SPIDERGAWD: IV

SPIDERGAWD: IV

SPIDERGAWD liefern ab! Fleißig und pünktlich seit dem interessanten Debütalbum vom Frühling 2014 ziehen die Norweger ihren dank Saxofoneinsatz recht eigenen Sound im Pool der zahllosen Retro-Rocker durch und haben sich auch live reichlich Fans erspielt. Mit dem vierten Album, typisch für die Band schlicht „IV“ genannt, will man nun also der „New Wave Of British Heavy Metal“ Respekt zollen. Der Trend dahin ist ja nun fast schon wieder vorbei, also scheinen es die Jungs ernst zu meinen. Aber auf einen angesagten Stil aufzuspringen passt eh nicht zu SPIDERGAWD, dazu sind sie immer schon zu eigensinnig und kauzig.

Ein energischer Auftakt, treibende späte THIN LIZZY, eine cool daher stampfende Strophe, jau, da haben die Norweger tatsächlich ein Pfund zugelegt. Das passt allein schon, weil es nicht wie so oft bei den jungen NWOBHM-Verehrern einen Stimmlich hochgeschraubten Schreihals gibt. Hier gibt es maskuline Vocals, breitbeinig und herrlich räudig dargeboten. So wird „I Am The Night“ garantiert auch live ein Killer, der tatsächlich die Energie des Metal der frühen 80er greifbar macht. Man lässt es auch mal etwas entspannter angehen, aber wenn eine Nackenschleuder ansteht wie „What You Have Become“ mit Verbeugung vor MAIDEN´s „Sanctuary“ oder „Heaven Comes Tomorrow“ (MOTÖRHEAD trifft THIN LIZZY) dann geht die Faust sofort nach oben oder man greift zur Luftgitarre. Bei einem Titel wie beim Rausschmeißer „Stranglehold“ denkt man natürlich sofort an Madman TED NUGENT, aber nein, das Riffing von Borten zeigt deutlich, dass er – um in Detroit Rock City zu bleiben – auch Fan der frühen KISS bzw. ACE FREHLEY ist. Der Sound tritt Popo, bleibt aber rau genug um den Zeitgeist der NWOBHM zu atmen. Neu-Basser Hallward liefert einen super Job ab und lädt oft zum Hinhören ein, die Gitarren und Drums agieren routiniert. Dass sich den Songs unterordnende Saxofon ist wieder ein Farbtupfer, der zeigt, wie viel man als mutiger Musiker mit seinem Instrument machen kann. Wer mit „IV“ einen Erstkontakt hat mit SPIDERGAWD, der wird anfangs vielleicht gar nicht bemerken, dass hier ein Bläser als vollwertiges Instrument dabei ist.

Der Ruck in die härtere, NWOBHM getränkte Richtung steht SPIDERGAWD wirklich gut. Dabei verliert sich die Band aus Trondheim nicht in neuen Wegen, die bluesigen und 70er-Vibes der ersten Alben sind weiter erkennbar, man weiß sehr schnell, welche Band hier so hemmungslos am Rocken ist. Und auch das psychedelisch anmutende Cover trägt die bisherige Linie der Norweger weiter.  Dass es die entsprechende Vinyl-LP dann gleich mal in Pink gibt, da denken die Herren auch mal an ihre weiblichen Fans. Denkt man an das erste Album der Band, dann mag der ein oder andere Fan über die neue Härte stolpern. Irgendeine Änderung war nötig, um nicht im eigenen Grundsound stecken zu bleiben. Und mit diesem neuen Härteschub haben SPIDERGAWD definitiv den richtigen Weg gewählt. Unverzichtbar, wenn man die Band eh mag, aber auch junge und alte Verehrer der NWOBHM können bedenkenlos zugreifen.

Veröffentlicht: 17.02.2017

Spielzeit: 41:06

Lineup:
Per Borten – Vocals, Guitars
Hallvard Gardlos – Bass
Martin Snustad – Saxofon
Kenneth Knapstadt – Drums

Label: Crisping Glover / Stickman Records

Website: http://www.spidergawd.no

Mehr im Web: https://www.facebook.com/spidergawd

Tracklist:
1. This Love…?
2. I Am The Night
3. Loucille
4. Ballad Of A Millionaire (Song For Elina)
5. What You Have Become
6. The Inevitable
7. Heaven Comes Tomorrow
8. Stranglehold

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!