SIENA ROOT: A Dream Of Lasting Peace

SIENA ROOT: A Dream Of Lasting Peace

Ok, es gibt diese Bands, da kann man kaum objektiv drüber schreiben, weil sie halt nun mal einfach Lieblingsband sind. Da hat sich das mit einer ernstzunehmenden Review bei SIENA ROOT gleich mal erledigt. Anyway, wenn man die Band aus Stockholm seit dem Debüt „A New Day Dawning“ seit gut 13 Jahren treu begleitet, dann hat man sich auch daran gewöhnt, immer wieder neue Leute kennenzulernen. Sänger Jonas Åhlén hat die Band 2014 nach dem tollen (was auch sonst) „Pioniers“-Album verlassen, für ihn steht beim nunmehr sechste Studioalbum nun Samuel Björö am Mikro. Der hat keine wirklich namhaften Bands vorzuweisen, braucht aber eben nur diese eine Platte, um sich einen festen Namen in der Szene zumachen, stark! Einzig Basser Sam Riffer und Drummer Love „Billy“ Forsberg begleiten mich von Anfang an. Mit Gitarrist Matte Gustavsson und Keyboarder Erik „Errka“ Petersson hat man ja bereits die Reise erlebt weg vom stark psychedelischen Sound um den früheren Gitarristen KG West, und den Ruck rüber zu knackigerem Hard Rock zelebriert man hier noch deutlicher als zuvor, es rockt und groovt und drückt an allen Ecken.

Herrlich zappelig schickt uns „Secrets“ zurück in die 60er und frühen 70er. Ok, das machen viele Bands, gerade aus Schweden, aber wie bitte soll man sich gegen ein spaßiges Groove-Monster wehren wie „Tales Of Independence“? Man fragt nicht mehr, warum sich die Band für Björö entschieden hat, seine Stimme passt fantastisch zum Sound der Band. Wie eigentlich bisher jede/r zum jeweiligen Sound gepasst hat. Björö klingt etwas entspannter als der zuvor etwas kraftvoller, mehr Southernrockiger auftretende Åhlén und gibt den Songs eine wunderbare Wärme. Niedlich geradezu die zarten Huhuhuuu-Backings der Band, die einem bei „Tales Of Independence“ immer wieder ein Grinsen ins Gesicht treiben, während nebenbei das Tanzbein unweigerlich am Zucken ist. Flower Power durchzieht die Bude beim schwebenden „Sundown“, natürlich kommen einem zahlreiche Bands der Hippie-Ära in den Sinn, für mich – wie wohl das ganze Album – der Soundtrack zum zumindest aktuell herrlichen Frühling. Und wenn doch mal Schatten das Wohlbefinden verdunkeln, dann ist auch der passende Slowblues nicht weit. Hier zeigt Björö wieder seine Klasse, Blues singen können viele, den Blues fühlen lassen nur wenige Sänger. Keine Überraschung, dass „The Piper Won’t Let You Stay“ dezente Vibes von „Soldier Of Fortune“ in sich trägt, schließlich zieht sich die Verehrung für DEEP PURPLE mehr denn je durch das neue Album. Das auch beim knackigen Rocker „Outlander“ und mit dem Fuß auf dem Gaspedal bei „Growing Underground“ mit herrlich spinnigem Mittelteil, das mit den progressiven Momenten haben sie doch nicht verlernt. Dass man bei so einem feurigen Orgel/Gitarrenduell an die besten Momente auf „Machine Head“ oder „Fireball“ denkt, wie gesagt, DEEP PURPLE aus allen Phasen finden sich hier überall. Spannend, dass sich Matte Gustafsson zurückhält und gar nicht so sehr nach BLACKMORE klingt. Bei allen Anleihen bleiben SIENA ROOT weit genug weg von einer Coverband. Hier eine Prise URIAH HEEP, dort bluesiges Flair Richtung FREE, ein Hauch JETHRO TULL ohne Rumgeflöte. Auch das fällt auf: die Jungs präsentieren sich hier ganz einfach als Band. Wo man bisher einen Haufen Gastmusiker auf den Scheiben findet, gibt es hier SIENA ROOT pur. Und das ist gut so und irgendwie auch anders, die Band so reduziert zu hören. Was natürlich wieder der rockigeren Linie zugutekommt. Zum Schluss hin denkt man doch mal wieder an die frühen Scheiben, „Empty Streets“ trägt viel früh 70er Psychedelic mit sich, kommt herrlich melancholisch, verspielt, verträumt, ein Song zum Eintauchen – unbedingt auch unter dem Kopfhörer! Dass man hier schon wieder nach … Ihr wisst schon klingt, das lässt man mit dem jazzigen Instrumental „Imaginarium“ schnell vergessen. Eine schräge Abfahrt zum Schwiegervater vertreiben, gerade hier merkt man total, wie gut die Musiker aufeinander eingestimmt sind, da liegt Chemie in der Luft, live wird das sicher ein Fest. Egal wo man genauer hinhört, die Drums, Bass, Gitarre oder Orgel bieten reichlich Abwechslung, sind klar durchdacht, ohne Kopflastig zu klingen, perfekt gespielt, und transportieren trotzdem ohne Ende Spielfreude. Der Schlusstrack „The Echoes Unfold“ bekommt zum fetten PROCOL HARUM-Flair einen Auftakt geboten, der geradezu doomig rüberkommt, man mag fast an die allerersten CANDLEMASS/NEMESIS-Demos denken. Das aber zwischen diesen schweren Brocken der zweiten Albumhälfte „No Filters“ sitzt, das reißt alles rum. Der Song ist so witzig, so catchy, so unverschämt cool, dass zumindest ich wieder weiß, warum SIENA ROOT meine Lieblings-Retro-Rocker sind. Die Stockholmer haben in diesem Riesenpool ihre eigene Ecke, auch wenn sie hier auf „A Dream Of Lasting Peace“ doch arg auf dem DEEP PURPLE-Trip sind, die ja mit „Infinite“ gerade selbst ein tolles Album abgeliefert haben. Was für ein Fest muss es da für die Schweden sein, eben diese live zu begleiten, bei uns in Dortmund und Berlin.

