THE BEATLES: Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band [2LP-Vinyl][Re-Release]

THE BEATLES: Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band [2LP-Vinyl][Re-Release]

Na ja, eigentlich nicht! Also die THE BEATLES und ich und so… Selber schuld, denn wie bei so zahllos vielen Bands gerade der 60er und 70er ist man zu leicht dabei, sie an ihren Hits festzumachen, die ja meist von externen Songschreibern kamen. Man denke nur an gerade auch von der harten Garde unterbewertete Bands wie THE SWEET, SMOKIE und so viele mehr, deren echte Highlights nie oder wenn dann als B-Seite den Weg auf eine Single geschafft haben. Und letztendlich reden wir bei den BEATLES von der Band, die maßgebliche Grundsteine auch für die harte Musik gelegt hat. Da tut es richtig gut, mal unvoreingenommen an den mit allerlei Preisen und Ehrungen ausgezeichneten Meilenstein „Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band“ zu gehen, der als neue Doppel-LP allein schon wegen des erotisierenden Akt des Auspackens einer Platte entzückt. Klar, den 50. dieses Klassikers muss man schon amtlich feiern, wobei die entsprechenden CD-Editionen Platzbedingt noch mehr Aufnahmen zu bieten haben.

„Viel“ ist letztendlich auch das große Stichwort bei diesem Album, denn die Band hatte sich vom permanenten Tourmarathon verabschiedet und ließ sich bei dem vielleicht ersten richtigen Konzeptalbum der Musikgeschichte kaum bremsen. Ohne folgende Konzerte im Nacken entstanden für das achte Studioalbum Songs mit vielen Gastmusikern, einem bis zu 40 Leute umfassenden Orchester und zahlreichen Instrumenten und Produktionsspielchen, die sich live so niemals umsetzen lassen würden. Mit Produzent George Martin hatte man den perfekten Mann im Studio, der die Band gewähren ließ und nicht nur an den Reglern, sondern auch bei den Musikern die passenden Wege fand, um noch mehr aus ihnen herauszuholen. Da ist es fast romantisch, dass für diesen Re-Release die originalen Aufnahmen nochmals von seinem Sohn Giles Martin überarbeitet wurden, um es mit Gefühl den ach so modernen ver- oder besser entwöhnten Ohren und Medienformaten näher zu bringen.

Den Titelsong kennt jeder, für mich bisher ein Sinnbild für das, wofür ich die Band eher nicht mochte. Heute aber klingt der Song ganz anders, lädt ein zum Hinhören und Mitwippen. Die Geschichte um einen fiktiven Rockstar wird mit eingeschobenem Live-Publikum und Applaus, kratzig zerrender Gitarre und kitschig-eingängiger Melodie leiten die Reise ein durch ein kunterbuntes Album, das vornehmlich aus der Feder von Paul McCartney, oft gemeinsam mit John Lennon stammt. „With A Little Help From My Friends“, natürlich swingt man gutgelaunt mit beim für die nicht wirklich variable Stimme von Ringo Starr recht simpel gehaltenen Song. Wobei aber das Original für mich weiterhin hinter der Version von JOE COCKER steht, u.a. seine Live-Performance beim WOODSTOCK-Festival lässt den Song in ungeahnter Größe strahlen und lässt die BEATLES durchaus vergessen. UNgeachtet dessen bleibt ihr Original natürlich ein toller Song. Jeder hat wohl so seinen Lieblingssänger in der Band, John Lennon mit seiner weichen, piepsigen Stimme ist es für mich nicht. Trotzdem machen „Lucy In The Sky With Diamonds“ Spaß, wo dieses durch die Aufnahmetechnik noch gewollt betont wurde. Cool rockend „Getting Better“, so klangen später zahllose Bands, und wer hat´s erfunden? Das psychedelisch-balladeske „She’s Leaving Home“ lässt erahnen, wo QUEEN ihre Inspiration für ihre ersten Platten her hatten.

Man verbreitet Zirkus-Atmosphäre bei „Being For The Benefit Of Mr. Kite“, entführt in exotisch-indische Welten bei „Within You Without You“. Hier tobten sich George Harrison und Produzent George Martin mit diversen Musikern aus, der Rest der Band blieb außen vor. Gerade die Songs von Paul McCartney bringen oft eine gute Portion Pop mit, leben von eingängigen Refrains und fallen erst beim genaueren Hinhören mit ihren spannenden und abwechslungsreichen Arrangements auf. Auch die psychedelische Phase taucht immer wieder auf, aber auch Flower-Power-Flair macht sich breit, die aufkeimende Hippie-Bewegung Richtung Summer Of Love hat auch die BEATLES erreicht. Zuviel Sonnenschein abbekommen haben die Herren Lennon und McCartney mit ihren Gastmusikern eindeutig bei „Good Morning Good Morning“. Zappelige Taktwechsel, reichlich Getröte, teils selbstgemachte Tiergeräusche, ein krachiges Solo – was für ein schräger Trip! Da ist abschließend das nicht nur musikalisch sehr interessante „A Day In The Life“ geradezu erholsam. Wie so oft darf man gern den Texten lauschen, drei vollkommen unzusammenhängende Themen werden verbraten, die Zählung von Schlaglöchern als Höhepunkt!

