THE GRATEFUL DEAD: Thirty Trips Around The Sun: The Definitive Live Story 1965-1995 [4CD]

THE GRATEFUL DEAD: Thirty Trips Around The Sun: The Definitive Live Story 1965-1995 [4CD]

Natürlich sind Live-Konzerte im Rock und Hard`n´Heavy-Zirkus ein wichtiges Thema, und es gibt zahllose richtig große Livealben aus diesen Genres. Aber letztendlich – geht es um Rock und Livekonzerte, da kommt nichts und niemand an THE GRATEFUL DEAD vorbei. Von Mitte der 60er bis 1995, als Bandkopf Jerry Garcia starb, hat wohl keine Band so viele Konzerte gespielt und ihre Fans, die Deadheads, lieben sie für ihre ausufernden Jams, die aus den ursprünglichen Originalsongs und allerlei Coverversionen unendliche musikalische Reisen machten. Was liegt da näher, als das 50er Jubiläum nach der hoch interessanten 2CD-Box The Best Of The Grateful Dead nun also mit dem zu feiern, für das diese Band stand und immer stehen wird: große Livemusik! Mag sein, dass die aktuelle Re-Release-Welle so manches Klassikeralbum verdient neu aufleben lässt, hier bei THE GRATEFUL DEAD wirkt so ein Live-Package einfach ehrlicher und wünschenswerter. 30 Songs aus 30 verschiedenen Shows chronologisch aus 30 Jahren belegen die Bandgeschichte und auch 30 Jahre Entwicklung der Rockmusik allgemein. Bluegrass/Americana, Folk-Rock, Blues, Jazz, Country, aber auch Space- und Psychedelic-Rock hoch kreativ präsentiert, immer dem Zeitgeist entsprechend, ohne sich laufenden Trends anzubiedern, und dabei immer 100% GRATEFUL DEAD.

Da ist diese Zeitreise ein eindrucksvoller Beleg, die Größe der Band offenbart sich hier eindrucksvoll. Wobei es zum Auftakt erst mal einen Studiosong von 1965 gibt, aus der Zeit, als die Band noch als THE WARLORDS unterwegs war. Ein toller, der Zeit entsprechender Song, als man für solche Musik noch als Punker betitelt wurde, weil die Jungs sich nicht in festgelegte Schubladen bewegen wollten. Live hört man dann sehr schnell, dass die Band noch jung, wild und hungrig war. Es wird energisch, aber nie zu wild rock`n´rollt, ausufernde Sologitarren im sich stetig steigernden Viola Lee Blues, Zuhören oder Abtanzen, oder irgendwie beides, ein feuriger Song. Danach ist eher pures Zuhören angesagt, die Herren jammen sich entspannt durch die nächsten Songs, krass, wie sich die Musiker begleiten, ausbrechen, zusammenfinden, durchgehend ist die Klasse der Herren greifbar. Ok, nicht beim Gesang, immer ein Knackpunkt bei GRATEFUL DEAD, da geht gern und oft was ordentlich daneben. Aber das mit großer Leidenschaft, und irgendwie ist es so auch echt, andere Bands würden da erstmal im Studio nachbügeln. Wer perfekten Gesang will, der kann ja zu den EAGLES greifen, zu GRATEFUL DEAD gehört halt, dass sie machen was sie können und wollen, egal was andere von ihnen erwarten. Der MARTHA & THE VANDALLAS-Oldie Dancing In The Streets, vielen eher bekannt vom Hit von DAVID BOWIE mit MICK JAGGER, kommt dann im Originalteil doch etwas langatmig, lebt mehr, wenn die Band den Song verlässt durch spannende Jam-Einlagen mit Latino-Flair. Verträumt der Song von Country-Lady DOLLY PARTON, Tomorrow Is Forever, bei dem Donna Jean Godchaux ihren Einstand lieferte als Co-Sängerin.

CD 2 zeigt eine ge/erwachsene Band, die bereits ganz genau weiß, was sie kann. Uncle John´s Band, einer der wenigen Radiohits der Band, wurde ja bereits als Appetizer für diese CD-Box online gestellt. 12-Minuten Scarlet Begonias, Mitswingen, den Musikern lauschen, groß! Urlaubsfeeling mit dem Reggae Estimated Prophet, Traditional-Oldies wie Samson And Delilah und Deep Elem Blues werden zu ausgedehnten musikalischen Ausflügen. Cool das spinnige Shakedown Street als Opener der dritten CD, über 16 Minuten, der entspannt dahin swingende Bird Song verschönt den Tag, reichlich 80er mit BEE GEES-Albereien bei Feel Like A Stranger. Gänsehaut verpasst wie üblich BONNIE DOBSON´s Morning Dew, das eben durch THE GRATEFUL DEAD erst weltweit bekannt wurde. Vielleicht lag es an vorausgegangenen gesundheitlichen Problemen von Bandkopf Garcia, hier jedenfalls kommt der Song noch ergreifender und tiefgehender als sonst. Den Aufnahmen dieser CD hört man auch an, dass die Herren nicht nur musikalisch reifer geworden sind und sich wie auf CD 2 auf ihrem musikalischen Höhepunkt befinden. Die letzte CD zeigt dann eine in Würde gealterte Band ohne allzu große Überraschungen. BUDDY HOLLY´s Not Fade Away reitet so erbarmungslos auf dem Refrain rum, irgendwann glaubt das auch das Publikum und singt halt mit, damit endlich Ruhe ist. Passend zum USA-Zeitgeist der späten 80er Blown Away, etwas rockiger auch durch die rauen Vocals von Keyboarder Brent Mydland, Radiotauglich mit gruselig auftönenden Midi-Bläsern. High Time, so melancholisch, da denkt man auch mal ganz schnell an die EAGLES, als Gast Jazzer Branford Marsalis am Saxophon. Broken Arrow, bekannt auch von ROD STEWARD, der sang dann doch etwas cremiger als hier Basser Phil Lesh, das tut auch mal richtig weh. Richtig groß nochmal das tolle So Many Roads, nett der BOB DYLAN-Schinken Visions Of Johanna zum Abschluss. Jeder Song erzählt hier eine Geschichte, im Booklet gibt es interessante Linernotes dazu von Musikjournalist Jesse Jarnow. Vier CDs voll mit Musikgeschichte der wichtigsten Jam-Rock-Band aller Zeiten, mit nahezu allen Facetten des Bandsounds, ein Komplettüberblick ist bei dieser Band eh nicht möglich. Live noch größer als schon auf den Studioalben, grundehrlich und ungeschönt und deshalb so spannend, bei wirklich gutem Sound und schick verpackt, ganz klar ein Highlight für Rockfans, für die Deadheads sowieso.
 