Tourdaten bei vampster: SIENA ROOT

Klar gab und gibt es gerade aus Schweden richtig gute Bands im Pool der Retro/Classic/Progressive/Psychedelic/Hard Rock-Szene. Aber mir fällt einfach keine ein, die diesen Sound so glaubhaft, so echt und fantastisch bringt wie eben SIENA ROOT, das natürlich auch live auf der Bühne. Jedes Album war bisher irgendwie anders, natürlich auch bedingt durch das Lineup-Karussell. Jedes hat seinen eigenen Reiz, aber „A Dream Of Lasting Peace“ schafft es, sich da ganz nach vorn zu setzen. Bedingt auch durch den starken Ruck Richtung Hard Rock und die tolle neue Stimme, setzt sich das Album gnadenlos im heimischen CD-Player fest, und auch im Autoradio, und in Kürze auch auf dem Plattenteller. Denn diesen herrlich echten, erdigen Sound sollte man genauso hören, wie ihn die Band irgendwo im Schwedischen Nirgendwo aufgenommen hat. Mag die CD schon toll klingen, die LP dürfte wohl unverzichtbar sein für Vinyl-Freaks.

VÖ: 26.05.2017
Spielzeit: 44:07

Lineup:
Sam Riffer – Bass, Vocals, Percussion
Erik „Errka“ Petersson – Orgel, Keyboards, Vocals
Samuel Björö – Leadvocals
Love Forsberg  – Drums, Vocals
Matte Gustafsson – Guitar, Vocals

Label: M.I.G. music
Website: http://www.sienaroot.com
mehr im Netz: https://www.facebook.com/sienaroot

Tracklist:
1. Secrets
2. Tales Of Independence
3. Sundown
4. The Piper Won’t Let You Stay
5. Outlander
6. Growing Underground
7. Empty Streets
8. No Filters
9. Imaginarium
10. The Echoes Unfold

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Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!