PORTRAIT: Burn The World

Portrait Burn The World CD Cover

Alle Jahre wieder. In diesem Fall alle drei Jahre wieder, beglücken uns PORTRAIT mit einem neuen Album. Nachdem die Schweden 2014 mit “Crossroads” ihr bisheriges Magnum Opus abgeliefert haben, wollten Sie diesem nun mit “Burn The World” einen würdigen Nachfolger zur Seite stellen. Am musikalischen Konzept gibt es weiterhin keine großen Änderungen. Klassischer Heavy Metal mit KING DIAMOND-Gedächtnis-Gesang war bisher das Erfolgsrezept der Band und ist es auch weiterhin. Wobei mir auf diesem Album JUDAS PRIEST einen größeren Einfluss gehabt zu haben scheinen als IRON MAIDEN, die auf den vorherigen Alben mehr Spuren hinterlassen hatten.

Die Gitarrenarbeit ist weiterhin erste Sahne, auch wenn Christian Lindell mit Robin Holmberg erneut einen neuen Partner zur Seite gestellt bekommen hat. Dieser stieß wie Bassist Fredrik Petersson erst dieses Jahr zur Band, war also am Songwriting vermutlich nicht mehr oder nur geringfügig beteiligt. Es sind – neben Per Lengstedt´s Gesang natürlich – vor allem die Riffs, die PORTRAIT ihren so eigenen Sound geben. Immer etwas komplexer als die der meisten Kollegen, immer noch ein paar Haken mehr schlagen – eben die gute alte MERCYFUL FATE-Schule, aber auch Spuren aus dem Death Metal findet man im Gitarrenspiel wieder. Das macht PORTRAIT natürlich auch ein Stückchen weniger eingängig, man muss sich den Zugang zu ihren Alben etwas mehr erarbeiten, als beispielsweise bei anderen klassischen Metal-Bands. Da ist man schon näher an einer Band wie TRIAL, wenn auch nicht ganz so verschroben. Mit den wilden Eskapaden, welche die beiden Gitarristen auf “Burn The World” abziehen, hält auch Schlagzeuger Anders Persson mit, der die Songs mit schier unmenschlichem Drive nach vorne treibt. Und auch Per Lengstedts Gesang wird gefühlt mit jedem Album besser, abwechslungsreicher und eindringlicher.

PORTRAIT bezeichen „Burn The World“ als ihr härtestes Album

Die Band bezeichnet “Burn The World” als ihr bisher härtestes aber auch dynamischstes und ausgefeiltestes Album und ich bin geneigt dem zuzustimmen. Mit dem Titelsong eröffnen PORTRAIT das Album mit einer treibenden Speed Metal-Nummer, gegen die “Beast Of Fire” fast schon wie ein Schlaflied wirkt. Gleichzeitig geizen PORTRAIT hier aber auch nicht mit melodischen Soli und Gitarrenduellen. Besser kann man ein Album kaum eröffnen.

KING DIAMOND auf Speed

Mit den folgenden Stücken machen es uns PORTRAIT nicht ganz so einfach. Vor allem “Likfassna” und “Flaming Blood” sind vielschichtige Biester. Da wechseln gallopierendes Mid Tempo und furiose Speed Metal-Passagen sich ab. “Likfassna” überrascht mit einem Orgel-Solo, “Flaming Blood” dafür stellenweise mit Death Metal-Riffing. “Mine To Reap” klingt dann wie ein KING DIAMOND-Stück auf Speed. Etwas weniger vertrackt als die beiden letzten Stücke aber immer noch abwechslungsreich und mit einem packenden Refrain. Das knapp acht Minuten lange “Martyrs” ist vielleicht das melodischste Stück, das PORTRAIT bisher geschrieben haben. Im Vergleich zu den finsteren, vertrackten Biestern und Speed Metal-Krachern, die PORTRAIT bisher im Laufe von “Burn The World” so auf uns losgelassen haben, wirkt “Martyrs” vergleichsweise simpel und fast schon entspannt, dafür aber episch. Aber gerade das macht den Reiz des Songs aus, welchen ich als den Ohrwurm der Platte neben dem Titelsong ausmachen würde. Alleine der sich immer weiter steigernde, epische Teil nach etwa vier Minuten. Was für ein Spannungsbogen! Ganz großes Kino!

“Burn The World” übertrifft alle bisherigen PORTRAIT-Alben

Das kurze Akustik-Intermezzo “Further She Rode” bietet eine Verschnaufpause bevor mit PORTRAIT mit “To Die For” den kürzesten und wohl auch schnellsten Song des Albums abfeuern. Ein reinrassiger Speed Metal-Abriss bei dem man fast meint, Gitarren und Schlagzeug würden versuchen, sich gegenseitig zu überholen. Nach viereinhalb Minuten ist der Spuk vorbei und es folgt mit dem knapp neunminütigen “Pure Of Heart” der zweite überlange Song des Albums. Hier schöpfen PORTRAIT nochmal aus den Vollen und liefern einen epischen Stampfer ab, der sich immer weiter dem großen Finale entgegen steigert, zwischendurch mit halb gesprochenen, halb gesungenen Passagen von Per Lengstedt. Epik und Drama geben sich die Klinke in die Hand. Ein mehr als würdiger Abschluss eines großartigen Albums! Haben die Schweden es also geschafft einen würdigen Nachfolger zum großartigen “Crossroads” fertigzustellen? Ja, das haben sie! “Burn The World” übertrifft alle bisherigen PORTRAIT-Alben inklusive des schon sehr starken Vorgängers. An diesem Album kommt man dieses Jahr ebenso wenig vorbei wie an “Darkness Remains” von NIGHT DEMON und auch mit „Svbversvum„,  dem letzten Album der Kollegen von RAM, sind PORTRAIT hier locker auf einer Höhe.

VÖ: 25.08.2017

Spielzeit: 46:42 (ohne Bonustrack)

Line Up:
Per Lengstedt – vocals
Christian Lindell – guitars
Robin Holmberg – guitars
Fredrik Petersson – bass
Anders Persson – drums

Produziert von:

Label: Metalblade

Bandhomepage: portraitmetal.com
Mehr im Netz: facebook.com/portraitsweden

Tracklist:
01. Saturn Return (Intro)
02. Burn the World
03. Likfassna
04. Flaming Blood
05. Mine to Reap
06. Martyrs
07. Further She Rode
08. The Sower’s Cross (CD Bonus Track)
09. To Die For
10. Pure of Heart

 

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