SALTATIO MORTIS: Wer Wind Sät

SALTATIO MORTIS: Wer Wind Sät

Einen Hang zu klangvollen Albumtiteln haben SALTATIO MORTIS ja schon auf dem Vorgänger Aus der Asche bewiesen. Wo jedoch damals der Aufstieg des Phönix die Neugeburt nach zahlreichen Besetzungswechseln und dem Beinahe-Aus verbildlichte, steht Wer Wind Sät konsequenterweise für nachfolgende Großtaten der inzwischen zum Sextett geschrumpften Mittelalter Rock-Band. Das sind große Ambitionen, die SALTATIO MORTIS auf ihrem fünften Rock-Album verfolgen; zugetraut hätte ich ihnen einen zweiten Meilenstein wie Aus der Asche, welches ich im Übrigen für eines der besten Genrewerke überhaupt halte, im Vorfeld allerdings schon. Doch wo steht Wer Wind Sät im direkten Vergleich wirklich?

Eine Frage, deren Antwort mir leicht und schwer zugleich fällt. Prinzipiell bleibt festzuhalten, dass sich das musikalische Grundgerüst auf den ersten Blick nur wenig verändert hat. Noch immer treffen bratende Gitarren auf Sackpfeifen und Drehleier; noch immer trägt Sänger Alea die zumeist deutschsprachigen Texte mit größtmöglicher Leidenschaft vor. Doch ist Wer Wind Sät dennoch düsterer, gitarrenlastiger und schwerfälliger geworden als der direkte Vorgänger. Obwohl das Album in atmosphärischer Hinsicht zweifelsohne wie der erwachsene Bruder von Aus der Asche wirkt, können reife und ernste Stücke wie Das Kalte Herz oder das vor allem textlich gelungene Ebenbild nicht kaschieren, dass die eigentlich begrüßenswerte Entwicklung SALTATIO MORTIS´ auch neue Schwächen mit sich bringt. So erkauft die Band größere Variation in den Songstrukturen mit dem Verzicht auf eines ihrer größten Trademarks. In der Praxis heißt das, dass man die ehemals für SALTATIO MORTIS typischen, mehrstimmigen und vielschichtigen Sackpfeifenmelodien kaum noch findet. Stattdessen spielen die Dudelsäcke stets weitgehend dieselben Parts und liefern sich höchstens mal ein Duell mit der im Hintergrund agierenden Drehleier. Dies ist insofern schade, als dass dadurch ein wenig der eigene Charakter verloren geht. Während die Karlsruher mit dem punkigen Aus der Asche noch genug Eigenständigkeit bewiesen, drohen sie jetzt zwar noch nicht im Fahrwasser von IN EXTREMO unterzugehen, aber laufen dennoch Gefahr, ihren Wiedererkennungswert zu verlieren. Dass zudem mit dem Midtempo-Rocker Rastlos sowie dem immerhin textlich gelungenen Tief In Mir recht belangloses Füllmaterial vertreten ist, macht es für die Jungs auch nicht unbedingt leichter. Zumal sogar musikalisch gelungene Nummern à la Miststück und Wir Säen Den Wind mit ihren stilistisch zwar gut geschriebenen, aber inhaltlich sehr seichten Botschaften zu kämpfen haben.

Dabei ist Wer Wind Sät eigentlich lang nicht so schlecht, wie es sich bislang angehört hat. Denn interessanterweise spielen SALTATIO MORTIS immer dann am stärksten auf, wenn sie einfach geradeaus darauf losrocken. So eignet sich das geradlinige Manus Manum Lavat mit seinem akustischen Intro sicherlich hervorragend für künftige Live-Show, während man mit dem orientalisch angehauchten Salome einen regelrechten Ohrwurm und Hit im Gepäck hat. Aus der Legende der schönen Salomé schaffen SALTATIO MORTIS zusammen mit Gastsängerin Doro Pesch (DORO) ein fesselndes Rockduett, das lediglich auf das tragische Ende von Oscar Wildes gleichnamigen Bühnenstücks verzichten muss. Auch das mit Schalmeien zunächst traditionell beginnende La Jument De Michao mausert sich in seinem Verlauf zum tanzbaren Rock-Traditional und fasziniert so nicht weniger als die gefühlvolle Ballade Aus Träumen Gebaut, welche neben der bedachten Instrumentierung vor allem von ihrem Text sowie von Aleas emotionalem Gesang lebt. Gerade in diesen Momenten schimmern deutlich die ganze Klasse und das gesamte Potential der Band hindurch und hebt so Wer Wind Sät doch noch auf ein solides Niveau.

Als Ganzes betrachtet mögen SALTATIO MORTIS somit ein überdurchschnittliches Album aufgenommen haben. Wenn man jedoch gerade mit Blick auf Aus der Asche bedenkt, zu was die Formation eigentlich fähig ist, dann verbleibt man mit einer annehmbaren, gut produzierten Platte, die – gemessen an den Erwartungen – trotz allem eine kleine Enttäuschung darstellt.

Veröffentlichungstermin: 28.08.2009

Spielzeit: 52:02 Min.

Line-Up:
Alea der Bescheidene: Gesang, Dudelsäcke, Schalmeien
El Silbador: Dudelsäcke, Schalmeien, Uillean Pipes, Whistles
Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein: Dudelsäcke, Drehleier, Schalmeien
Samoel: Gitarren, Bouzouki
Bruder Frank: Bass, Chapman Stick, Electric Upright
Lasterbalk der Lästerliche: Schlagzeug, Davul, Percussion
Jean Méchant der Tambour: Percussion (nur Akustik-Shows)

Produziert von Thomas Heimann-Trosien
Label: Napalm Records

Homepage: http://www.saltatio-mortis.com

MySpace: http://www.myspace.com/mittelalterpunk

Tracklist:
01. Ebenbild
02. Salome
03. La Jument De Michao
04. Letzte Worte
05. Das Kalte Herz
06. Rastlos
07. Miststück
08. Tief In Mir
09. Aus Träumen Gebaut
10. Manus Manum Lavat
11. Vergessene Götter
12. Wie Säen Den Wind