SCHANDMAUL: Traumtänzer

SCHANDMAUL: Traumtänzer

Es gibt zur Band SCHANDMAUL wohl kaum noch viel zu sagen, was wir nicht schon in den zahlreichen Artikeln zu den Münchner Folk/Mittelalter-Rockern geschrieben haben. Wer die sympathische Band kennt, der mag sie unweigerlich auch, gerade wegen ihrer Fannähe und den natürlichen Gesellen und Damen. So hat es ihnen auch kein Fan übel genommen, dass sie mal ein längere Pause eingelegt haben, um wieder etwas Luft zu bekommen, letztendlich war man ja auch live all die Jahre fleißig unterwegs. Nach dem nicht ganz so starken Album Mit Leib und Seele und dem von einer recht dunklen Linie durchzogenen letzten Studioalbum Anderswelt ging es in den wohlverdienten Urlaub, fast eineinhalb Jahre ohne Shows, dem Fan wurde diese Zeit versüßt mit der tollen Live-CD bzw. DVD Sinnfonie. Nun denn, die Pause ist vorbei, mit Traumtänzer steht das nunmehr siebte Studioalbum an.

Ein schlimmer Schelm, dem zuerst die wohlgeformten Beine von Trötenqueen Birgit ins Auge fallen. Sorry, meine Herren, wer mit zwei so bezaubernden Damen das Rampenlicht teilt, der kann nur verlieren… 😉 Aber auch die Songs sorgen schnell für Glückseligkeit, die Pause hat der Band unüberhörbar gut getan. Dass sie so unbeschwert zu Werke gehen werden, das hatte ich so nicht erwartet nach den letzten beiden Alben. Bei wirklich gutem Sound sorgen SCHANDMAUL sofort für gute Laune. Zudem erkennt man schnell, dass die Damen und Herren die Pause nicht nur auf dem Sofa und mit Windelwechseln verbracht haben, sondern weiter an ihren Instrumenten gewachsen sind. Gerade Anna und Birgit hört man begeistert zu, obwohl nicht jeder Ton perfekt sitzt. Hier wurde nicht zu viel glattgebügelt, was der lebendigen Atmosphäre des Albums gut tut. Denn die durchzieht die Songs wie schon lange nicht mehr. Der fröhliche Titelsong erinnert an die frühen Scheiben der Münchener, Auf hoher See lädt zum Tanze ein, das swingende Bis zum Morgengrauen zum Mitschunkeln, das zarte, dezent kitschige Die Rosen zum Kuscheln. Viel geändert hat sich nicht, die Melodien hat man so oder ähnlich schon oft von SCHANDMAUL gehört, auch die Vocals von Thomas sind frei von Überraschungen, aber eben vertraut und gern gehört, die Texte handeln wie gehabt von Schurken, Schelmen, düsteren Liebeleien und Herzeleid.

Den großen Unterschied macht die Frische aus, mit der man wieder durch die Songs führt. Vieles, was die drei ersten, immer noch tollen Alben auszeichnet, wird hier modern und knackig präsentiert. Dazu mit dem Pakt eine östliche Polka, Latino-Klänge mit gelungenem Trompetenspiel tauchen auf, keltische Melodien kommen deutlicher denn je zum Klingen, auch für langjährige Begleiter der Band gibt es kleine Neuerungen zu entdecken. Das Meiste aber ist wohl vertraut, die sentimentalen, ruhigen Töne sind schön und laden zum Träumen ein, es gibt reichlich Songs zum Abhotten, schelmische, mystische Texte, teils mit Verweisen zu eigenen Geschichten der MusikerInnen, schwere Lieder, die auf ihre eigene Weise heavy sind, als Fan bekommt man ein Rundum-Wohlfühl-Paket.

Dass SCHANDMAUL auch hier nicht ganz den jugendlichen, unbeschwerten Charme vom Debüt Wahre Helden, Von Spitzbuben und anderen Halunken oder Narrenkönig erreicht, das macht nichts. Die Damen und Herren sind halt auch erwachsener geworden in den letzten 12 Jahren, das darf man ruhig hören. Sowohl als Fan als auch als Neuling, der die Folk-Barden noch nicht kennt, kann man bedenkenlos zugreifen. 

Veröffentlichungstermin: 28.01.2011

Spielzeit: 55:35 Min.

Line-Up:
Thomas Lindner: Gesang, Akustik-Gitarre, Akkordeon
Birgit Muggenthaler-Schmack: Sackpfeife, Flöten, Schalmeien, Gesang
Anna Katharina Kränzlein: Violine, Drehleier, Gesang
Martin Duckstein: E-Gitarre, Klassische Gitarre, Gesang
Matthias Richter: E-Bass, Fretless-Bass
Stefan Brunner: Schlagzeug, Percussion, Gesang

Produziert von Thomas Heimann-Trosien
Label: F.A.M.E.-Recordings

Homepage: http://www.schandmaul.de

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/schandmaulmusic

Tracklist:
1. Traumtänzer
2. Der Alchemist
3. Auf hoher See
4. Hexeneinmaleins
5. Bis zum Morgengrauen
6. Die Rosen
7. Schwur
8. Pakt
9. Der Anker
10. Geas Traum
11. Assassine
12. Halt mich
13. Des Dichters Segen
14. Mein Lied

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!