UNKH: Innerverse

UNKH: Innerverse

Treffen sich vier Männer im besten Alter … äh nein, die Herren von UNKH kennen sich schon seit der Kindheit und haben sich zusammengetan, um ihre Vorliebe für proggige Songs auszuleben. Bereits 1991 gab es einen ersten kurzen Anlauf der Band um Mainman Jeroen Habraken und seinem Bruder Maarten. 2014 gab es das Debütalbum „Traveller“, bei dem noch etwas deutlicher der Hang zum Wave durchschien. Sehr elektronisch geht es natürlich auch hier auf „Innerverse“ zu, jedoch wird auch kraftvoll gerockt.

Man hört, das wir es bei UNKH mit miteinander vertrauten Musikern zu tun haben

Ruhig und beschwörend nimmt einen der Opener bei der Hand, um sich wenig überraschend immer mehr aufzubauen. Wenn der Song nach fünf Minuten in einen hypnotischen Groove fällt, getragen vom knurrigen Rickenbacker-Bass, dann ist abheben angesagt. Das machen auch die Niederländer, immer fordernder, jazziger, schräger toben sie sich aus. Herrlich sperrig, nichts mit entspannter Musik zum Sonntags-Brunch, hier ist Zuhören angesagt! Spätestens jetzt geht auch der Lautstärkeregler nach oben. „Deep“ hingegen beginnt sphärisch, die das Album durchziehende Thematik Einsamkeit klingt hier nach einem einsamen Tiefsee-Tauchgang. Schillernde Farben tanzen vor den Augen irgendwo zwischen Dunkelblau, Dunkelgrau und Tiefseeblaugrau. Bis auch hier wenig überraschend sich zerrende Beklemmung breit macht. Gitarre, Keys und Bass tänzeln um ein kratziges Thema herum, es wird wieder sehr schräg, manche Töne klingen auch mal schlichtweg falsch. Dafür kommt bei „The Showcase“ mit seinem BEATLES-Touch und den großen Melodien fast gute Laune auf. Das fast 20-minütige „Dreamcatcher“ fast dann alles zusammen, verfällt in ausufernde Trips, zitiert sowohl klassische Prog/Art-Rock- Themen, 80er Elektro-Sound, die Gitarre darf auch mal laut ausholen, und trotzdem meint man den eigenen UNKH-Stil zu erkennen. Auch die Vocals erinnern an so manche Kollegen, haben jedoch genug Eigenes, passen so perfekt zum Bandsound.

UNKH präsentieren auf „Innereverse“ einen eigenen Stil mit reichlich Verweisen zu Genregrößen

Ein sehr buntes Album, das mit proggig meinen die Niederländer ernst. Sie schieben klassischen 70er Prog mit Neo-Prog und reichlich elektronischen Tastenspielchen zusammen. Das gern angenehm sperrig und abgefahren, Wellness-Musik für das Wartezimmer beim Neuro-Chirurgen ist das hier nicht! Wer sich bei Bands wie KING CRIMSON, alten GENESIS, YES, EMERSON, LAKE & PALMER, aber auch RADIOHEAD, TALK TALK und mehr wohlfühlt, der ist bei UNKH richtig. „Innerverse“ setzt sich dauerhaft im Player fest, gern unterm Kopfhörer, aber gern auch richtig laut. Dann rockt das Album richtig und die sperrigen Parts tun richtig weh, herrlich! Dem Neurochirurgen meines Vertrauens, selbst Basser im jazzigen Bereich, konnte ich übrigens „Innerverse“ erfolgreich ans Herz legen. Ob die dann beim nächsten Besuch im Wartezimmer läuft … hm …

Veröffentlicht: 01.06.2018

Spielzeit: 44:03

Line Up:
Jeroen Habraken – Vocals, Keyboards, Programming
Maarten Habraken – Drums, Vocals
Matthijs van Nahuijs – Bass, Pedals, Vocals
Maarten Peerlings – Guitars

Label: Freya

Website: http://www.unkh.nl

Mehr im Web: https://www.facebook.com/unkh.nl

Die Tracklist von „Innerverse“:

1. Delusional/Warp
2. Deep
3. The Showcase
4. Slumber
5. Dreamcatcher

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!