TONY MILLS: Streets Of Chance

TONY MILLS: Streets Of Chance

TONY MILLS braucht man eher nicht mehr groß vorzustellen. Die etwas rockigeren Zeiten mit SHY waren in den 80ern erwähnenswert, neuere Alben haben zumindest mich nicht wirklich überzeugt. Bei den Norwegern TNT machte der Engländer einen guten Job, allerlei Bands wie u.a. SIAM, CHINA BLUE, SERPENTINE bis hin zu einem Quickie bei ANDY SCOTT´S SWEET und mehrere Soloalben zeichnen seinen Weg. Nun also folgt dem recht dunklen „Over My Dead Body“ das neue Soloalbum „Streets Of Chance“, welches dann doch merklich mehr Richtung Gute Laune-Musik geht, ohne dabei zum platten Partyalbum zu werden.

TONY MILLS zeigt AOR/Melodic Rock, der nicht nur von Genre-Klischees lebt

Die Hard`n´Heavy-Fraktion wird beim Singalong-Auftakt zum Opener gleich abwinken, als Freund von gepflegtem AOR/Melodic-Rock swingt man sofort mit. Auch in diesem Genre wurde alles schon gesagt und gesungen, hier geht es um gut oder nicht gut. Schaut man sich die beteiligten Musiker an, nun ja, echte Profis halt. Das schützt nicht automatisch vor flacher Musik, Beispiele gibt es gerade im Melodic Rock genug. Hier auf „Streets Of Chance“ hingegen kommt fast Bandfeeling auf, auf dem sich MILLS ausleben kann. „When The Lights Go Down“ kommt angenehm catchy und weckt den Drang, mal wieder die TNT-Platten rauszuholen oder auch mal wieder zu JOURNEY zu greifen. Auch „Battleground“ setzt sich schnell im Ohr fest, man swingt ausgelassen mit, hier hatte auch PAUL SABU seine Finger im Spiel. Spätestens jetzt fängt man dann auch an, genauer hinzuhören, wie die Herren Musiker arbeiten, was sich letztendlich durch das ganze Album zieht. Auch wenn der Gesang allzeit vorne steht, gibt es gerade bei der Umsetzung der Songs viel zu entdecken. Da hat MILLS definitiv die richtigen Leute um sich geschart. Recht US-Radio-Rock angehaucht „Dream On“, „Weighing Me Down“ wieder mit mehr TNT. Zum Ende hin werden die Gitarren etwas lauter, die plüschigen Keyboardteppiche weichen moderneren Synthie-Spielereien, die Songs werden etwas sperriger und knackiger. Mit „Seventh Wonder“ mit TOTO-Gitarren hat man ein Highlight ganz nach hinten gepackt. Auch wenn der totale Hit fehlt, gibt es reichlich starke Songs zu entdecken.

Starke Musiker unterstützen TONY MILLS

Die tragen passend die hohe, klare Stimme von TONY MILLS. Seine Melodien sind vertraut, seine Stimme immer noch groß, auch wenn sie hier und da mal etwas Unterstützung vom Knöpfchendreher bekommt. Egal, geschummelt wird eh überall, mit der Repeat-Taste beamt man sich schnell wieder in zart-süßliche Klänge, die aber rockig genug bleiben und nicht zu schmalzig werden. Zudem wird auch auf die erwartete Plüschballade verzichtet, die bei diesem Genre ja eigentlich unvermeidbar ist. Auch die Lyrics drehen sich nicht um Herzschmerz und Freud und Leid der Partnersuche, TONY MILLS greift persönliche Themen auf, meist nachdenklich und (selbst)kritisch. Der Eindruck einer lieblosen Pflichtproduktion kommt bei „Streets Of Chance“ nicht einen Moment auf.

Wer auf gepflegten AOR/Melodic-Rock steht, der ist bei „Streets Of Chance“ richtig. TONY MILLS bringt alles mit, was Fans erwarten, und ruht sich nicht nur auf den Klischees des Genres aus. So kann er gern weiter machen, auch wenn der Weg jetzt erstmal zum Plattenregal führt Richtung TNT mit und ohne MILLS.

V.Ö.: 01.09.2017

Spielzeit: 43:22

Lineup:
Tony Mills – Vocals
Joel Hoekstra (WHITESNAKE, NIGHT RANGER) – Lead Guitars
Tommy Denander (RADIOACTIVE, ALICE COOPER, PAUL STANLEY) – Lead Guitars, Rhythm Guitars, Keyboards
Robby Boebel (FRONTLINE, EVIDENCE ONE, STATE OF ROCK) – Lead Guitars, Rhythm Guitars, Keyboards
Neil Frazer (RAGE OF ANGELS, TEN) – Lead Guitars
Pete Fry (FARCRY) – Rhythm Guitars
Eric Ragno (THE BABYS, JOE LYNN TURNER, CHINA BLUE) – Keyboards
Toine Vanderlinden (MARTYR, REBELSTAR ROCK) – Bass
Linda Mills (DOLLS OF DISASTER) – Bass
Pete Newdeck (TAINTED NATION, BLOOD REDSAINTS, THE SHOCK) – Drums, Production, Mixing

Label: Battlegod Productions

Website: http://www.tonymills-official.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/tony.mills.official

Tracklist:
1. Scars
2. When The Lights Go Down
3. Battleground
4. Dream On
5. Legacy
6. Weighing Me Down
7. The Art Of Letting Go
8. Battleground
9. When We Were Young
10. Storm Warning
11. Seventh Wonder

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Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!