SINBREED: IV

SINBREED-IV_cover

SINBREEDs zweites Album “Shadows” hatte mir ziemlich gut gefallen, den Nachfolger habe ich leider irgendwie verpasst. Nun steht bereits das vierte Album der Band an. Im Line Up gab es zwei Änderungen: Marcus Siepen ist bereits 2015 wieder ausgestiegen und Sänger Herbie Langhans hat die Band dieses Jahr verlassen. Den Job am Mikro hat Nick Holleman übernommen, er war unter anderem mal für kurze Zeit bei VICIOUS RUMORS aktiv. Seine Stimmlage unterscheidet sich doch recht deutlich von der seines Vorgängers: Während Herbie Langhans eine rohere, mittelhohe Stimme hat, ist Holleman eher eine klassische Melodic Metal-Trällerelse. Manchmal klingen seine Gesangslinien mir etwas arg nach Kindermelodien, insgesamt macht er aber einen sehr guten Job.

Neuer Sänger, neue Ausrichtung – SINBREED gehen auf “IV” melodischer zu Werke

Auch musikalisch gehen SINBREED auf “IV” mit weniger Härte zu Werke, also noch auf dem von mir sehr geschätzten “Shadows”. Das Riffing ist deutlich melodischer geworden, ebenso das Leadgitarrenspiel. Mehr Melodic Metal, weniger Power Metal könnte man grob sagen. Damals attestierte ich der Band ein gutes Gespür für Melodien, ohne dabei zu cheesy zu klingen. Letzteres gelingt der Band auf “IV” nicht immer. Auch in Sachen Eigenständigkeit empfinde ich “IV” als kleinen Rückschritt. Das Songmaterial klingt halt eher nach klassischem Melodic Metal. Gute Songs können SINBREED allerdings immer noch schreiben.

Da wäre zum Beispiel der Opener, das treibende Melodic Speed Metal-Stück “First Under The Sun”. Die folgenden Stücke “Falling Down”, “Wasted Trust” und “Into The Arena” schlagen allesamt in eine ähnliche Kerbe und machen dabei ebenfalls eine gute Figur. Zwar sind die Songs allesamt in ähnlichem Tempo unterwegs, sind dabei aber abwechslungsreich genug gehalten, um Langeweile zu vermeiden. Das Ende der ersten Albumhälfte bildet “Pale-Hearted”, eine grandiose Melodic Metal-Abfahrt, ein Stück, das alles enthält, was man von einem Song dieses Genres erwarten darf: Großartige Harmonien, treibendes Drumming und mitreißender Gesang, der in einem eingängigen, aber kein bißchen platten Refrain gipfelt.

Nach einer starken ersten Hälfte geht “IV” im Endspurt leider ein wenig die Luft aus

Leider geht SINBREED in der zweiten Halbzeit ein wenig die Puste aus. “Final Call” unterhält mit folkigen Melodien der Sorte “Kleine niedliche Trolle hüpfen über die Lichtung und tanzen” noch ganz gut. Ein bisschen erinnert mich das an RHAPSODY ohne Keyboard-Geklimper. “The Purge”, “Pride Strikes” und “Through The Fire” sind nette Songs, von denen aber keiner wirklich herausragt. “At Least I Am” überzeugt in den melodischen Passagen, der härter Teil, bei dem Nick Holleman kläglich beim Versuch zu growlen scheitert, geht allerdings völlig in die Hose.

Alles in allem ist “IV” immer noch ein solides Melodic Metal-Album, bei dem man die Highlights allerdings vor allem in der ersten Hälfte findet. Diese erste Hälfte ist dafür allerdings auch richtig stark ausgefallen. Die leichte musikalische Kurskorrektur finde ich persönlich etwas schade, da mir der knackigere Stil auf “Shadows” deutlich besser gefiel. Das ist aber letztendlich Geschmackssache. Fans der klassischen, deutschen Melodic Speed Metal-Schule sollten auf jeden Fall mal reinhören.

Veröffentlichungsdatum: 23.11.2018

Spielzeit: 48:23

Line Up:
Nick Holleman – vocals
Flo Laurin – guitars
Manuel Seoane – guitars
Alexander Schulz – bass
Frederik Ehmke – drums

Label: Massacre Records

Bandhomepage: http://sinbreed.com/
Facebook: https://www.facebook.com/sinbreed

SINBREED “IV” Tracklist:

01. First Under The Sun (Video bei YouTube)
02. Falling Down
03. Wasted Trust (Audio bei YouTube)
04. Into The Arena
05. Pale-Hearted (Lyric-Video bei YouTube)
06. Final Call
07. The Purge
08. Pride Strikes
09. At Least I Am
10. Through The Fire