SPOCK´S BEARD: Snow Live [2CD/2DVD]

SPOCK´S BEARD: Snow Live [2CD/2DVD]

Ich weiß bis heute nicht, warum ich mich nie für SPOCK´S BEARD und die NEAL MORSE-Sachen interessiert habe. Das hat ja zum Glück NEAL MORSE mit „The Similitude Of A Dream“ und seinem tollen Mitschnitt vom MORSEFEST 2015 erfolgreich geändert. Und dafür gesorgt, dass die CD-Regale mal wieder noch enger wurden. 2016 wollte es Herr Morse also wissen und mir seine Ex-Band näher bringen. SPOCK´S BEARD hat er 2001 bekanntlich nach dem „Snow“ Album verlassen. Zur Freude der Prog-Gemeinde hat er sich für sein MORSEFEST 2016 in Nashville mit seinen Ex-Kollegen wieder zusammengetan. Eben dieses letzte gemeinsame Album „Snow“ präsentieren sie hier erstmals komplett live. Vor überschaubarem Publikum, ein fast intimes Konzert, das uns eine ganze Ladung fantastischer Musik präsentiert, dargeboten von ebenso fantastischen Musikern.

SPOCK´S BEARD: fantastische Musik von fantastischen Musikern

Vielleicht ist es die beste Wahl, mit der CD zu beginnen, um sich nur der Musik hinzugeben. Denn die nimmt einen bei der Hand, auf große Reise, auch wenn man das Originalalbum gar nicht kennt. Akustisch eingeleitet, NEAL MORSE hat die passende Stimme, um uns in die Musik zu ziehen, die schnell größer und lauter wird. Passende Bläser machen sich breit, die Leadgitarren, so muss eine Einleitung klingen, auch das Publikum ist schon gut drauf. Ein Berg an Energie baut sich auf, wer mit Prog-Rock nichts anfangen kann, der steigt hier schon aus. Dieses Spiel aus laut und leise, das Bands so langweilig präsentieren können, kosten SPOCK´S BEARD voll aus und beherrschen dies auf eine unglaublich fesselnde Weise. Man wird fast erschlagen von erhabenen Melodien, fast kitschig hier und da, aber immer tragend und fesselnd. Wenn „Stranger In A Strange Land“ lautstark ertönt und herrlich rockt, aufgepeppt mit einem catchy Refrain, dann fühlt man sich gut, genießt die abstrakten Parts und die Momente, die natürlich ruhig und einschmeichelnd kurz runterholen. Ein wichtiger Teil der Songs ist der immer starke mehrstimmige Gesang, jeder ist hier richtig gut. „Long Time Suffering“, man mag einen typischen TOTO-Groove erkennen, die Vocals klingen fast ein wenig nach den späten THE SWEET. Keyboard-Freak Ryo Okumoto lebt sich aus in dem zappeligen Song. Dabei sind es immer die ruhigen Momente, welche die Songs groß machen.

Oder doch Rocker wie „Love Beyond Words“? Die Mischung stimmt. Das Luxusproblem scheint zu sein, dass man permanent genauer hinhört. Musikalisch ist hier Meisterarbeit angesagt, ohne dass es aufgesetzt oder komplex um des Progs Willen klingt. „Devil´s Got My Throat“ lässt einen kaum still sitzen. Die Songs von „Snow“ sind eher nichts für das Autoradio, da driftet man viel zu weit ab. Spätestens bei „Solitary Soul“, ist das schön! Nicht nur wenn das Gefühlsleben gerade verrücktspielt. Ein schönes DAVID GILMOUR / PINK FLOYD-Solo, und der dreistimmige Refrain trägt einen vollends davon. Das Ted Leonard (ENCHANT, THOUGHT CHAMBER) zu meinen persönlichen Lieblingssängern gehört zieht noch mehr hinein, taucht seit Tagen immer wieder im Kopf auf. Da ist man fast beleidigt, wenn einen die spinnige Abfahrt „Wind At My Back“ wieder in die Realität holt. Und immer NEAL MORSE als Geschichtenerzähler, und immer die Kollegen mit den passenden Stimmen, um alles groß zu machen. Ja ja, die Fans kennen das, ich noch nicht! Hier und da muss ich kurz an RAY WILSON denken, aber alles bleibt SPOCK´S BEARD. Man mag nicht weghören, es gibt zu viel zu entdecken. Natürlich bauen sich die Songs weiter auf, bei Mister Ryo Okumoto´s Trip drehen alle durch. Der schräge Vogel lässt es krachen, die Kollegen ziehen vom Leder, alles herrlich spinnig. Auch das Publikum genießt es flippt aus. Da kommt „I Will Go“ mit voller Schwermut anfangs wie eine Faust in den Bauch. Gänsehaut. Zum Ende hin wird alles natürlich euphorischer, wir hören ja ein Konzeptalbum. Wer Probleme hat mit religiösen Texten, der ist eh schon lange raus. Über 27 Minuten wird man mit dem abschließenden „Falling For Forever“ nochmal komplett aufgemischt. Spinnige Abfahrten, es rockt und zuckt, immer wieder wird man kurz angekuschelt. Wie viel Spaß das Schlagzeugduell macht von Nick D´Virgilio und Jimmy Keegan, das sieht man sich doch besser auf dem Bildschirm an.

