ROSETTA: Quintessential Ephemera

ROSETTA: Quintessential Ephemera

In der Schwemme der Post Metal-Szene konnten sich ROSETTA bislang recht gut über Wasser halten: Ihre Alben Wake / Lift und das letzte Werk The Anaesthete sind fern von Pathos, aber emotional aufgewühlt und auch aufwühlend, voller Wut und doch gut durchdacht. Kurz: Der Weg, den ROSETTA einschlagen, ist nicht unbedingt neu, aber das Gespann aus Philadelphia schafft es dank ihrer gerne eingesetzten Härte, einen immerhin eigenen Weg zu gehen, der mehr von Hardcore und Noiserock geprägt ist als von ihren Genrekollegen. Im Vergleich zum vor zwei Jahren erschienenen The Anaesthete hat sich gleichermaßen viel und wenig getan. Einerseits: ROSETTA gehen immer noch unbeirrbar ihren Weg, mit krachenden Riffs, donnernden Drums, pulsierenden Bässen, viel Geschrei und etwas elektronischen Spielereien zur Auflockerung.

ROSETTA haben sich aber mittlerweile Verstärkung geholt, und das wirkt sich auf Quintessential Ephemera aus: Eric Jernigan, der dank CITY OF SHIPS bei uns bereits hoch im Kurs steht, hat sich ROSETTA angeschlossen und sorgt mit einer zweiten Gitarre für mehr Finessen, vor allem aber mit seinem klaren, sehr leidenschaftlich-melodischem Gesang für Wiedererkennungswert. Gerade die Vokalarrangements mit dem Wechselspiel aus Gebrüll und Gesang lassen Erinnerungen an – nicht lachen! – frühe THRICE oder BOYSETSFIRE wach werden, ohne dass es hier große stilistische Berührungspunkte gäbe. Dennoch: ROSETTA sind eindeutig eine Band vom sogenannten alten Schlag, die ohne plakative Elemente oder erzwungene Modernisierungen auskommt.

Stattdessen hat Quintessential Ephemera viel Qualität zu bieten: Die seltsamen Songtitel deuten es bereits an: Nach dem ruhigen Instrumetal-Intro After The Funeral gibt es sieben unbetitelte Stücke, die alle schön zusammenhängen und einen geschlossenen Gesamteindruck hinterlassen. Dabei stehen die einzelnen Tracks klar für sich, fließen aber gut ineinander über. Keine Frage, ROSETTA haben starke kompositorische Arbeit geleistet, um so hermetisch geschlossen zu klingen. Auch ihre Gabe sich nach Teilen, die etwas freier gespielt werden, sich plötzlich wieder auf den Punkt zu fokussieren, wertet einige Songs wie (Untitled I) und (Untitled III) ungemein auf. Zwar bleibt die Intensität nicht die gesamten fünfzig Minuten über erhalten, aber Quintessential Ephemera ist dennoch ein Album, das stetig wächst, sich immer mehr erschließt und immer zugänglicher wird.

Hand aufs Herz: ROSETTA bringen die Post Metal-Szene nicht wirklich weiter. Aber Quintessential Ephemera ist ein massives, brachiales Album, das verglichen mit MINSKs The Crash And The Draw erheblich simpler ist, sich dahinter aber nicht immer verstecken muss. Wer es sowohl hart als auch zart, aber immer raffiniert braucht, der sollte diesem Album eine Chance geben.

Veröffentlichungstermin: 3. Juli 2015

Spielzeit: 51:14 Min.

Line-Up:
Mike Armine – Vocals, Electronics
Dave Grossman – Bass, Vocals
Eric Jernigan – Guitar, Vocals
B.J. McMurtrie – Drums, Vocals, Barsista
Matt Weed – Guitar, Piano, Vocals

Label: Golden Antenna Records

Homepage: http://www.rosettaband.com/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/rosettaband

Tracklist:
1. After The Funeral
2. (Untitled I)
3. (Untitled II)
4. (Untitled III)
5. (Untitled IV)
6. (Untitled V)
7. (Untitled VI)
8. (Untitled VII)
9. Nothing In The Guise Of Something

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