PINK FLOYD: The Piper At The Gates Of Dawn [Vinyl-LP][Re-Release]

PINK FLOYD: The Piper At The Gates Of Dawn [Vinyl-LP][Re-Release]

PINK FLOYD lassen es nochmal richtig laufen! Nach dem allerletzten Studioalbum in Form der tollen Resteverwertung The Endless River und dem starken letzten Soloalbum Rattle That Look von DAVID GILMOUR sorgt man nun für Euphorie bei den alten und jungen Fans: Es wird nacheinander alle 15 Studioalben der Band auf Vinyl geben. Seit über 20 Jahren bekommt man die LPs nur noch zu Horrorpreisen auf Plattenbörsen, hier nun aber ganz offiziell wieder. Um gerade die frühen Scheiben etwas zu entstauben gibt es alle Alben remastered. Die beteiligten Soundbastler und das Klangbild deuten darauf hin, dass es sich um die Remasters von der 2011 erschienenen Re-Release-Reihe handelt, mit der man sich lohnenswert Lücken in der PINK FLOYD-Sammlung stopfen konnte. Sauber und zeitgemäß überarbeitet, aber nicht totgebastelt, aber eben auch nicht ganz so echt wie die Originale. Das Debüt im alten Monosound über eine echte 70er Jahre-Anlage, das bleibt halt einfach besonders. Aber die Generation Fans, die noch damit aufgewachsen ist, sich in Plattenläden die Zeit zu vertreiben, denen das Ritual des Plattenauflegens heute noch heilig ist, aber auch die jungen Rockfans, die vielleicht erst durch die Retro-Welle der letzten Jahre auf den echten alten Progressive- und Psychedelic-Rock aufmerksam geworden sind, können von diesen Re-Releases auf Vinyl nur begeistert sein! Aktuell also stehen die ersten vier Alben an.

Nachdem die Band mit den Singles Arnold Layne und See Emily Play 1967 die ach so gepflegte Welt des englischen Beat ordentlich durcheinander brachten, erschien im selben Jahr das Debütalbum The Piper At The Gates Of Dawn, hier war PINK FLOYD noch ganz klar das Baby von Bandgründer Syd Barrett. Und der muss ganz klar ein ziemlich schräger Typ gewesen sein, das zeigt dieses Album, aufgenommen in den legendären Londoner Abbey Road Studios, mit jedem Ton. Na ja, wer zu der Zeit sein Album nach irgendeinem Kapitel eines Kinderbuch benannte, über Fahrräder und Vogelscheuchen sang, den musste man damals seltsam finden, heute lädt der schräge Humor natürlich durchweg zum Schmunzeln ein.

Dabei beginnt das Album mit Astronomy Domine fast noch normal, mit seinem SiFi-Thema ein Frühchen des Space Rock. Schräg und spinnig, ja, aber schlimmer geht immer, der Opener nimmt einen noch behutsam mit auf Reisen in andere Sphären. Auch Lucifer Sam hört man an, dass Barrett damals beeindruckt war von dem BYRDS und dem BEATLES. Den Song hat er anscheinend seiner Katze Sam gewidmet. Matilda Mother kommt schon etwas Bunter, Mama erzählt Märchen, es gibt kaum klare Gitarrenakkorde, dafür reichlich orientalisch anmutende Orgelmelodien und fremdartige Klänge. Bei Flaming wird dann aber schon ordentlich rumgesponnen, die disharmonischen Instrumente werden begleitet von allerlei Nebengeräuschen, es Klingelt und Bimmelt überall, aber kein Vergleich zum spinnigen Pow R. Toc H., das jazzig anmutend mit reichlich Albernheiten daher kommt und vom beswingten Groove zu bedrohlichen Soundkollagen anwächst. Take Up Thy Stethoscope and Walk ist vertonter Wahnsinn, wäre da nicht der fast catchy klingende Refrain, das Lied wäre pure Spinnerei. Wie auch das Instrumental Interstellar Overdrive, das noch mit einer knackigen Gitarrenmelodie beginnt, die so auch heute von jeder zweiten Retro-Rock-Band gespielt wird. Nach gut zwei Minuten ist aber statt Abrocken Kopfschütteln angesagt, dann wird es schräg, zuzuhören, was die Musiker da machen (Kopfhörer!) wird zu Freud und Leid gleichzeitig. Ein vertonter LSD-Raus, so schräg und irgendwie schön, auch wenn das Wort Song hier nicht mehr greift bei all dem wirren Gewusel. Da kommt einem das folkige, geradezu normale The Gnome fast schon komisch vor, wie auch das erzählerische Chapter 24. Bei The Scarecrow glaubt man ein wenig JETHRO TULL zu hören, die ja auch zeitgleich erste Schritte machten. The Bike strotzt dann wieder vor schrägem Humor, zum Ende hin wird nochmal ordentlich auf die Lachdrüse gedrückt.

Ganz klar, hier haben wir es mit einem frühen Meisterwerk des psychedelischen Rock zu tun, für den diese Band ja nun mal führend steht. Wer bei PINK FLOYD an spätere Bombastwerke denkt wie Wish You Were Here oder Dark Side Of The Moon, der wird hier erstmal irritiert sein. Das hier klingt alt, spinnig, durchgeknallt – und macht gerade deshalb richtig Spaß! Gerade als Reise unter dem Kopfhörer ist das Debütalbum The Piper At The Gates Of Dawn der Ur-Väter des Psychedelic/Avangarde/Progressive-Rock eine fantastische, fesselnde Zeitreise, und die Songs werden m,it jedem Durchgang größer! PINK FLOYD-Fans brauchen dieses Frühwerk, ebenso all die Menschen, die sich durch neuere Bands inspiriert fühlen, sich mit diesem Genre zu befassen. Dass man diesen Klassiker nun auch wieder als LP in der Hand halten darf, das Ritual wieder Leben kann, eine Platte aufzulegen und den Klang zu genießen, der trotz modernem Remaster immer noch nach Schallplatte klingt, das ist einfach fantastisch! Zudem ist der Besitz dieses Debütalbums natürlich auch eine Verbeugung vor dem im Juli 2006 an Krebs gestorbenen Kreativmenschen Syd Barrett, ohne den Psychedelic Rock vielleicht nie so geklungen hätte, wie wir ihn kennen und lieben. Einzig die frühen Singles mag man hier vermissen, die es ja bereits auf eine CD-Edition des Debüts als Bonus geschafft haben. Die finden sich halt teils auf Relicts wieder, das ja mit der nächsten Re-Release-Reihe darauf wartet, neu entdeckt zu werden.

Veröffentlichungstermin: 03.06.2016

Spielzeit: 41:52 Min.

Line-Up:
Syd Barrett – Gitarre, Gesang
Roger Waters – Bass, Gesang
Richard Wright – Orgel, Piano, Gesang
Nick Mason – Schlagzeug, Percussion

Label: Pink Floyd Records / Warner Music

Homepage: http://www.pinkfloyd.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/pinkfloyd

Tracklist:
1. Astronomy Domine
2. Lucifer Sam
3. Matilda Mother
4. Flaming
5. Pow R. Toc H.
6. Take Up Thy Stethoscope and Walk
7. Interstellar Overdrive
8. The Gnome
9. Chapter 24
10. The Scarecrow
11. Bike

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!