POISON BLOOD: Poison Blood (EP)

poison blood cover

In Bezug auf das Talent und Facettenreichtum kann man Musiker wie Jenks Miller (HORSEBACK) an den Fingern einer Hand abzählen. Dass er bis heute noch keinen unterschriftsreifen Majorlabel-Vetrag in seinem Briefkasten hat, dürfte wohl zum einen an seiner Bescheidenheit und zum anderen an fehlender Massenkompatibilität liegen. In der transzendenten HORSEBACK-Mischung aus Drone, Krautrock und Ambient haben gewiss auch Black-Metal-Anleihen eine prominente Rolle gespielt, was auf den Alben „Invisible Mountain“ (2009) und „Half Blood“ (2012) kaum zu überhören ist.

Doch im Laufe der Zeit wandelten sich die musikalischen Visionen, und so blieb der gute alte Black Metal zunehmend auf der Strecke. Bemüht um die Wiedergutmachung gründete Jenks das Nebenprojekt POISON BLOOD und lud keinen geringeren als Neill Jameson (KRIEG) ein, der das fertige Werk mit seinen Vocals noch zusätzlich veredeln sollte. Als Ergebnis erscheint nun die selbstbetitelte 8-Song-EP über Relapse Records.

POISON BLOOD ist ein Projekt von Jenks Miller (HORSEBACK) und Neill Jameson (KRIEG)

Zu dem Material kann man im Prinzip lediglich sagen, dass die Jungs ihre Hausaufgaben recht ordentlich gemacht haben. Die Songs klingen primitiv, roh und werden damit der Beschreibung im Promozettel gerecht, in dem steht, dass die beiden Musiker von BEHERIT und offensichtlich dem Rest des finnischen Black-Metal-Undergrounds sowie von den Deathrock-Urgesteinen RUDIMENTARY PENI inspiriert worden wären. Während ich in Bezug auf BEHERIT bzw. BEHEXEN komplett d‘accord bin, lässt sich die Sache mit RUDIMENTARY PENI grundsätzlich nur noch schwer einschätzen, denn es ist halt so, dass auf dem Minialbum alles, was nicht Black Metal ist, paradoxerweise (Achtung, Ironie!) eben stark nach HORSEBACK klingt. Als Beispiele dafür könnte man hier glatt den ersten und den letzten Song nennen – alles dazwischen ist primitiver, nihilistischer Black Metal, wie man ihn aus den frühen Neunzigern kennt.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass das Songmaterial für ein Debüt recht ordentlich und durchdacht klingt, obwohl mich die EP nicht unbedingt vom Hocker gerissen hat. Hier und da hat man es mit der Primitivität doch ein wenig übertrieben. Mit anderen Worten: Ein wenig mehr Variation hätte grundsätzlich nicht geschadet. Aber da die EP eh nur 18 Minuten läuft, ist das freilich nicht so tragisch, obgleich ich schon sagen kann, dass eine vergleichbare LP mich wohl zu Tode langweilen würde. Keine uneingeschränkte Kaufempfehlung, aber nichtsdestotrotz ein durchaus stimmiges Scheibchen.

Veröffentlichungstermin: 11.08.2017

Spielzeit: 18:35 Min.

Line-Up:
Neill Jameson: vocals, lyrics
Jenks Miller: guitar, bass, drums, keys, synth

Produziert von: Jenks Miller und James Plotkin

Label: Relapse Records

Homepage: poisonblood.bandcamp.com
Mehr im Netz: facebook.com/Poison-Blood

POISON BLOOD „POISON BLOOD“ (EP) Tracklist

1. The Scourge and the Gestalt
2. Deformed Lights
3. Myths from the Desert
4. A Cracked and Desolate Sky
5. The Flower of Serpents
6. Shelter Beneath the Sea
7. From the Lash
8. Circles of Salt

 

Teilen macht Freude:

BKa