PRIMITIVE MAN: Caustic

primitive man caustic cd cover

Nachdem der allgemeine Sludge/Doom-Hype in den 2010ern dem bis heute andauernden Black Metal-Hype gewichen ist, war die Angst groß, dass dass die Sludge-Szene aufgrund der mit der fortwährenden Stagnation eingehenden Erosion einfach kollabieren würde. Diese dunklen Prophezeiungen haben sich bis heute nicht erfüllt, denn der Doom für Rednecks ist nach wie vor „alive and well“. Neben den Veteranen wie THE BODY, EYEHATEGOD oder den reaktivierten IRON MONKEY sorgen vor allem die Jungspunde wie SEVEN SISTERS OF SLEEP oder die Herrschaften von PRIMITIVE MAN für neue Impulse in der Anstalt. Gerade über die kommende Platte der letzteren, die sich „Caustic“ schimpft, soll hier und jetzt gesprochen werden.

„The Caustic“ ist ein verdammtes Brett

Die drei Bandmitlieder der Band aus Denver, Colorado, sind keine Unbekannten in der lokalen Metalszene. Letztlich entstand PRIMITIVE MAN, wie auch VERMIN WOMB, auf den Ruinen der berüchtigten Grindcore-Truppe CLINGING TO THE TREES OF A FOREST FIRE, die sich 2013 leider offiziell auflöste. Während sich VERMIN WOMB mehr auf Grind konzentriert, schwingt PRIMITIVE MAN eine mit Noise durchsetzte Sludge/Doom-Abrissbirne, und zwar sehr effizient, was sowohl die Musikkritiker als auch die Fans auf dem Debüt „Scorn“ (2013) sofort feststellen konnten. Danach folgten mehrere Splits sowie eine EP, auf denen die Band immer weiter ihren Stil perfektionierte. Nun steht mit „Caustic“ der zweite Streich von PRIMITIVE MAN ins Haus, und das Ding ist einfach ein verdammtes Brett vor dem Herrn. Es gibt wirklich sehr wenige Platten, die den Hass und Nihilismus so perfekt kanalisieren und dabei so heavy sind, dass man das Gefühl hat, von einer Elefantenherde überrannt zu werden. Im Prinzip klingt „Caustic“ teilweise wie KHANATE auf Anabolika – allerdings ergänzt durch eine gehörige Portion Noise, variablere Drumparts, sowie die abgrundtiefen Growls vom Sänger Ethan Lee McCarthy.

PRIMITIVE MAN sind wie ein Zahnarztbesuch ohne Betäubung

„Caustic“ gehört zu den Platten, die am besten am Stück gehört werden sollten, auch wenn das nach der Hälfte der Spielzeit ganz schön wehtun könnte, denn man hat es hier nicht mit dem „Happy Sludge“ der Marke TORCHE oder KYLESA zu tun. Vielmehr hat der Genuss der Scheibe gewisse Gemeinsamkeiten mit einem Zahnarztbesuch, bei dem einem Patienten ohne Betäubung ein Zahn nach dem anderen gezogen wird. Das trifft vor allem auf die an den Drone/Doom grenzenden Songs  „Commerce“ und „Inevitable“ zu, die dem Hörer so einiges an Ausdauer abverlangen. Ansonsten geht es streckenweise sogar recht heiter zur Sache, wie beispielsweise auf „Sterility“ oder „Victim“ zu, ehe dann TEETH OF LIONS RULE THE DIVINE und INDIAN mal wieder mit dem Zaunpfahl winken.

Doch lange Rede, kurzer Sinn – am Ende haben wir eine qualitativ extrem hochwertige Scheibe, die für die Band nicht nur den vorläufigen Höhepunkt ihres Schaffens darstellt, sondern neben INDIANs „From All Purity“ (2014) den Sludge/Doom Extremismus neu definiert und in diesem Jahr in puncto Heaviness nur eine Handvoll Bands wie etwa USNEA oder HELL an sich vorbeiziehen lässt.

Veröffentlichung: 06.10.2017

Spielzeit: 77:15 Min.

Label: Relapse Records

Produziert von: Dave Otero

Bandwebsite: primitivemandoom.bandcamp.com
Facebook: facebook.com/primitivemandoom

Line-Up:
Ethan Lee McCarthy – Guitars, Vocals
Jonathan Campos – Bass
Joe Linden – Drums

PRIMITIVE MAN „Caustic“ Tracklist:
1. My Will
2. Victim (Video bei YouTube)
3. Caustic
4. Commerce
5. Tepid
6. Ash
7. Sterility
8. Sugar Hole
9. The Weight
10. Disfigured
11. Inevitable
12. Absolutes

 

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BKa