

Spielzeit: 67:03 Min.

Homepage: http://www.thereapercomes.de

Tracklist:
1. Abandonded – Private Little Hell

2. Arkhan – Dead Lady´s Diary

3. Davidian – Entertainment

4. Eclipsis – The Shadow Of My Soul

5. Edge Of Thorns – Dark Magican

6. Equilibrium – Unter der Eiche

7. Nordafrost – Battle Of The Winterhordes

8. Obnoxious – Final Chapter Closed

9. Odium – Chaotic

10. Pantheion – Friedensbringer

12. Sorrowfield – Well Waters

13. Svart – Disarmed

14. Syre – Psycho

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