SANKT OTTEN: Engtanz Depression

SANKT OTTEN: Engtanz Depression

Fleißig wie eh und je sind SANKT OTTEN, und auch mit Engtanz Depression will ihre Kette an hochkarätigen Alben einfach nicht abreißen. Zwar gibt es seit Morgen wieder lustig kleinere Qualitätsschwankungen, aber enttäuscht hat das Duo aus Osnabrück noch nie. Nach der – zumindest in optischer Hinsicht – Trilogie von Gottes Synthesizer bis Messias Maschine grenzen sich SANKT OTTEN von den Artworks von Salusitano wieder ab und wirken dabei auch etwas bedrückter als zuletzt. Knapp eine Stunde lang geht es eher düster bei Stephan Otten und Oliver Klemm zu, Engtanz Depression legt die Songdienlichkeit des Vorgängers etwas mehr beiseite und bietet dafür ein paar Experimente mehr. Dennoch schaffen es SANKT OTTEN, atmosphärische und packende Musik zu schreiben, zu der man vielleicht nicht gerade das Tanzbein schwingen, aber dafür gut schwoofen kann.

Zu Engtanz Depression sind SANKT OTTEN wieder ganz auf sich allein gestellt. Keine Gastmusiker erweitern das Portfolio der Band, vielleicht klingen diese neun Songs deshalb recht intim. Die Rhythmen sind oft zurückhaltend, die Gitarren bleiben im Hintergrund. Dominiert wird Engtanz Depression selbstredend von den guten alten Analog-Synthesizern, und gerade wenn es dunkel und beinah bedrohlich wirkt, wie in Wo es immer regnet oder im brillanten Zwölfminüter Sing die Apokalypse werden wohlige Erinnerungen an die Soundtracks von JOHN CARPENTER wach. Daneben stehen aber auch äußerst melancholische Stücke wie Beten, tanzen, küssen, Karfreitagskarpfen und Dolce Vita, Der Himmel ist voll oder Ich bau dir ein Museum, und manchmal verweigern sich SANKT OTTEN ganz dem klassischen Songwriting wie im Ambient-Stück Die tragische Nummer. Ein kleiner Hit ist selbstredend auch dabei: Im Lichtorgelparadies baut sich langsam auf, geht aber schließlich doch ins Ohr und in die Beine.

So abstrakt der Titel Engtanz Depression auch sein mag, SANKT OTTEN beschreiben damit ziemlich genau die Grundstimmung ihres Albums. Es ist intim und vergleichsweise düster, hat wenige wirklich erbauliche Momente. Dafür ist SANKT OTTEN im Hinblick auf die Stimmung ein ganz starkes Album gelungen. Unaufdringlich einerseits, atmosphärisch dicht und schön hermetisch andererseits bietet Engtanz Depression einen guten Gesamteindruck. Andererseits spielen SANKT OTTEN hier viele ihrer Facetten aus, egal ob es etwas grooviger oder eher sphärisch klingt. Die schlechte Nachricht ist: Stephan Otten und Oliver Klemm mögen nicht viel Neues in ihren Sound integrieren, stagnieren also auf hohem Niveau. Immerhin, Engtanz Depression zeigt Deutschlands beste Kraut-Synthie-Band seit TANGERINE DREAM in verdammt guter Verfassung.

Veröffentlichungstermin: 27. Februar 2015

Spielzeit: 55:22 Min.

Line-Up:
Stephan Otten – Drums, Programming, Synthesizer, Voice
Oliver Klemm – Guitars, Synthesizer, Piano

Label: Denovali Records

Homepage: http://www.sanktotten.de

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/sanktotten

Tracklist:
1. Urlaub unter Psalmen
2. Beten, tanzen, küssen
3. Wo es immer regnet
4. Im Lichtorgelparadies
5. Der Himmel ist voll
6. Karfreitagskarpfen und Dolce Vita
7. Sing die Apokalypse
8. Die tragische Nummer
9. Ich bau dir ein Museum

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