„Snow Live“: Musikalisch ein Fest, optisch ein Genuss

Rein musikalisch ist „Snow Live“ ein Fest, man hört die Größe der Musiker Und die Spielfreude, die sie selbst haben. Das im sehr guten, differenzierten Sound, der in den entsprechenden Momenten kraftvoll zupackt, oder eben mit Wattebäuschchen schmeißt. Und wenn es mal mehr sein soll, dann lädt die DVD bzw. Bluray ein, sich wirklich live dabei zu fühlen. Es macht total Spaß, den Herren zuzuschauen. Eine Bühne voller Charaktertypen, denen man nicht nur beim Musizieren gern zuschaut. Das begünstigt die angenehme Kameraführung und die gelungene, nicht zu aufgeblasene Lichtshow. Jeder hat seine eigene Bühnenpräsenz, auch wenn NEAL MORSE auf seiner eigenen Party immer mal etwas im Vordergrund steht. Der ist hier zuhause, immer etwas seltsam anzuschauen, wenn er mit seinem Kopfmikro wie ein Prediger über die Kirchenbühne wandert und erzählerisch und greifbar seine Geschichten erzählt. Dieses Konzert wird man immer wieder mal anschauen, daran gibt es keinen Zweifel.

Als Bonus gibt es ein „Behind The Scenes“-Special. Gääähn, wie oft gibt es da kurze Blabla-Interviews die keiner braucht. Hier gibt es einen ausführlichen Film, auch kurze Interviews, die etwas zu sagen haben. Und eine komplette Band, die vor dem Publikum sitzt und ausgiebig erzählt, wie die Geschichte der Band war, die Trennungen, der Spaß am neuen Zusammenwirken vor dem MORSEFEST 2016. So wird nach dem Ausstieg von Jimmy Keegan nun wieder Nick D´Virgilio hinter dem Schlagzeug sitzen. Zumindest erstmal für das neue Album, an dem SPOCK´S BEARD aktuell arbeiten.

„Snow Live“ ist ein Meisterwerk gepflegtem Prog Rocks.

So fantastisch, wie hier das entsprechende „Snow“-Album hier dargeboten wird hat man fast das Gefühl, das originale Album nicht mehr zu brauchen. Fast jedenfalls. Ist ja bald Weihnachten. Und SPOCK´S BEARD haben viele Alben zum Nachrüsten. „Snow Live“ hingegen ist ein klarer Pflichtkauf für jede gepflegte Rock-Sammlung.

Veröffentlichungstermin: 10.11.2017

Spielzeit: 377:11 Min.

Das Line-Up von „Snow Live“:

Neal Morse – Lead Vocals, Piano, Synthesizer, E- und akustische Gitarre
Alan Morse – E-Gitarre, Vocals
Ted Leonard – E- und akustische Gitarre, Vocals
Jimmy Keegan – Drums, Percussion, Vocals
Nick D´Virgilio – Drums, Percussion, Vocals, akustische Gitarre
Ryo Okumoto – Keyboards, Hammondorgel, Mellotron, Jupiter 8, Minimoog, Vocoder
Dave Meros – Bass, Vocals

Gäste:
Ben Clark – Trompete
Nate Heffron – Tenor Saxophon

Label: Radiant Records/Metal Blade/Sony Music

Website: http://www.spocksbeard.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/spocksbeard

Die Tracklist des 2CD/2DVD-Set Zu „Snow Live“:

CD 1 (75:44):
1. Made Alive
2. Overture
3. Stranger In A Strange Land
4. Long Time Suffering
5. Welcome To NYC
6. Love Beyond Words
7. The 39th Street Blues (I´m Sick)
8. Devil´s Got My Throat
9. Open Wide The Flood Gates
10. Open The Gates, Part 2
11. Solitary Soul
12. Wind At My Back
13. Second Overture
14. 4th Of July
15. I´m The Guy
16. Reflection
17. Carie

CD 2 (76:07):
1. Looking For Answers
2. Freak Boy
3. All Is Vanity
4. I´m Dying
5. Freak Boy, Part 2
6. Devil´s Got My Throat, Reprise
7. Snow´s Night Out
8. Ladies And Gentlemen, Mister Ryo Okumoto On The Keyboards
9. I Will Go
10. Made Alive Again / Wind At My Back
11. June
12. Falling For Forever

DVD 1 (125:00):
1. Made Alive
2. Overture
3. Stranger In A Strange Land
4. Long Time Suffering
5. Welcome To NYC
6. Love Beyond Words
7. The 39th Street Blues (I´m Sick)
8. Devil´s Got My Throat
9. Open Wide The Flood Gates
10. Open The Gates, Part 2
11. Solitary Soul
12. Wind At My Back
13. Second Overture
14. 4th Of July
15. I´m The Guy
16. Reflection
17. Carie
18. Looking For Answers
19. Freak Boy
20. All Is Vanity
21. I´m Dying
22. Freak Boy, Part 2
23. Devil´s Got My Throat, Reprise
24. Snow´s Night Out
25. Ladies And Gentlemen, Mister Ryo Okumoto On The Keyboards
26. I Will Go
27. Made Alive Again / Wind At My Back
28. June
29. Falling For Forever

DVD 2 (100:20):
Encores: June / Falling For Forever (36:00)
Behind The Scenes Feature – The Making Of Snow Live (64:20)

Teilen macht Freude:

Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!