SANKT OTTEN: Morgen wieder lustig

SANKT OTTEN: Morgen wieder lustig

Willkommen in der Welt des bekannt-unbekannten. SANKT OTTEN führen das zusammen, was nur wenige andere verbinden können. Schöne Ausflüge ins Weltall, sanftes Driften durch die Nacht, bizarre Tanzflächen der Siebziger, die einst vorgaben, die Zukunft zu kennen. Das klingt abstrakt? Lass dir helfen. SANKT OTTEN befinden sich irgendwo zwischen Sci-Fi-Soundtracks der Siebziger – ich meine natürlich ZOMBI – und BRIAN ENO, zwischen TANGERINE DREAM und sogar BOHREN UND DER CLUB OF GORE. Das Duo macht es sich in einem wundervoll undefinierten Bereich bequem und wirkt gerade dadurch erfrischend, originell und eigenständig. Auch da, oder gerade weil die Zutaten allesamt schon von anderen Künstlern verwendet wurden, geht es SANKT OTTEN auf ihrem vierten Album Morgen wieder lustig eher darum, munter mit Erwartungen zu spielen und eine ganz eigene, verworrene Welt zu erschaffen, statt das Rad neu zu erfinden.

SANKT OTTEN haben ihre Hausaufgaben gemacht, sie wissen, bei wem sie sich bedienen, ohne es zu offensichtlich wirken zu lassen. Mit Unser Mann für das Happy End und Wenn die Rechnung nicht aufgeht wird es so langsam und düster wie bei BOHREN UND DER CLUB OF GORE, die ein Projekt mit SIGUR RÓS laufen haben. Lustig, lustig, demain encore lustig ist eine Mischung aus KRAFTWERK und ZOMBI. Das US-Duo aus Pittsburgh steht dennoch für mehrere Stücke von SANKT OTTEN Pate, auch X für U und Mit Popcorn und Champagner haben solche Anleihen. Morgen wieder lustig ist hörbar nicht das erste Album dieser sympathisch-verrückten Band um Komponist, Synthesizer-Experte und Programmierer Stephan Otten. Dieses gut dreiviertelstündige Werk hat Humor, aber auch einen sehr lakonischen Unterton. Und wenn ich es mir recht überlege, könnte diese Musik trotz der eindeutig deutschen Ausführung irgendwie gut aus Island stammen. Oder eher noch von einem Deutschen, der ein paar Jahre in Island gelebt hat. Das ist so sanft, und doch abstrakt, dass einem ganz warm ums Herz wird.

Morgen wieder lustig ist wie eine Botschaft, dass heute noch trüber Winter herrscht, aber dass morgen der Frühling kommen wird. Trotz aller Düsternis öffnet sich immer wieder ein leiser Quell Hoffnung und Heiterkeit vor dir, nur ganz kurz, so wie es Ich bin dann mal oben andeutet. Ein Himmel voller Galgen und Das bezahlte Lob klingen so als würde sich eine Kuppel öffnen und das Universum würde dich sanft verschlingen. Ohne seinen Ottens Konterpart Oliver Klemm, der tolle Analog-Synthesizer und schönes, leicht dröhnendes Gitarrenspiel bietet, das die Musik ergänzt und nicht dominiert, wäre der Bandchef aber auch nur halb so stark. So erschaffen sie eine tiefe und ungemein ehrliche Reise durch Welten, die seit 1979 nur besucht wurden. Wäre die Produktion etwas direkter und wuchtiger und würde es statt E-Drums akustisches Schlagzeug zu hören geben, dann wäre SANKT OTTEN ein geradezu perfektes Album geglückt, zumindest für Freunde von krautigem Synthie-Progressive, fernab von Metal. Das bedeutet natürlich trotzdem eine Aufforderung an alle, dieses wunderbare Album zumindest anzuhören. Vielleicht wirst du danach wieder einmal deine Eltern besuchen und in ihrem Plattenschrank wühlen. Wäre doch auch schön, oder?

Veröffentlichungstermin: 15. Februar 2010

Spielzeit: 48:22 Min.

Line-Up:
Stephan Otten – Programming, Sampling, Keyboards
Oliver Klemm – Guitar, Keyboards

Label: Denovali Records

Homepage: http://www.sanktotten.de

MySpace: http://www.myspace.com/sanktotten

Tracklist:
1. Ein Himmel voller Galgen
2. Mutter, Jazz und der heilige Geist
3. Mit Popcorn und Champagner
4. Lustig, lustig demain encore lustig
5. Fromme Lügen
6. Das bezahlte Lob
7. Mein Freund aus Köln
8. Unser Mann für das für das Happy End
9. X für U
10. Wenn die Rechnung nicht aufgeht
11. Ich bin dann mal oben