ROBERT PLANT: Carry Fire

ROBERT PLANT: Carry Fire

Während Kollege JIMMY PAGE die letzten Jahre fleißig war, die LED ZEPPELIN-Alben neu aufzulegen, hat sich ROBERT PLANT nach „Lullaby And … The Ceaseless Roar“ drei Jahre Zeit gelassen mit dem neuen Solo-Album. Am Freitag dem 13. 10. hat er sein nunmehr elftes Soloalbum „Carry Fire“ veröffentlicht und macht nun ungern den Platz im Player frei für andere CDs. Und irgendwie macht das Gerede über eine LED ZEPPELIN immer weniger Sinn. Denn dieser Mann hat seine eigene Form von Musik gefunden, weltoffen, eigen, interessant und auch mal herrlich ruhig. Wer „Rock`n´Roll“ will, der soll sich halt die gut gemachten Re-Releases von LED ZEPPELIN gönnen.

… „Carry Fire“ einfach einlegen, anhören, abfeiern!

Eben das hat der Promoter meines Vertrauens versprochen. Und ja, „The Mary Queen“ kommt gleich mit so einem herrlichen Flow aus dem Kopfhörer, da machen sich sofort gute Laune und hippieske Vibes breit, irgendwie auch ein fettes Grinsen. Das Leben kann so schön sein, auch nach zahllosen Durchgängen. „New World…“ rollt das Ganze noch mehr auf, klingt fast poppig und unverschämt eingängig. Später kommt „Carving Up The World Again…“ recht kraftvoll und bluesig, würde man hier die Instrumente mehr brennen lassen, dann hätte man den passenden Song für die LED ZEPPELIN-Fans. Noch mehr das treibende „Bones Of Saints“, wer sich ein entspanntes „Rock`n´Roll“ wünscht findet dies in diesem fluffigen Song. „Keep It Hit“ kommt herrlich sperrig mit ebenfalls ZEPPligem Singsang und kratzigem Gitarrensolo. Nein, ROBERT PLANT braucht keine Reunion! Bei allen Querverweisen bleibt es dabei immer entspannt und gutgelaunt. Dazu passt auch „Bluebirds Over The Mountain“ im Duett mit Chrissie Hynde (THE PRETENDERS), ein relaxtes Cover von ERSEL HICKEY von 1958.

Wobei sich entspannt zum Teil anders definiert, es gibt eine gute Ladung sehr ruhiger Songs. „Season´s Song“ mit viel Flower Power-Flair, wunderschön, irgendwie kitschig, oder eben kitschig wunderschön. Wer jetzt gerade statt Herbstblues Frühlingsgefühle hat, der findet auf „Carry Fire“ den passenden Soundtrack. Da kuschelt sich dann das etwas fordernder daherkommende „Dance With You Tonight“ an, wer mag könnte sich diesen Song auch bei DAVID BOWIE gut vorstellen. Die Songs sind sehr sinnlich, da darf es schonmal im Bauch kribbeln. Ganz tief rührt einen das sentimentale „A Way With Words“ durch. Unfassbar wie groß der Song wird, obwohl die Band fast nichts macht. Nicht Licht formt, sondern Schatten, und so klingt der Song. Noch intensiver verabschiedet sich das Album mit „Heaven Sent“, würde man nicht schon verträumt vor sich hinstarren, würde man wieder bemerken, wie großartig die Musiker auch hier agieren. Seine vom letzten Album vertraute Band THE SENSATIONEL SPACE SHIFTERS und die Gäste spielen natürlich fantastisch auf. Gerade auch beim orientalisch anmutenden Titelsong, der einen erfolgreich in exotische Welten entführt. Richtig stark wird es aber, wenn man genau hinhört, wie oft sie sich zurücknehmen und dem Hausherren Raum geben. Dessen Stimme klingt noch eine Ecke älter bzw. reifer als auf „Lullaby And … The Ceaseless Roar“, und so manche zarte Gesangslinie oder gehauchter Herzschmerz mag so manchem zu viel sein. Aber die Stimme erreicht den Zuhörer, man fühlt sich umschmeichelt, leidet mit ihm mit oder feiert mit ihm die fröhlichen Songs. Aber das hat der Promoter ja versprochen!

„Carry Fire“ ist fantastisch geeignet für gute Laune gegen den Herbstblues und Frühlingsgefühle im Winter

Der Grundsound von „Carry Fire“ ist etwas lauter, mehr in your face als beim Vorgänger. Ein Album, das man automatisch viel lauter hört als geplant. Die Nachbarin kennt es schon auswendig. Oder dem man sich unter dem Kopfhörer hingibt, um bei den Musikern genauer hinzuhören. Man mag die Leute wieder nach der Reunion schreien hören, weil hier mehr Momente auftauchen, die an LED ZEPPELIN denken lassen im entrocktem Gewand. Ich denke dies ist eher ein klares Statement, dass PLANT eben diese nicht braucht. Es bleibt spannend, ob er diese Linie beibehält oder irgendwann wieder mit etwas ganz anderem überrascht. Bis dahin hat man mit „Carry Fire“ ein fantastisches Album, das einen je nach Song ausgelassen durch die Hütte swingen lässt oder den aktuellen Frühlingsgefühlen freien Lauf lässt.

Veröffentlicht: 13.10.2017

Spielzeit: 49:07

Line-Up:
Robert Plant – Vocals, Produktion
Liam Tyson – Dobro, Guitar, Pedal Steel, Backing Vocals
John Baggott – Keyboards, Loops, Moog Bass, Piano, Percussion, Brass Arrangement, T´bal, Slide Guitar, Bendir, Backing Vocals
Billy Fuller – Bass, Drum Programming, Keyboards
Julden Camara – Kologo, Ritti, Fulani Vocals
Justin Adams – Guitars, Oud, E-Bow, Percussion, Tambourine
Dave Smith – Drums, Bendir, Tambourine, Djembe

Gäste:
Seth Lakeman – Viola, Fiddle (1,7,10)
Redi Hasa – Cello (6,7,10)
Chrissie Hynde – Vocals (10)
Richard Ashton – Drums (10)

Label: Nonesuch Records /Warner Music

Homepage: http://www.robertplant.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/robertplant

Die Tracklist zu „Carry Fire“:

1. The May Queen
2. New World…
3. Season´s Song
4. Dance With You Tonight
5. Carving Up The World Again… A Wall And Not A Fence
6. A Way With Words
7. Carry Fire
8. Bones Of Saints
9. Keep It Hid
10. Bluebirds Over The Mountain
11. Heaven Sent

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!