Die zweite Platte als Jubiläumsbonus enthält entsprechend der CD-Version die bei solchen Re-Releases heute üblichen Outtakes, Demos und andere seltene Aufnahmen. Da kriegt man dann einen frühen Mitschnitt des Titelsongs, der hier weitaus kraftvoller und knackiger kommt als die vertraute Version. Oder die zappelige Version von „Good Morning Good Morning“, die fast einen Touch von THE WHO mitbringt. Es macht Spaß, zuzuhören, wie sich die Band an den Songs versucht, experimentiert wie bei der folkigen, verträumten Instrumental-Version von „She´s Leaving Home“ mit reichlich Streicherbeilage. Und weil oft auch die Kommunikation im Studio beigelassen wurde fühlt man sich fast live dabei in den Abbey Road Studios. Manches ist spannend, vieles lustig, einiges einfach albern, die Jungs hatten Spaß. Den hat man eben auch heute beim Lauschen dieser Bonusaufnahmen. Gefühlt hat sich mittlerweile die Bonus-Platte öfters gedreht als das Originalalbum.

Natürlich haben die CD-Editionen mehr Platz für noch mehr Musik, aber weitaus edler fühlt sich natürlich diese Doppel-LP an. Die kommt entsprechend schick aufgemacht daher, entsprechend an das Original angelehnt. Es gibt viele Interessante Linernotes, die Cut-Outs zum Basteln, die Texte – und ja, es liegen die Papierhüllen im Originaldesign bei. Die Platten kommen aber in schonenden Plastikhüllen. Parlophone hat ein Herz für echte Sammler! Und für eben die ist dieses Doppelalbum gedacht. Allein die Ansammlung von vertrauten bis sonderbaren Gestalten auf dem Kunterbunten Cover zu durchforschen macht halt richtig Spaß auf einem echten Plattencover. Dann entdeckt man halt Stan & Olli, Karl Marx, Einstein, Marlene Dietrich, Aleister Crowley ebenso wie Edgar Allan Poe. Und natürlich die BEATLES selbst als Abbild ihrer Wachsfiguren, hier darf eine Puppe als Gruß an die Kollegen auch mal einen ROLLING STONES-Pulli tragen. Wer lieber noch ein wenig mehr Musik möchte, der greift halt eher zu einer der umfassenderen CD-Versionen. Die fühlen sich halt nicht so schön und echt an, aber das hatten wir ja schon…

VÖ: 26.05.2017

Spielzeit: 39:43 plus Bonus-LP

Line Up:
Paul McCartney – Vocals, Bass, Bongos, Mellotron, Klavier, Harmonium, Orgel, Tamburin, Pauke
John Lennon – Vocals, Rhythmusgitarre, Akustikgitarre, Bongos, Klavier, Orgel, Hammond-Orgel, Conga, Mellotron, Kuhglocke
George Harrison – Vocals, Leadgitarre, Akustikgitarre, Orgel, Mundharmonika, Tambura, Maracas, Pauke, Svaramandal, Sitar
Ringo Starr – Vocals, Schlagzeug, Röhrenglocken, Handglocke, Bongos, Conga, Tamburin, Maracas, Mundharmonika

Label: Parlophone/EMI

Homepage: http://www.thebeatles.com

Tracklist:
SeIte 1:
1. Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band
2. With A Little Help From My Friends
3. Lucy In The Sky With Diamonds
4. Getting Better
5. Fixing A Hole
6. She´s Leaving Home
7. Being For The Benefit Of Mr. Kite!
8. Within You Without You
9. When I´m Sixty-Four
10. Lovely Rita
11. Good Morning Good Morning
12. Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band (Reprise)
13. A Day In The Life

Bonus-LP:
Seite 1
1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band [Take 9 And Speech]
2. With A Little Help From My Friends [Take 1 – False Start And Take 2 – Instrumental]
3. Lucy In The Sky With Diamonds [Take 1]
4. Getting Better [Take 1 – Instrumental And Speech At The End]
5. Fixing A Hole [Speech And Take 3]
6. She’s Leaving Home [Take 1 – Instrumental]
7. Being For The Benefit Of Mr. Kite! [Take 4]
Seite 2
1. Within You Without You [Take 1 – Indian Instruments]
2. When I´m Sixty-Four [Take 2]
3. Lovely Rita [Speech And Take 9]
4. Good Morning Good Morning [Take 8]
5. Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band (Reprise) [Take 8]
6. A Day In The Life [Take 1 With Hummed Last Chord]

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!