TRAP THEM: Blissfucker

TRAP THEM: Blissfucker

Wenn Darker Handcraft ein Aufstand war, die aufkochende, überschäumende Wut des vermummten Pöbels, was ist dann Blissfucker? TRAP THEM machen es ihren Hörern nicht leicht, schließlich ist es auch nicht leicht sich eingestehen zu müssen, dass der Krieg verloren, der Widerstand gebrochen ist. Somit fungiert Blissfucker als Sinnbild für die ultimative Niederlage. Das Beste liegt seit langem hinter uns. Ein Happy End? Das gibt es vielleicht im verfluchten Disney Club, aber nicht in TRAP THEMs bitterer Endzeit-Welt.

Blissfucker ist der Gegenentwurf zu Darker Handcraft: Immer noch scheißwütend, aber mit dem Zorn des Resignation, dass alles, was wir mühevoll erkämpft haben, zwecklos ist. Vermutlich hast du es schon erraten: TRAP THEM schalten in Sachen Geschwindigkeit einen gehörigen Gang zurück. Anfangs sind da die letzten Schlachten, die verzweifelt gefochten werden, Salted Crypts, Lungrunners und Organic Runners sind häufig im Uptempo-Bereich angesiedelt, und zeigen, dass die Mischung aus ENTOMBED, BLACK FLAG und CONVERGE sonst keiner so gut drauf hat. Blissfucker hat aber auch eine rasende Seite, die nur selten gezeigt wird. Habitland und Former Linings Wide The Walls sind grindende, konsequent von Blast Beats durchzogene, ausgekotzte dreckige Songs, die wie ein akustischer Terroranschlag klingen. Danach ist alles trist, schwarz, hoffnungslos, hasserfüllt: Der Abschluss von Blissfucker ist vielleicht das übelste Ende der letzten Jahre im Hardcore-Bereich. Und doch: Let Fall Each And Every Sedition Symptom zeigt, dass gekämpft wird. Bis zum letzten Tropfen Blut.

Stilistisch gesehen war es ein größerer Schritt von Seizes In Barren Praise zu Darker Handcraft, durch die gebremste Herangehensweise wirkt Blissfucker, das Hits wie Slumcult And Gather und The Facts nicht bieten kann oder will, radikal anders. Die Riffs stammen unverkennbar aus der Feder von Brian Izzi, treffen fast ausnahmslos ins Schwarze und klingen extrem düster. Das heisere Geschrei von Ryan McKenney ist schmerz- und hasserfüllt wie eh und je und der neue Drummer Brad Fickeisen (ex-THE RED CHORD) passt sich dem Material gut an, kann aber auch Akzente setzen. Blissfucker ist eine bewusste Entwicklung vom Chaos hin zu mehr Struktur. Das wird nicht allen gefallen, die TRAP THEM früher die Stange gehalten haben und auch für meinen Geschmack hätte es etwas mehr Riot und Krawall geben dürfen, letztendlich ist Blissfucker aber ein konsequentes Album.

Und somit ist es nur zu logisch, dass TRAP THEM beispielsweise mit dem achtminütigem Savage Climbers mehr als nur einmal über die Schmerzgrenzen hinaus gehen. 47 Minuten dauert dieses abermals perfekt von Kurt Ballou produzierte, mit einem abartigen Gitarrensound versehene Martyrium, eigentlich unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass Darker Handcraft den Hörer schon nach 30 Minuten völlig in Grund und Boden genagelt hat. Wer von TRAP THEM gerade die groovigen und langsameren Nummern mag, wird diesem Album klar den Vorzug geben, die anderen werden weiterhin eher den Vorgänger hören. Fakt ist jedoch, dass TRAP THEM der Konkurrenz immer noch meilenweit voraus sind.

Veröffentlichungstermin: 13. Juni 2014

Spielzeit: 46:11 Min.

Line-Up:
Ryan McKenney – Vocals
Brian Izzi – Guitar
Galen Baudhuin – Bass
Brad Fickeisen – Drums

Produziert von Kurt Ballou
Label: Prosthetic Records

Homepage: http://trapthem.bandcamp.com/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/TrapThem

Tracklist:
1. Salted Crypts
2. Habitland
3. Gift And Gift Unsteady
4. Lungrunners
5. Organic Infernal
6. Sanitations
7. Bad Nones
8. Former Linings Wide The Walls
9. Savage Climber
10. Ransom Risen
11. Let Fall Each And Every Sedition Symptom

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