SCHANDMAUL: So weit, so gut

SCHANDMAUL: So weit, so gut

Ist das jetzt ein richtiges Best of oder eher ein Rückblick auf frühere Schaffensperioden? Die Faktenlage: So weit, so gut steht unter dem Motto 15 Jahre SCHANDMAUL, die Standardedition konzentriert sich in der Titelauswahl aber stark auf die ersten Alben der Münchner. Und das mit gutem Recht: Die Bonus-CD der Special Edition nimmt sich der jüngeren Ära an, während die vorliegende Fassung neu eingespielte Songs der Anfangstage beinhaltet. Insgesamt neun Stücke sind den ersten drei Werken Wahre Helden, Von Spitzbuben und anderen Halunken sowie Narrenkönig entnommen, Wie Pech und Schwefel wird mit anderthalb Songs bedacht, aus der Anderswelt kommt nur der Krieger als Teil der Sigfrid Trilogie, Der Clown hält die Fahne der akustischen Kunststück-Periode hoch und oben drauf gibt es drei komplett neue Kompositionen.

Von den Letztgenannten gefällt vor allem das instrumentale Folk ´n´ Roll, das in diversen Kategorien von irisch über schottisch bis zu Folk und Blues wildert. Orientexpress und der Schunkelschlager Herz aus Gold sind dagegen recht bemüht und mehr Füllmaterial als Kaufanreiz. Interessant wird es also erst bei den Neuinterpretation, die den Großteil von So weit, so gut ausmachen. Erwartungsgemäß setzen SCHANDMAUL nämlich hier und da den Stift neu an, ändern Arrangements mal im Großen, mal im Detail. Während Teufelsweib und Die goldene Kette durch kleine Verzierungen von Schalmei bzw. Flöte und Geige profitieren, wurde Geisterschiff gleich komplett umarrangiert. Den Mix aus gespenstischer Akustikballade und später einsetzendem Rockgewitter kennen Fans zwar schon von Liveaufnahmen und Konzertbesuchen, als Studioversion feiert die dynamische Intonation aber eine nicht minder gelungene Premiere. Ähnlich verhält es sich mit der erwähnten Sigfrid Trilogie, einem Medley der thematisch verknüpften Der junge Sigfrid, Drachentöter und Krieger.

Schallt an anderer Stelle das Trinklied jetzt beschwingt und etwas rockiger durch das Wohnzimmer, bleiben ein paar Nummern trotz des allgemein detailreicheren Bassspiels hinter den Originalaufnahmen zurück. Bei Herren der Winde macht die E-Gitarre in den tiefen Regionen zwar mehr Druck, wie bei Walpurgisnacht und dem Drachentöter-Segment sind die Neuaufnahmen jedoch weniger organisch ausgefallen. Die einzelnen Instrumente fügen sich im Mix nicht mehr so natürlich ineinander wie einst, gerade Produktion und Mastering ist dies anzulasten. Im Großen und Ganzen absolut solide, ist So weit, so gut in dieser Hinsicht dennoch anzumerken, dass weniger Zeit und Geld investiert wurde als bei einem regulären Studioalbum.

Es wäre jedoch unfair, mit den deutschen Folk-Rock-Giganten aufgrund dieser Detailschwächen zu hart ins Gericht zu gehen. Immerhin steckt für eine Rückschau enorm viel Liebe im Dargebotenen: Filigranes Bassspiel, feinere Arrangements und teils spannende Veränderungen derselbigen sind für Fans Grund genug, auch So weit, so gut unumgehend einzutüten. SCHANDMAUL-Neulingen rate ich hingegen zu einem der älteren Alben; auf Narrenkönig und Wie Pech und Schwefel ist die Trefferdichte mindestens genauso groß – ein Best of im Kleinen sozusagen.

Veröffentlichungstermin: 30.08.2013

Spielzeit: 68:21 Min.

Line-Up:
Thomas Lindner: Gesang, Akustik-Gitarre, Akkordeon
Birgit Muggenthaler-Schmack: Sackpfeife, Flöten, Schalmeien, Gesang
Anna Katharina Kränzlein: Violine, Drehleier, Gesang
Martin Duckstein: E-Gitarre, Klassische Gitarre, Gesang
Matthias Richter: E-Bass, Fretless-Bass
Stefan Brunner: Schlagzeug, Percussion, Gesang

Produziert von Thomas Heimann-Trosien
Label: F.A.M.E. Recordings

Homepage: http://www.schandmaul.de/
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/Schandmaul

Tracklist:
01. Folk ´n´ Roll
02. Herren der Winde
03. Sigfrid Trilogie
04. Geisterschiff
05. Herz aus Gold
06. Teufelsweib
07. Orientexpress
08. Die goldene Kette
09. Der Clown
10. Vogelfrei
11. Trinklied
12. Walpurgisnacht
13. Der letzte Tanz
14. Dein Anblick
15. Willst Du

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