URFAUST: Empty Space Meditation

URFAUST: Empty Space Meditation

Nach der eines gutes Jahrzehnt andauernden nordamerikanischen Black-Metal-Hegemonie, ist Europa nun wieder am Ball. Neben der polnischen Streitmacht (MGLA), finnischen Visionären (ORANSSI PAZUZU) und isländischen Shootingstars (MISPYRMING) hat sich besonders das holländische Duett URFAUST hervorgetan. Das vor mehr als zehn Jahren gegründete Projekt genießt bei den progressiven Teilen der Black-Metal-Gemeinde inzwischen den Kultstatus. Natürlich müssen sich IX und VRDRBR immer wieder die Vorwürfe der elitären Puristen gefallen lassen, die Musik für Hipster zu machen – doch für diejenigen, die abseits der Genre-Dogmen existieren, ist URFAUST seit langem eine wahre Fundgrube an Kreativität und Inspiration.

Klar klangen URFAUST anfangs wie ein BURZUM-Verschnitt, haben sich jedoch im Laufe der Zeit zu einer singulären Erscheinung entwickelt. Wie eine Schlange während des Wachstums ihre Haut wechselt, so wechselten auch URFAUST von Album zu Album ihr musikalisches Gewand, was auf auf Der freiwillige Bettler seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Fünf Jahre später kam allerdings das Minialbum Apparitions raus, welches für Kontroverse in der Hörerschaft sorgte – nicht wenige zeigten sich enttäuscht und wandten sich von der Band ab, doch es gab auch welche, die die Abkehr von den gewohnten Mustern nur begrüßt haben. Nun ja, um es vorweg zu nehmen, stellt das brandneue Empty Space Meditation die Krönung dieser Transformation dar und scheint das Ziel der dreizehn Jahre langen Reise zu sein.

Im Gegensatz zu Apparitions, welches unter anderem durch die englischen Songtitel auffiel, ist Empty Space Meditation in sechs Tracks mit dem einheitlichen Titel Meditatum gegliedert – von I bis VI eben. Nach dem fünfminütigen, in den Trance versetzenden, Intro, welches einer Band wie BONG gut zu Gesicht stehen würde, legen die Jungs auf Mediatum II los wie die Feuerwehr und zeigen dem geneigten Hörer, warum man URFAUST zum Black Metal gezählt wird. Nach nicht mal drei Minuten wird das Tempo jedoch gedrosselt, und die Raumfahrt beginnt. Dieser Song könnte man vom Aufbau her am besten mit einem Raketenstart vergleichen – zuerst wird die erste Stufe gezündet, einige Zeit später die zweite und am Ende befindet man sich bereits in der Schwerelosigkeit. Als schwerelos ja schwebend könnte eigentlich die ganze Platte beschrieben werden – die Sterne sind zum greifen nahe, man könnte sie fast schon anfassen, da verschwindet das Sonnensystem bereits komplett aus der Sicht und die Milchstraße schimmert nur noch schwach aus der Tiefe. Doch es geht immer weiter, zu den immer neuen, noch nicht entdeckten Galaxien und Planetensystemen, und dieser surreale Trip scheint kein Ende zu haben. Doch nach den extrem kurzen 43 Minuten kommt man wieder in der Wirklichkeit an und stellt ernüchternd fest, dass das alles nur ein Traum war. Oder vielleicht doch nicht?

Mit Empty Space Meditation übertreffen URFAUST alles, was sie bis dato erschaffen haben. Das  grenzt schon an den  Wahnsinn, mit was für einer Leichtigkeit das Duo mit all den Kanonen bricht, die Genre-Grenzen durchdringt, als wären sie aus der Luft, erfindet sich faktisch dabei neu und liefert dann trotzdem eine Scheibe, die zu hundert Prozent URFAUST ist. Ich glaube, dass spätestens nach Empty Space Meditation jeder noch so verbohrter URFAUST Fan der alten Schule endlich einsehen muss, dass die Schönheit keine Schubladen kennt und Empty Space Meditation der Beweis dafür ist.

Tatsächlich fällt es wirklich sehr schwer, Empty Space Meditation einem bestimmten Genre zuzuordnen – die Scheibe strotzt dermaßen vor Einflüssen, Experimenten und unerwarteten Wendungen, dass sie fast schon einen das Bewusstsein erweiternden Effekt zeigt. Doch nichtsdestotrotz wirkt das Album wie aus einem Guss – es gibt auch keine sinnlosen Füller und keinen überflüssigen Bombast. Diese Platte kratzt buchstäblich an der Perfektion, denn an Empty Space Meditation stimmt einfach alles – vom Songmaterial über die Produktion bis hin zum Coverartwork. URFAUST betreten zwar den leeren Raum, füllen ihn jedoch bereits nach kürzester Zeit mit purer Kunst und psychedelischen Zukunftsvisionen. Kaufpflicht.

Veröffentlichungstermin: 28.10.2016

Spielzeit: 43:00 Min.

Line-Up:

IX – Guitars, Vocals

VRDRBR – Drums

Produziert von Herr Deportator
Label: Ván Records

Homepage: https://urfaust.bandcamp.com/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/urfaustofficial

Tracklist:

1. Meditatum I

2. Meditatum II

3. Meditatum III

4. Meditatum IV

5. Meditatum V

6. Meditatum VI

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BKa