Gerade auch wo nun so viele junge Fans den Retro-Rock abfeiern: Eine Rocksammlung ohne GREATFUL DEAD geht nicht! Und da man – sofern man kein Deadhead mit eh nie kompletter Sammlung ist – schwer einzelne Studio- oder gar Livealben herausheben kann, ist diese Live-Box ein fantastisches und dabei absolut ehrliches Monument für diese großartige Band! Kaufen! Gern optimal abgerundet von der passenden The Best Of Grateful Dead Doppel-CD!
Nun ja, wem das nicht reicht, der kann ja sein Sparschwein killen und die komplette, natürlich limitierte Sammlung der Konzerte über dead.net für dezente 699,98$ als 80-CD Boxed-Set sowie als maßgefertigter USB-Drive, gefüllt mit über 73 Stunden Musik und u.a. 288 seitigem Booklet bestellen.

Veröffentlichungstermin: 18.09.2015

Spielzeit: 75:52 / 65:07 / 73:34 / 62:34 Min.

Line-Up:
Jerry Garcia – Vocals, Lead-Guitar, Pedal Steel, Piano
Bob Weir – Vocals, Guitar
Ron Pigpen McKernan – Organ, Harmonica, Vocals, Keyboards, Acoustic Guitar, Congas, Percussion
Phil Lesh – Bass, Vocals, Guitar, Piano
Bill Kreutzmann – Drums, Persussion
Tom Constanten – Keyboards, Piano
Mickey Hart – Drums, Percussion
Keith Godchaux – Keyboards, Piano, Vocals
Donna Godchaux – Vocals
Brent Mydland – Keyboards, Vocals
u.a.

Label: Rhino Records / Warner Music Entertainment

Homepage: http://www.dead.net

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/gratefuldead

Tracklist:
CD 1:
1. Caution (Do Not Stop On Tracks) – early recording sessions in 1965
2. Cream Puff War – 1966 – 7/3, Fillmore Auditorium, San Francisco, CA
3. Viola Lee Blues – 1967 – 11/10, Shrine Auditorium, Los Angeles, CA
4. Dark Star – 1968 – 10/20, Greek Theater, Berkeley, CA
5. Doin´ That Rag – 1969 – 2/22, The Dream Bowl, Vallejo, CA
6. Dancing In The Street – 1970 – 4/15, Winterland, San Francisco, CA
7. The Rub – 1971 – 3/18, Fox Theater, St. Louis, MO
8. Tomorrow Is Forever – 1972 – 9/24, Palace Theater, Waterbury, CT
9. Here Comes Sunshine – 1973 – 11/14, San Diego Sports Arena, San Diego, CA

CD 2:
1. Uncle John´s Band – 1974 – 9/18, Parc des Expositions, Dijon, France
2. Franklin´s Tower – 1975 – 9/28, Lindley Meadows, Golden Gate Park, San Francisco, CA
3. Scarlet Begonias – 1976 – 10/3, Cobo Arena, Detroit, MI
4. Estimated Prophet – 1977 – 4/25, Capitol Theater, Passaic, NJ Samson and Delilah – 1978
5. Samson And Delilah – 1978 – 5/14, Providence Civic Center, Providence, RI
6. Lost Sailor/Saint Of Circumstance – 1979 – 10/27, Cape Cod Coliseum, South Yarmouth, MA
7. Deep Elem Blues – 1980 – 11/28, Lakeland Civic Center, Lakeland, FL

CD 3:
1. Shakedown Street – 1981 – 5/16, Cornell University, Ithaca, NY
2. Bird Song – 1982 – 7/31, Manor Downs, Austin, TX
3. My Brother Esau – 1983 – 10/21, The Centrum, Worcester, MA
4. Feel Like A Stranger – 1984 – 10/12, Augusta Civic Center, Augusta, ME
5. Let It Grow – 1985 – 6/24, River Bend Music Center, Cincinnati, OH
6. Comes A Time – 1986 – 5/3, Cal Expo Amphitheater, Sacramento, CA
7. Morning Dew – 1987 – 9/18, Madison Square Garden, New York City, NY

CD 4:
1. Not Fade Away – 1988 – 7/3, Oxford Plains Speedway, Oxford, ME
2. Blow Away – 1989 – 10/26, Miami Arena, Miami, F
3. Ramble On Rose – 1990 – 10/27, Zenith, Paris, France
4. High Time – 1991 – 9/10, Madison Square Garden, NY, NY
5. Althea – 1992 – 3/20, Copps Coliseum, Ontario, Canada
6. Broken Arrow – 1993 – 3/27, Knickerbocker Arena, Albany, NY
7. So Many Roads – 1994 – 10/1, Boston Garden, Boston, MA
8. Visions Of Johanna – 1995 – 2/21, Delta Center, Salt Lake City, UT

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!