TAU CROSS: Pillar Of Fire

TAU CROSS: Pillar Of Fire

„They came from the earth, whilst eyes were turned to the skies for sign
And out of the lake, dredged up by our darkness, cold, malevolent, alive“

Ziemlich unerwartet hauen TAU CROSS das zweite geniale Album raus – mit Songs, so sperrig, so voller Ecken und Kanten, so ungewöhnlich und komplex, dass sie in keine Schublade passen.

Namedropping muss bei TAU CROSS sein, gehören doch AMEBIX-Mastermind Rob „The Baron“ Miller, VOIVOD-Drummer Michel „Away“ Langevin sowie die Gitarristen Andy Lefton (WAR //PLAGUE) und Jon Misery (MISERY) zur Band. Genug Musikgeschichte also, auf der man sich gemütlich ausruhen könnte. Wahrscheinlich wären TAU CROSS auch eine richtig gute Band, wenn sie sich nur auf die einst geschaffenen Standards berufen und ein wütendes, lärmendes und dreckiges Stück Revoluzzer-Rock auf dem Markt geschmissen hätten. Tun sie aber nicht. „Pillar Of Fire“ ist etwas Neues, Kraftvolles, Spannendes.

Mit Crustpunk hat „Pillar Of Fire“ nicht viel zu tun, musikalisch liegen die Tracks irgendwo in der Nähe der alten KILLING JOKE, mit Referenzen an Post Punk über MOTÖRHEAD-Rock ’n‘ Roll, schrammeligem Indie-Sound und einigen Folkanklängen wie sie auch bei NEW MODEL ARMY zu hören sind. Und doch sind TAU CROSS eine eigenständige Band, die es schafft, alle Einflüsse in einem Schmelzofen zu einem interessanten und fordernden Album zu verbinden.

Das Debütalbum „Tau Cross“ von 2015 bestand überwiegend aus Songs, die Miller für ein weiteres AMEBIX-Album geschrieben hatte – da sich die britischen Crustkings aber 2014 endgültig trennten, suchte er nach neuen Mitstreitern. Und fand, obwohl über Großbritannien, die USA und Kanada verteilt, eine Besetzung, die offenbar unfassbar gut harmoniert. Miller sagt über „Pillar Of Fire“: „Dieses Mal haben wir es geschafft, das Songwritung besser unter den Bandmitgliedern aufzuteilen und den Songs eine eigene Textur zu geben. Das sollte helfen, TAU CROSS als kontinuierlich arbeitendes musikalisches Kollektiv mit einem ganz eigenen Sound zu etablieren.“ Das ist nicht das übliche Promo-Gewäsch, sondern tatsächlich die Wahrheit.

Denn jeder der Songs hat es in sich: Mehr 80er PostPunk als in den ersten Sekunden von „On The Water“ hat in den letzten Jahren wohl kaum eine Band auf Platte gebracht, KILLING JOKE dürften weinen, wenn sie diesen Song hören. Der straighte Song ist ein einfach ein kleiner, unwiderstehlicher Indie-Hit. „Deep State“ erinnert am ehesten an AMEBIX – doch so offensichtlich kaputt wie zu AMEBIX‘ „Arise“-Zeiten ist hier nichts. Es ist eher eine unheimliche und düstere Endzeitstimmung, die allem zugrunde liegt – und die dem gesamten Album auch in den eingängigsten Momenten eine geheimnisvolle und mystische Tiefe verleiht.

Der Titeltrack „Pillar Of Fire“ ist Musik zum Eintauchen, Fallen- und Treibenlassen – mit unglaublichen Momenten wie Tribal-Drumming von Away und intensivem Klagegesang von Rob Miller. „A White Horse“ ist ein dynamischer Song, der mit einem unerwartet epischen Zwischenpart aufgebrochen wird. „RFID“ nimmt mit treibenden Riffs und einem monotonen Refrain gefangen. Und obwohl wir ja alle wissen, dass nichts mehr unbeobachtet bleibt, ruft Rob Miller mit den simplen Textzeile „Somebody is always watching you“ das nochmals ins Bewusstsein. „Seven Wheels“ ist einer der Songs, bei dem klar wird, dass hier nicht irgendjemand am Schlagzeug sitzt – der Song hat eine unfassbare Dynamik und entwickelt sich von einer ganz zarten, zerbrechlichen Spieluhrmelodie zum Crescendo. Da sind TAU CROSS ganz dicht dran am Götteralbum „Sonic Mass“ von AMEBIX. Nahtlos geht’s über in „What Is A Man“ – und auch hier ziehen TAU CROSS wieder alle Register und verbinden ruhige Töne mit wüstem Lärm. Einsamkeit, Verzweiflung und aber auch Stärke:

„I hide my face from the world, for I don’t belong here
Cast my bones to the wind, oh what a disease is a man“

Das ist Musik nicht von dieser Welt und auch ganz bestimmt nicht für jeden auf dieser Welt. Wer sich darauf einlässt, entdeckt einen neuen Kosmos.

Veröffentlichungsdatum: 21. Juli 2017

Label: Relapse Records

Tracklist:
Raising Golem
Bread and Circuses Lyrics
On the Water
Deep State Lyrics
Pillar of Fire
Killing the King
A White Horse
The Big House
RFID
Seven Wheels
What is a Man
Three Down (Bonus Track)
We are the Terror (Bonus Track)
In Time (Bonus Track)

Mehr im Netz:
taucross.bandcamp.com
facebook.com/TauCrossOfficial

Line-up:
Andy Lefton – Guitar
Jon Misery – Guitar
Rob (The Baron) Miller – Bass and Vocals
Michel (Away) Langevin – Drums
Tom Radio – Bass Guitar
James Adams – Keyboards

 

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andrea

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